Hexen

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Julia, 10. Januar 2007.

  1. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Hallo, ich reihe mich hier mal ein - kennt jemand dieses Buch?
    Lyndal Roper - Hexenwahn
    hier noch zwei ausführlichere Rezensionen:
    http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~EC0F38F4625BB4CB28AA4DE7CABD4F2E5~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    Nachvollzug der Vergangenheit und ihre Aufklärung - Lyndal Ropers barockes Schauspiel "Hexenwahn" und der Sammelband "Wider alle Hexerei" von Sönke Lorenz und Michael Schmidt : literaturkritik.de

    Ich habe zwar schon einiges darüber gelesen, bin mir aber nicht sicher, ob das nun eher der letzte Schrei der Wissenschaft ist oder eher ein feministischer Spätzünder.
    Es würde mich interessieren, was ihr davon haltet, sei es auch nur auf Grund der Rezensionen.
     
  2. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    ist nicht so weit hergegriffen... ähnliche gesellschaftliche Mechanismen werden in "David Signer - Ökonomie der Hexerei" beschrieben... da geht es um modernen Hexenglauben in Afrika.
     
  3. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Eine Nachbarin warf mal meiner Urgroßmutter ernsthaft vor, sie wäre eine. Sie hätte demnach die Hühner dieser Nachbarin so verhext, dass sie keine Eier mehr gelegt haben. Außerdem soll sie Milch erzeugt haben, indem sie ein weißes Handtuch ausgewrungen hat. Der Pfarrer hat sie dann weitergeschickt und jene Nachbarin hat sich dann auch tatsächlich im Kloster Andechs wegen meiner Urgroßmutter beschwert. =)

    Allerdings gab es im Dorf eine sogen. "Gesundbeterin" mit einem großen Garten, in dem sie wohl alle möglichen Kräuter angepflanzt hat. Immerhin konnte sie zumindest 'ne Warze von der Hand meiner Tante "weghexen" (sie war also eine von den Guten :yes:
     
  4. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Mein Vater erzählte mir auch noch von einer alten Frau, die er in seiner Kindheit kannte und die im Ort als Hexe verschrien war. Mit ihr wollte so gut wie keiner was zu tun haben und die Kinder hänselten sie regelmäßig. Allerdings hielten sie immer Abstand von ihr. Es gibt da auch ein paar Geschichten um ihre Person, die fast immer mit Tieren zu tun haben, die sie verhext haben soll. So sollen Kühe und Schafe auch einen großen Bogen um sie gemacht haben.

    Ich selbst habe einmal, instinktiv einem Aberglauben folgend, eine fremde Frau zurückgestoßen, die bei meiner Tochter zu dicht in den Kinderwagen schauen wollte. Ich glaube jetzt nicht direkt an den bösen Blick, aber sicher ist sicher.

    Der Begriff Hexe ist gar nicht so wichtig. Früher gab es für Hexen durchaus auch andere Namen, die regional sogar häufiger benutzt wurden. So kam hier in Norddeutschland der Name Toversche oder Böterin sehr oft vor und wurde auch so in den Gerichtsprotokollen benutzt.
     
  5. Murasaki

    Murasaki Neues Mitglied

    Ich finde es erschreckend wie abergläubisch die Leute damals waren.
    Die Leute konnten sich Naturkatastrophen und Ernteausfälle eben nicht anders erklären.
    Man war sich damals sicher, dass da nur böse Kräfte ihre Finger im Spiel haben können.
    Ein Sündenbock war schnell gefunden.
    Man konnte ziemlich schnell im Verdacht geraten, ganz besonders wenn man irgendwelche Feinde hatte.
    Ein anonymer Hinweis konnte schon genügen.
    Und sicherlich trug auch „Der Hexenhammer“ dazu bei den Aberglauben der Leute zu schürren.
    Denn selbst gelehrte Menschen glaubten an Hexen.
    Das schlimmste ist aber das die Hexenverfolgung in einigen Ländern (in Afrika) noch immer nicht der Vergangenheit angehört.
     
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  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Wieso erschreckend?
    Oder anders gefragt: Findest Du den folgenden Sachverhalt dann ebenfalls erschreckend bzw. gilt das nur für die Leute "damals"?
    Von Planet Wissen - Aberglaube im Alltag

    Anm.: Im Übrigen ist es bzgl. Aberglauben so eine Sache, denn als Gegensatz zu dem, was ein aufgeklärter und gebildeter Mensch vernunftsgemäß glauben darf, ist die Definition recht modern. Ursprünglich bezeichnete Aberglaube einen Glauben, der dem als rechten Glauben angesehen Glauben gegenüberstand sowie als irrational o.ä. und nicht gleichwertig angesehen wurde.



    Da sind zwar einige richtige Punkte dabei, aber ganz so einfach ist es nun auch wieder nicht - vgl. dazu die in folgendem Beitrag dreifach (in Einzelteilen im zitierten Beitrag von Tekker sowie als Gesamtarbeit einmal als Posting in einer Newsgroup und einmal als PDF) referenzierte Abhandlung: http://www.geschichtsforum.de/350259-post9.html

    So schlimm das ist, wollen wir aber aktuelle Zustände hier nicht ausdiskutieren... :fs:
     
  7. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich glaube, dass man die Erscheinung Hexe und deren juristische Verfolgung nicht einfach nur mit dem Aberglauben erklären kann. Da spielen sehr viele soziale Faktoren eine Rolle. Mit einer Hexe hat man auch sehr schnell einen Sündenbock, der für so manchen Mißstand herhalten muss. Es ist sehr bequem und beruhigt ungemein die Seele, wenn man jemandem die Schuld geben kann. Erst das Suchen nach einem Schuldigen für eine Mißernte oder ähnliches gibt dem Aberglaube eine Daseinsberechtigung. Es sind Mißstände in der Gesellschaft, eigenes Unvermögen oder Angst. Letzteres sollte man nicht unterschätzen. Angst erzeugt oft eine irreale Sichtweise. Wenn diese Angst dann noch durch lebensbedrohende Umstände oder Verluste erzeugt wird, kann es böse werden. Da ist dann der Aberglaube Mittel zum Zweck und wird bis ins Monströse aufgebauscht. Dann beginnt die Nacht der langen Messer oder man zündet Menschen auf Scheiterhaufen an.
     
  8. horatio

    horatio Gast

    Also wenn du mich so fragst.
    Hexenverbrennungen sind von der Kirche aus gegangen da ja alle monarchischen Staaten kaiser und sowas hatten und somit auch die Kirche den Staat leitete.
    Somit ist die Kirche schuld an Hexenverbrenunngen da sie angst hatten sie dass die (nicht)Hexen die Bibel übersetzen könnten und das Volk sich danach gegen die Kirche stellt.

    Was aber eine falsche feststellung ist da die Bibel bereits übersetzt war von Martin Luther.

    Eine 2. Begründung sagt aus dass die Kirche dem Volke angst machen würde damit sie sich nicht mit schwarzer Magie (Alchemie, usw.) beschäftigen.
    Warum das so gewesen sein soll weis ich leider auch nicht.
     
  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Nimm es mir an der Stelle bitte nicht übel, aber Du solltest Dich erst einmal genauer in die Diskussionen hier im Forum bzw. in die Thematik selbst einlesen, bevor Du gleich zum Einstieg solche "Weisheiten" zum Besten gibst.

    In diesem Sinne dennoch willkommen im Geschichtsforum :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. November 2009
  10. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    @) Horatio: Da erhebt sich doch die Frage, wer konnte beispielsweise um 1450 - außer Mitgliedern der gehobenen resp. gebildeten Gesellschaft - überhaupt lesen? Doch nicht der gemeine Mann - in diesem Fall die Frau, die so `ne Hexe nun mal ist, nöch. Ob nun bei der Hexenverfolgung oder der Verfolgung anderer Gruppen sog. Minderheiten: Es geht immer um Machtspiele. Macht kann über Unwissende ausgeübt werden, wenn die durch das Wissensdefizit des Unwissenden ausgelösten undifferenzierten Ängste durch die Mächtigen oder auch nach Macht strebenden geschürt werden. Bei den Hexenverfolgungen ging es letztlich um Macht über die Frau, es ist kein Zufall, dass gerade Hebammen, die das "Geheimnis" von Schwangerschaft und Geburt kannten, oft der Hexerei angeklagt wurden. Weitere Ausgeburten des Machtstrebens führten dazu, dass politisch Unliebsame (oder sogar besonders Reiche) mit Hilfe eines Hexenprozesses aus dem Weg geräumt wurden (heute hat man "leider" nur die Presse dafür). Geändert haben sich im Prinzip die Menschen bis heute nicht, man nennt so `ne Hexenjagd heute eben "Mobbing" oder "Bossing" und die Methoden sind etwas ausgefeilter und differenzierter. Da braucht`s auch nicht die vielgeschmähte Kirche zum Sündenbock, das macht jeder Mensch für sich alleine. Da kehre jeder mal vor seiner eigenen Türe (und wenn`s mit dem Hexenbesen ist) oder fasse sich an seine eigene Nase (damit sie nicht lang und krumm werde und von einer Warze besiedelt).
    Dies schreibt eine, die man auch schon Hexe nannte, weil sie Warzen (nach altem Großmutter-Rezept) wegzaubern kann und rote Haare hat, nur die Katze fehlt - dafür gibt`s eine Rottweilerin - schau nur mal "Das Omen" an!!! Hihihi:devil:
     
  11. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich darf doch sehr darum bitten, nicht undifferenziert Fehlsichten wie

    zu kolportieren.

    Siehe dazu HEXENFORSCHUNG archives -- February 2006 (#7) bzw. http://fowid.de/fileadmin/textarchiv/Hexenverfolgungen__Rita_Voltmer___TA-2006-12.pdf
     
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  12. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    Danke für die "neuesten" Forschungsergebnisse, da hat man mich doch glatt 50 Jahre im Großen und Ganzen etwas Falsches gelehrt. Ich bin gespannt, was in dieser Hinsicht die nächsten 25 Jahre (wenn ich die noch durchhalte) an anderen Erkenntnissen bringen.
    Viel Spaß beim Hexen allerseits!

    Gruß Ri :yes:
     
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  13. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Da möchte ich Dir ganz stark zustimmen. Mobbing! Würde im heutigen BGB Zauberei als Strafbestand gelten, würden auch heute noch Hexen brenne. Dazu Folter.. wäre die legal... Also, einem Kinderschänder würde ich auch gerne mal die Daumenschrauben anlegen (meinem Nachbarn vielleicht auch). Und wenn es schon Daumenschrauben für Kinderschänder (und Nachbarn) gibt, warum nicht auch für Vergewaltiger, Raubmörder, Einbrecher, Taschendiebe... Schaufenstergucker?
    Das war jetzt keine Statement für Pädophile, ganz im Gengenteil, ich habe sie nur benutzt.
    Weicht ein wenig von der Historie ab, aber der Mensch bleibt der.. gleiche?
     

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