Königskrönung Heinrich II.

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Simon, 29. August 2009.

  1. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Um noch einmal auf das eigentliche Thema: Königserhebung Heinrichs II. zurückzukommen, fällt mir ein sehr guter Aufsatz von Steffen Patzold ein, der vor wenigen Jahren dazu erschienen ist. Den Titel habe ich selbstverständlich vergessen (werde beizeiten aber nachschauen und hier posten, sofern das Interesse darüber besteht).
    Grob gesagt ist er der Ansicht, dass sich Fragen nach Erb- oder Wahlrecht seinerzeit nicht gestellt haben, da es relativ wenig Schriftlichkeit im 10./11. Jahrhundert gab und zu allem Überfluss keinerlei Rechtstexte; die Rechtsmentalität baute auf Rechtsgewohnheiten auf. Und nach vier (bzw. drei, wenn man Johannes Fried zustimmen mag) Nachfolgerdesignationen war es gängige Rechtsmentalität, dass der Vorgänger den Nachfolger zum König designierte, unerheblich, wie genau diese Mentalität entstand.
    Das Problem: Otto III. hat niemanden designiert. Darum wusste man auch nicht, wie man bei der Erhebung eines neuen Königs vorgehen sollte. Heinrich II. hat letztlich nach einiger Zeit zäher Verhandlungen die Initiative ergriffen und sich zum König krönen lassen. Damit waren Fakten geschaffen. Weder die Wahl durch Große, noch seine (sehr weitläufige) Verwandtschaft mit Otto III. waren ausschlaggebend.
    Ich halte den Aufsatz für sehr überzeugend. Leider gibt es nichts mehr zu dem Thema Königserhebungen im 10./11. Jahrhundert vor dem Hintergrund bloßer Rechtsgewohnheiten und einer arg flexiblen Rechtsmentalität, was in dieselbe Kerbe schlagen würde; ein Forschungsdesiderat sozusagen.

    Achja, der Aufsatz lautet:

    Steffen Patzold, Königserhebungen zwischen Erbrecht und Wahlrecht? Thronfolge und Rechtsmentalität um das Jahr 1000, in: DA, Band 58 (2002), Seite 467-507.

    Die kleine Johannes-Fried-Anspielung beruht auf folgenden Aufsatz:

    Johannes Fried, Die Königserhebung Heinrichs I. Erinnerung, Mündlichkeit und Traditionsbildung im 10. Jahrhundert, in: Mittelalterforschung nach der Wende 1989. Herausgegeben von Michael Borgolte (HZ Beihefte, N. F. 20). München 1995, Seite 267-318.

    Ich hoffe, damit in irgendeiner Form weitergeholfen zu haben.
     
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