Kokain-Prozesse während des Dritten Reichs inkl. Transkriptionen von Urteilen

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Jackpot, 21. Februar 2020.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Unbenannt.jpg

    Ich finde es schwierig. Bei Kokain und bloßen sind wir uns einig. Ich finde die Ähnlichkeit zum -ß- in bloßen zwar nur unwesentlich aber doch ingesamt etwas größer als zum -k- in Kokain. Nur gibt es eben kein Wort, dass mit ß- beginnt.
     
  2. Jackpot

    Jackpot Neues Mitglied

    Hallo,
    folgender Sachverhalt zu dem ich mal gerne einige Meinungen hören würde:

    Im Herbst 1936 lernte der 20jährige Schweizer Emil Koller den etwas älteren Ferdinand Burch kennen. Einige Zeit nach ihrem ersten Treffen kam Burch auf Betäubungsmittel zu sprechen, mit denen viel Geld zu verdienen sei und befragte Koller nach dessen Beziehungen in dieser Richtung. Koller konnte keine entsprechenden Kontakte vorweisen, stellte aber Erkundigungen an und brachte schließlich Anfang 1937 in Erfahrung, dass eine Firma Merck in Höchst [sic] Kokain herstellen und auch verkaufen würde. Burch stellte Koller daraufhin den 35jährigen Ernst Schmid vor, welcher bereits mit Kokain zu tun gehabt hatte und seit 1934 mit Burch in Kontakt stand. Man vereinbarte, dass Koller und Schmid zusammen nach Höchst zur Besorgung des Kokains reisen sollten. Die Finanzierung wollte Schmid übernehmen, welcher das nötige Kapital von weiteren Hinterleuten erhielt. Die Organisation des Schmuggels über die Grenze und der spätere Weiterverkauf des Stoffes oblag Burch.
    Am 12.03.1937 brachen Koller und Schmid von Zürich Richtung Frankfurt a.M. auf und trafen dort am nächsten Tag ein. Koller orderte für sich alleine ein Taxi und verlangte, zur Firma Merck in Höchst zu fahren. Obwohl der Taxifahrer ihn auf seinen Fehler hinwies, dass sich Merck in Darmstadt befände und in Höchst die I.G. Farbwerke, ließ sich Koller nach Höchst bringen. Beim dortigen Pförtner erkundigte er sich nach Pharmazeutika, welcher ihn zum Hauptverkaufsbüro in Frankfurt verwies. Dort angekommen verhandelte Koller mit einer Direktionssekretärin, die ihn darüber aufklärte, dass die I.G. Farbwerke kein Kokain herstellten, sondern nur Merck in Darmstadt. Außerdem sprach sie ihm gegenüber die Warnung aus, dass Kokain in Deutschland dem Opiumgesetz unterstehe. Koller erwiderte, dass Kokain sehr wohl erwerbbar sei, wenn man wisse wie und auf welche Weise.
    Koller begab sich zurück zu Schmid und bewog ihn unter falschen Angaben dazu, mit ihm weiter nach Darmstadt zu reisen. Dort suchten beide die Firma Merck auf, wo Koller den Leiter der Verkaufsabteilung zu sprechen verlangte. Er wurde zum Prokuristen Heime weitergeleitet, dem er kurzerhand erklärte, regelmäßig größere Mengen Kokain kaufen zu wollen. Koller schilderte Heime auch, wie das Kokain angeblich ins Ausland verschoben werden sollte. Fürs Erste erbat er sich eine Probe Kokain, um diese seinem angeblichen Auftraggeber vorzuzeigen. Die Firma Merck lehnte die Geschäfte ab und informierte die Polizei, die Koller und Schmid festnahm.
    Bei ihrer Befragung machten beide Männer falsche Angaben und spielten die Sachverhalte herunter. Über die Illegalität ihres Tuns waren sie sich zumindest in Teilen bewusst, erhofften sich aber in Deutschland leichter an Kokain zu kommen.


    Dazu stellen sich mir ein paar Fragen:
    Warum hat die Gruppe nicht mal ins Lexikon gesehen und nachgesehen, ob Merck wirklich in Höchst ist?
    Warum wollte Koller weiter machen, obwohl er herausgefunden hatte, dass seine Informationen nicht stimmen?
    Wenn Kokain wirklich einfach zu kaufen gewesen wäre, hätte man es doch einfach per Brief bestellen können oder nicht?

    Vielen Dank
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Kannst du bitte deine Quelle nennen. Danke
     
  4. Jackpot

    Jackpot Neues Mitglied

    Oh sorry, das ist aus einer Akte zu einem Vergehen gegen das Opiumgesetz im Staatsarchiv Darmstadt. Die ist online aber nicht einsehbar, ich habe sie hier zusammengefasst.
     
  5. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Vermutlich hatte Koller keinen Zweifel an seinen Informationen. Ohne Zweifel gibt es auch keinen Anlass zur Überprüfung.

    Nur ein Teil seiner Informationen erwies sich als falsch und er hatte ja bereits in die Sache investiert. Dass Merck Kokain herstellt (und auch verkauft, nur nicht an ihn:p), war ja auch richtig. Anzunehmen, dass alle Angaben einer Quelle falsch sind, weil einige Angaben falsch sind, wäre ja auch ein logischer Fehlschluss.
    Nebenbei bemerkt: Leute die Drogen kaufen wollen, zeichnen sich durch eine gewisse Hartnäckigkeit aus.

    Laut Deiner Zusammenfassung, waren sie sich bewusst, dass, was sie vor hatten, nicht ganz legal war. Ein Brief kommt ja einem Schuldeingeständnis recht nahe. Heute werden Drogengeschäfte ja auch in der Regel persönlich und nicht per Telefon oder eMail verabredet.

    Selbst wenn es völlig legal gewesen wäre, hätte sich ein persönliches Vorstellen angeboten. Man wollte eine regelmäßige, quantitativ nicht unerhebliche Geschäftsbeziehung aufbauen. Ein persönliches Vorsprechen ist da einfach glaubwürdiger und vermittelt, dass die Absichten ernst gemeint sind.

    Nicht ganz ernst: Erinnert mich an "Jeeves and Wooster", wo Tuppy extra nach New York reist, um nur ein Auto zu kaufen. Aber mit der Absicht Allein-Importeur in England zu werden. :D
     
  6. Jackpot

    Jackpot Neues Mitglied

    Ok, danke. Ich hätte da jedenfalls meine Zweifel bekommen.
    Auf die Leute bei der IG und bei Merck machte Koller keinen vertrauensvollen Eindruck. Ich frage mich, warum Burch und Schmid ihm dann geglaubt haben.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Merck war (bzw. ist) ein seriöses Unternehmen, Koller, Burch und Schmid waren Kriminelle. Daher verstehe ich deine Irritation nicht ganz.
     
  8. Jackpot

    Jackpot Neues Mitglied

    Weil man auch als Krimineller eine gewisse Menschenkenntnis hat und einen 20jährigen Lügner durchschauen kann.
     

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