Lebten Jäger-Sammler besser als Bauern?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Idomenio, 19. Juni 2017.

  1. Tom

    Tom Mitglied

    Hab grad noch das gefunden:

    LiVES • Institut für Prähistorische Archäologie • Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften

    Warten wir also ab, was dabei rauskommt. Wobei es bei „Lebensstandard“ immer auch um Lebenserwartung, Todesursachen, Häufigkeiten von Seuchen und Hungersnöten, Häufigkeit gewaltsamer Konflikte und mehr geht. Also eine sehr komplexe Sache. Ein Indikator für dergleichen sind allerdings auch die jeweiligen ideologischen Vorstellungen, soweit man sie heute noch rekonstruieren kann.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Eben. Die Auswirkungen sind seit einigen Jahren in der internationalen Forschung umstritten, wie oben dargestellt.

    Nichts anderes ist hier Gegenstand der angekündigten Untersuchungen, zB
    "Hier deutet sich an, dass sich die Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten am Übergang von der überwiegend sammlerisch-jägerischen Lebensweise des Paläo-und Mesolithikums zur überwiegend pflanzenbauenden und viehhaltenden Lebensweise ab ca. 10 000 v. Chr. nicht allerorts, wie frühere anthropologische Untersuchungen (Angel 1946; Cohen - Armelagos 1984; Larsen 1995; Mummert et al. 2011) vermuten ließen, in gleicher Weise auf das Körperwachstum auswirkten. So bewegen sich im ägäischen Raum die Körperhöhen in der gesamten Vorgeschichte auf einem eher niedrigen Niveau, wohingegen im Balkan ein Abwärtstrend der Körperhöhen beider Geschlechter bereits vor der Neolithisierung einsetzt"

    Dazu kommen in betrachteten Regionen Umwelteinflüsse, populationsgenetische Effekte aus den Wanderungsbewegungen (sozusagen ein Austausch "größer gegen kleiner"), etc.

    Der Aspekt ist viel zu komplex für die früheren einfachen Antworten in Richtung "Landwirtschaft=Größenreduktion".
     
    Dion gefällt das.
  3. sybok

    sybok Neues Mitglied

    Ich habe in der Zwischenzeit versucht, die Sache mit dem abnehmendem Hirnvolumen ein bisschen nachzugehen. Auch hier scheint es komplexer zu sein. Offenbar scheint das ein allgemeines Phänomen zu sein, denn man hat offenbar auch bei nicht ackerbauenden Völkern wie bspw. den Aborigines ein Abnehmen des Hirnvolumens festgestellt.
    In einer Kommentarspalte zu einem entspr. Artikel hat ein User dazu eine wie ich finde interessante Hypothese aufgestellt:
    Das Gehirn sei ständig gewachsen, bis es eine "maximale" Grösse bzgl. Effizienz erreicht habe ("Denkleistung" zu Energieaufwand Verhältnis). Um die "Denkleistung"/Intelligenz weiter zu steigern musste an anderer Stelle optimiert werden, nämlich bei der Signalkanal-Länge (kürzere Verbindungen = schnellere Übertragung = erhöhte kognitive Fähigkeiten).
    Soweit ich das aber bisher gelesen habe, ist diese Problematik aus streng wissenschaftlicher Sicht nach wie vor ein Mysterium und nicht eindeutig als Malus der neolithischen Revolution klassifizierbar.
     
  4. Tom

    Tom Mitglied

    Hab ich auch schon gelesen. Bleibt meinem historischen Pessimismus nur die Berufung auf Ideologie und Zahl der Konflikte und so was. (Ich find ja eigentlich auch, das früher alles besser war und nur die frühe Steinzeit richtig schön war. ;))
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Allgemein, weil auch ein schon längerer Prozess.

    Ganz aktuell hier:
    The Human Brain Has been Getting Smaller Since the Stone Age - The Crux

    Seit den 80ern wird das wohl verstärkt untersucht. Es gibt seitdem eine ganze Palette von Hypothesen zur Erklärung.
    Nix Genaues weiß man nicht. :D
     
  6. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Kaum verwunderlich, wenn die Hirne dabei sind kleiner zu werden - irgendwann zukünftig lautet's bezüglich Wissensstand dann wohl: genau nix! :p
     
  7. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Die Größe des Gehirns sollte schon auf die Körpergröße bezogen werden. Und auch die Größe des Körpers sagt wenig über die Fitness aus, sondern eher über die Anpassung an die jeweilige Umgebung, was sich in den Genen wiederfindet. Optimale Ernährung bewirkt in der Regel nur das Wachstum bis zu der in den Genen festgelegten Größe und nicht darüber hinaus.

    Dass z.B. Südeuropäer durchschnittlich kleiner sind als die Nordeuropäer, bedeutet wahrscheinlich: Kleinere Menschen waren/sind auf das Leben südlich der Alpen besser angepasst als große.

    Um zum Ursprungsthema zurückzukehren: Die neolithische Revolution hat nicht nur stattgefunden, sie war auch erfolgreich – der Beweis dafür sind 7 Milliarden Menschen, die heute auf der ganzen Welt leben. Der Mensch kann vor allem dank der Nahrungsproduktion und der Vorratshaltung, die beide vom Prinzip her im Neolithikum erfunden wurden, heute in ganz unterschiedlichen Umgebungen, von der Arktis bis in den Tropen, in den Bergen wie in den Niederungen, in trockenen wie in feuchten Gegenden leben.

    Auch manche der mit den geänderten Ernährungsgewohnheiten einhergehenden Krankheiten (z.B. Karies) haben wir überwunden, andere (z.B. Diabetes) noch nicht, wobei diese letzte Krankheit mit dem Überangebot an kohlenhydratreichen Nahrung zusammen hängt, nicht an der Nahrung an sich.

    Was ich sagen will: Evolution, die kein Falsches und kein Richtiges kennt, dauert an.
     

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