Gut, dann ist ja geklärt, wer hier den Kontext "Heiligenverehrung~Vielgötterei" verlässt.
Für mich nicht, denn mir erschließt sich nicht, worauf Deine Kritik abstellt. Der von der Reformation vorgebrachte Vorwurf, die Katholiken betrieben mit ihrer Heiligen- und Marienverehrung Vielgötterei und Idolatrie, fand in diesen Faden Eingang, weil er vor dem Hintergrund des Kulturkampfs die Möglichkeit geboten hatte, das harte staatliche Vorgehen gegen die Marpingen-Pilger weiter zu rechtfertigen: Hier der rechtgläubige aufgeklärte Staat, dort die fehlgeleiteten aufrührerischen Landeier.
Es wurde die Vermutung aufgestellt, dass der Mensch vielleicht eine Art Bedürfnis nach polytheistischen Glaubenspraktiken hätte, sei es von Natur aus, sei es, dass dieses im Zuge des Übergangs vom Poly- zum Monotheismus irgendwie überdauert hätte. In diesem Zusammenhang wies ich darauf hin, dass sich die frühe Kirche mitunter tatsächlich bemühte, den Polytheisten eine Brücke zum Monotheismus zu schlagen—zum Beispiel dadurch, dass man heidnischen Göttern gewidmete Feiertage, also Elemente der polytheistischen Religion, übernahm und bloß mit christlichem Anstrich umdeutete.
Die Wirkmächtigkeit des Briefs Gregors des Großen hatte ich anscheinend überschätzt, sehe aber nicht, wo sonst das Problem besteht. Wenn ein Papst zu dem Schluss kommt, dass es klüger wäre, heidnische Opferfeste nicht abzuschaffen, sondern als (folglich neue, zusätzliche) christliche Feiertage umzuwidmen, um somit den Neubekehrten den "Umstieg" zu erleichtern, ist das jedenfalls ein Indiz für ein "polytheistisches Bedürfnis". Nicht mehr, nicht weniger wollte ich aussagen.
Wehrlose harmlose katholische Pilger mit Bayonetten anzugreifen, wird hier im yforum gutgeheißen.
Niemand hat das hier gut geheißen, das ist blanke Übertreibung. Allenfalls hat
@Pardela_cenicienta Verständnis für jene geäußert, die Marienerscheinungen als Hokuspokus abgetan haben, das ist sein gutes Recht.
Übrigens solltest Du, bei aller berechtigten Empörung über den preußischen Verfassungsbruch, den zeitlichen Kontext genauer berücksichtigen. Die Ereignisse von Marpingen haben eine politische Komponente, die über die religiöse hinausreicht. Im späten 19. Jahrhundert wurde ziviler Ungehorsam auch in wesentlich fortschrittlicheren Staaten als Preußen mit Knüppel, Gewehrkolben und Bajonett beendet.
Persönlich empfinde ich es als weit bemerkenswerter, wie lange sich die preußische Exekutive sträubte, ihre Niederlagen vor der Judikative zur Kenntnis zu nehmen. Dass sogar der Landtag intervenieren musste, zeigt, wie schwach der Konstitutionalismus in Preußen ausgeprägt war.
Ich werde das später noch zitieren.
Und warum nicht sofort?
Das erinnerst mich, nichts für ungut, an meinen kleinen Neffen: "Ich kenn Dein Geheimnis!"—"Achso? Und was ist mein Geheimnis?"—"Sag ich nicht!"