Mithraismus als Vorlage des Christentums?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von daimos, 18. November 2004.

  1. daimos

    daimos Neues Mitglied

    Kann es vielleicht sein, dass der im Römoschen Reich weitverbreitete Mythenkult des Mithraismus als Vorlage des Christentums diente? Verblüffend viele Gemeinsamenkeiten tauchen zwischen diesen beiden Religionen auf:
    • Mithras wurde von einem Vatergott ausgeschickt, um als Weltretter das Dunkle und Böse in der Welt zu überwinden.
    • Mithras wurde von einer Jungfrau in einer Felshöhle (nach anderer Überlieferung in einem Stall) geboren; bei seiner Geburt waren Hirten und Tiere anwesend.
    • Mithras hielt mit 12 seiner Anhänger ein letztes Abendmahl bevor er starb, wurde begraben, und auferstand von den Toten.
    • Mithras wurde als "der Weg", "die Wahrheit", "das Licht", "der Sohn Gottes" und "der gute Hirte" bezeichnet, und wurde oft ein Lamm auf seinen Schultern tragend abgebildet.
    • Als "Sol invictus" wurde Mithras mit einem Strahlenschein dargestellt (vgl. Heiligenschein).
    • die Mithraisten glaubten an Himmel und Hölle, an ein Jüngstes Gericht, eine Auferstehung der Toten und eine Wiederkehr Mithras zur endgültigen Überwindung des Bösen.
    • die Mithraisten feierten ein Taufritual zur Aufnahme in die Religionsgemeinschaft.
    • die Mithraisten feierten wöchentliche Gottesdienste am Sonntag.
    • die Mithraisten feierten ein Abendmahl mit Brot und Wasser oder Wein.
    • das Kreuz war ein wichtiges mithräisches Symbol.
    • die beiden größten mithräischen Feste feierten die Geburt Mithras am 25. Dezember und den Tod und die Auferstehung Mithras zur Frühlings-Tagundnachtgleiche (vgl. Weihnachten, Ostern).
    • Der höchste Priester des Mithrakults wurde "Papa" genannt und trug als Amtszeichen eine rote phrygische Mütze (die "Mitra", der Vorläufer der Bischofsmütze), ein rotes Gewand, einen Ring und einen Hirtenstab, so wie auch die ersten christlichen Päpste.
    Hinzu kommt eine Zahlenmystik, wie wir sie aus dem Christentum kennen, so z.B. die Bedeutung der (griech.) Buchstaben:



    M E I D R A S

    ______________________________________
    XL + V + X + IX + C + I + CC = CCCLXV
    ---------------------------------------------
    40 + 5 + 10 + 9 + 100 + 1 + 200 = 365
    Weiß da jemand mehr drüber?
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

    365, diese Zahl wird auch Abraxas genannt.

    Ich glaube der hl.Augustinus hat über diese Ähnlichkeit sogar ein Buch geschrieben.
     
  3. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied



    • Nach meiner Kenntnis war er der aus dem Felsen geborene Lichtgott, gehört zu den Yazata, seine Geschwister sind der Rashnu und die Daena. Er ist die Sonne, die auf seinem goldenen Wagen von vier weißen Pferden über den Himmel zog. 10000 Augen und Ohren zeugen von seiner Weisheit und der Macht, Siege zu schenken.

      usw.
      Woher stammen diese Infos?
      Ich habe mal im Neuen Pauly nachgeschaut. Da steht von diesen Dingen nicht viel.
      Aber es ist durchaus möglich, dass einige Elemente eingeflossen sind. Doch ein wesentlicher Unterschied zum Christentum ist die Rolle der Frau.

      Die Ähnlichkeit ist aber schon sehr früh aufgefallen, und das Christentum bekämpfte daher den Mithraskult besonders.

      Fingalo
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Grundsätzliches hat fingalo schon angemerkt.
    Die Zahlenakrobatik stammt aus dem New Age Umfeld:
    http://www.datacomm.ch/olhaenzi/roem.civ13.html
     
  6. askan

    askan Neues Mitglied

    New Age? Diese ZAhlenmystik geht auf die Gnossis zurück! irgendwann im 2. Jh.!
     
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Zurück geht Vieles.
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

  9. Mercy

    Mercy unvergessen

    Schon klar, aber nix Genaues weiss man nicht.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    ??????? Bogumilen,Manichäer, Katherer, sie alle haben aus diesen Trog gesoffen!
     
  11. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Mithras

    @ daimos
    Ja, das Christentum hat dem Mithras-Kult viele Grundzüge entlehnt. Immerhin war der Glaube bei der Ausbreitung des Christentums weit im Imperium verbreitet. Der Geburtstag Christus' auf den 25. Dezember sowie der freie Sonntag wurde erst von Konstantin d. Gr. festgelegt, der ja, bevor er zum Christentum konvertierte, selbst Anhänger des Sol-Kults war.

    Zur Geschichte des Mithras-Kults möchte ich noch folgendes ergänzen: In der Avesta (der heiligen Schrift der Parsen) wird Mithras als oberster Gott und Weltherrscher dargestellt. Dem Mythos zufolge soll er den göttlichen Stier getötet haben, aus dessen sterbendem Körper aller der Menschheit nützlichen Pflanzen und Tiere entsprungen sind. Deshalb auch das Aufnahmeritual der Bluttaufe (bei reicheren Leuten mit Stier, bei ärmeren mit Schaaf od. Ziege (kann mich nicht mehr genau erinnern...))
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2004
  12. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Sol-Kult ist nicht gleich Mithras-Kult. Dass Konstantin den Sonnengott als Schutzgott hatte, besagt nicht, dass er Mithras-Myste war.
    Der Panegyricus von 310 lässt einen sicheren Rückschluss nicht zu. Die Redner mussten ja bei jedem Panegyricus von früheren Rednern abweichen. Außerdem hatten sie dem Herrscher als Mensch ein langes, als Gott ein überlanges Leben zu wünschen. Das gehörte zum Repertoire. Bei der Notwendigkeit, seine Huldigungen kreativ vorzubringen, verfiel der Redner von 310 auf die Idee, eine Gottheit selbst die Lebenserwartung Konstantins verkünden zu lassen. Da jeder Myste die Gottheit (Sonne / Apoll /Mithras) in einem Mysterienkult sehen und erleben kann, geht der Redner nun ohne Probleme davon aus, dass Konstantin, der selbst ein Gott ist, Apoll gesehen hat. Die Forschung debattiert nun darüber, ob Konstantin tatsächlich eine solche Erscheinung gehabt oder diese aus politischen Gründen erfunden, ob es eine literarische Fiktion des Redners oder eine Inszenierung von Priestern zu Ehren Konstantins gewesen sei.
    Konstantin hatte sich offenbar unter den Schutz des Sonnengottes in der Gestalt des Apoll begeben bezw. sich als dessen Inkarnation verkündet. Dies ermöglichte dem Festredner, einige der in solchen Ansprachen erwarteten Themen an die Person dieses Gottes zu knüpfen.

    Im übrigen muss der Mithraskult nicht der einzige Mysterienkult gewesen sein. Es gibt sogar Anzeichen für einen Mysterienkult mit dem Kaiser als Mittelpunkt. Dies wird z.B. an der Parallelität der griech. Wörter "hierophantes" und "sebastophantes" festgemacht. Der hierophant war eine Gestalt aus den Mysterienkulten der Eleusis. Bei der Initiation der neuen Mysten sprach er jene geheimnisvollen Worte, die nicht an Uneingeweihte weitergegeben werden durften. Dann zeigte er den Mysten, den Eingeweihten, die heiligen Gegenstände [siehe Foucart, Les mystères d'Eleusis]. Analog dazu dürfte der Sebastophant ein Priester gewesen sein, der das kaiserliche Bild, also Götterbüsten der Herrscher, zeigte.

    Fingalo

    Aber vielleicht führt das vom Thema ab :still:
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2004
  13. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Mithras

    @ fingalo

    Wurde nicht Mithras ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. als Sonnengott verehrt? Soweit ich mich erinnern kann, war der Sonnenglaube der Spätantike Mithras-Kult, mit der Sonne als Symbol des höchsten Gotttes.
    Mit der "Erscheinung" von Konstantin hast du recht. Schon bevor er die Erscheinung des Christogramms hatte, hatte er angeblich den Sonnengott und die Victoria erblickt.

    Dito :hoch:
     
  14. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Richtig.
    Man kann salopp formulieren: Jeder Mithras-Kult ist einen Sonnen-Kult, aber nicht jeder Sonnen-Kult ist ein Mithras-Kult.
    Nicht alle, die Sol anbeteten, waren auch schon deshalb Mysten.

    Fingalo
     
  15. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Noch etwas grundsätzliches möchte ich bemerken: Nicht jede Parallele ist eine Übernahme. Das Repertoire religiöser Verehrung ist ziemlich klein. Geschlechter gibt's nur zwei. Familiäre Strukturen sind auch eindeutig. Also "Vatergott mit Sohn" kann an mehreren Stellen entstehen. Die zeitliche Reihenfolge besagt nichts über Übernahme. Auch Kulthandlungen sind begrenzt variabel. Das beweist und widerlegt eine Übernahme nicht. Es gibt eindeutige Übernahmen im Christentum - ohne Frage. Aber man muß damit rechnen, dass sie sozusagen "erzwungen" sind, indem man bestimmte metaphysische Verhältnisse allgemeinverständlich darstellen will. Dann bleibt gar nichts anderes übrig, als auf vorhandene Bilder zurückzugreifen, wenn man verstanden werden will.
    Man kann das am besten bei den Vorstellungen vom Himmel, die ja von der Religion nicht festgeegt sind, beobachten. Bei den Völkern fließt Milch und Honig, bei den christianisierten Vikingern musste auf jeden Fall Schafsschmalz in Fülle dabei sein. Die Walhallvorstellungen spiegeln - wahrscheinlich auf christlichem Einfluss - ein ewiges Gelage (Der christliche Einfluss besteht nicht im Gelage, sondern dass man sich für den tapferen Kämpfer einen Ort der Seligkeit ausdachte.) Die Symbolik ist im allgemeinen so naheliegend, dass jeder in die gleiche Kiste griff, um seine Vorstellungen deutlich zu machen. Die Vorstellungen sind einfach in einer Kultur virulent und prägen sich dann in den verschiedenen Relgionen aus.
    Es ist wohl kaum so, dass ein Markus in einen Mysterienkult geht, dort sieht, wie ein Gottessohn igeboren wird, nach Hause geht und sagt; "Au ja, das mach' ich auch - gute Idee!"

    Fingalo
     
  16. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Hallo, ich bin sehr überrascht von diese Übereinstimmungen zwischen Mithras-Kult und Christentum zu hören. Sehr interessant.

    Ich muß gleich zugeben, daß mein Wissen über Kulte im Orient sehr begrenzt ist. Es ist aber doch wohl so, daß schon im Judentum viele Strömungen vorhanden waren. Man hört u.a. vieles von Essenern und anderen. Natürlich wird nicht alles überliefert sein. Ich las vor kurzem, daß auch die jüdische Religion noch lange Zeit nicht so monotheistisch war, wie uns die Thora und die Bibel glauben machen wollen. D.h. also die Beeinflussung anderer Religionen könnte in einigen Gruppen größerer sein als es uns erlaubt war zu wissen. Bekannt ist heute, daß gerade unter Paulus eine bewußte Trennung von Judentum und Christentum einsetzte. In den folgenden Jahrhunderten haben dann im Römischen Reich viele Einflüße auf das Christentum eingewirkt, daß selbst erst durch mehrere Konzile zum heutigen Christentum weiterentwickelt wurde. Mehrere christliche Feste sind möglicherweise aus dem Heidentum entnommen. Ostern, Weihnachten, Allerheiligen u.v.m
     
  17. Marbod

    Marbod Mitglied

    Zu Sol und Mithras will ich auch noch kurz anmerken, dass es im Laufe der Verehrung ja zu einer Art Symbiose in der Mytholgie des Mithraskultes mit dem Gott Sol kam.
    Bemerkbar wird dies durch das Bildnis von Mithras mit Sol beim Opfermahl. Sol wird dabei auffällig in die Mitte des Bildes gerückt. Interpretiert wird dies nicht als eine Art Wachablösung, sondern als eine Initiierung des Sol durch den Gott Mithras. Schön zu sehen ist dies auf dem Mithrasschrein von Nida-Heddernheim, der übrigens zweiseitig ist. Auf der einen Seite wird das Stieropfer dargestellt, auf der anderen Seite das Mahl mit Sol. Eingefasst ist der Altarstein in einem Rahmen und lässt sich je nach Bedarf auf Vorder- oder Rückseite drehen. Ist ein tolles Ding!
     
  18. hyokkose

    hyokkose Gast

    Gerade die Bibel ist eine hervorragende Quelle über die Verehrung diverser Gottheiten im alten Israel Schwange waren. Über den prominenten König Salomo heißt es z. B.:

    "Er verehrte Astarte, die Göttin der Sidonier, und Milkom, den Götzen der Ammoniter. [...] Damals baute Salomo auf dem Berg östlich von Jerusalem eine Kulhöhe für Kemosch, den Götzen der Moabiter, und für Milkom, den Götzen der Ammoniter" (1. Könige 11)
     
  19. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Ja, die Abweichler vom rechten Pfad werden bei der Anbetung fremder Götter erwähnt. Ich meinte aber eben die jüdische Religion. Es finden sich mehrere Bezeichnungen für Gott in der Bibel, so daß es Vermutungen gibt, daß es eine Mehrzahl "jüdischer" Götter gab, die sich erst spät zu dem einen entwickelt habe. Jahwe selbst soll einst Sturm- und Wettergott gewesen sein. Ich erinnere mich leider nur schwach an einen Spiegel-Bericht.
     
  20. askan

    askan Neues Mitglied

    Den habe ich auch gelesen. Dort wird Jahwe als kanaanitische Sturmgottheit identifiziert. Baal...irgendwas. Ich glaube Baal Zephon (später als Beelzebub verballhornt) bei Mose wird ständig ein Heiligtum von ihm im Sinai erwähnt.
     

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