Mithraismus als Vorlage des Christentums?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von daimos, 18. November 2004.

  1. askan

    askan Neues Mitglied

    Das ging soweit das aus einer jüdischen Offenbarungsreligion ein heidnischer Götzenkult wurde der den Anspruch erhebt sich aus den Evangelien abzuleiten.
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Was bitte ging wieweit? :confused:
     
  3. Tokugawa

    Tokugawa Neues Mitglied

    ne, habe ich auch nicht gemeint, dass christlich sein was schlimmes is, habe das nur angemerkt, da das geschlussfolgert werden könnte, die Annahme aber falsch ist :)

    danke

    MfG
    Tokugawa
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    in bezug auf den letzten Satz meines Vorredners.
     
  5. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Ist das Christentum eine Raubkopie des Mithra-Kultes?

    Das Christentum nur auf den Mithras-Kult zurückzuführen wäre etwas zu kurz gegriffen. Die Religionen der Antike im nahen Osten geben da schon einiges mehr her.

    So lassen sich Auferstehungslegenden bis zu den Sumerern (Dumuzi/Tammuz) zurückverfolgen. (~ 3.000 v. Chr.)

    Auch die Legenden um Noah und die Sintflut sind bereits im sumerischen Gilgamesch Epos enthalten.

    Den Monotheismus und die Gegenpole von Gut und Böse enthält bereits der Zoroastrismus (Ahura Mazda/Ahriman).

    Die Legende um die Entsendung von Gottes Sohn geht vielleicht auf den Mithraskult zurück.

    All das aber deutet darauf hin, dass der christliche Glaube nicht aus dem Nichts erstand, sondern, dass es Vorläufer gab.

    Das sollte man anerkennen, und ggf. auch darüber sprechen.

    mfG Jürgen
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juli 2006
  6. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    "Heidentum" gibt es als Begriff nur als Gegensatz zum Christentum. Juden kannten keine "Heiden". Wer also also das Christentum als "heidnischen Götzenkult" bezeichnet, weiß offensichtlich nicht, was er sagt.
     
  7. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Um's nun kurz zu machen...

    Antwort: Nein. Thema beendet.

    Ausführlich ...

    1. Eine Raubkopie ist ein unzulässiges, getreues Abbild des Originals. Die Entleihung sakraler Vorstellungen ist weder illegal, noch im Christentum derart getreu, dass man von einer Kopie sprechen könnte.

    2. Das Christentum enthält Elemente aus Palästina, Sumer, Ägypten, Babylonien, Rom, Hellas, Germanien, Gallien, Slawen, Mythras- und Zoroastra-Kult, sowie anderen Vorderasiatischen und europäischen Glaubenssystemen. Je nachdem, welchen Zweig des Christentums (Kopten, Katholiken, Mormonen, afro-amerik. Baptisten) wir uns ansehen, wird die Betonung der einzelnen Elemente anders ausfallen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juli 2006
  8. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Der syrische Gelehrte Abu'l Faradsch (1226-1286) schreibt in seiner "Dynastiengeschichte", dass Zarathustra in Babylon ein Schüler des Propheten Daniel war, der um 617 v.Chr. von Nebukadnezar II. aus Juda in das Zweistromland deportiert wurde.
    Es ist ja nicht so, dass das Christentum den Monotheismus erfunden hätte. Er dürfte um 600 v. Chr. in Palästina oder im persichen Raum entstanden sein. Ob gleichzeitig und unabhängig voneinander, ob Zarathustra von den Israeliten drauf gebracht wurde oder die Israeliten von ihm, das lässt sich nur im Wege einer vorgefassten ideologischen Meinung entscheiden.:devil:

    Das gleiche gilt für Himmel und Hölle. Es scheint ein unausrottbares Vorurteil zu sein, dass eine Idee sich ausschließlich durch Überlieferung verbreiten könne. Dass in einer bestimmten großräumigen Kulturstufe die gleiche Idee unabhängig voneinander zeitversetzt an mehreren Stellen auftreten könnte, wird nie in Betracht gezogen. Damit wird dem ersten Menschen, der die Idee hatte, eine gottähnlich geniale Sonderstellung eingeräumt, weil niemandem sonst auf der Welt diese Idee zugetraut wird. Dabei kennen wir aus der modernen Geistesgeschichte genügend Beispiele, wo mehrere Wissenschaftler unabhängig voneinander die gleiche Entdeckung machen, so dass sich dann der allseits berüchtigte Prioritätenstreit entfacht. Dass das gleiche 600 v. Chr. geschehen könnte, wird rundweg ausgeschlossen, was ich nur ideologisch erklären kann. Über die Gerechtigkeit nach dem Tode schreibt der Psalmist nicht in der Weise, dass man daran denken könnte, er habe von Zarathustra irgendwas gehört.
    Aber es ist eine Todsünde wider den heiligen Geist der Aufklärung, wenn man dem jüdisch-christlichen Strang irgendein Fitzelchen Originalität zubilligt - siehe die Überschrift zu diesem thread.

    Jedenfalls war die Lehre Zarathustras nicht so ausgereift, dass sie gegen einen späteren Polytheismus immun gewesen wäre. Unter den Sassaniden kam nämlich ein Obergott namens Zrvan hinzu, der über Ahura Mazda und dem Teufel steht. Da waren die jüdische, christlichen und islamischen Konzepte doch ausgereifter und auch durchschlagskräftiger.


     
  9. askan

    askan Neues Mitglied

    Durchschlagkräftig wurde ich auch sagen, denn der Z. verbot missionarische Tätigkeiten ausserhalb des eigenen Volkes.
     
  10. Tomahawk

    Tomahawk Neues Mitglied

    Mithras-Kult und das Christentum

    Hallo, nach langer Abwesenheit melde ich mich nun auch mal wieder :)

    Ich weis gar nicht mehr warum, aber auf einmal hab ich angefangen etwas brauchbares über den Mithras Kult und seinen Untergang zu suchen. Leider stößt man meist nur auf irgendwelche Verschwörungstheorien, könnt ihr mir ein paar brauchbare Links geben oder Bücher empfehlen?

    Ist es Zufall, dass das Christentum zeítgleich aufstieg, während der Mithras Kult verschwand? War das Christentum im damaligen Rom einfach die "bessere" Religion oder gab es doch eine (verzeiht mir den Ausdruck ich war wohl zu viel auf diesen Verschwörungsseiten) systematische Ausrottung der Mithrasanhänger? Oder ist das Christentum gar nur eine Weiterentwicklung? Viele Bräuche sind ja übernommen worden.

    Grüße

    Philipp
     
  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Reinhold Merkelbach, Mithras (Königstein 1984), gibt einen ganz guten Überblick über die gesamte Geschichte des Kultes und seine Verbreitung im Reich.
     
  12. Tomahawk

    Tomahawk Neues Mitglied

    Danke schonmal für den Buchtip, hat sonst keiner was? :D
     
  13. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich krieg immer rote Sterne bei dem Thema.

    Vielleicht ist der Mithraskult deshalb untergegangen, weil sich die Römer keinen Gott vorstellen konnten, der in einem Stall als Mensch geboren wird, um auf diese weise das Böse in der Welt in Schach halten können. :D

    Ich glaube dieser Abgesandte wurde "Saoshaynt" oder so ähnlich genannt. Er soll der Beherrscher der Endzeit (des 3. Zeitalters) sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. April 2007
  14. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Vielleicht findet man deshalb wenig über der Untergang des Mithras-Kults, weil so wenig darüber bekannt ist.

    Decline and demise


    There is very little information about the decline of the religion. The edict of Theodosius I in 394 made paganism illegal. Official recognition of Mithras in the army stopped at this time, but we have no information on what other effect the edict had. Mithraism may have survived in certain remote cantons of the Alps and Vosges into the fifth century.
    Zitiert aus:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Mithraism

    Hier auch zahlreiche bibliographische Hinweise und Links.
     
  15. Vineta

    Vineta Neues Mitglied

    Hallo miteinander,

    ich selber halte Religionen für Schichtungen. Die allererste und unterste Schichtung ist die Naturreligion bzw. die vergöttlichte Natur (im Sinne von "Kosmos", d.h. sowohl der grünen Natur, als auch der Planetenbahnen, der Sonnenwenden, Mondwechsel u.s.w., je nach geographischer Ausgangslage). Sie ist der Ursprung aller kultischen Verehrung: Heilige Haine, heilige Bäume, Quellheiligtümer und Bergheiligtümer sind ja historisch zahlreich belegt.

    Megalithische Grabformen wie die Dolmen sind indes zu einem großen (wenn auch nicht 100%igen) Anteil nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, vorwiegend von Osten (Sonnenaufgang) nach Westen (Sonnenuntergang) und nach den Sonnenwenden. Auch bei den Pyramiden wird diskutiert, ob sie nicht nach besonderen Sternenkonstellationen ausgerichtet sind - zumindest aber stehen sie in Einklang mit den Himmelsrichtungen. Für mich liegt der Schluss nahe, dass man die Regelmäßigkeit des Naturzyklus (Lauf der Gestirne, Jahreszeiten) ursprünglich als höchstes Maß der Ordnung ansah und dieses Maß als kosmisches Gleichnis auf das Menschenleben (und Sterben) übertrug, sodass auch die Bestattungsbauten danach ausgerichtet waren. Und so, wie die Sonne auf- und unterging und das Licht "starb" und "neu geboren" wurde, so ging man wohl auch davon aus, dass der Lebensfunke / die Seele des Menschen sich neu verkörperte ("ewiger Reigen").

    So ist auch der "aus den Steinen" auferstandene Jesus vielleicht nur die Personifikation eines uralten Glaubens, der schon an den Megalithen und damit im Neolithikum fassbar wird (vgl. die "Seelenlöcher" in einigen Megalithengrabformen, aus denen der "Lebensfunke" zum "Himmel" auffuhr)?

    Immerhin bilden die Sonnenwendpunkte in Nord und Süd und die Tagundnachtgleichenpunkte in Ost und West ein Kreuz über die Erde - das Kreuz im Kreis. Ist dies der natürliche Ursprung der "Kreuzigung" und "unbefleckten Empfängnis" des Lichtes in der Mutternacht des Jahres (21. Dezember) und wurde daraus der unbefleckt empfangene Menschensohn, das "Licht der Welt"?

    Grüße
     
  16. hyokkose

    hyokkose Gast


    Die Kreuzigung war eine besonders grausame und entehrende Todesstrafe, die bevorzugt Sklaven zu erleiden hatten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzigung#Zielgruppen_und_Zweck

    Die Abermilliarden kreuzförmiger Muster oder Punkte, die man durch ein imaginäres Kreuz verbinden kann, haben nicht unbedingt etwas mit einer Kreuzigung zu tun.
     
  17. Dariush Kabir

    Dariush Kabir Neues Mitglied

    Manche Wissentschaftler behaupten, dass Weihnachten vom Mithras-Kult übernommen wurde. Wie auch andere Religionsstifter haben auch die Geistlichen kult -und rituelle Bräuche von der "VorReligion" übernommen.
    Man kann darüber streiten ob Weihnachten wirklich was mit dem Mithras-Kult zutun hat.
     
  18. hyokkose

    hyokkose Gast


    Besser als Streiten wäre es, Belege zu liefern: Welche Wissenschaftler behaupten das, und welche rituelle Weihnachtsbräuche sollen vom Mithraskult stammen?
     
  19. Dariush Kabir

    Dariush Kabir Neues Mitglied

    Paralellen:

    Die Mithras-Mysterien sind/waren eine Soldatenreligion. (Auch die römischen, also kath. Priester verstehen sich als Soldaten Christi.)

    Die Heiligtümer befanden sich unter der Erde in Felshöhlen, kleine Krypten. (Auch „Christus der Sohn Gottes“ wurde in einer Höhle geboren.)

    Die Geburt des Mithra wurde am 25. Dezember, also nach der Überwindung der Finsternis gefeiert. (Hier die Entsprechung zum christlichen Weihnachtsfest.)

    Nach schwierigen Prüfungen für den Adepten, folgte auf die Reinigung und Opferung von Brot und Wasser eine Art Krönung. „Mithra ist meine Krone“ (Auch der Bischofshut wirt Mitra genannt.)

    Mithras, dem Bereich des Lichts zugehörig, fängt den von Ormazd geschaffenen wilden Ur-Stier, tötet ihn, (Christus überwindet das Böse, bei der Versuchung in der Wüste.) so dass mit dem Blut die gesamte Menschheit gesegnet wird.
    Durch diese Heilstat wird Mithras zum Mittler und Heilsbringer.

    (Siehe hierzu angelehnt, auch die Passionsgeschichte des Christentums.)

    Bei der Geburt des Menschen steigt eine unsterbliche Seele durch die Planetensphären hinab und wird dabei mehr und mehr verunreinigt. Während der [Probe-]-Zeit des irdischen Lebens hat die Seele die Möglichkeit, durch moralisches Handeln und Weisheit sich von der Unreinheit zu befreien. Beim Tod des Menschen findet dann ein Kampf zwischen den Geistern des Lichtes und der Finsternis um die Seele statt, und Mithras tritt auf die Seite seiner Eingeweihten, so dass deren Seelen zur Höhe aufsteigen können. (Erlösung aller getauften Christen.)

    Für den Mysten des Mithras-Kultes bestehen 7 Weihestufen, auf denen er zur vollkommenen Bruderschaft aufsteigt.

    (Siehe dazu die 7 Sakramente. Die Taufe ist die Einweihung, also der 1. Grad, weitere Sakramente bedeuten weitere Stufen, wobei die Priesterweihe als höchste Stufe, dem – pater - als religiöser Führer des Mthras entspricht.)

    Wo immer die römischen Soldaten in den ersten Jahrhunderten der christlichen Ära hinkamen und Einheimische einweihten, ließen sie, wenn sie weiterzogen , eine Gemeinde von Mithra-Verehrern zurück, die sich regelmäßig an der Kultstätte, dem Mithräum, versammelten, dessen Dunkel schon rein äußerlich andeutete, in welcher Finsternis der Mensch wandelt, ehe ihm das Licht Mithras , des Sol invictus, der unbesiegbaren Sonne zu Teil wird.

    (Quelle:http://www.esoterikforum.at/forum/showthread.php?t=1178)

    Gruß Darius
     
  20. hyokkose

    hyokkose Gast


    Das Christentum in der Antike hingegen war ganz gewiß keine Soldatenreligion, da die Christen in den ersten Jahrhunderten den Kriegsdienst verweigerten.



    "Soldat Christi" ist für einen Priester eine sehr ungewöhnliche Bezeichnung. Der Begriff war eher im mittelalterlichen Rittertum gebräuchlich; ein Bezug zum Mithraismus ist da aber wohl kaum gegeben.




    Nach gängiger christlicher Vorstellung wurde er in einem Stall geboren.



    Mit "Mithras" hat die Mitra allerdings nicht das geringste zu tun. "Mitra" stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich "Kopfbinde" bzw. "Turban".

    Den Religionsgründer möchte ich mal sehen, der vom Bösen besiegt wurde. Bei der Versuchung in der Wüste tötet Christus weder einen Stier noch sonst irgendein Wesen.

    Wer das geschrieben hat, hat nicht die geringste Ahnung von den sieben Sakramenten. Die Sakramente sind keine "Weihestufen", teilweise schließen sie sich sogar gegenseitig aus (Ehe und Priesterweihe sind wegen des Zölibats nicht kompatibel), und daß man z. B. die Letzte Ölung (bzw. Krankensalbung) erhalten müßte, bevor man zur Priesterweihe zugelassen wird, ist eine geradezu absurde Vorstellung.

    Eigentlich hatte ich nach den von Dir genannten Wissenschaftlern gefragt. Ein Esoterikforum ist sicher keine wissenschaftliche Quelle.

    Ich denke, solche teilweise an den Haaren herbeigezogenen "Parallelen" wird man zwischen zwei beliebigen Religionen finden.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. Mai 2007

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