Naturwissenschaftliche Kenntnisse der Naturvölker

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Repo, 28. Juli 2010.

  1. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Bei Recherchen nach den "Schrauben der Eskimos" bin ich auf eine, für mich, ähnlich erstaunliche Info gestoßen.

    Demnach sollen die Eskimos "hochauflösende dreidimensionale Reliefkarten" angefertigt und benutzt haben.

    Ist hierzu näheres bekannt?
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich zitiere mal:

    aus:
    HELAINE SELIN (Hrsg.): Encyclopaedia of the History of Science, Technology, and Medicine in Non-Western Cultures. 2008:

    "An important aspect of territoriality is the ability to
    communicate conditions of space and place. The Inuit
    are superb cartographers, able to produce maps of
    territory with accurate scale, a system of symbols, and
    direction. The maps also convey a sense of space and
    place where value is placed on animal trails, natural
    features, and settlement locations. An Inuit map of the
    north therefore demonstrates Inuit reality as opposed to
    another culture’s maps of northern places."
    ...
    "Similarly, Eskimo experienced a high amount of
    time available for artist expression and social activities
    because they developed sufficient technologies and
    skills to maintain caloric intake and clothing needs. The
    Arctic is one of the richest animal and fish ecosystems
    on Earth. Native fishing, watercraft, celestial navigation,
    and clothing technologies allowed the Inuit and
    Eskimo to thrive in the high latitudes"
    ...
    "Because
    of the publicity given to nineteenth-century Arctic
    exploration, it has sometimes been assumed that the
    Inuit were particularly skilled mapmakers. There is,
    however, no evidence that the maps they made for
    Europeans were either better or significantly different
    from those made by Indians."
    ...
    "Inuit coast maps are a wonder of
    precision and may pass for art. Truly profane science
    was not part of the American Indian world."



    Uff, der Artikel: "Maps and Mapmaking of the Native North Americans" von G. MALCOLM LEWIS
    ist für mich heut nacht zu lang, um ihn durchzulesen.

    Vielleicht erstmal einige Lit.-Tipps aus der Bibliographie des Artikels?

    Bravo, Michael T.: The Accuracy of Ethnoscience: A Study of
    Inuit Cartography and Cross-Cultural Commensurability.
    Manchester Papers in Social Anthropology 2. Manchester:
    Department of Anthropology, University of Manchester,
    1996. 36

    Fossett, Rénne: Mapping Inuktut: Inuit Views of the Real
    World. Reading Beyond Words: Contexts for Native
    History. Ed. Jennifer S. H. Brown and Elizabeth Vibert.
    Peterborough, Ontario: Broadview Press, 1996. 74–94.

    Rundstrom, Robert: A. A Cultural Interpretation of Inuit Map
    Accuracy. Geographical Review 80.2 (1990): 155–68.

    Rundstrom, Robert: Expectations and Motives in the Exchange of Maps and
    Geographical Information Among Inuit and Qallunatt
    [Whites] in the Nineteenth and Twentieth Centuries.
    Cultural Transfer, America and Europe: 500 Years of
    Interculturation. Ed. Laurier Turgeon, et al. Quebec:
    University of Laval Press, 1996. 377–95.

    Um nur mal die Werke zu zitieren, die das Wort "Inuit" in ihrem Titel tragen.

    Ggf. zitiere ich nochmal irgendwann ausführlicher aus dem Artikel.
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Grönland-Eskimos haben für ihre Relief-Karten bevorzugt Treibholz verwendet, es sind aber auch andere Materialien verwendet worden.

    Die ersten Infos darüber stammen aus den 1820er Jahren.
     
  4. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Wie bereits mehrfach geäußert (z. B. in http://www.geschichtsforum.de/f72/gibt-gab-es-naturv-lker-24769/ oder
    http://www.geschichtsforum.de/498025-post11.html ) habe ich so meine Probleme mit der Einteilung in "Natur-" und "Kulturvölker".

    Gerade das Überleben unter den extremen Bedingungen der Arktis erfordert überaus gut entwickelte Kenntnisse und Fertigkeiten und eine ebensolche soziale Struktur. Die Innuit waren (?) also ein Kulturvolk auf hohem Niveau.

    Leider sind diese Fertigkeiten heute durch die Segnungen der modernen Mainstream-Zivilisation obsolet geworden und sie hocken jetzt vor dem Fernseher & saufen sind nun endlich auch zum Kulturvolk geworden.
    :ironie:
     
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  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Das wiederum ist ein anderes Thema.
    Man nimmt ihnen ihren Lebensraum, und macht sie zum Ausgleich zu HartzIV Empfängern. Ebenfalls Ironie

    Ich würde hier die "Naturvölker" einfach mal als wertneutralen Begriff stehen lassen. Sozusagen Familienname.


    Edit: eines noch, der Begriff Inuit scheint mir außerhalb des dt. Sprachraumes relativ ungebräuchlich zu sein. Jedenfalls kriegt man mit "Eskimo" deutlich mehr verwertbare Treffer, insbesondere aus dem englischen Sprachraum.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2010
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Eskimo kommt aus der Sprache der Algonkin-Indianer und heisst "Rohfleischesser". Ist also, darauf legen wir Deutschen bekanntlich Wert, politisch nicht korrekt.
    Wir sagen ja auch nicht mehr "Kaffernbüffel".
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So sollen solche Inuit-Karten ausgesehen haben:
     

    Anhänge:

  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Frei nach Obelix:
    Sie spinnen halt die Deutschen.

    Es gibt, wenn ich die Links richtig verstanden habe, dann wieder Eskimos die die Bezeichnung Inuit nicht mögen.....
    (Meine Frau mag ihren Namen auch nicht! Was nützts? Nix!)
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Klasse. Danke.
    Wenn da jetzt noch das entsprechende Stück Küste daneben wäre.

    Die Seebären der 1820er müssen bass erstaunt gewesen sein, da es vergleichbares damals wohl nicht gab.


    Edit und OT: wie nennen uns die Slawen? Die Stummen. Na und? Wenn ich aber hier die Selbstbezeichnung "Polack" benutzen würde? Ordnungsruf! mindestens.
    Sie spinnen halt, die Deutschen
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2010
  10. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Du hast die Links möglicherweise nicht richtig verstanden. Es geht weniger darum, daß so Bezeichnete den Begriff Inuit nicht 'mögen', sondern die Bezeichnung als inkorrekt betrachten. Dies ist darin begründet, daß 'Inuit' nur eine Ethnie von mehreren bezeichnet.


    Abgesehen davon ist angesichts der Herleitung der Bezeichnung 'Eskimo' dieser Begriff ungefähr genauso 'korrekt' als bezeichne uns der gesamte Rest der Welt als 'Hunnen' und wundere sich, daß wir Einwände haben könnten. Die von dir erwähnte Selbstbezeichnung wäre immerhin 'Polak'; in der Form 'Polack' ist es eben nicht die Selbstbezeichnung.

    Da ja gerne auch mit einer Entwicklung bzw Weiterentwicklung menschlicher Gemeinschaft argumentiert wird, darf sich diese ja auch gerne auf den Umstand erweitern, daß Nachbarn oder auch weiter Entfernt lebende Ethnien eben nicht mehr mit Selbstverständlichkeit bis zum jüngsten 'Gerücht' als Feinde, Menschenfresser oder sonstige Armleuchter bezeichnet werden, wenn andere Bezeichnungen durchaus zur Verfügung stehen.
     
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  11. Ilan

    Ilan Aktives Mitglied

    Archaische Naturverbundenheit und Phantasie

    Das ist eine moderne Legende, ganz ähnlich der romantischen Zuschreibung, Eskimos (welche Sprache ist damit überhaupt gemeint?) hätten 100 verschiedene Wörter für Schnee. Eine Google-Suche zeigt zudem, dass 'Rohfleischesser' mitunter noch zu 'Rohfleischfresser' verschärft wird. Das sagt zusammen mit den vermeintlichen Schneewörtern mehr über die Imagination anderer über Eskimos als über die Eskimos selbst aus.

    Eine kurze und solide belegte Etymologie des Worts findet man auch bei Wikipedia. Das sollte eigentlich eine gute Voraussetzung dafür sein, sich von der Vorstellung der "Rohfleischesser" zu verabschieden. :grübel:
     
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  12. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Die Dänen sagen meist einfach nur Grönländer und gut ist es. Rassistische Klischees, besonders was den Alkoholkonsum und die Körperhygiene betrifft, sind trotzdem bei unseren nördlichen Nachbarn weitverbreitet.
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    An die Mods.
    Schiebt doch bitte diese zum x-ten mal ausgetragene Diskussion wie die Inuit/Eskimos wirklich heißen wollen, dorthin wo sie hingehört.

    Ich will hier wirklich über diese hochinteressanten Karten diskutieren.


    Ok Ok, mit den Stummen und dem Polack habe ich es angezettelt....
    Sorry
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Reliefkarten der Eskimos

    Um hier mal wieder TT zu werden.

    Mitte des 19. Jahrhunderts gab es für die Polargegenden anscheinend nichts an Kartenmaterial das den "Eskimo-Karten" in Punkto Genauigkeit vergleichbar gewesen wäre.

    Die Tatsache an sich ist schon überraschend.
    Mir macht es aber noch viel mehr Kopfzerbrechen, wie die das gemacht haben.

    Technische Hilfsmittel darf man als vollständig fehlend unterstellen.
    Oder doch nicht?
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Um den Thread vielleicht doch noch zu beleben.

    Von 1818 bis 1840 lief in Württemberg die vielgelobte "Landesvermessung", da war aber noch fast nichts mit Höhenangaben, das ging nochmals 20 Jahre.

    Vielleicht kann man sich dann die Überraschung vorstellen, die ein paar Seefahrer ankam, als sie in den 1820er Jahren 2 Eskimos zusahen, wie sie ein maßstabgerechtes Modell des Kotzebue-Sundes bauten, MIT stimmenden Höhen.
     
  16. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Das ist interessant!
    Wie haben die das damals eigentlich vermessen, haben die dazu instrumente verwendet oder das irgendwie nach"Gefühl" gemacht?
    Und was genau stellen die gezeigten Karten da?
    Abschnitte des Landes, Küstenbereiche, oder Buchten?
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Finde ich auch

    Küstenbereiche, Buchten mit zutreffenden Höhen der Küstengebiete

    Genau das, was ich gerne wissen würde.

    In jedem Römermuseum zeigt man die Werkzeuge der römischen Landvermesser,
    die Mathematik hätte sich im Niltal aus der Notwendigkeit entwickelt, nach jeder Überschwemmung die Grundstücke neu und richtig zu vermessen.
    Und das alles haben die Eskimos nicht gebraucht. Und haben bessere Ergebnisse erzielt als die europäischen Landvermesser des beginnenden 19. Jahrhunderts.

    Für mich ein faszinierendes Rätsel.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. August 2010
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  18. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Meiner Meinung beruhen diese Fertigkeiten auf körperlicher Erfahrung.

    Ich habe von Beduinen*) mit einem enormen Orientierungssinn als Karawanenführer gelesen, der sie aber im Stich ließ, sobald sie in einem Auto saßen.


    *) hoffentlich p. c. Nicht dass das in irgendeinem Berberdialekt etwas über ihre Essgewohnheiten aussagt.:nono:
     
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  19. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    In beiden Fällen hängt von den genauesten Kenntnissen der Gegend das Überleben ab, das wird wohl ordentlich beflügeln. Und sicherlich sieht man die Gegend aus dem Auto aus einer anderen Perspektive als zu Fuß oder vom Reittier aus - von der anderen Geschwindigkeit des Reisens abgesehen, die eben bei der Orientierung auch eine Rolle spielt.


    [/quote]*) hoffentlich p. c. Nicht dass das in irgendeinem Berberdialekt etwas über ihre Essgewohnheiten aussagt.[/QUOTE]
    Die Bezeichnung kommt aus dem Arabischen:
    /badu/ - Singular
    /badawi/ - Plural
    Wobei Beduinen die arabischsprachigen Nomaden sind und damit die Berber nicht dazugehören.


    Es läßt sich ja nun - nebenbei bemerkt - auch nicht jede Unbequemlichkeit bezüglich korrekter(er) Bezeichnung von Völkern mit dem Argument "p.c." totschlagen. Hier im Forum ist es ja auch nicht en vogue, zb von 'Franzmännern' oder von 'Japsen' etc zu sprechen (Ausnahmen bestätigen die Regel) - und du würdest dich, vermute ich, auch dagegen verwehren, wenn zB in einem internationalen Forum die Verwendung der Bezeichnung 'deutsch' als p.c. abgetan und stattdessen grundsätzlich "The Huns" verwendet würde.
     
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  20. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das ist sicher richtig, es werden ja auch von den arabischen Kapitänen der Dhaus im Indik ganz erstaunliche Fähigkeiten berichtet. Die einfach "wissen" wo sie sich in den unendlichen Weiten des Ozeans befinden.

    Aber, die in der Lehre tätigen werden mir sicher beipflichten, es sind 2 Paar Stiefel, einmal, daß ich etwas "weiß", das andere, dass ich jemanden etwas, was ich "weiß", auch beibringen kann.
    Und das dritte Paar: etwas, was ich "weiß" jederzeit reproduzierbar darzustellen, damit jeder mein "Wissen" ohne weitere Erklärung benutzen kann.

    Hier liegt meiner Meinung nach das Herausragende dieser "Eskimo-Karten"
     

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