Reinecke
Aktives Mitglied
Tatsächlich gibt es die Hypothese, dass zwei Arten nicht die gleiche ökologische Nische besetzen können. Entweder räumlich, oder im Lebensstil (Ernährung etc) muss es Unterschiede geben, sonst wird sich längerfristig eine durchsetzen. Nur bieten komplexe Ökosysteme eine ganze Menge Nischen...Warum versteifst du dich so darauf, dass unterlegene Rassen/Arten immer aussterben müssen?
In der Regel gibt es immer ein Potpourri an Gründen, warum eine Art ausstirbt!
Nach deiner Theorie dürfte es auf der Welt nur wenige, überlegene Arten geben, die alle anderen ausgerottet haben!
Das ist die herkömmliche Erklärung der Entwicklung der Gattung Homo: Auf zurückgehende Wälder reagierten unsere Vorfahren, indem sie sich an das Leben in der freien Savanne anpassten, während die Vorfahren der Schimpansen weiter in den überlebenden Wäldern blieben. Daher auch die (vor einigen Jahre durch Fossilien in Frage gestellte) Vorstellung, der gemeinsame Vorfahre habe eher einem Schimpansen geähnelt als einem Menschen: Obwohl beide Zweige die gleiche Zeit hatten, sich weiter zu entwickeln*, hatte die Schimpansen-Linie dazu weniger Anlass, da sie ihre Lebensweise weniger änderte.
* Genau genommen hatten die Schimpansen sogar mehr, da es auf die Zahl der Generationen ankommt, und da zumindest heutige Schimpansen eine schnellere Generationenfolge haben als heutige Menschen. Wenn das nicht irgendwann in der Vergangenheit anders war (und es gibt keinen Grund, dass anzunehmen), haben seit dem letzten gemeinsamen Vorfahren mehr Schimpansen-Generationen gelebt.
Bei allen biologischen Begriffen, und noch mehr beim Begriff Rasse, sollte man sich immer bewusst sein, dass sie Lebewesen beschreiben und abgrenzen sollen, obwohl dass genau genommen nicht möglich ist; bzw erst irgendwann möglich wird, mit einem wirklich langen "irgendwann", wie immmer bei geologisch-evolutionären Zeiträumen. Der zentrale Artbegriff wird durch die Fähigkeit definiert, in freier Wildbahn gemeinsam fruchtbaren Nachwuchs hervorbringen zu können. Aber es gibt eine direkte Linie von fruchtbaren Nachwuchs von dir (und mir, und jedem) zu irgend einem Proto-Amphibium, dass lange vor dem Auftauchen der Dinosaurier aus dem Wasser kroch, und eine direkte Linie von fruchtbarem Nachwuchs von dieser Amphibie zum Frosch im Gartenteich der Königstochter. Unsere Taxonomie funktioniert, weil es mit der königlichen Nachfolge außerhalb von Märchen schwierig wird, und die Art-Definition deshalb ab dem Augenblick Sinn ergibt, wo es mit dem Nachwuchs nicht mehr funzt. Subarten/"Rassen" stehen da genau auf der Schwelle. Sie bilden noch keine unterschiedlichen Arten (sonst wären sie ja solche), haben aber genug klassifizierbare Unterschiede, um sie (halbwegs) genau abgrenzen zu können. In der Natur entwickelt sich dies durch natürlich Barrieren, die die Vermischung verhindern, wobei große Distanzen (relativ zur Bewegungsfähigkeit der Organismen) schon entsprechende Barrieren bilden können.. Grade bei Insekten reichen unterschiedliche Pflanzen, von denen die Insekten sich ernähren und auf denen sie sich fortpflanzen, um Artbildung auch im gleichen Territorium zuzulassen. Dabei kommt es zu interessanten Phänomenen. Erst vor einigen Tagen hab ich einen Artikel über die "Krähengrenze" mitten durch Europa und Dtld gelesen; hier einer vom ORF vom März mit dem gleichen Thema:
Warum Krähen einmal schwarz, einmal grau sind
In Westösterreich sind Krähen schwarz, in Ostösterreich sind sie grau. Schuld ist die europäische Krähengrenze, die quer durch Österreich verläuft. Sie regelt die Lebensräume von Raben- und Nebelkrähen, die sich nur selten mischen.
Während der Eiszeit spalteten Gletscher die europäische Krähenpopulation in zwei Gruppen. Dabei entwickelten sie Unterschiede, namentliche die Farbe: Schwarz & schwarz-grau. Nach dem Verschwinden der Gletscher hätten sich beide Gruppen wieder vermischen können, taten und tun dies aber kaum. Der Unterschied ist noch heute sichtbar und vorhanden, und da sie sich in freier Wildbahn so gut wie nie paaren, werden sie heute als zwei getrennte Arten geführt (Nebelkrähe Corvus cornix und Rabenkrähe Corvus corone), während sie wegen der großen Ähnlichkeit früher als Subarten aufgefasst wurden.
Die Menschheit ist im großen und ganzen genetisch sehr einheitlich, daher ergibt die "klassische" Aufteilung in Subarten/"Rassen" wissenschaftlich keinen Sinn. Für ein paar sehr isolierte Gruppen könnten die Kriterien, die bei anderen Arten an die Benennung von Subarten angelegt werden, sogar erfüllt sein. Aber welchen Sinn soll es haben, 99,99 % der Menschheit in eine Kategorie zu stecken, und ein paar San oder Aborigenes in eine andere? Außer natürlich, alle unglücklich zu machen: Rassisten, Antirassisten und Betroffene...
Unterart – Wikipedia
Um aber einen Bogen zurück zum Anfang dieses Beitrages zu schlagen: Die Menschheit in den letzten paar hunderttausend Jahren kann man gut als Beispiel für besagte These heranziehen: Es gab mal ein sehr viel größere Diversivität unter den auf der Erde lebenden Menschen, aber die Voraussetzung dafür scheint gewesen zu sein, dass man sich nicht zu nah auf die Pelle rückte. Damit hat der "moderne Mensche" gründlich aufgeräumt...