Niederländische Marine des 17. Jhrdt.

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Apvar, 27. März 2011.

  1. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Bis zum 1. Englisch-Niederländischen Krieg wurden die Schiffe, welche für den jeweiligen Krieg von den Admiralitäten gekauft und nach dem Ende des Krieges wieder verkauft. Der Grund dafür war wohl, das man den Unterhalt der Schiffe, wenn sie nicht gebraucht wurden, nicht aufbringen wollen.
    Nach dem 1. Englidersch-Niederländischen Krieg setzte sich die Erkenntnis durch, das man für den Krieg gegen Flotten mit Kriegsschiffen, ebenfalls die eigene Flotte mit eigenen Kriegsschiffen ausrüsten muss.
    Das Problem der Niederländischen Schiffe, im Vergleich zu den Englischen oder auch Französischen Schiffe, war der geringe Tiefgang. Speziell die die Schiffe der Holländischen Admiralitäten hatten einen geringen Tiefgang, um mit den Schiffen durch den Pampus in der südlichen Zuiderzee nach Amsterdam zu kommen. Amsterdam konnte nur über den Pampas mittels Schiff erreicht werden.
    Ein weiteres Problem ist gewesen, das die Niederländischen Schiffe mit kleineren Kalibern ausgerüstet gewesen sind, im vergleich zu den anderen Flotten.
    Die ersten richtigen Kriegsschiffe wurden 1653 von den vereinigten Provinzen in Auftrag gegeben. Der Hauptunterschied zu den Handelsschiffen war, das bei den Kriegsschiffen die Bordwände und Spanten dicker ausgelegt worden sind.
    Ein weiterer Vorteil der weiter bestehenden Flotte hat sich dadurch ergeben das Matrosen und Kapitäne besser ausbildet worden sind. Sie waren sozusagen keine Hobbykrieger mehr.

    Apvar
     
  2. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    WIC und VOC als Vorläufer der Marine?

    Es gab zeitlich gestaffelt 2. Westindische Kompanien in den Niederlanden. Die erste wurde 1621 gegründet und 1674 aufgelöst. Die 2. Westindische Kompanie wurde 1675 gegründet und 1791 aufgelöst.
    Berühmte "Mitarbeiter" der 1. WIC waren unter anderem Piet Hein und Pieter Stuyvesant.
    Niederländische Westindien-Kompanie ? Wikipedia
    West-Indische Compagnie - Wikipedia
    Piet Heyn ? Wikipedia
    http://nl.wikipedia.org/wiki/Piet_Hein_(zeevaarder)
    Petrus Stuyvesant ? Wikipedia
    Peter Stuyvesant - Wikipedia, the free encyclopedia
    Die WIC hat im atlantischen Bereich gehandelt, Kolonien gegründet und erobert, sowie Kaperfahrten finanziert. Eines der sehr dunklen Kapitel der WIC ist der Sklavenhandel.
    Piet Heyn war als Admiral der WIC unterwegs als er die Silberflotte 1628 vor Kuba kaperte.
    Wenn man die Ränge in der WIC sieht liegt es nahe, das die WIC militärisch organisiert war.

    Bei der VOC, welche schon früher gegründet worden ist, sind auch Ränge wie Admiral überliefert. Und die Schiffe waren wehrhaft. Wenn man die Seeschlacht bei Bergen sieht kann man das nur bestätigen.
    Schlacht in der Bucht von Bergen ? Wikipedia
    Pieter de Bitter ? Wikipedia
    Die VOC hat bis im 2. Englisch-Niederländischen Krieg immer Schiffe für die Schlachtlinie gestellt. In der Beziehung kann man wohl sagen das die VOC und WIC zum Teil Vorläufer der Niederländischen Marine waren.
    Das interessante ist das die Nördlichen Provinzen der Niederlande wohl erst nach der Belagerung von Antwerpen im Jahre 1585 Kontakt mit Geographen, Kartographen und Instrumentenbauern, welche Winkelmesser und ähnliche Nautischen Instrumente bauten bekamen. Davor haben sich die nördlichen Provinzen auf die Nord und Ostsee sowie der Iberischen Halbinsel konzentriert.
    Im Jahre 1585 wurden Handelsschiffe der 7 Provinzen in Spanischen Häfen beschlagnahmt. Bis dato wurde Salz und Gewürze, trotz des Aufstandes in Spanien gekauft und dann weiter vertrieben.
    Danach haben sich die Kaufleute entschlossen das Salz für den Hering, sowie die Gewürze selbst zu besorgen. Und dazu wurden dann relativ schnell die Handelskompanien gegründet. Wobei sie auch selbst Krieg geführt haben. Um an die Rohstoffe zu kommen und auch Konkurrenten zu vertreiben.

    Apvar
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Nein, die niederländische Marine hatte schon viel früher ihren Ursprung. Mit dem Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Herrschaft ab 1568 beginnt auch die Geschichte der niederländischen Marine. April 1572 erobert der niederländische Freibeuter Wilhelm de la Marck zwei spanische Handelsschiffe und ihm schließen sich dannach weitere Küstenstädte an ...
     
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Mir ging es um die Strukturen, welche eine Flotte benötigt. Ein einzelnes Schiff, welche Freibeuter benutzt haben, braucht nicht solche Strukturen. Sowohl an Land, als auch auf See. Um ein Geschwader zusammenzuhalten benötigt man ja doch eine gewisse Kommandostruktur.
    Dessen ungeachtet kann man die Freibeuter als Ursprung sehen, da sie der Spanischen Krone einige Schlappen beigebracht haben. Wo bei die Frage ist, ob sie da die Engländer unter Elisabeth I da nicht einfach kopiert haben.

    Apvar
     
  5. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Literatur zum Thema WIC und VOC, auf Niederländisch:

    "De geschiedenis van de WIC" von Henk den Heijer; Erschienen bei Walburg Pers;
    ISBN 90-5730-478-3 sowie
    "De Geschiedenes von de VOC" von Femme S. Gaastra; ebenfalls Walburg Pers;
    ISBN 90-5730-605-0

    Wenn man sich die Wikipedia-Artikel zu den Themen der WIC und VOC aus deutsch und niederländisch anguckt, kommt man zu dem Schluss das die Niederländische Literatur hier besser ist. Wenn man sie den lesen kann.

    Apvar
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das heißt, Du kannst sie lesen?

    Mal eine Frage am Rande, gibt es einen Thread zur Niederländischen Marine im 18.Jh.?
    Mag ja nicht mehr ihre große Zeit gewesen sein, aber interessant ist ja auch nicht selten die Phase des Niederganges.
     
  7. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Ja. Mein Problem mit der Niederländischen Sprache ist das sprechen. Rheinländer, Westfalen und Niedersachsen sollten, durch sprachliche Verwandtschaft weniger Probleme haben, wie z.B. Leute aus Schwaben, da die Dialekte hier miteinander verwandt sind.

    Zum Thema 18. Jh. habe ich keinen Diskussionspfad gesehen. Wobei der Niedergang relativ schnell ging, nach dem Tode von Wilhelm III von Oranien.

    Apvar
     
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  8. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Der Höhepunkt der Niederländischen Macht war wohl die Glorious Revolution, oder sollte man besser sagen die Invasion der Niederlande in England, mit Einladung des Englischen Parlamentes?
    Der Niedergang began wohl mit dem Tod Wilhelm III. Dadurch das die Länder immer getrennt waren, kam es zwar zu gemeinsamen Flottenoperationen gegen Frankreich, aber das war es. Und die Niederlande als Land waren zu klein, um die Personellen Verluste welche die dauernden Kriege der Epoche brachten auszugleichen. Die Niederlande mussten ja immer mit einer Invasion im eigenen Land rechnen, also auch immer ein relativ großes Heer vorhalten. Auf den Niederländischen Schiffen sind relativ mehr Seeleute aus anderen Ländern (vor allem Deutsche und Schotten) gefahren als zum Beispiel bei den Engländern. Trotzdem ist das Land wohl langsam aber sicher ausgeblutet. Schiffe konnten schnell ersetzt werden. Personen nicht.

    Apvar
     
  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    So, will in den nächsten Tage noch mal in das Thema einsteigen.

    Habe aber eben mal wieder bei Tante Wiki in englischer und niederländischer Sprache zu den Admirälen von Flandern und der Burgundischen Niederlande gefunden.
    Admiral of Flanders - Wikipedia, the free encyclopedia
    Admiraal der Nederlanden - Wikipedia

    Wie üblich, bei diesem Thema ist der niederländische Link der ausführlichere.

    Wie man aber sieht gab es bei der Flotte aus Flandern wohl keine permanente Flotte, noch nicht einmal durchgängig eine Admiralität.

    Der Hauptgegner bis zu den Holländisch-Englischen Seekriegen war das Königreich Spanien. Mal gucken was ich noch zu der Frühphase der Niederländischen Flotte heraus finden kann.

    Apvar

    P.S. Bei dem lesen eines Buches über die Ostindischen Handelsgesellschaften bin ich auf ein interessantes Detail gestolpert. Die VOC durfte im Namen der Republik Verträge schliessen und auch Krieg führen.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zur Anschauung eine Tabelle aus Total Factor Productivity for the Royal Navy from Victory at Texal (1653) to Triumph at Trafalgar (1805), einem Arbeitspapier zur Wirtschaftsgeschichte von O'Brien/Duran, 2010. Aufstieg und Niedergang der niederländischen Marine ist sichtbar, ebenso die Überflügelung durch die englische Marinerüstung:
     

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  11. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Ein weiteres interessantes Detail ist mir mit den Werften aufgefallen.
    Die Niederländischen Admiralitäten hatten keine Trockendocks zur Verfügung. Dies war nach Seeschlachten, bei denen die Schiffe schwer beschädigt wurden ein Problem. Die Schiffe mussten zur Reparatur auf den Strand auflaufen um repariert zu werden. Bei Schäden, die tief unter der Wasserlinie lagen, war somit nur eine kurze Zeit pro Tag zur Verfügung um diesen Schaden zu reparieren. Habe auch keine Hinweise zu eigenen Werften der Admiralitäten gefunden. Bei Neubauten wurde wohl auf private Werften zurückgegriffen.
    Die 7 Provincien, welche mit einem 40 Schiffe Bauprogramm von den Generalstaaten in Auftrag gegeben wurde, wurde in in etwa einem Jahr gebaut. Und in dieser Zeit wurden die anderen Schiffe ebenfalls gebaut.
    Im Vergleich dazu hatten die Engländer zu dieser Zeit schon Trockendocks, in denen sie Schiff in Stand setzen konnten. Die Reparaturen an den Unterwasserschiffen konnten so viel schneller erledigt werden.
    Das Problem der Zeit bei den Engländern war wohl das sie Kriegsschiffe nur in den Staatlichen, später königlichen, Werften bauen liesen. Damit war die Tacktrate für neue Schiffe deutlich geringer. Werften waren in Sherness und Portsmouth. Ob Plymouth zu dieser Zeit eine königliche Werft hatte kann ich leider nicht sagen.

    Apvar
     
  12. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Was mir bei der Übersicht nun aufgefallen ist, ist folgendes:
    Die Schlachten von Schoneveld waren aus Niederländischer Sicht reine Defensiv-Schlachten, um eine Invasion aus einem kombinierten Geschwader der Britischen und der Französischen Flotte zu verhindern.
    Und die Schlachten von Schoneveld waren im 3. Englisch-Niederländischen Krieg.
    Zu diesem Zeitpunkt haben die Niederländer die Schiffe schon größer gebaut als z.B. im 1. Englisch-Niederländischen Krieg.
    Wenn man sich die Besatzungsstärke der niederländischen Flotte ansieht kann man nur zu dem Schluss kommen das relativ wenige neue Schiffe gebaut worden sind und die alten Schiffe ein geringes Geschossgewicht aufgewiesen haben. Da kleinere Geschütze eine geringere Bedienung benötigen kommen so die geringen Besatzungsstärken der älteren Schiffe zustande.

    Apvar
     
  13. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Ein besonderer Höhepunkt der Niederländischen Flotte war der Überfall im Medway, oder wie die Niederländer so schön sagen die Reise nach Chatham.
    Bei der "Reise" sind sie in die Themse-Mündung und danach in den Medway eingelaufen. In der Mündung des Medway liegt die Nord, eine Reede wo die englische Flotte lag. Weiter den Medway herauf liegt Chatham, wo eine der wichtigsten Dockanlagen der RN lagen. Sie sind heute ein Maritimes Museum.
    In Gillingham, von Sheernes aus kommend waren Befestigungen, welche die Dockanlagen schützen sollten. Nur in diesem Fall waren sie nicht stark genug.

    Überfall im Medway ? Wikipedia

    Was mich eigentlich wundert ist, das es der einzige ernsthafte Versuch war die Dockanlagen zu schädigen. Weder früher wurde es versucht, noch später. Auch nicht zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Kann es daran gelegen haben das die Niederländische marine zum damaligen Zeitpunkt mindestens genau so stark war wie die RN oder sogar stärker?

    Nur die Glorious Revolution war ein einschneidenderes Ereignis, weil hier mit Hilfe des Parlaments eine Invasion gestartet wurde, von den Niederlanden aus und auch erfolgreich war.

    Glorious Revolution ? Wikipedia

    Apvar
     
  14. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Bin in den letzten Tagen auf eine Kuriosität im 80-Jährigen Krieg gestossen.
    1603 war eine spanische Flottille in Sluis von den Niederländern, genauer gesagt den Seeländern, eingeschlossen worden.
    Im Jahre 1603 wollten die Spanier ausbrechen wurden aber dabei geschlagen. Das kuriose ist daran das sowohl die Spanier als auch die Seeländer Galeeren eingesetzt haben. Das war wohl die letzte Galeerenschlacht, welche auf der Nordsee stattfand.
    http://nl.wikipedia.org/wiki/Slag_bij_Sluis_(1603)

    Habe bei Tanta Wiki sowohl eine Liste diverser Seeschlacht während des 80-Jährigen Krieges gefunden als auch des 17. Jahrhunderts.
    Categorie:Zeeslag tijdens de Tachtigjarige Oorlog - Wikipedia
    Categorie:Zeeslag in de 17e eeuw - Wikipedia

    Als auch eine liste diverser See-Schlachten des 1. bis zum 3. Niederländisch-Englischen Krieges.
    Categorie:Zeeslag tijdens de Eerste Engels-Nederlandse Oorlog - Wikipedia
    Categorie:Zeeslag tijdens de Tweede Engels-Nederlandse Oorlog - Wikipedia
    Categorie:Zeeslag tijdens de Derde Engels-Nederlandse Oorlog - Wikipedia
    Natürlich keine Gewähr auf Vollständigkeit. Und bei diesem Thema wie gesagt sind die Niederländischen I-Net-Seiten eindeutig besser als die Deutschen.

    Apvar
     
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das ist vermutlich richtig. Als wir jedoch das Thema der Seetüchtigtigkeit von Galeeren behandelt haben,sind wir auf eine erstaunlich häufige Verwendung von Galeeren im Atlantik gestoßen. Vor kurzem sogar auf den Einsatz spanischer Galeeren in Ostasien ungefähr im selben Zeitraum wie die von Dir erwähnte Schlacht.
     
  16. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    So mal zu einem Ausflug der Taktik in Seegefechten

    Bis zum 1. Englisch-Niederländischen Krieg war die bevorzugte Taktik in der Seeschlacht die Ordnung aufzugeben und direkt Schiff gegen Schiff vorzugehen. Mêlée-Taktik.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mêlée_(Kriegführung)
    Im 1. Englisch-Niederländischen krieg wurde die Schlachtlinie oder auch Kiellinie eingeführt. 1653 wurde sie vom General at Sea Robert Blake in den Gefechtsanweißungen als bindend festgelegt.
    Ship of the line - Wikipedia, the free encyclopedia
    Naval tactics in the Age of Sail - Wikipedia, the free encyclopedia

    Unter Maarten Tromp 1639 wurde sie aber erstmals dokumentiert genutzt in einem Gefecht gegen die Spanier.
    Action of 18 September 1639 - Wikipedia, the free encyclopedia

    Was war für die Schlachtlinie notwendig?

    Erst einmal Schiffe welche einigermaßen Standardisierte Kaliber an Bord hatten und gleichzeitig starke Bordwände. Ein Problem der Armada soll darin bestanden haben das die Schiffe zwar groß und stark waren, aber keine Standards in der Artillerie bestanden haben sollen. So das nicht koordiniert gefeuert werden konnte. Noch nicht mal auf einem Schiff oder gar Deck.
    Jedes Kaliber benötigt ja eine spezielle Menge an Schiesspulver und auch passende Kugeln. So war jedes Geschütz auf den eigenen "Pulverjungen" angewiesen. Wehe er fiel aus. Da war das Chaos perfekt.
    Der nächste Punkt war das die Kommandanten diszipliniert waren und sich an die Anweisungen der Admiräle hielten, bzw. Generals at Sea.
    Und man musste sicher stellen das Befehle vom Flaggschiff an das Nachbar Schiff gegeben werden konnte und von dort weiter an andere Schiffe. Dies wurde zum Teil auch mittels kleinerer Schiffe, welche als Relais-Stationen fungierten gelöst.

    Das Linienschiff soll sich laut der Englischen Tante Wiki aus der Karrake entwickelt haben. Damit währe vom Schiffbau die Elisabethanische Galeone Fehlentwicklung gewesen. Nur glaube ich das nicht. Bei der Elisabethanischen Galeone wurde auf eine Standardisierung der Artillerie geachtet.
    Beispiel die HMS Revenge von 1577.
    http://en.wikipedia.org/wiki/English_ship_Revenge_(1577)
    Und nach der Armada von 1588 war klar das das Waffensystem Schiff-Artillerie gut war. Aber auch verbesserungswürdig. Damit wuchsen im Laufe der nächsten Jahre die Schiffe wieder.

    Apvar
     
  17. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Viele der Schiffe der Armada waren keine richtigen Kriegsschiffe sondern bewaffnete Kauffahrer die man für diese Expedition bewaffnete.

    Die Kanonen wurden zum Teil in Lissabon extra dafür gegossen, man kratzte aber auch sonst alles zusammen was man in den Häfen, Festungen und Zeughäusern finden und entbehren können.

    Die meisten Geschütze waren leichte Stücke, daneben aber auch sehr große Geschütze mit großen Kalibern. Darunter waren Stücke die für den Gebrauch zur See anhand ihrer Größe kum bzw. überhaupt nicht geeignet waren.

    Die spanischen Schiffe waren zumeist größer als die britischen, ihr Breitseitengewicht war aber deutlich geringer.

    Der größte Unterschied war jedoch, neben den einheitlicheren mittleren Kalibern bei den Briten, dass diese bereits über Laffetten mit Rädern verfügten, die ein zügiges einholen, nachladen und wiederausfahren ermöglichte. Bei den Spaniern waren es noch lange Landlafetten mit nur zwei oder gar keinen Rädern, die nur mühselig bewegt werden konnten und im Gefecht nicht nachzuladen waren.

    Die Spanische Taktik bestand zu dem Zeitpunkt aber hauptsächlich darin, eine Salve abzufeuern und zum Enterkampf überzugehen. Wenn dieses nicht möglich war, konnten sie nur die leichteren Kanonen nachladen und erneut abfeuern, die jedoch nicht in der Lage waren die gegnerischen Schiffe ernsthaft zu schädigen.


    Ich denke auch, dass das Linienschiff eher von der englischen Galleone abstammt. Die Karrake hatte eine ganz andere Form und Bauweise und es besteht eine eindeutige Lücke in der Schiffsbauentwicklung zwischen beiden Typen. Unter Henry VIII. hatte die britische Flotte noch einige Karraken, unter Elisabeth jedoch nur noch Galleonen. Der erste britische Dreidecker war der Prince Royal und entstand erst 1610.

    Im englischen Sprachgebrauch werden jedoch auch größere Nefs, Naos und gar Galleonen als Karraken bezeichnet. Die Santa Maria z.B. war eine Nao und für eine Karrake aus diesem Zeitraum zu klein und zu schnittig, trotzdem wird sie in britischen Texten als "Karrak" bezeichnet.
     
  18. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    In einem Brief von Sir Anthony Deane, an den Lord Treasurer Dandy wird die stärke der Flotten der Niederlande und Frankreichs mit der stärke der Flotte der Royal Navy verglichen.
    Der Brief datiert auf den 12.10.1674, also direkt nach dem 3. Niederländisch-Englischen Seekrieg.
    In dem Brief wurde festgestellt das die Englische Flotte etwas mehr als 1/3 der stärke der Niederländischen Flotte hatte, sowie auch nur 3/5 der stärke der französischen Flotte.
    Die Niederländische flotte war also nach den 3 Seekriegen gegen England immer noch stärker als die Englische Flotte und die Französische Flotte zusammen.
    Wobei zu sagen ist das zu diesem Zeitpunkt die Schiffe der Royal Navy in einem erbärmlichen Zustand gewesen sein sollen. Wie die Stärke verglichen wurden steht leider nicht in dem Buch "The Restoration Warship" von Richard Endsor.
    Der Vergleich der Flottenstärken kam wohl auf Anregung von Charles II, welcher Geld vom Parlament haben wollte um die Schiffe reparieren zu lassen, sowie ein neues Flottenbauprogramm auflegen zu lassen. Das Programm wurde dann von Samuel Pepys ausgearbeitet.

    Apvar
     
  19. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Diese These halte ich für nicht haltbar. So war selbst in den Seekriegen nach 1800 das Entern noch die erfolgreichste Weise in einen Seegefecht, den Gegner zu bezwingen und das ist über 200 Jahre später!

    Das Linienschiff an sich, ist sicherlich nicht aus einen bestimmten Schiffstyp zurückzuführen. Es kann sich nur aus Schiffstypen entwickelt haben, denen es möglich war, ein hohes Gewicht als Nutzlast mitführen zu können. Daraus wurden dann auch Rumpfformen entwickelt, die entsprechend schwere Lasten über der Wasserline führen konnten, um die metazentrische Höhe für eine gewisse Stabilität des Schiffes auszunutzen.
    Ob es nun große Karraken oder Galeonen waren ist sicherlich kaum belegbar.
    Es ist aber gewiss, daß die englischen Kriegsschiffe des frühen 17. Jahrhunderts mit größeren Tiefgang, dadurch stabiler für schwere Geschütze im Bereich des Metazentrum eines Schiffes vorteilhafter waren, als bei den flachgehenden holländischen Schiffen.

    In den Seeschlachten im ersten englisch-niederländischen Krieg wurden dann reine Kriegsschiffe nach Rängen eingeteilt.
    Irgendwie hatte ich dabei Oliver Cromwell und seine New Model Army im Kopf, was den Ursprung der Klassifizierung angeht (rating of warships).
    Somit ist das Linienschiff kein Schiffstyp mit baulichen Charakter, sondern ein Schiffstyp mit taktischer Charakter.
     
  20. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Sicher? Der größere Tiefgang der Englischen Schiffe war ein eindeutiger Vorteil beim Seeverhalten, ruhiger in der See als auch weniger Abdrift, da größere Lateralfläsche.

    Aber bei der Artillerie? Die Schiffe der Niederländer konnten aufgrund der größeren Breite, welche zu Formstabilität führt, die unteren Geschützlucken wesentlich länger geöffnet halten als die Engländer. Und ob das ruhigere Metazentrum bei aussermittig angeordneten Geschützen zählt, da bin ich überfragt.

    Wo sich der niedrigere Tiefgang der Niederländer auszahlte war z.B. bei den Flämischen Bänken, vor der Belgischen Küste als auch in der Niederländischen Waddenzee, wo sie sich bei Bedarf durch den geringeren Tiefgang eher zurückziehen konnten.

    In dem oben genannten Buch habe ich noch etwas anderes gefunden. Zumindest in der Zeit der Restoration war es möglich Handwerker zum Dienst auf den Königlichen Werften zum Dienst zu zwingen. Quasi zum Dienst zu Pressen.

    Apvar
     

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