Opposition und Widerstand in der DDR

Dieses Thema im Forum "Die Jahre 1968 und 1989 als Schlüsseljahre für Eur" wurde erstellt von Tacitus, 12. Juli 2006.

  1. saxo

    saxo Gesperrt

    Also das Buch werde ich mir wohl nicht kaufen... :nono:

    Du schilderst hier sehr ausführlich eine Politik, die lange her ist und nur wenige Monate dauerte. Ob sie andauernde Auswirkungen hatte, bezweifle ich. Bereits um 1955 folgten Jahre, in denen fast jede zweite Kirche in der DDR repariert bzw. renoviert wurde. Sicher kam das Geld nicht von der DDR-Regierung, aber allein die Tatsache, daß es möglich war, zeigt einen deutlichen Wandel zum positiven. Mehr war kaum möglich, da in der DDR die strikte Trennung von Kirche und Staat nicht nur auf dem Papier stand, sondern auch praktiziert wurde. Es lag also in der Hand der Kirche sebst, inwieweit sie das Volk halten konnte. Natürlich hatte der Staat Mittel, speziell die Jugendarbeit auf eine Weise zu gestalten, die der Kirche nur schwer möglich war (GST-Sport, Jugendtourist, Ferienlager...), deshalb kann man aber noch lange nicht von einer kirchenfeindlichen Politik sprechen. Im Gegenteil, ab etwa 1960 bis Mitte der 80er Jahre verbesserte sich das Verhältnis Kirche-Staat kontinuierlich (Kirchentage, Lutherjahr).
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Und das sah so aus:


    http://www.doku-ekd.de/pdf/0040/0040459.pdf
     
  3. saxo

    saxo Gesperrt

    Und so sah es auch aus:
    Der Ehrlichkeit halber hab ich mal auch die andere Seite zitiert...
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Jetzt fehlen noch die Unterzeichner.
     
  5. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Es gibt offenbar mehrere Deutungen von Duldung und der Weg von Toleranz zu gerade noch am Leben lassen ist weit...

    ... ich fürchte nur, dass wir hier keine Definition finden werden.

    Deshalb bitte wieder um Konzentration aufs Thema, wie es auch Livia vorbildhaft getan hat.
     
  6. saxo

    saxo Gesperrt

    Na gut, jetzt spiel ich mal Mercy und behaupte: Es gab (bis Ende der 80er) in der DDR gar keine Opposition (die diesen Namen verdiente).

    Worauf sollte die fußen? Daß es oft keine Bananen gab? Daß ein Ministerium für Staatssicherheit existierte? Daß es nicht genug FDGB-Ferienplätze gab? Daß man "nur" in 10 Länder auf 3 Erdteilen problemlos reisen konnte? Die Wahlen (bei keiner außer der vorletzten konnte eine Fälschung nachgewiesen werden) zeigten immer über 95% pro. Ganz offensichtlich waren diese 95% der Bevölkerung zufrieden bzw. zumindest nicht so unzufrieden, um es für notwendig zu halten, zwecks eines Kurswechsels auf die Regierung einzuwirken.
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Du brauchst nicht Mercy zu spielen, da reichst du sowieso nicht ran.

    In einem hast du Recht. Es gab keine öffentlichen Oppositionen.
    Aber was im Bereich des machbaren war, wurde schon gemacht. Nennen wir es stille Opposition.

    Nun zu den Wahlen.
    Man hatte ja schon Angst in die Wahlkabine zu gehen, weil man genau wusste, das wird gemeldet.
    Wer nicht zum Zettelfalten ging, war sowieso verdächtig.
    Mich hat mal der Bürgermeister geweckt um 10 uhr, weil ich der letzte unseres Ortes war, obwohl ich Nachtwache zum "beschützen des Wahllokales" von der Feuerwehr aus gemacht habe.
    Es ist doch kein Wunder, das da 95 % zusammen kamen.
    Das lockerte sich erst Ende der 80iger. Da hat es keinem mehr interessiert, ob jemand zur Wahl geht. Und weil kaum einer gegangen ist, kam es dann zu diesen ungeheuerlichen Wahlbetrug.
    Das hätten die aber selber erkennen müssen, dass das nicht funktioniert.
     
  8. Hardegen

    Hardegen Gesperrt

    Am Alleinvertetungsanspruch der SED. Nicht umsonst forderten Bürgerrechtler und auch Mitglieder des Friedenskreises eine demokratische DDR. Selbst der Sozialismus als solches wurde von den Bürgerrechtlern ja nicht in Frage gestellt, sondern man wollte die DDR nur anders als sie bis dahin warn
     
  9. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das wollten nur einige wenige.
    Die Mehrheit und ich war dabei, wollten den Zusammenschluss.

    Entschuldigung, ist ja hier das Schulprojekt, aber manchmal muss ich auch mal.

    Übrigens eine tolle Idee, Herr Kiefer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2006
  10. Hardegen

    Hardegen Gesperrt


    In Geschichte der Oppostition der DDR steht es genau beschrieben.
    http://www.bpb.de/publikationen/00042715294057102041857202732161,,0,Geschichte_der_Opposition_in_der_DDR_19491989.html

    Einzelmeinungen können hier ein sehr verzerrtes Wirklichkeitsbild wiedergeben, da sie subjektiv auf sich bezogen sind und nur einen sehr eingeschränkten Wahrnehmungsbereich haben.

    (Bitte nimm das jetzt nicht persönlich)

    ein anderes gutes Buch von der Bundeszentrale für politische Bildung zeichnet den Weg von der Bürgerrechtslosung "Wir sind das Volk" zur Forderung "Wir sind ein Volk" aus internationaler Sicht anschaulich nach.
    http://www.bpb.de/publikationen/3WBHG8,,0,Die_Vereinigung_Deutschlands_ein_weltpolitisches_Machtspiel.html
     
  11. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Ich habs auf die nette Art versucht, aber wirkt hier offenbar nicht bei allen:

    Zurück zum Thema!

    Nicht zum Thema passende Beitrge werden in Kürze gelöscht. Wer trotzdem meint, dem zuwiderhandeln zu müssen, wird ein paar Tage Zeit bekommen, sein Mütchen zu kühlen.
     
  12. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Dazu kann ich nur sagen: Was ich selber denk´ und tu´, das trau´ ich auch dem andern zu.
    Nun bin ich aber noch nicht viel schlauer. Kann man die Kirche nun als eine art "stille Opposition" bezeichnen? ( die Bezeichnung gefällt mir übrigens )
    In dem Zusammenhang ist mir noch eine Frage eingefallen, die in dieses Thema auch hineingehört, wie ich finde:
    Wie war eigentlich das Verhältnis zwischen den Kirchen der DDR und der Ost-CDU?
    Weiß jemand etwas darüber?
     
  13. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich würde sagen, ja. Die Kirche musste sich ja einigermassen einigen mit diesem Staat. Und das hat auch geklappt.

    Zum Thema DDR- CDU verweise ich hier drauf.
    http://de.wikipedia.org/wiki/CDU_%28DDR%29
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2006
  14. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Das ist eigenartig gewesen.
    Man kannte sich. Es waren ja auch wirklich gläubige Christen in der
    Ost - CDU und auch Theologen.
    Die Kirche vermied jedoch alles , um als Befürworter der Ost-CDU
    aufzutreten.Hirtenbriefe entsprachen ja oft nicht der gewünschten
    staatlichen Politik. Die Publikationen der Kirsche auch nicht.

    Andererseits sprach auch die Ost-CDU die Kirche nicht öffentlich an.

    Wiederum waren beide hinreichend mit Stasi IM aller Arten durchsetzt,
    so dass das MfS jederzeit die Vorgänge in beiden Organisationen im
    Blick behielt. Auch der "Schutzraum Kirche" wurde damit fast jederzeit
    durchlöchert.
    Ich weiss von einem ev. Pfarrer und CFK - Aktivisten mit umfangreichen
    Kontakten zur Kirche in der Bundesrepublik - leider war er auch noch
    Inoffizieller Mitarbeiter des MfS. Er bekannte sich nach seiner Enttarnung
    auch dazu.:devil:

    Das Thema ist spannend genug für historische Forschungen.
     
  15. Mercy

    Mercy unvergessen

    Damit habe ich echt Probleme. Mit wem hatte die Ost-CDU Kontakte?
    Hirtenbriefe sind Verlautbarungen der katholischen Kirche. Die war in der DDR
    wohl kaum Ansprechpartner der Ost-CDU.
    Und welche Publikationen der Kirche (welcher Konfession) kämen da in Frage?
    Auch Blockflöten spielten nicht die erste Geige.
     
  16. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Um etwas genauer zu werden ( ich bin nicht darauf spezialisiert ) :

    Es gab durchaus Kathóliken in der Ost- CDU. Manche wurden nach der
    Wende Minister z.B. Willibald Böck aus dem Eichsfeld -Katholik,
    CDU- Mitglied lange vor 1989, Innenminister in Thüringen.
    Nun er kannte seinen Bischof sicher persönlich. Im Eichsfeld gab es sogar
    Prozessionen und Männerwallfahrt zu Ostzeiten.

    Es gab Schulungszentren der Ost - CDU , wo man sich auch im Rahmen
    von Diskussionen mit Kirchenvertretern traf. zB. Burgscheidungen.

    Es gab z. B die ev- Publikation " Glaube & Heimat " , welche wohl monatlich
    erschien. Auch da gab es systemkritische Inhalte.

    Falls Sie mehr wissen müssen, dann könnte ich einen Kontakt vermitteln.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Juli 2006
  17. Hardegen

    Hardegen Gesperrt

    Meines Erachtens nach ist ein wesentlicher Punkt bisher überhaupt zu kurz gekommen:
    Die unterscheidlichen Ziele der Opposition.
    So gab es auch in der DDR

    -Nationalisten, und Revisionisten (wenn auch in der Opposition als Ganzem in der Minderheit) , welche sich nicht zu der DDR bekannten, da sie ein Deutschland in den Grenzen von 1939 antrebten)

    -Bürgerrechtler, die in der Mehrheit einen reformierten Sozialismus in der DDR anstrebten

    -Kirchenkreise, welche Religionsfreiheit forderten und gegen den Atheismus ins Feld zogen

    -SED-Mitglieder, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen heraus nicht mehr mit der Parteipolitik identifizierten

    (Dies erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist mit Sicherheit ausbaufähig)

    Deis zeigt, daß die Opposition schon aus der unterschiedlichen Motivlage heraus nicht als Ganzes gesehen werden kann und auch aus diesen unterschiedlichen Motiven heraus nicht heterogen agieren konnte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juli 2006
  18. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    -Nationalisten, und Revisionisten (wenn auch in der Opposition als Ganzem in der Minderheit) , welche sich nicht zu der DDR bekannten, da sie ein Deutschland in den Grenzen von 1939 antrebten)
    >Die gab es sicher, sie sind aber in der Wendezeit 1989/90 nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

    -Bürgerrechtler, die in der Mehrheit einen reformierten Sozialismus in der DDR anstrebten
    >Das waren diejenigen, die sich dann im "Bündnis 90" zusammenfanden.

    -Kirchenkreise, welche Religionsfreiheit forderten und gegen den Atheismus ins Feld zogen
    >Religionsfreiheit brauchte man nicht fordern, die gab es. Jedoch war hier die Stasi sicher besondes aktiv...

    -SED-Mitglieder, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen heraus nicht mehr mit der Parteipolitik identifizierten
    >Die waren meines Wissens dann meist nicht mehr lange SED-Mitglieder.
    Ich kannte mal jemanden, der trat in die SED ein, bewarb sich als Berufsunteroffizier, nahm auch einige Privilegien, die man dann hatte, in Anspruch, machte seinen Grundwehrdienst und wollte dann aber aus der NVA wieder raus. Er gab meines Wissens gesundheitliche Gründe an. Ob er mit dieser Begründung durchkam, oder ob er noch einen anderen Grund erfinden mußte, weiß ich nicht, aber ich weiß, daß er nur wegen seinem Ausscheiden aus der NVA auch sein Parteibuch wieder abgeben mußte.
     
  19. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Konnten kaum Strukturen aufbauen und sind ja kläglich gescheitert. Bekanntes Beispiel ist Platzeck. Er erkannte das früh und ging in die SPD. Aber viele wollten die DDR "behalten". Nur eben reformiert.

    Das kam auf die Geschichte/ Hintergründe zu dieser Person an. Nehmen wir Jürgen Kuczynski als sehr bekanntes Beispiel. Er hat zwar viele Parteistrafen bekommen, war aber in hohen Posten und immer in der SED. Es gibt solche und solche! Und die SED-PDS Spitzenleute haben doch die alte Riege abgelöst, mit dem Gedanken etwas anderes zu machen.
     
  20. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Strukturaufbau zwecks politischer Wirkungsentfaltung scheiterte an mehreren Stellen:

    - Das "Neue Forum" entschloss sich , nicht zur politischen Partei
    umzustrukturieren - damit war die grösste und akzeptierteste Bürgerbewegung
    als politischer Machtfaktor vom Tisch - diejenigen Mitglieder , welche
    weiterhin politisch arbeiten wollten, gingen zur SPD, DA , DJ , Grünen usw.

    - Die westdeutschen "Alt" - Parteien kontaktierten die "Neu"-Parteien in der DDR
    und unterstützten personell und logistisch - so verklebte der DA
    massenhaft CSU - Plakate im Volkskammerwahlkampf 1990 - die
    Eigenidentifikation iin den Ost-Parteien fand deshalb kaum statt-
    die " Helfer " nahmen erheblichen Einfluss auf die Vorgänge

    - bekannte Führungspersonen wurden als Stasi-IM enttarnt zB.
    Ibrahim Böhme - diese Ost- Parteien kamen übehaupt nicht zur Ruhe,
    weil ständig Personalfragen zu klären waren

    - die frei gewählte Volkskammer und DDR- Regierung de Maiziere kam
    ebenfalls nicht zur Ruhe und Besinnung
    - die Regelungsbedürfnisse der innerdeutschen Beziehungen waren enorm
    - dazu drängte man zur Wiedervereinigung ( wer weiss wie das
    propagierte "kurze " Zeitfenster in Wirklichkeit war ? )
    -das Volk wollte einfach nur ebenfalls " bundesdeutsche" Verhältnisse
    auf DM - Basis haben

    Ich würde meinen, diese dichte Problemsubstanz , ob nun tatsächlich
    gewachsen oder künstlich aufgezwungen , verhinderte die ernsthafte
    politische Selbstfindung in der DDR sehr wirksam

    mfg
     

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