Russland besiegt ... und dann?

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Vizzler, 24. Juni 2020.

  1. Vizzler

    Vizzler Neues Mitglied

    Mich würde eine Diskussion zu folgendem Thema interessieren: Nehmen wir an, egal unter welchen Umständen, die Wehrmacht hätte Russlands Armee besiegt, Leningrad, Stalingrad und Moskau eingenommen und verhandelt aus einer Position der Stärke heraus den Frieden.
    Was dann? Das Land besetzen wie Polen oder Frankreich - unmöglich wegen der weite des Raumes, dafür gäbe es nicht genüg Soldaten. Daher müsste massiv auf Kollaborateure gesetzt werden, aber hätte es diese gegeben? Ich glaube eher nicht. Ich halte es für wahrscheinlich das sich das russische Volk in einem immerwährenden Guerillakrieg weiter gewehrt hätte und sich die Deutschen irgendwann einfach zurückziehen hätten müssen weil sie keine Aussicht gehabt hätten dieses weite Land jemals unter Kontrolle zu bringen.
    Natürlich wäre dies mit gewaltigen Verlusten für die russische Bevölkerung einhergegangen - Hunger und die Gewalt der Deutschen hätten ihren Tribut gefortert. Aber das die Deutsche Russland unter Kontrolle gehabt hätten, glaube ich nicht, was meint ihr?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Guerilla - bei den Kämpfen in Polen, Weißrussland und der Ukraine oder auch Jugoslawien spricht man meist von Partisanen, aber letztlich ist es dasselbe - war eine Folge der deutschen Besatzungspolitik, wenn auch die stalinistische Führung mittels Kommissaren versuchte Einfluss zu nehmen. In der Ukraine und im Baltikum wurden die Deutschen 1941 anfänglich sogar als Befreier begrüßt - eine schwere Fehleinschätzung der Bevölkerung, bedingt durch stalinistischen Terror und auch den noch unvergessenen Holodomor etc.
    Das Partisanentum erhielt v.a. deshalb Auftrieb, weil die Deutschen das Land ausplünderten. Ganz konkret sah der Backe-Plan (als Teilplan des Generalplans Ost) vor, die Bevölkerung arbeiten zu lassen, ihnen aber die Produkte ihrer Arbeit abzunehmen und einzukalkulieren, dass sie verhungerten (daher ist der Backe-Plan auch als Hungerplan bekannt). Während des Krieges wurden ca. 30.000.000 Sowjetbürger getötet (das ist über die Hälfte der insgesmat im WKII Verstorbenen = 53.000.000) Hätte Dtld. also den Krieg im Osten gewonnen, dann wäre die Politik klar diese gewesen, Gebiete zu entvölkern und durch "Wehrbauern" wiederzubesiedeln. Die Entvölkerung wäre durch Versklavung, Verhungernlassen und Vertreibung vonstatten gegangen. Vereinzelt hätte man Personen eingedeutscht. Das hätte man getan, weil man sie entweder als "Volksdeutsche" anerkannte (diese hatten tatsächlich eine deutsche Herkunft) oder weil man sie anhand der Pseudowissenschaft Kraniometrie als germanischer Herkunft eingestuft hätte.
    Da die Wolgadeutschen aber nach Kasachstan verbracht worden waren, dürfte es in den besetzten sowjetischen Gebieten verschwinden wenige Leute gegeben haben, welche als volksdeutsch eingestuft worden wären.

    Deine Fragestellung berücksichtigt nicht, dass die Deutschen einen Rassekrieg führten. Hätten die Deutschen einen herkömmlicheren Krieg geführt und die Zivilbevölkerung nicht drangsaliert, wären sie weiter als Befreier wahrgenommen worden, ein militärischer Widerstand hätte sich vielleihct auf vereinzelte Kommmunisten beschränkt. Das würde aber völlig außer Acht lassen, warum Hitler überhaupt den Überfall auf die SU befahl. Das kontrafaktische fängt also nicht beim hypothetischen Ergebnis deiner Fragestellung an, sondern im Prinzip schon im Frühsommer 1941. Will sagen, der Krieg folgte einer rassistischen und sozialdarwinistischen Logik mit dem Anspruch auf Osteuropa als historisches Siedelland der Germanen (so sahen die Nazis das), ohne das hätte es den Krieg nicht gegeben und ohne das wäre der Krieg nicht so geführt worden, wie er geführt wurde.
     
  3. Leon30

    Leon30 Neues Mitglied

    Da deine Frage hypothetischer Natur ist, füge ich jetzt keine Belege an, da mir aktuell auch keine geeigneten einfallen. Also sind das im Folgenden spekulative Gedanken von meiner Seite aus.
    Ich denke, dass sich zu einem solchen Zeitpunkt die Alliierten nicht auf ein Friedensabkommen eingelassen hätten (zb aufgrund des Angriffs Japans auf Pearl Harbor, Luftkrieg mit UK, ...). Davon abgesehen denke ich, dass Hitler-Deutschland die SU zwar besetzt hätte, jedoch keine Kontrolle über das gesamte Land hätte erreichen können, wie du ja bereits schon geschrieben hast. Von einer nennenswerten Kollaboration der Zivilbevölkerung, wie bspw. in Frankreich, ist denke ich aufgrund der politischen, ideologischen und ethischen Distanz zum sog. Dritten Reich nicht auszugehen. Ich gehe davon aus, dass das sog. Dritte Reich vor allem den Westen der SU als „Lebensraum im Osten“ verwendet hätte aber nicht weiter in den Osten (Städte wie Jakutsk) vorgedrungen wäre. Dazu ist das Land einfach zu groß und für Hitler-Deutschland uninteressant. Hitler hätte es sicher versucht weiter vorzustoßen (Bspw. nach dem Ende des 2.WK; Expansive Politik Hitlers), aber meiner Meinung nach mit geringem Erfolg, bei zu großem Personalbedarf. Würde daher von einem Fortbestehen der SU ausgehen, in verkleinertem Territorium. Kurz gesagt wäre nach einer Besetzung Moskaus (wie du sie ja hypothetisch beschreibst) erst einmal der Feldzug im Osten beendet worden. Für den Osten der SU wäre hierbei aber auch der Faktor des Chinesisch-Japanischen Krieges, die Position Britisch-Indiens sowie des Pazifikkrieges möglicherweise entfernt relevant gewesen.
     
  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Eine "Position der Stärke" wäre mit der Entwicklung der Atombombe spätestens 1946-1947 nicht mehr gegeben gewesen.
     
    Ralf.M gefällt das.

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