Der Rosenrkieg von Verona - ein Lustspiel in drei Akten
Ich fasse, zugegeben in satirischer Form zusammen, wie die das Epos Laurin und sein Rosengarten und die verschiedenen hier von Sternbach gedeuteten historischen Hintergründe fiktiv amalgiert werden müssen, um die Auslegungen vom Kopf auf die Füsse zu stellen.
Der erste behauptete historische Hintergrund des Epos sind die fränkisch-byzantinisch-langobardischen Konflikte der 2. Hälfte des 6.Jahrhundert in Norditalien. Daher beginne ich hier mit dem fiktionalen Geschehen.
1. Theuderic . ein churrätischer Dux im fränkischen Heer 590, das die Alpen durch das Etschtal überquert hatte, und im Tridentum zahlreiche Festungen und befestigte Ortschaften belagert, erobert und geschliffen, und dabei zahlreiche romanische und langobardische Gefangene gemacht hatte, wurde Mitte August beauftragt den Rückzug der fränkischen Heerscharen im Etschtal vorzubereiten und als Vorhut voranzumarschieren. Dieser Vormarsch auf der Via Raetia von Verona aus, wo das fränkische Heer lagerte, machte am 5.Tag in Endidae halt.
2. Ein Gesandter des Exarchen von Ravenna, Romanus, begleitete die fränkische Vorhut. Der Benediktinermönch Winifridus erzählte Theuderic beim Abendmahl, dass der langobardische Herzog des Tridentum, Eoin, in der Nähe einen wundersamen und zauberischen Rosengarten hätte, von einem seidenen Faden umgeben. Und jeder, der den Faden zerreißen würde, und den Garten widerechtlich betreten würde, würde Eoin zum Kampf herausfordern.
3. Da vor Verona wochenlang zwischen Chedin, dem Heriheizo (Magister militium) der Franken und dem Legaten des langobardischen Königs Authari, Dux Zangrulf von Verona nur verhandelt wurde, Delegationen an den Exarchen gingen, und die Bischöfe Lösegeld für die romanischen Gefangenen aufbrachten (zwischen einem Solidi bis 600 Solidi je nach Bedeutung und Wert der Geiseln), und im Heerlager die Ruhr ausgebrochen war, sich die Krieger gelangweilt und in der dörrenden Hitze unter dem Hundsstern geschmachtet und gelitten hatten, war ein Aventuire ihnen gerade Recht. Ein gefangener langobardischer Herzog, mit einer bairischen Königstochter verheiratet, würde ein gutes Lösegeld einbringen.
4. Daher beschlossen die Degen Theuderic, Witugauja, Dux von Alemannien, Hiltibrant, der Truhtīn von Theuderic, und Dietleib, sein Waffenträger, am nächsten Morgen zusammen mit ihrem engen Gefolge und dem Mönch den Rosengarten zu suchen. Sie befragten einen ortskundigen Cives, Theobaldus, einen romanisierten Ostgoten, nach Eoins Rosengarten. Theobaldus fragt, wer sie seien, Meinhard oder Pippin? Vor denen wäre Eoin geflohen. Der Einheimische führt sie tatsächlich zu einer Brombeerhecke, die von einem Seidenfaden umgeben war.
5. Theuderic fragt Hiltibrant was er sieht, der antwortet wahrheitsgemäß, nicht als eine Brombeerhecke. Was der Sinn des Fadens wäre. Ein Kinderstreich. Theuderic stellt Winifridus zur Rede. Ob dies der berühmte zauberische Rosengarten wäre? Er bestätigt es, vielleicht wäre es eine Fortifikation. Von was, fragt der Herzog. Hier ist weit und breit niemand. der Seidenfaden könnte ein Frühwarnsystem sein. Hilitbrant, der alte Kämpe lacht. Der Sinn eines Frühwarnsystem ist es geheim zu sein, und nicht ein Thema einer Mär, die sich jeder erzählt, und selbst der Besitzer verbreitet. Vielleicht wäre die Brombeerhecke ein verzauberter Rosengarten, dessen Zauber gebrochen werden müsse, so der Mönch. Warum es dann verboten sei, fragt Theuderic, und ob aus der duftlosen Brombeerblüte je eine Rose werden könne.
6. Theuderic fragt Witugauja, was sie tun sollen. Er würde wieder umkehren, er, Theuderic, hätte das verlorene Paradies erwartet, und wurde von einem Dornengetrüpp getäuscht. Der Alemanne scherzt, dass es nicht der Garten der römischen Villa wäre, in der sie Julia, die schöne Tochter aus der senatorischen Familie aus Verona, kennengelernt hatten. Er würde die Herausforderung der lächerlichen Geschichte des Mönchs versuchsweise annehmen, auch wenn er sich nicht vorstellen könne, dass ein Herzog wegen einer Brombeerhecke einen Zweikampf beginnen würde. "Machen wir die Probe" (aufs Exempel kam später dazu und wurde zum geflügelten Wort).
7. Also zerreißt Witugauja den Faden und beginnt ihn spottend aufzuwickeln, ob das Garn wohl von den Nornen gesponnen wäre. Theuderic überlegt, ob es sich um ein Fanum handeln könnte, einen heidnischen Bezirk. 587 hatte er in einem Tischgespräch in Andelot von Gregor von Tours gehört, dass sein Onkel Gallus, Bischof von Clermont wie er, einen heidnischen Tempel in Agrippensis angezündet hätte, und eine empörte Volksmenge ihn deswegen lynchen wollte. Der austrasischen König Theuderich I. konnte ihn schützen. Die Geschichte erzählt er seinen Gefährten, daraufhin steckt Witugauja die Hecke in Brand.
8. In diesem Augenblick taucht ein Reiter auf, in silberglänzender Rüstung, wie ein Erzengel, gefolgt von einhundert langobardischen Bogenschützen, die ihrem Anführer schwitzend folgen. Theuderic befiehlt sofort "Folkon!", und die Krieger bilden blitzschnell einen Schildwall,
und bevor der Dux noch rufen kann, dass alle seine Befehle abwarten sollen, fliegt die erste Franziska und spaltet dem vordersten Bogenschützen den Schädel. Der Herzog schreit sofort aufzuhören, und lässt sich Schild und Helm von seinem Knecht geben. (Weil der Benediktinermönch diese Schlachtordnung aufschrieb, landete der Begriff Folkon im Strategikon des byzantinischen Kaisers Maurikios).
9. Gerüstet trat er dem Reiter entgegen, und stellte sich vor, und fragte ob er Evin sei. Der antwortete, er sei Ezzelin von Enn, und Graf der Gegend. Er fordere für diese Freveltat den linken Fuß und die rechte Hand vom Übeltäter. Wenn dieser Rechtshänder sei. Theuderic findet das übertrieben, die Brombeeren würden bald wieder nachwachsen. Er könne auch ein Wergeld zahlen. Inzwischen war es vom Feuer so glutheiß, dass sie vom lichteloh brennenden Gebüsch Abstand nehmen mussten und zusammen mit den Bogenschützen das feuer am Übergreifen hindern mussten.
10. Ezzerlin von Enn will jedoch kämpfen, und kann Witugauja tatsächlich bezwingen. Im Kampf gegen Theuderic kann er letztlich nicht bestehen, und bittet um Gnade, diese wird ihm nach Intervention von Hilitbrant gewährt. Daraufhin wird Frieden geschlossen und Ezzelin lädt sie in sein Bergwerk zu einem Festessen ein. Die Helden stellen erstaunt fest, dass der Edelfreie weiter weg von Endidae wohnt. Warum er die Hecken nicht um seine Burg gepflanzt hätte? Die wäre ja unterirdisch, antwortet der Herr von Enn trotzig. Irgenwie kam Hilitbrant der Hügel bekannt vor, war da nicht ein Castrum dass sie auf dem Hinzug nach Italien abgebrannt hatten? Der stolze Herr von Enn wollte nicht zugeben, dass er jetzt im Berg leben muss, weil er sein Heim verloren hat.
11. Warum die Hecke so wichtig sei, um sie mit einem Verbot zu belegen? Ezzelin murmelte etwas von der Familie der Rosengewächse, Etymologie von rotschen, Karl dem Großen und Tassilo dem Dritten. Da schauten sich die Franken fragend an, weil sie nicht schlau aus dem Kauderwelsch wurden (aus den Gesprächen mit Ezzelin entstand später dieser Begriff). Obwohl Theuderic der welschen Sprache mächtig war, konnte er dem Grafen kaum folgen. Er wirkte auf sie "wie aus der Zeit gefallen".
12. Im Bergwerk trafen sie auf Dietleibs Schwester, die Ezzelin bei einem Fest kennengelernt hatte. Kunhilt mochte Ezzelin, mein Laurin, wie sie ihn liebevoill nannte, doch wolle sie wieder nach Hause in eine "christliche Umgebung" - zweideutig meinte sie damit, dass das Leben im Bergwerk ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden abträglich ist .Außerdem hätten die Enns viele Feinde, den Grafen von Tyrol, und Norditalien läge im Streit zwischen Ghibellinen und Guelfen. Ständig würden Burgen überfallen und Waffenstillstände geschlossen. Dietleib nahm die Herzöge und Hilitbrant zur Seite, er fühle sich unwohl, er habe von all dem noch nie etwas gehört. Hiltibrant meinte trocken, dass sie Zuhause von alldem lieber nichts erzählen und sich möglichst bald von ihrem Gastgeber verabschieden sollten. Möglicherweise habe der die Angst, für die schon König Herodes in der Bibel ein Beispiel ist, die Paranoia, wegen vieler Mordversuche aus nächster Verwandschaft.
13. Und so kommt es zu leider keinem versöhnlichen Ende, die Franken ziehen zurück über die Alpen, beutebeladen und mit Kunhilt; Ezzelin haben sie nach einer Auseinandersetzung als Gefangenen mitgenommen, waren sich aber nicht sicher, ob für ihn jemand Lösegeld zahlen wird. Chedan hatte mit König Authari eine zehnmonatigen Waffenstillstand abgeschlossen, um Verhandlungen mit dem neustrischen König Childebert II. möglich zu machen, und gegen den erbitterten Einspruch des Exarchen von Ravenna zogen die Franken ab. "Während wir es nicht ertragen haben, gegen die Feinde Gottes und unsere gemeinsamen [Feinde] ohne den Rat eurer Führer irgendetwas zu sprechen oder zu tun, haben jene – wie wir gesagt haben –, die von Anfang an Gespräche mit ihnen (den Langobarden) führten, uns in allen Belangen im Stich gelassen. Sie haben einen Frieden von zehn Monaten mit ihnen geschlossen, wobei sie in der Tat sowohl die Gier nach Beute hatten als auch das Heil [ihres eigenen Vorteils] suchten, während sie das Heer begleiteten. Da das Heer bereits dem Willen seines Führers folgte, zogen sie plötzlich ab.“ (Brief an Kaiser Maurikios).
14. Der langobardische König wurde am 5.September 590 von seinen eigenen Leuten ermordet. Hatte er in den Augen der Herzöge versagt? Seine bairische Frau Theolinde heiratete den Dux Agilulf von Turin, der bis 616 König blieb. Dux Evin oder Eoin führte eine Gesandschaft zu Childebert II. an, und handelte 591 einen Frieden mit den Franken aus. Die Langobarden wurden ihnen tributpflichtig. Und so endete der Krieg ohne Eroberung und Entmachtung der Langobarden, das Langobardenreich blieb bis 774 bestehen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.