Sklaverei in den USA

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Tutti, 22. Juni 2020.

  1. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Hat er doch vor seiner Wahl, oder irre ich da? Ihm wurde halt nicht geglaubt.

    Ja, bei zig Millionen Sklaven werden sich auch zwei, drei finden lassen, die von ihren Eigentümern anständig behandelt wurden. Menschen sind unterschiedlich und manchmal sogar trotz aller Umstände menschlich; wenn auch eher selten...

    Aber die schlechte Behandlung war im System angelegt: Es lohnte sich halt rein ökonomisch, aus Sklaven heraus zu holen, was sich heraus holen lässt. Alles, was über den Erhalt der Arbeitskraft hinaus geht, sind Kosten, und Kosten gilt es in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu minimieren.

    Auch die Gewalt ist der Sklaverei inhärent, ohne sie ist die Degradierung von Menschen zu Eigentum nicht zu haben. Ohne die massive Drohung mit Gewalt lassen sich Menschen nicht versklaven, und ohne den fortgesetzten und nachhaltigen Einsatz von Gewalt ist eine solche Drohung nicht glaubwürdig.

    Die Frage der Sklaverei hatte die Nation seit Jahrzehnten gespalten wie kein anderes politische Problem. Von Fragen der Ethik mal ganz abgesehen, es wäre gradezu sträflich nachlässig, die Situation des von der Konföderation provozierten Bürgerkrieges und der damit ohnehin vorhandenen Verwerfungen nicht zu nutzen, diese Streitquelle grundlegend und endgültig zu entschärfen. Ohne das hätte man den Süden auch ziehen lassen können...

    BTW, "Verbitterung" & "Gefühl der Demütigung" respektive (fehlende) "Versöhnung" mal als Stichworte nehmend: Wie und wann die Abschaffung der Sklaverei umgesetzt wurde, dass sie überhaupt notwendig war, und was danach geschah, da knabbern die Staaten noch heute dran, wie jeder Blick in die Nachrichten beweist...
     
  2. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Öh ... da würde ich dann doch mal ein grundlegendes Werk zum Amerikanischen Bürgerkrieg empfehlen (z.B. James McPherson, Für die Freiheit sterben). Bei Dir sind da einige Aussagen drin, die mich eher daran glauben lassen, dass Du Dir da ohne große Faktengrundlage eine bestimmte Ansicht mit großen Sympathien für den Süden zurecht gezimmert hast.

    Nur in aller, aller Kürze: Soweit ich weiß, hat Lincoln mehrfach gesagt, dass er die Sklaverei nicht antasten würde, wo sie schon existierte. Zweitens hat ihm der Süden, als er dann zum Präsidenten gewählt wurde, nicht einmal Zeit gegeben, sein Amt überhaupt anzutreten. Man gab ihm also nicht einmal die Chance, im Amt zu zeigen, was er nun bzgl. Sklaverei unternehmen würde (Sezession South Carolinas am 20. Dezember 1860).
    Der Süden begann den Bürgerkrieg. Aus gewissen strategischen Überlegungen heraus befreite Lincoln mit der Emancipation Proclamation die Sklaven im Süden (also nicht die in den Sklavenstaaten, die in der Union verblieben waren). Die Überlegungen waren u.a., dass man England und Frankreich davon abhalten wollte, den Süden (noch mehr) zu unterstützen, dass man das Potential der freien Schwarzen im Norden nutzen wollte und evlt. auch der Truppe neue Motivation durch ein neues, moralisch motivierendes Ziel zu geben (obwohl ich eher dazu neige, dass DIESER Versuch etwas nach hinten los ging).

    Lincoln hat den Sieg im Bürgerkrieg gar nicht dazu nutzen können, in den geschlagenen Südstaaten die Sklaverei "über Nacht" abzuschaffen
    - die Skalven wurden in den Gebieten des Südens befreit, die der Norden besetzte, das geschah sukzessive während des Verlaufs des Krieges seit der Emancipation Proclamation.
    - das Zitat Lincolns (von dem ich ausdrücklich erwähnt habe, dass es ausführlicher in einem anderen Thread zu finden ist (gar nicht schwer, einige Threads unter Deinem in genau diesem Unterforum) sagt nämlich weiter, dass er alle befreien würde, wenn er dadurch die Union retten könnte. Er würde sogar einen Teil befreien und einen Teil in Sklaverei lassen, wenn er damit die Union retten könnte. Das heißt, Lincoln war die Sklaverei an sich bei diesen Ereignissen gar nicht so wichtig, es ging um die Union. Hätte der Süden die Union nicht "zerstört", wäre auch die Sklaverei in absehbarer Zeit nicht angetastet worden. Im Krieg erschien Lincoln die teilweise Befreiung der Sklaven dann einfach als ein Mittel, die Union zu retten.
    - Lincoln wurde am 15. April 1865 von einem radikalen Südstaatler ermordet. Eine Versöhnung konnte er also gar nicht mehr auf den Weg bringen. Er hätte sie, wie er selbst sagte (und daran zweifle ich jetzt nicht) "with malice towards none" durchgeführt. Seine Nachfolger hatten da weniger faire/freundliche Vorstellungen davon, was man jetzt mit den besiegten Südstaaten machen sollte (Reconstruction, carpet baggers - bitte bei Bedarf selbst googlen).
    - alle Sklaven wurden erst nach Lincolns Tod befreit (der 19. Juni wird in den USA als Tag der Befreiung der Sklaven gefeiert ... zumindest von einem Teil der Bevölkerung), der 13. Zusatzartikel der Verfassung, der die Sklaverei im ganzen Gebiet der USA endgültig abschaffte, trat erst im Dezember 1865 in Kraft.

    Und ja, nach dem Krieg gab es im Süden das Gefühl der Demütigung und Unterdrückung. Das lag aber weniger an Lincoln (siehe oben). Und es liegt fast in der Natur der Sache, dass ein in einem Krieg Besiegter ein Gefühl der Demütigung empfindet ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Juni 2020
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  3. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Weil auf das Andere hier schon eingegangen worden ist:

    Zum einen, wie das bereits ausgeführt wurde, blieb Lincoln nach dem Krieg nicht mehr so viel Zeit.
    Zum anderen war die Sklaverei mindestens in den besetzten Teilen des Südens durch den Krieg de facto abgeschafft.

    Die Sklaven in diesen Gebieten waren längst nicht mehr an Ort und Stelle, verdingten sich teilweise in der Unions-Armee, die Plantagen in diversen Gegenden waren verwüstet und durch die Seeblockade (die es über Jahre kaum ermöglichte die Baumwolle in Europa abzusetzen, während Großbritannien zunemend auf Importe aus Ägypten umstellte )und die Aufwendungen des Krieges, Plünderungen, so wie eine absolut ausufernde kriegsbedingte Inflation etc. ein Großteil der Südstaaten-Elite wirtschaftlich ziemlich am Ende.

    Die vormaligen Wirtschafts- und Sozialstrukturen im Süden, waren durch den Krieg in einer Weise erschüttert worden, dass sich das faktisch so nicht wieder aufrichten ließ, egal wie viel guten Willen man da hineingesteckt hätte. Auch wäre es technisch unmöglich gewesen Millionen geflüchteter Sklaven aus den bezeichneten Gebieten wieder ausfindig zu machen, einzufangen und zu ihren vormaligen Besitzern zurück zu bringen.

    Die Zeit für Kompromisse in der Sklavenfrage, war mit dem militärischen Vordringen der Union in den tiefen Süden schlicht und einfach abgelaufen.


    In den ersten beiden Kriegsjahren, war das nicht so.
    Wenn sich die Konföderation in diesem Zeitabschnitt aus freien Stücken heraus ergeben und der Union wieder angeschlossen hätte, hätte sie die Sklaverei vermutlich jedenfalls in den Gebieten, in denen sie bestand, zunächst einmal konservieren können.

    Was ein Friedensschluss und eine Wiederherstellung der Union aus freiwilligen Stücken dem Süden nicht gerettet hätte, wäre sein traditioneller politischer Einfluss aus der Frühzeit der Vereinigten Staaten gewesen.
    Ganz einfach, weil mit der Industrialisierung die nördlichen Staaten zu größerer wirtschaftlicher macht kamen und durch die, vor allem auf den Norden konzentrierte Einwanderung, sich auch die demographischen Potentiale, zunehmend in Richtung Norden verschoben.
     
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  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wenn du einen Eindruck von der Sklaverei in den USA gewinnen willst, würde ich dir empfehlen, eine der Biographien des Abolitionisten, Autors und Bürgerrechtlers Frederick Douglass zu lesen. Douglass floh aus der Sklaverei in Maryland und ließ sich zunächst in New York, dann in Massachusetts nieder, wo er als Kalfaterer einen Job auf den Werften fand. Bei einer Abolitionisten-Kundgebung wurde er gebeten, ein paar Worte zu sagen. Das Publikum war gebannt von seiner Rhetorik, und er verfasste seine erste Biographie The Life of Frederick Douglass, an American Slave written by himself. Douglass verfasste zwei weitere Biographien My Bondage and my Freedon und zuletzt einige Jahre vor seinem Tod die letzte und beste The Life and Times of Frederick Douglass. Da war Douglass schon ein anerkannter Autor, und die Sklaverei war längst Geschichte. Am reizvollsten lesbar sind die Passagen im Antebellum Süden vor dem Krieg. Douglass ist sehr gut lesbar, die erste Biographie gibt es gemeinfrei im Internet, und The Life and Times of Frederick Douglass kannst du dir als Audiobook von Librivox anhören.

    Die Geschichte ist fiktiv, und manche Passagen erscheinen ziemlich rührselig, andere sind in der Qualität sozialkritischer Literatur ebenbürtig mit Werken von Dickens. Die Rede ist von Harriet Beecher-Stowes Roman "Uncle Tom´s Cabin. Das Buch wurde hochgelobt, nach dem Ende der Sklaverei wurde Uncle Tom geradezu zum Schimpfwort. Ende des 20. Jahrhunderts entdeckte man den Schmöker wieder als feministische Literatur.

    Etwa um 1850 wurde der Fugitive Slave Act erlassen. Damit hörten die Nordstaaten auf einen Schlag auf, ein sicherer Hafen zu sein. Ein amerikanisches Gericht urteilte um 1850, dass ein Schwarzer keine Rechte besitze, die ein Weißer respektieren muss. Es wurden Tausende von Afroamerikanern von Sklavenfängern in den Süden verschleppt. Hunderte dieser Menschen waren niemals Sklaven gewesen, es nutzte ihnen nichts. Wenn ein Sklavenfänger schwor, dass ein Schwarzer sein Sklave gewesen war, hatte er kaum Chancen dagegen vorzugehen. Freilassung zählte nicht nur im Süden so gut wie nichts, nach dem Fugitive Slave Act mussten sie auch in den freien Staaten damit rechnen, wieder zum Sklaven gemacht zu werden. Wer aus der Sklaverei in Maryland oder Virginia geflohen war, konnte sich erst in Kanada einigermaßen sicher fühlen, und selbst da konnte man noch entführt werden. In Uncle Toms Hütte heuert der Sklavenhändler Haley die beiden Gauner John Loker und Marks an, die ihm eine geflohene Sklavin und ihr Kind wieder einfangen sollen.

    Der größte Kritiker der Sklaverei ist in diesem Roman der Südstaatler Augustin St. Claire, der seine Sklaven sehr human behandelt, aber stirbt, bevor er den Titelhelden Tom freilassen kann. Der wird versteigert und gerät in die Fänge des fiesesten Sklavenhalters, ein Yankee namens Simon Legree, der eine Baumwollplantage am Red River betreibt. Bei allen Klischees und Sentimentalitäten bietet der durchaus spannende Roman eine Reihe von Informationen zur Sklaverei.

    Frederick Douglass verarbeitet Erfahrungen aus seiner Zeit auf dem Landsitz des 13, Gouverneurs von Maryland Eduard Lloyd. Douglass mutmaßlicher Vater besaß selbst 2-3 Farmen und war sozusagen der Aufseher der Aufseher von Colonel Lloyd. Douglass schreibt, dass die Haussklaven, die meistens auch einige Schattierungen heller waren, als ihre Leidensgenossen auf den Baumwollfeldern so etwas wie eine schwarze Aristokratie bildeten. William Wilks, der Kutscher war ein leiblicher Sohn von Colonel Lloyd, dem er sehr ähnlich sah. Besonders glich William Wilks seinem Halbbruder Murray Lloyd. Wegen dieser Familienähnlichkeit hasste Murray seinen Halbbruder bis aufs Blut, und er lag seinem Vater immer in den Ohren, dass dieser Wilks verkaufen solle. Schließlich hatte er ihn so weit, und Wilks sollte an Austin Woolfolk, überstellt werden, einen bekannten Sklavenhändler. Vorher sollte er noch ausgepeitscht werden, aber das war eine schlappe Sache. Wilks musste nur einige Hiebe einstecken und bekam danach von seinem Vater eine goldene Uhr geschenkt. Am nächsten Tag wurde Wilks in Ketten gelegt und dem unbarmherzigen Woolfolk übergeben. Bei der Versteigerung ereignete sich aber etwas eigenartiges: William Wilks bot für sich selbst, überbot alle Interessenten und blieb anschließend in Baltimore wohnen. Man vermutete, dass Colonel Lloyd seinem Sohn das Geld gab, doch in Wirklichkeit hatte Wilks etwas an Ersparnissen und gute Freunde unter den freien Schwarzen, die ihm halfen, den Kaufpreis aufzutreiben.
    Insgesamt aber waren es nur wenige "Lieblinge", die gut ernährt und gekleidet wurden. Die Feldsklaven erhielten pro Monat nur 1 Scheffel grobes Maismehl und 6 Pfund Schweinefleisch oder Hering. Dazu gab es 1 Hose, 1 Jacke und ein grobes Paar Schuhe. Kinder, die zu jung für die Feldarbeit waren, liefen buchstäblich nackt herum, und Douglass berichtet, dass er als Kind so unter Hunger und Kälte gelitten habe, dass er mit dem Hofhund um Essensreste kämpfen musste. Für die Kinder gab es bloß "Mush", eine Art Grütze aus Maismehl und Wasser, die in einem Trog serviert wurde, als wenn die Kinder lauter Schweine gewesen wären.

    Einem Sklaven nicht genug zu essen zu geben, galt allgemein als äußerst schäbig, dennoch gab es Sklavenhalter, die ihren Sklaven so wenig gaben, dass sie in der Nachbarschaft betteln und stehlen mussten.

    Auf größeren Plantagen bekam ein Sklave seinen Herrn womöglich selten oder gar nie zu Gesicht. Mit wem man es zu tun hatte, waren Aufseher, und die waren de facto Herren über Leben und Tod. Fred Douglass erzählt die Geschichte eines Sklaven, der eines Tages auf der Landstraße seinen Herrn Lloyd traf, den aber nicht kannte. Der Colonel fragte, wer sein Herr sei und ob der ihn gut behandele. Der Sklave sagte wahrheitsgemäß, dass er zu schwer arbeiten müsse und zu wenig zu essen bekomme. Lloyd ritt seelenruhig weiter. Einige Tage später wurde der Sklave in den Süden verkauft, weil er an seinem Herrn etwas auszusetzen hatte. Douglass schrieb, er habe auf derartige Fragen immer gesagt, dass seine Herrschaft gütig sei. Eine große Lüge sei das nicht gewesen, da er ihre Güte immer an der der anderen Sklavenhalter gemessen habe- Mit Güte war da nicht viel los.
     
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  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gab, das wissen viele nicht, auch Bundesstaaten, in denen die Sklaverei erlaubt war, die in der Union verblieben und sich gegen die Sezession entschieden. Kentucky, Missouri, Maryland und Delaware blieben in der Union, in Kansas war es (bleeding Kansas") zu äußerst radikalen Kämpfen zwischen Sklavereibefürwortern und Abolitionisten gekommen. Ein Teil von Virginia, das heutige Westvirginia hatte sich gegen die Sezession entschieden. Lincoln war ein äußerst moderater Gegner der Sklaverei, und er war bereit, sie zu dulden. Die jungen USA waren ein sehr heterogenes Land. Im Kongress gab es eine fein austariertes Gleichgewicht zwischen freien und Sklavenstaaten. Dieses Gleichgewicht drohte sich aber zu verschieben mit jedem Territorium, das als neuer Bundesstaat der Union beitrat. Lincoln war bereit, die Sklaverei dort zu dulden, wo sie existierte, keinesfalls aber die Sklaverei in neuen Territorien zu dulden.

    Kein Präsident hätte nach Ende dieses Krieges die Sklaverei aufrecht erhalten können. Wenn dieser Krieg überhaupt einen Sinn gehabt haben sollte, dann musste die Sklaverei endlich verschwinden- sie war schon lange ein Ladenhüter gewesen. Die Mehrheit der Bevölkerung des Südens war keine Sklavenhalter, und die Sklaverei drückte den kleinen Farmern die Preise. Das System der Sklaverei wurde von Leuten verteidigt, die überhaupt keinen Vorteil, nur Nachteile davon hatte.
     
  6. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Frederick Douglass is an example of somebody who’s done an amazing job and is getting recognized more and more, I notice
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Vorstellung von "dem industrialisierten" Norden dessen Wirtschaft auf brutaler Ausbeutung der Arbeiter beruhte, ist Unsinn. Die Industrialisierung war auch in New York und Pennsylvania keineswegs schon so fortgeschritten, dass die überwiegende Mehrheit der Amerikaner nördlich der Mason Dixie-Linie aus Industriearbeiterschaft bestand. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Nordstaatenbewohner lebte auf dem Land und von der Landwirtschaft oder arbeitete in Handwerksbetrieben. Schwerindustrie hatte sich in einigen Gegenden Pennsylvanias und New Yorks entwickelt, aber auch die Neu-Englandstaaten waren am Vorabend des Krieges vor allem agrarisch geprägt. In Massachusetts, das zu einem Zentrum des Abolitionismus wurde, spielte nicht die Schwerindustrie, sondern der Walfang und das Schiffsbauwesen die dominierende Rolle, und in New York das Banken- und Versicherungsgewerbe. Anzunehmen, die Mehrheit der Bewohner der Nordstaaten sei Industriearbeiter gewesen, ist schlicht ein Zerrbild.

    Ähnlich holzschnittartig ist die Vorstellung, dass der Abolitionismus in den Nordstaaten eine sehr einflussreiche Bewegung war. Bis Ende der 1848er Jahre sahen viele in William Lloyd Garrison, dem Herausgeber der einflussreichsten Abolitionistenzeitung nicht viel mehr als einen Troublemaker. Das änderte sich durch die Verwerfungen, die der Fugitive Slave Act verursachte. Lediglich einige Abolitionisten forderten überhaupt eine Abschaffung der Sklaverei, und den intelligenteren war auch klar, dass vorerst eine solche Forderung nicht umzusetzen war.

    Manche moderate Gegner der Sklaverei schlugen vor, Sklavenhalter zu entschädigen und die befreiten Sklaven wieder in Afrika anzusiedeln. Der Staat Liberia verdankt seine Existenz solchen Überlegungen. Neben Äthiopien war Liberia der einzige afrikanische Staat, der nie kolonialisiert wurde. Die ersten seiner Präsidenten stammten aus den USA. Im Roman Onkel Toms Hütte geht der ehemalige Sklave George Harris am Ende nach Liberia. Auch Lincoln sympathisierte mit solchen Vorstellungen. Fred Douglass hat Lincoln vielfach kritisiert, da er fand, dass Lincoln den Sklavenhaltern zu viele Zugeständnisse machte.

    Abraham Lincoln war ein äußerst moderater Gegner der Sklaverei. Sie "über Nacht" abzuschaffen wäre ihm als Realpolitiker niemals eingefallen, und natürlich war ihm klar, dass eine solche Forderung ein Affront gewesen wäre, der eine Sezession beschleunigt hätte. In Kansas (Stichwort bleeding Kansas) war es bereits zu Gewaltakten zwischen Sklavereibefürwortern und Gegnern gekommen.

    Zu freien Schwarzen in den Südstaaten: Es gab Master, die den Selbstfreikauf von Sklaven duldeten oder sogar ermutigten. Es gab in vielen Staaten Schwarze, die frei geboren waren oder durch Freilassung/ Freikauf die Freiheit erlangten. Manche, die ein Handwerk gelernt hatten, arbeiteten auf eigene Rechnung oder als Angestellte. Ein Bürgerrecht, das ihnen die Teilnahme an Wahlen gestattet hätte, hatten sie nicht. Seit der Sklavenhandel verboten wurde von GB und es keinen Nachschub aus Afrika mehr gab, wurde die Freilassung erschwert. Manche Staaten wie North Carolina erließen Gesetze, die Freigelassenen die Niederlassung erschwerten oder unmöglich machten. So ergeht es "Chicken George" in Alex Haleys Familiensaga Roots. Chicken George war der Sohn seines Herrn Tom Lea. Er machte sich einen Namen als Trainer von Kampfhähnen. Tom Lea ging eine enorm hohe Wette mit einem Engländer ein. Er gewann die erste, verlor aber eine zweite mit erhöhten Einsätzen, und als er verlor, musste Chicken George die Schulden seines Herrn begleichen und blieb 7 Jahre in England als Trainer. Tom Lea ließ ihn nach Ablauf der Jahre frei, als Chicken George aber seine Frau und seine Kinder besuchte, erfuhr er, dass er nicht in North Carolina bleiben durfte, wollte er nicht wieder ein Sklave werden.
     
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  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    So ist es! In Margret Mitchells Südstaatenepos "Gone with the Wind" zieht Rhett Buttler den Zorn auf sich, als er sagt: "Wir haben ja nichts als unsere Baumwolle, unsere Sklaven und unseren Hochmut.
    Wenn der Süden den Krieg gewonnen hätte, hätte man nach der Euphorie des Sieges sehr schnell gemerkt, dass er den Norden brauchte, dass die Widersprüche der Sklaverei zu schreiend waren, dass die überwiegende Mehrheit der Südstaatler keine Sklaven besaß und die abschätzig "White Trash" genannte Schicht der Kleinfarmer dieses System verteidigt hat, von dem es nichts, aber auch gar nichts zu gewinnen hatte. Diese Widersprüche eines überlebten Systems wären dem Süden um die Ohren geflogen, es war ein total überlebtes Relikt, dass keine Zukunft hatte. Nach dem Krieg wurde das ganze verklärt, und im Zuge der "Lost Cause"-Bewegung strahlte die Gloriole des Grand Old South, den es so nie gegeben hat, strahlender denn je. Ein Ebenmaß lag darüber wie über der griechischen Kunst sagt Ashley Wilks, der daran zerbricht, dass es diese Welt nicht mehr gibt.

    Ich mag Mitchells Roman, die Beschwörung des Grand Old South der morbide Reiz der Südstaatenaristokratie samt ihren Werten und Idealen ist aber natürlich eine Geschichtsklitterung. Tatsächlich ging man sehr glimpflich mit dem Süden um, und wenn der Norden den Krieg gewann, so lässt sich durchaus sagen, dass der Süden die Reconstruction gewann. Auch im Norden war Rassismus weit verbreitet. Es galt die Südstaaten wieder in die Union zu integrieren, und als die Demokraten in den Südstaaten wieder agierten durften wie in alten Zeiten, war de facto auch wieder die Rassentrennung eingeführt nach dem Grundsatz "seperate but equal". Die Sklaverei gab es nicht mehr, aber die Besitzverhältnisse waren fast die gleichen. Viele ehemalige Sklaven gerieten in Schulden und Abhängigkeit von Grundherren, und viele Bundesstaaten erließen Gesetze, die das Aufenthaltsrecht verschärften. Nach dem Krieg gab es in manchen Parlamenten tatsächlich schwarze Abgeordnete. Margret Mitchell beschreibt diese Parlamentarier als kindisch unkultivierte Wilde, die vor zwei Generationen die Urwälder Afrikas durchstreiften, aber das war natürlich ebenso ein Zerrbild wie die Vorstellung, dass der Ku Klux Klan ein Zusammenschluss von Südstaaten-Gentlemen war, die ihre Frauen vor lüsternen Schwarzen beschützten. Im Roman sind Dr. Meade, Ashley Wilks und Scarletts 2. Mann Frank Kennedy im KKK und Rhett Butler erschießt einen "Neger" weil der "unverschämt gegenüber einer Dame" war. In Louisiana, das als letzter Bundesstaat in die Union wiederaufgenommen wurde, hinderte ein Mob Afroamerikaner daran, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. Als 1873 die Reconstruction zu ende ging, war in den Südstaaten die Rassentrennung wieder zementiert, und es sollte fast 100 Jahre dauern bis die Jim Crow-Gesetze wenigstens äußerlich aufgehoben wurden.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    "Über Nacht" wurde die Sklaverei auch nicht abgeschafft, das System brach einfach stufenweise zusammen. Schon bald nach Kriegsbeginn begann die Blockade des Südens. Die war anfangs noch recht leicht zu unterlaufen und brachte Lincoln in Legitimationsschwierigkeiten. Wenn die Konföderierten Staaten nur eine Rebellion waren, warum wurde dann eine Blockade? das glich fast einer inoffiziellen Anerkennung der Konföderation. Die Blockade wurde aber bald fester und schließlich fast undurchdringlich, es konnten die Konföderierten Baumwolle, Reis, Tabak und Zucker nicht mehr verkaufen, obwohl die britischen Spinnereien dringend nach Baumwolle verlangten. Ein Großteil der Männer ging an die Front oder in die Kriegswirtschaft. Es wurden Zugtiere und Arbeitskräfte requiriert von der Armee. In den Bundesstaaten standen nur Landwehren zur Verfügung, und Grenzstaaten wie Virginia, Maryland und Kentucky wurden Kriegsschauplätze, später auch Tennessee, Georgia, Louisiana und die Carolinas. Dadurch brach die Plantagenwirtschaft vielerorts zusammen. Viele Sklaven nutzen die Möglichkeit zur Flucht, sie schlossen sich Truppen der Union an oder flüchteten in Sümpfe oder Wälder. Es mangelte an Personal, Jagd auf Entflohene zu machen oder Camps von Flüchtlingen "auszuheben". Durch Requirierungen und durch Heeresaufträge erreichten viele Schwarze eine bis dahin kaum gekannte Mobilität, es wurden viel Pässe ausgestellt, und es ließ sich nicht vermeiden, dass viele das für sich ausnutzten. Ab 1863 (Angabe ohne Gewähr) wurden im Norden erstmals Regimenjter aus Afroamerikanern aufgestellt. Sklave zu bewaffnen war vor dem Krieg ein Unding. Als John Brown, eine Art Abolitionisten-Terrorist. Das Arsenal von Harpers Ferry überfiel, um in Virginia einen bewaffneten Sklavenaufstand zu bewaffnen, ging ein Aufschrei der Empörung durch den Süden. Aber auch in den Südstaaten hatten Sklaven ihr Teil zu den Kriegsanstrengungen beigetragen, kriegswichtige Arbeiten erledigt. Auch der Süden kam nicht darum herum, diesen Leuten Zugeständnisse zu machen, und das wäre auch der Fall gewesen, wenn die Konföderation den Krieg überdauert hätte.

    Es hielt sich die Sklaverei noch in Brasilien bis 1888 und auf Kuba bis 1890, aber als Institution war sie ein Anachronismus.
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gab alte Hausmittel, und im Krankheitsfall wurden Sklaven von vielen Besitzern auch versorgt, in manchen Fällen von der Herrin selbst. Auf vielen Plantagen gab es einen eigenen "Negrodoctor", in der Regel selbst ein Sklave oder eine Sklavin, die meist auch als Hebamme tätig war.

    Auf Colonel Lloyds Besitztümern oblag diese Tätigkeit "Uncle Isaac Copper". Douglass schreibt über ihn: Es war selten in dieser Zeit, wenn ein Sklave einen zweiten Namen trug, Gelegentlich aber gab es so zwingende Persönlichkeiten denen man diese Ehre erwies. Einer von ihnen war Onkel Isaac Copper, wenn man "Onkel" fallenließ, wurde er "Doktor Copper" genannt. Wo der alte promoviert hatte,l weiß ich nicht. Er war jedenfalls unser Doktor in körperlichen und geistlichen Dingen. Er kurierte alle Krankheiten mit etwas Rhizinusöl, den Gebeten des Herrn und ein paar kräftigen Hickorygerten. In den Südstaaten scheint jeder besessen davon zu sein, irgendjemanden auszupeitschen, und auch dieser alte Knabe, obwohl ein gutmütiger Mensch war nicht frei von diesem Fimmel.

    Eine Schule gab es nicht. Schwarze durften nicht lesen lernen, und Colonel Lloyds Kinder wurden von Hauslehrern unterrichtet. Trotzdem gab es natürlich einen Verhaltenskodex, und von Uncle Isaac Copper lernte ein Sklave, was er wissen musste.

    Alle Facharbeiter, Wagner, Stellmacher, Schuster usw. waren Eigentum, und fähigere Sklaven ließ man ein Handwerk lernen, es steigerte ihren Wert. Ein Sklavenhalter, der ihre Arbeit nicht benötigte, konnte seine Sklaven luktativ vermieten. Den Löwenanteil strich in der Regel der Sklavenhalter ein. Trotzdem konnte es für Sklaven von Vorteil sein, da sie privat Ersparnisse anlegen konnten.

    Einen alten Sklaven zu töten, war in vielen Staaten verboten, allerdings wäre niemand dafür angeklagt worden. Sich so roh unnützer Arbeitskräfte zu entledigen verstieß aber gegen die guten Sitten. Alle Sklavenhalter, mochten sie noch so große Ekel sein, legten Wert darauf, "gütige Herren" zu sein. Wenn man einen Sklaven loswerden wollte, dann ließ man ihn frei. Mit Fred Douglass Oma Betsy Bailey sprang man so um. Die Frau war in den Diensten der Familie Anthony Groß- und Urgroßmutter geworden. Von ihren Enkeln blieb ihr nichts. Man gab der alten Frau eine entlegene Hütte, ließ ihr ein paar Vorräte und etwas Brennholz und überließ sie ihrem Schicksal.

    Eine entfernte Cousine von Fred namens Henny war als kleines Kind ins Feuer gefallen, und sie war kaum arbeitsfähig. Ihr Herr Thomas Auld versuchte, zuerst, sie seinem Bruder Hugh anzudrehen, als der sie nicht wollte, schenkte ihr Herr ihr die Freiheit und überließ sie ihrem Schicksal. Abgesehen von Fred Douglass, der nach seiner Flucht sich nachträglich freikaufte, um nicht befürchten zu müssen, entführt und verkauft zu werden, war Henny die einzige Sklavin, die Thomas Auld je freiließ.

    Eine Mrs. Hicks tötete eine Sklavin, die eingeschlafen war, als sie Baby sitten sollte. Mrs. Hicks schlug ihr den Schädel ein. Sie wurde nie dafür auch nur vernommen. Die Sklaven versuchten, durch Austern sammeln die Kost aufzubessern. Ein alter Sklave betrat dabei ein fremdes Grundstück. Der Eigentümer legte sich auf die Lauer und erschoss den Sklaven. Am nächsten Tag machte er Lloyd einen Besuch und zahlte einen geringen Betrag.
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Fortsetzung...

    Es kam durchaus vor, dass es fast freundschaftliche Beziehungen zwischen Familien der Herrschaft und Sklaven kam, und für einzelne Sklaven kam es durchaus vor, dass ein Arzt bemüht wurde. Als Faustregel kann gelten, dass ein Sklave in einer Stadt Chancen hatte und Freiheiten und Privilegien genoss, die auf den Plantagen für die meisten Sklaven undenkbar waren. Jeder hatte Nachbarn, und ein Sklavenhalter, dessen Nachbarn wegen dem Geschrei von misshandelten Sklaven um den Schlaf gebracht wurden, hatte ein Problem, es brachte einen häßlichen Ruf ein. Die soziale Gemeinschaft, mochte sie privat noch so korrumpiert und ekelhaft sein, wirkte als Korrektiv. Auf den Plantagen gab es keinen mäßigenden Einfluss, und da mochte der Master noch so ein netter Kerl und so human wie ein Sklavenhalter nur sein konnte sein, die Herrschaft war weit, und die eigentlichen Herren waren Aufseher.

    Städtische Sklaven arbeiteten im Haushalt, in Handwerksbetrieben, im Schiffsbau und als Dienstleistungsgeber. Solche Sklaven besaßen großen Wert, sie hatten in einer Stadt mehr Möglichkeiten der Weiterbildung, erfuhren mehr, als Sklaven auf dem Land, und es gab in Städten nicht die Kaste der Aufseher, jedenfalls hatten Vorarbeiter in der Stadt nicht solche Befehlsgewalt.

    Grundsätzlich hielt man die Sklaverei in Kentucky, Virginia und Maryland für am mildesten, im tiefsten Süden am härtesten. In mittelständischen Betrieben wurde oft nach dem "Task-System" peoduziert. Der Master gab vor, innerhalb welcher Zeit eine Arbeit zu verrichten war. Wie sie die Sache machten, blieb den Sklaven überlassen, die im Idealfall außerhalb der Arbeit eigene Geschäfte betreiben oder sich vermieten lassen.

    In einem Gang-System musste eine Gruppe von Sklaven täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang arbeiten. Das war feudale Herrschaft, aber mit kapitalistischem Arbeitstempo! Auf den Zuckerrohrfeldern waren gesunde, kräftige junge Männer in 5-7 Jahren nur noch Schlacke. Die wurden regelrecht verheizt. Auf der Baumwollplantage des Simon Legree halten prime field hands 3 bis 5 Jahre aus, und Legree prahlt damit, dass er sich keine Gedanken um Kranke macht. "Use `em up and buy more" ist sein Motto.

    Anscheinend gab es unter Aufsehern tatsächlich im 19. Jahrhundert gar nicht so selten Nordstaatler, die Gefallen an dem Job fanden. In der zeitgenössischen Literatur wird gerne auf Nordstaatler in dem Job verwiesen. In Vom Winde verweht ist Jonas Wilkerson der Aufseher auf Tara ein Yankee, der ein Mädchen aus dem "White Trash" schwängert. White Trash wurde die Schicht der Kleinfarmer genannt, die keine Sklaven besaßen. Ellen O`Hara, Scarletts Mutter verlangt seine Entlassung, und während der Zeit der Reconstruction versucht dieser sich Tara unter den Nagel zu reißen und wird von einem Fontaine, einem Nachbarsohn der O´Haras erschossen, weil er einen "Neger" anstiftete, unverschämt zu sein (im Klartext Fontaines Schwägerin sexuell zu belästigen. Er wird natürlich auch erschossen.)

    In Beecher-Stowes Roman erzählt St. Claire seiner Cousine aus New England von Kindheitserlebnissen auf der Plantage seines Vaters, der über 1000 Sklaven besaß und wo ein Mann aus Vermont namens Stubbs der dort ein Terrorregiment errichtete und von seinem Vater gedeckt wurde.

    In einer späteren Passage des Buches diskutiert St. Claire mit seiner Cousine. Er nennt die Sklaverei die rücksichtslosere und brutalere Missachtung des Naturrechts, vertritt aber die Ansicht, dass die Sklaven auf der Plantage seines verstorbenen Vaters, die vom Bruder aus den Nordstaaten generalstabsmäßig geführt wird, besser gekleidet und genährt werden, als englische Proletarier.

    Diese Vorstellung war also durchaus nicht den Zeitgenossen fremd. Douglass spricht davon, dass die Sklaverei selbst und die rassistischen Vorstellungen, die sie rechtfertigen brutalisiert. Von seinem Vater Aaaron Anthony sagt er, dass er eigentlich nicht grausam war und wäre er im Norden aufgewachsen unter respektablen Nachbarn wäre er gutmütig gewesen, in Maryland konnte er äußerst grausam werden. Douglass Herrin Sophia Auld beschrieb er als fromme warmherzige Frau. Sie hatte nie Sklaven gehalten, war anfangs fast wie eine Mutter und mutierte inkurzer Zeit "Zur Tigerin" vor allem, wenn sie ihn mit einer Zeitung erwischte. Sie hatte Fred selbst die Grundlagen beigebracht, bis ihr Mann es verbot. Es gab einzelne begabte Sklaven und Sklavinnen, die Klavier spielen lernten oder eine Gesangsausbildung zur Oper bekamen, aber in allen Sklavenstaaten war es verboten, Schwarzen lesen und schreiben beizubringen.
     
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  12. Tutti

    Tutti Neues Mitglied

    War nicht genau das das Problem der Südstaaten? Diese waren doch der Ansicht, dass die Zentralregierung den Einzelstaaten sowas nicht aus Washington vorschreiben dürfe. Die Frage der Sklaverei sei die freie und souvernäne Entscheidung jedes Bundesstaates.

    Und Lincolns Ziel, die Einführung der Sklaverei in den neuen Territorien nicht zu dulden hätte ja unweigerlich dazu geführt, daß die Zahl der Bundesstaaten ohne Sklaverei in der Union immer mehr zunehmen und die Staaten mit Sklaverei eine immer kleinere Minderheit werden.

    Und die Aufseher waren alle kranke Sadisten, wie in diversen Filmen zu dem Thema dargestellt?

    Ein Sklave war letztlich das Eigentum des Plantagenbesitzers. Dieser hat in der Regel Geld für die Anschaffung eines Sklaven investiert und zieht Profit aus dessen Arbeitskraft. Welches Interesse sollte ein Plantagenbesitzer daran haben, dass ein Sklave grundlos oder übertrieben hart misshandelt wird?

    Ein Aufseher, der einen Baumwollpflücker aus purem Sadismus grausam ausgepeitscht hat, schadete damit doch letztlich dem Plantagenbesitzer, denn der Sklave war dann wohl erstmal nicht mehr arbeitsfähig, brauchte vielleicht eine ärztliche Bahndlung und ist im schlimmsten Fall an den blutigen Verletzungen in Folge von Infektionen sogar gestorben. Das wäre doch für den Plantagenbesitzer ein wirtschaftlicher Schaden.

    Für einen Plantagenbesitzer war es doch eher sinnvoll, dass seine Sklaven einfach effektiv arbeiten und ihm damit nutzen. Eigentlich wäre es sogar sinnvoll gewesen, besonders fleissige Sklaven noch mit gewissen Privilegien zu belohnen. Dass Sklaven bestraft wurden, auch zur Abschreckung anderer Sklaven, wenn sie z.B. fliehen wollten, leuchtet wir noch ein. Aber eine Grausamkeit, die zu schweren Verletzungen führt, macht eigentlich rein wirtschaftlich gedacht für den Plantagenbesitzer keinen Sinn.

    In dem Film "12 Years A Sklave" peitscht der völlig psychopatische Plantagenbesitzer seine mit Abstand beste Baumwollpflückerin aus einem völlig nichtigen Grund so brutal aus, dass ihr die Haut am gesamten Rücken aufplatzt. Sowas hätte doch im 19. Jahrhundert schnell zu tödlichen Infektionen geführt.

    Darum fragte ich mich, ob dieses kranke, irrationale Verhalten in solchen Filmen eher nur eine künstlicherische Überzeichung ist, um beim Zuschauer eine tiefe Erschütterung zu erzeugen, oder ob genau solche Dinge ganz normal und an der Tagesordnung waren damals.

    Aber war das denn z.B. in der Industrie des 19. Jahrhunderts sehr viel anders? Die Arbeiter in den Bergwerken oder Fabriken wurden doch auch hemmungslos ausgebeutet. Hartes Schuften von früh morgens bis spät abends, ohne jeden Arbeitsschutz und Rücksichtnahme auf die Gesundheit. War es nicht im 19. Jahrhundert auch noch verbreitet, dass Arbeiter von ihren Vorarbeitern geschlagen wurden?

    Das rechtsfertigt zwar nicht die Sklaverei, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das Leben eines freien Industriearbeiters aus Pennsylvania damals nicht sehr viel besser, manchmal vielleicht sogar schlechter war als das mancher Sklaven in Virginia.
     
  13. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Schon mal hiervon gehört?
    Stanford prison experiment - Wikipedia
     
    El Quijote gefällt das.
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Tutti, da um dich wiederholst: im Prinzip äußerst du ja dieselben “Bedenken”, wie auch schon im letzten Sommer: Auspeitschen und dass Sklaven das überlebten (und dann verkauft wurden) ist historisch belegt. Ebenso Menschenschinderei, nicht nur von Sklaven. Dir wurden auch bereits im letzten Sommer Soldaten- und Seemannsstrafen vor Augen geführt (Spießrutenlauf, Kielholen [beide häufig genug mit tödlichem Ausgang und entsprechend gefürchtet]). Und wenn du nicht nur in die USA schaust, sondern auch nach Belgisch-Kongo, König Leopolds Privatkolonie: Dort wurde Menschen wegen geringster Dinge verstümmelt. Die Menschen waren den Sklavenhaltern eben nichts wert, es gab Nachschub und Bestrafungen des einen waren Abschreckungen des anderen. Um deinem Kurzzeitgedächtnis auf die Sprünge zu helfen.
     
  15. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    "12 years a slave" basiert ja gerade auf der Biographie von Solomon Northup, einem freien Afro-Amerikaner, der entführt und als Sklave verkauft wurde.
    Während der Film sich durchaus einige Freiheiten in Bezug auf die wirklichen Ereignisse und Personen nimmt, stellt Emily West, eine Expertin in Bezug auf die Geschichte der Sklaverei (University of Reading), dem Film das Zeugnis aus, dass noch kein Film vorher Sklaverei so zutreffend genau gezeigt habe ... (Belegstelle: Historian at the Movies: 12 Years a Slave reviewed )

    und zum Thema auspeitschen und überleben:

    [​IMG]
     
  16. Tutti

    Tutti Neues Mitglied

    Das wäre eben die Frage, ob das die Regel war.

    Selbst für Sklavenhalter ohne jede Moral dürfte ein Sklave immerhin noch seinen reinen "Materialwert" gehabt haben. Ich stelle mir vor, da geht ein Plantagenbesitzer auf einen Sklavenmarkt, kauft sich für einen stattlichen Preis einen jungen, kräftigen Sklaven, den er dann auf seiner Zuckerrohrplantage zur Feldarbeit einsetzt. Und dann kommt irgendein sadistischer Aufseher und peitscht den Sklaven ohne Grund, einfach nur aus rassistischem Hass oder Spass am Quälen brutal aus. Der Sklave fällt wegen der schweren Verletzungen für die Feldarbeit aus oder verstirbt sogar in der Folge, was im 19. Jahrhundert ohne Antibiotika und Tetanus-Impfungen nicht gerade unwahrscheinlich wäre bei schweren Misshandlungen. Für den Sklavenhalter wäre das rein wirtschaftlich ein Schaden gewesen, der wohl kaum in seinem Interesse gewesen sein kann.

    Einem Fabrikanten, der "freie" Arbeiter beschäftigte, konnten diese wirklich völlig egal sein. Ob die Arbeiter durch die Arbeitsbedingungen körperlich zerschunden wurden und nach ein paar Monaten gesundheitlich zusammenbrachen, musste den Fabrikanten nicht zu kümmern. Dann hat er halt den nächsten eingestellt.

    Für den Sklavenhalter waren seine Sklaven aber Eigentum, in das er sein Geld investiert hatte. Von daher musste er doch rein wirtschaftlich gedacht ein persönliches Interesse an der Gesundheit und den möglichst langen Erhalt der Arbeitskraft seiner Sklaven gehabt haben. Das widerspricht eigentlich völlig jeder grundlosen und übertrieben harten Misshandlung eines Sklaven.

    Über den rein wirtschaftlichen Aspekt hinaus stellt sich aber auch die Frage, ob viele Sklavenhalter ihre Sklaven nicht doch auch als Menschen gesehen und entsprechend behandelt haben. Auch wenn die Sklaven rechtlos waren und die Sklavenhalter von ihnen profitierten, muss das nicht zwingend mit einer völligen Entmenschlichung der Sklaven einher gegangen sein.

    Ich habe mal irgendwo gelesen, General Stonewall Jackson soll seine Sklaven sogar persönlich unterrichtet haben. Er legte Wert darauf, dass die Sklaven mit am Gottesdienst teilnahmen. Sicher hat er von ihrer Arbeitskraft profitiert, aber er scheint sie als Menschen gesehen und entsprechend behandelt zu haben.

    Sicher wird es alles irgendwo gegeben haben. Von sadistischen und psychopathischen Sklavenbesitzern, die aus Spass Sklaven gequält haben, bis zu Sklavenhaltern, die sich um eine menschliche Behandlung bemüht haben, vielleicht sogar die Sklaven irgendwo in die Familie integriert haben.

    Mich interessierte eigentlich nur, was eher die Regel gewesen ist in der Breite, da es mir schwer fällt zu glauben, dass die in diversen Filmen zu dem Thema dargestellten Umstände (komplett wahnsinnige Sklavenhalter quälen Sklaven zum Spass und ohne jede Menschlichkeit) so der absolute Normalfall gewesen ist.

    Das Thema beschäftigt mich von Zeit zu Zeit immer wieder mal.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Pass auf: Ein Sklavenhalter hat 25 Sklaven. Drei davon fliehen. Zwei werden geschnappt, einer verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Wird der Sklavenhalter die beiden geschnappten wieder in die Gruppe integrieren? Die womöglich glaubt, dass der auf Nimmerwiedersehen verschwundene "es geschafft" hat? Nein, er muss damit rechnen, dass die beiden Ausreißer es wieder probieren und andere vom vermeintlichen Erfolg des Verschwundenen ermutigt werden. Was macht er also? Er erhöht die Pullfaktoren: "Bei mir habt ihr genug zu Essen für Arbeit, ich behandle euch doch gut, doch wenn ihr ausreißt, dann spürt ihr die neunschwänzige Katze!" Und dann werden coram publico die Geschnappten ausgepeitscht. Im Normalfall überleben die das und können weiterarbeiten - natürlich nachdem sie verkauft wurden (wenn die Menschheit so empfindlich wäre, dass sie sich bei jeder Verletzung gleich eine tödliche bakterielle Infektion geholt hätte, dann wäre sie nie über die Altsteinzeit hinaus gekommen). Unser dank der Gnade der späten Geburt beschränktes Vorstellungsvermögen ist nicht der Maßstab.

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  18. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Nein, so ganz egal konnte ihm das auch nicht sein, wenn er ein bisschen Grips hatte und einigermaßen ökonomisch dachte. Natürlich waren das in der Regel sehr einfache Arbeiten, die realtiv schnell gelernt werden konnten, dennoch führte eine zu hohe Fluktuation der Belegeschaften natürlich zur Störung der Arbeitsabläufe und mitunter zur Beschädigung der Maschinen, die dann ausfielen und mitunter kostenintensiv repariert werden mussten.
    Ich habe im Verlauf weiter oben zwar immer wieder auf die Härten auch der freien Arbeit hingewiesen, allserdings möchte ich das auch nicht so verstanden wissen, als seien die damaligen Fabriken quasi KZ-ähnliche Menschenvernichtungseinrichtungen gewesen.
    Natürlich gab es extrem hohe Unfall- und Todesraten. Allerdings Fabrikannten, die ein bisschen mitdachten, hatten schon durchaus ein Interesse daran, Teile der Belegschaften möglichst lange arbeitsfähig zu halten.

    Das zeigt sich sicherlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch kaum, in der zweiten Hälften folgen dann aber deutlich bemerkbare Verbesserungen.
    Seit dem zweiten Drittel des Jahrhunderts werden aber auch staatliche Bemühungen sichtbar die Zustände in den Fabriken durch Inspektoren zu erfassen und den Schlimmsten Missständen entgegen zu wirken:

    Preußisches Regulativ – Wikipedia
    Leonard Horner – Wikipedia

    Kommt auf den Zeitabschnitt und die Zeitumstände an. Im Rahmen des Wiener Kongress wird 1815 der internationale Sklavenhandel geächtet, in die gleiche Kerbe schlagende Schritte zur Bekämpfung des transatlantischen Sklavenhandels, auf die sich die USA und Großbritannien bereits ein Jahr vorher im Frieden von Gent verständigt hatten.
    Davon abgesehen, überstehen die iberischen Kolonialreiche und auch ein Großteil des französischen Besitzes in Nordamerika und der Karibik ("Louisiana Purchase" / Unabhängigkeit Haitis) die napoléonische Epoche nicht oder nicht lange.
    Die Sklaverei wurde zwar in einigen daraus entstandenen Staatsgebilden durchaus noch weiter geführt, nur stand da ohne die europäische Kolonialmacht mit entsprechenden Interessen natürlich auch erstmal deutlich weniger Schiffsraum dahinter um den tranatlantischen Handel betreiben zu können und erst recht weniger Feuerkraft, sich in dieser Hinsicht mit den Briten und US-Amerikanern anlegen zu können oder zu wollen.

    Das ist für die ganze nordamerikanische Sklavenwirtschaft einfach insofern eine durchaus gewaltige Zähsur, dass damit kaum noch "Nachschub" an Sklaven "importiert" werden konnte.
    Das musste natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Preise haben, darauf was das Leben und die Gesundheit eines Sklaven realitier wert waren und wie viel Wert man auf die natürliche Reproduktion der Sklaven legte, sprich in wie weit man bereit war, ihnen Patnerschaften und Familien zu gestatten oder das zu fördern um auf diesem Weg den eigenen Sklavenbestand konstant halten oder ausbauen zu können.

    Insofern, was die Motivation die Sklaven wirklich gut zu behandeln angeht, wird man das zeitlich gestuft betrachten müssen, denn vor den 1820er Jahren, als dass Unterbinden des transatlantischen Sklavenhandels allmählich griff, die iberischen Kolonialreiche sich auflösten und die Erkenntnis der Veränderungen und ihrer Auswirkungen auch bei den Sklavenbesitzern ankam, war es durchaus möglich mit dem Leben und der Gesundheit der Sklaven nicht zu geizen.
    Das nahm sicher nicht so exzessive Ausmaße an, wie auf den Zuckerplantagen auf den Antillen, aber der gesteigerte Wert der Sklaven und daher der Umstand ein Interesse daran haben zu können, diese möglichst lange zu erhalten ist etwas, das vielleicht den letzten anderthalb oder zwei Sklavengenerationen merkbar zugute gekommen sein dürfte.
    So lange aber der transatlantische Sklavenhandel lief und "Nachschub" aus Afrika kein Problem darstellte, dürfte das keine so starke Motivation gewesen sein.

    Die Entmenschlichung wurde zunehmend notwendig um das ganze legitimieren zu können.
    Seit spätestens dem Ende des 18. Jahrhunderts sind Ideen in der Welt, dass es sowas wie allgemeine Menschenrechte gäbe.
    Die Amerikanische Verfassung hat grundsätzliche Rechte formuliert, die französische Revolution ging da noch etwas weiter, präzisierte das und schaffte konsequenter Weise auch zwischenzeitlich mal die Sklaverei ab (Napoléon ließ sie wieder zu).
    Das geschah teilweise in den Vereinigten Staaten selbst, und Teilweise (Louisiana, französische Karibik) in der unmittelbaren Nachbarschaft.

    Dann kommt obendrein noch oben drauf, dass die Zeit von den Revolutionskriegen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein, auch die Zeit gewesen ist, in der in die traditionellen Formen der Leibeigenschaft und der Frohndienste (jedenfalls in weiten Teilen Europas und Teilweise Lateinamerika) sich auflösten. Nicht auf einen Schlag, aber sukkzessive und bis einschließlich 1861 sogar in Russland (jedenfalls de jure).

    Wenn man weiterhin auf erzwungener Arbeit und unmenschlicher Behandlung bestehen wollte, in dem Kontext, dass gewisse menschliche Grundrechte im Bewusstsein der sich als zivilisierten Welt verstehenden Gesellschaft, zunehmend "common sense" wurden, musste man sich irgendwelche Begründungen einfallen lassen, warum Sklaven keine Menschen seien und man sie also konsequent so behandeln dürfe oder es gar gut für sie wäre.

    Mit der alten religiösen Argumentation, dass man mit Nichtchristen so umspringen dürfe, konnte man in einer postaufklärerischen Gesellschaft nicht mehr kommen (jedenfalls nicht allein damit), also legte man sich eben eine zunehmend rassistische Grundlage zu.
    Das das ganze Rassezeugs und der Sozialdarwinismus ausgerechnet im 19. Jahrhundert aufkommen, ist kein Zufall, sondern sogesehen Nebenprodukt der Aufklärung, als dass er danach, benötigt wurde um gewisse soziale Begebenheiten oder Wünsche aufrecht zu erhalten, ins Werl zu setzen oder zu legitimieren.

    2 Jahrhunderte vorher, musst man niemanden entmenschlichen, da gab es die Vorstellung grundsätzlicher Rechte eines Menschen nicht in diesem Ausmaß und davon abgesehen, galt erzwungene Arbeit weitgehend als Normalzustand.

    Das kann man in der Form aber nicht als Normalzustand voraussetzen.
    Kommt hinzu, Jackson unterrichtete zwar Sklaven, "hielt", so weit mir bekannt aber keine eigenen oder jedenfalls nicht zu wirtschaftlichen Zwecken.
    Ist natürlich etwas anderes, wenn man sich persönlich für die Bildung und Entwicklung der Sklaven anderer Sklavenhalter ehrenamtlich einsetzt oder man eben selbst Besitzer von Sklaven ist, an denen man gewisse wirtschaftliche Interessen hat und die man ggf. von Zeit zu Zeit meint zum Arbeiten motivieren zu müssen.


    Das wird man dir so pauschal nicht sagen können.woher sollten die statistischen Erhebungen kommen, wer mit Vorliebe seine Sklaven quälte?
    Nur weil das rechtlich i.d.R. nicht verfänglich war, heißt das nicht, dass ein Sklavenhalter, der seine Sklaven mit allzu offensichtlicher Vorliebe schund, nicht gesellschaftlich unten durch gewesen wäre.
    Entsprechend gab es durchaus nicht unbedingt Anlass damit hausieren zu gehen, wenn man gerade seine Sklaven übel misshandelt hatte, das konnte bei Menschen mit einem gewissen Zivilisationsdünkel die die Sklaverei guthießen aber darauf bestanden in diesem Rahmen so human als möglich zu agieren, auf wenig Gegenliebe stoßen.

    Demgegenüber wird man annehmen dürfen, das gerade bei Fluchtversuchen auch ansonsten eher weniger brutale Sklavenhalter sehr gewalttätig werden konnten, um Nachahmer abzuschrecken und keine "Totalverluste" auf diesem Weg zu riskieren.
     
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  19. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Kleine Anmerkung: Sie haben es den Einzelstaaten dann aber aus Richmond vorgeschrieben, enthielt die CS-Verfasung doch mWn eine Passus, der die Abschaffung der Sklaverei verbot. So von wegen Staatenrechte...
     
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  20. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    a) Vorstellung und historisch belegte Tatsachen sind aber zwei Paar Schuhe.

    b) sicher wird es gegeben haben ... die Tatsachen sagen aber, dass "in die Familie integrierte" Sklaven eher selten waren, dann nein, sie wurden meist nicht als Menschen gesehen, da man ja sonst gewaltige Probleme mit der Rechtfertigung der Sklaverei bekommen hätte.

    c) die Regel: tendenziell wohl eher die grausame Behandlung, was Du angesichts der verbürgten Belege glaubst, bleibt Dir überlassen ...

    und: So langsam klingt das wie eine Apologie auf die Sklaverei ... es müssen keine Menschen zu Tode geprügelt werden, schon allein die Tatsache, sie als Arbeitssklaven in Gefangenschaft halten, sie wie eine Ware verkaufen und jederzeit quälen, Familie auseinander reißen zu können ... reicht, um das System in Bausch und Bogen zu verdammen.

    Der ständige Hinweis auf die Schattenseiten der Industrialisierung ist übrigens wenig hilfreich ... soll ein Unrecht gegen das andere verrechnet werden?
     
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