Spielfilme angesiedelt im 17.Jhd.

Welcher Film zum Thema ist am gelungensten?

  • Piraten (1986)

    Stimmen: 7 13,0%
  • Stage Beauty (2004)

    Stimmen: 1 1,9%
  • Die Allee des Königs (1995)

    Stimmen: 2 3,7%
  • Das Mädchen mit den Perlenohringen (2003)

    Stimmen: 7 13,0%
  • Die vier Halunken der Königin (1974) (Dreiteiler)

    Stimmen: 2 3,7%
  • Moliére (1978)

    Stimmen: 2 3,7%
  • Vatel (2000)

    Stimmen: 3 5,6%
  • Cyrano de Bergerac (1990)

    Stimmen: 6 11,1%
  • Zeit der Sinnlichkeit - Restoration (1995)

    Stimmen: 1 1,9%
  • Der Kontrakt des Zeichners (1982)

    Stimmen: 8 14,8%
  • The Libertine (2004)

    Stimmen: 3 5,6%
  • Der König tanzt (2000)

    Stimmen: 6 11,1%
  • Der Mann mit der eisernen Maske (1998)

    Stimmen: 5 9,3%
  • Marquise - Die Rolle ihres Lebens (1997)

    Stimmen: 1 1,9%
  • Der Schlangenkuss (1997)

    Stimmen: 0 0,0%

  • Umfrageteilnehmer
    54
Was mir beim 2. Teil aufgefallen ist, das ist, dass auf der einen Seite in Folge 1 behauptet wird, dass Robert Catesby Schwierigkeiten hat Strafen zu zahlen, dann aber ohne weiteres zwischen England, Spanien und den Niederlanden hin und her reisen kann.
In der ersten Folge soll er, wenn ich richtig erinnere, £8 Strafe zahlen. Laut der Umrechnungstabelle der Bank of England entsprechen £8 1600 rund £18.280 heute. Das spricht nicht dagegen, dass er sich eine Überfahrt über den Kanal leisten konnte.
 
"Gunpowder" P3
Regie: J Blakeson (UK 2017)


Handlung: Trotz des routiniert wirkenden Guy Fawkes kommt die Verschwörung nicht recht voran. Man bekommt zwar viel Schwarzpulver zusammen, ohne dass Sir Wiliam dies aufgefallen wäre, doch verrät sich die Gruppe durch einen Brief, den sie einem Parlamentsmitglied schickt, den man warnen möchte - und just in dem Augenblick ist die Gegenseite anwesend. Ein Favorit des Königs (Hugh Alexander) kann James nicht davon überzeugen, dass die Verdächtigungen Humbug sind und so wird schließlich das Versteck ausfindig gemacht, welches überhaupt erst ihnen eingeräumt wurde, da sich Thomas Percy (Daniel West) auf seinen Verwandten, Nothumberland berufen konnte, der angeblich den Umsturz unterstützen würde, wenn erst der König und sein Sohn aus dem Wege geräumt wären. Auch als Fawkes verhaftet wurde, will Caseby nicht aufgeben und verschanzt sich in einem Landhaus...

Was mir hier gut gefallen hat, sind erneut die Locations wie das Manor house gegen Ende. Nicht nur die Bauten sind schön ausgewählt; sie wirken meistens auch bewohnt. Dass Guy Fawkes ein Superkämpfer ist, lasse ich noch durchgehen, sonst wäre die Szene mit seiner Verhaftung auch ziemlich langweilig gewesen.
Nervig finde ich aber diese typischen Stereotype wie in heutigen Filmen üblich. Die Rüstung selbst von Sir Wiliam ist verrostet, nicht etwa geschwärzt und wie man bei seinem Stand erwarten könnte mit einer Einlegearbeit verziert. Die Helme der Häscher sehen aus, als hätte man irgendwelche Tests an ihnen durchgeführt und damit die Ausrüstung schön geerdet wirken soll, ist alles dreckig oder rostig. Natürlich ist es clever, wenn man sich anschleichen will, wenn dann die Halsbergen (wie die von Sir William Wade nicht in der Sonne strahlen. Aber dann hat man das Metall eben einfach behandelt, angemalt oder ähnliches (sieht man auch auf unserem Blog). Dann sind natürlich auch mutterseelenallein auf der Straße rumstehende Feuerkörbe, die ich so in der Form von nirgends kenne - es wärmt sich ja nichtmal einer daran auf - so üblich für heutige Filme. Wann hat das eigentlich angefangen mit den sinnfreien Ambientefeuer? Eine Laterne oder meinetwegen, wenn es denn sein muss, Fackel in der Dunkelheit ist doch sehr viel logischer und sogar filmisch ansprechender. Dabei ist ansonsten an der Kleidung ja sogar überwiegend die Hierachie erkennbar. Die Spanier tragen zwar Schwarz, haben allerdings auch ein paar Akzente an der Kleidung. Besonders bei den Bärten und Frisuren hat man sich Mühe gegeben.
Gatesby ist einfach kein charismatischer Anführer, auch wenn er es hier in der einen Szene behauptet. Es wird von mehreren Dutzend von Aufständischen gesprochen, aber abwartend sieht man dann bei den Wagen vielleicht 10 Leutchen.
Insgesamt eine solide Produktion für die Entstehungszeit, aber das kann ich bei "Rächer, Retter und Rapiere" auch sagen und das hat, wenn auch nur durch die unfreiwillige Komik, ein bisschen mehr Spaß gemacht. Vielleicht stehe ich dem Thema aber auch zu unemotional gegenüber.

5 von 10 geheime Botschaften.
 
Ich habe endlich gestern geschafft "Fanny Lye Deliver'd" zu schauen.

"Fanny Lye Deliver'd" UK 2019 (Regie: Thomas Clay)

Handlung: In Shropshire lebt sehr zurückgezogen 1657 die Familie von Captain John Lye (Charles Dance), der mit harter Hand als Kriegsinvalide über seine Frau Fanny (Maxine Peake) und seinen Sohn Arthur (Zak Adams) gebietet. Die Hierachie gerät aus den Fugen, als die Familie vom Gottesdienst heimkehrt und die verfolgten Häretiker Thomas Ashbury (Freddie Fox) und Rebecca (Tanya Reynolds) vorfinden, die sich als überfallenes Ehepaar ausgeben. Die beiden sind nicht nur vom Verhalten her vollkommen anders als die Familie des alten Kavalleristen, sie verraten sich auch zusehends bis der High Sherriff (Peter McDonald) mit seinem Deputy (Perry Fitzpatrick) eintreffen und nach den zwei suchen. Die Beteuerungen des Constables (Kenneth Collard) und des von Thomas unter Druck gesetzten Captain Lye nutzen nichts gegen die beiden Fanatiker, die zurückkehren, nachdem Thomas die Familie durch Drohungen und weitere Exzesse in seine Gewalt gebracht hat ...

Der Film zeigt im Grunde wie "Rose" hätte sein können, wenn man sich mit Ausstattung und Kostüm Mühe gegeben hätte. Denn hier sieht man nicht nur einen glaubhaften Bauernhof, der auch in Shopshire selbst gedreht wurde, wobei man auch die Landschaft auskostet, sondern Authenzität bis in den letzten Winkel. Was abgetragen sein soll wie die Arbeitskleidung ist es auch, was neu und gut aussehen soll wie die Sonntagssachen sind es ebenso. Dazu erkennt man zeittypische Tiere und Requisiten wie Kerzenständer, Betten etc.. Man hat sogar versucht das Englisch der Zeit zu verwenden wofür es einen Instrukteur gegeben hat, ebenso für den (spärlichen) Einsatz von Waffen.
Die eigentliche Stärke des Films rührt vom grandiosen Schauspiel aller Darsteller, auch wenn es hier nur die erwähnten 8 Rollen gibt. Aber man vermisst auch nichts. Auch zu "The VVitch" von Robert Eggers sind Parallelen erkennbar - religiöser Fanatismus, wenige Darsteller, explizite Gewalt, akribische Ausstattung, unterschwellige Erotik. Wenn ich mir von den 3 Filmen den besten auswählen sollte, wäre ich bei "Fanny Lye ...", auch wenn er ein paar Längen hat und auch mit 95 Minuten sicher geklappt hätte.

8 von 10 Dolche.
 
Ich bin jetzt endlich dazu gekommen in diese ziemlich auf Kultstatus stehende Serie reinzuschauen.

"Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus" P 1 "Das Hanauer Kalb" (D, 1975, Regie: Fritz Umgelter)

Handlung: Verwirrenderweise ist hier in der Serie Simplicissimus (Matthias Habich) am Anfang ein Mitt-30er, weshalb sein ganzes Verhalten und wie er von den etwa Gleichaltrigen Soldaten bspw. behandelt wird, hinten und vorne keinen Sinn ergibt. Aber der Reihe nach. Simplex wird von seinem Knan (Radovan Lukavsky) und seinem Meuder (Nina Poplíková) für dumm gehalten, aber auch nicht eines besseren belehrt. So nimmt er den Überfall durch kaiserliche Kürisser auf den Bauernhof ziemlich anteilnahmslos hin und flieht erst, als ihn sein Meuder dazu auffordert. Anschließend kommt er zufällig zu einem Eremiten (Michel Vitold), der ihn bis zu seinem Tod erzieht und das Lesen beibringt. Danach gelangt er nach Hanau, wo ihn die Soldaten erst einmal für einen Spion halten und in den Kerker werfen, ehe der aufbrausende Gubernator Ramsey (Jacques Alric) durch Simplex Bibel erkennt, dass Simplex bei seinem Schwager untergekommen war. Danach wird Simplex Diener beim Gubernator, obwohl es ihm schwer fällt sich unter den widersprüchlich agierenden Söldnern zurecht zu finden...

Man bemerkt gleich in der ersten Episode eine Straffung, welche besonders seltsam scheint, da der Beginn des Romans der am meisten zitierte und vielleicht auch beliebteste Teil ist. So erfahren wir nichts vom Brief des Einsiedlers und Simplex kommt nur zufällig von ihm nach Hanau.
Ich persönlich finde es als absolut störend, dass der für diese Rolle viel zu alte Habich die gesamte Zeit einen Charakter spielt, der ja eigentlich ein Kind und dann ein Jugendlicher sein soll und irgendwie auch von den anderen so behandelt wird, so als wären sie blind und sehen nicht, dass sie einen erwachsenen Mann vor sich haben. Wenn man mit Matthias Habichs trockenem, hölzernen Schauspiel zurecht kommt - die Geschmäcker sind ja verschieden - ist man ansonsten auf der Seite ziemlich gut aufgehoben.
Was mir besonders gefiel ist der deutlich erkennbare Versuch sich bei den Bauten an zeitgenössischen Gemälden zu orientieren wie bei dem malerischen Bauernhof oder den Innenräumen in Hanau. Es schien mir nur etwas sonderbar, dass das Wein- oder Mostfass beim Knan einfach so im Haus rumsteht. Die Kostüme sind die weniger starke Seite - scheiterte vielleicht aber auch am Budget. Die Bauern bekommen keine Wämser oder für die Epoche passenden Hemden zugestanden, sondern tragen so GroMi-Klamotten. Beim Gubernator ist das Wams nicht geschlitzt sondern hat so ulkige Aufnäher ... Vielleicht hat man die Kleidung der Epoche einfach nicht verstanden(?). Die Ausstattung beim "Wallenstein"-Mehrteiler (auch mit Drehbuch von Ahlsen) war ja auch eher ein Zufall.
Als Literaturverfilmung ist diese Episoder mangelhaft. Andererseits kann man es auch in Relation zu sowas wie "Rächer, Retter und Rapiere" im zeitlich passenden Kontext sehen und auch in Relation zu modernen "Musketier"-Verfilmungen wie der BBC-Serie von 2014 oder dem Zweiteiler aus Frankreich fantastisch gefilmt und ausgestattet.

7 von 10 Briefe auf Birkenrinde.
 
@Brissotin es ist schon sehr lange her, dass ich diesen Mehrteiler gesehen habe - meine Erinnerung deckt sich mit deinen Eindrücken. Falls mich meine Erinnerung nicht trübt, waren die Szene am Stadttor (die andere Wange hinhalten) und beim bedienen an der Tafel des Gubernators zu Hanau ("Zauberspruch je pete") gelungener Slapstick. Insgesamt legte die Serie mehr Wert auf das Genre Schelmenroman bzw. strich aus dem Roman vieles weg, was nicht so a la picaro war. Für damals als Serie: insgesamt doch ein opulentes Fernsehvergnügen.
 
Die Fritz Umgelter-Verfilmung ging schon sehr frei mit der literarischen Vorlage um, aber den Geist von Grimmelshausens Schelmenroman, den hat Umgelter doch wiedergegeben, so empfand ich es jedenfalls, was nicht zuletzt auch an den sehr überzeugenden Darstellern lag.
 
"Des Christoffel von Grimmelshausen abenteuerlicher Simplizissimus" P 2 "Der Jäger von Soest" (D, 1975, Regie: Fritz Umgelter)

Handlung: Der als Hanauer Kalb gelingt die Flucht aus dem Lager der kaiserlichen Kroaten. Er verkleidet sich dazu, nimmt aber versehentlich Frauenkleider mit und wird in einem ausgeplünderten Hof von scheinbar halbblinden kaiserlichen Söldnern für ein Mädchen gehalten. Rosalie (Christiane Minazolli) nimmt sich ihrer an und macht "sie" zu ihrer Zofe. Ihr Gemahl der Rittmeister (???) von Zullewitz (Heinz Weiss) ist aber ebenso von Blindheit geschlagen wie andere Männer seiner Kompanie, die erst begreifen, dass "sie" ein Mann ist, als man sie von versammelter Mannschaft misshandeln will. Verärgert findet das Regiment keinen anderen Ausweg als Simplicissimus der Hexerei anzuklagen. Da tritt Herzbruder Ulrich (Christian Quadflieg) erneut auf, dem Simplex ja schon bei den Krabaten aus der Falle geholfen hatte, der aus Dankbarkeit nicht nur Simplex befreit, sondern ihn auch zu seinem Diener macht und ihn im Kriegshandwerk unterweist. Nachdem Herzbruder durch eine Intrige von den Schweden gefangen wurde, dient Simplex in einem Dragonerregiment (???) unter Oberst Zwirnbeiss (Alexander Golling). Mithilfe seiner Spießgesellen wie Leupold (Herbert Fux) und vor allem dem geschickten Springinsfeld (Günther Strack) vermag Simplex, wegen seines grünen Gewandes der Jäger von Soest genannt, einige Beutezüge. Doch dies ruft auch Neider auf den Plan und darum wird gegen ihn das Todesurteil verhängt, nachdem er sich mit einem falschen Jäger von Soest duelliert hat...

Die Kapitel des Jägers von Soest sind in dem Roman wohl mit die unterhaltsamsten - zumindest für mich gewesen. Leider ist hier in der Verfilmung aber beileibe nicht klar, welcher Einheit die Hauptfigur angehört. So kommt er als verkleidete Frau unter einen Rittmeister, was auf ein Reiterregiment (also Kürisser oder Arkebusierreiter) hindeuten würde - aber man sieht dann nur Musketiere. Später wird erwähnt, er sei ein Dragoner. Aber er trägt ebenso wie seine Gefährten Stiefel, obwohl Dragoner eigentlich infanteristisch kämpfende Soldaten wären die auch wie Infanteristen ausgerüstet wären und jedenfalls nicht mit Pistolen.
Geschickt wird oft auf scheinbar abbruchreifen Bauernhöfen gefilmt. Bei Soest wird eines der Tore der Stadt verwendet, auch wenn man dadurch teilweise natürlich Gebäude erkennt, die moderne Fenster und Türen haben. Aber da ist mir offengestanden der Originalschauplatz wichtiger - mich nerven ja heutzutage die lausigen Drehorte und Faulheit bei all den Musketierverfilmungen z.B..
Natürlich ist Matthias Habich nach wievor zu jung für die Rolle, zumal sein Alter auch laufend Thema ist und es mutet absurd an, wenn Gleichaltrige bemerken wie jung Simplex sei.
Die Geschichte mit dem "Mädchen" scheint aus heutiger Perspektive einfach absurd. Da man einfach einen Mitte-30-jährigen Mann in Frauenkleidern erkennt und nicht sehen kann wie man Simplex für ein Mädchen halten kann, was freilich möglich wäre, wenn "sie" ein jugendlicher Knabe wäre.

7 von 10 Heerlagern.
 
Zurück
Oben