Tanzen?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Legat, 22. März 2009.

  1. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Wurde bei Hofe getanzt? Ich vermute mal ja, aber sind diese Tänze auch irgendwie überliefert? Also im Zeitraum von ca 800-1500.
     
  2. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Bei Wikipedia hab ich bisher das gefunden:
     
  3. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

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  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    *Nachtrag*
    Mehr auch hier mittelalterliche Tnze
    Wie hier gesagt, ist die Quelle schwer auszumachen, da um 800 Choreographien noch nicht schriftlich hinterlegt sind. Erst mit der Buchdruckkunst fanden schriftlich hinterlegte Choreographien weitere Verbreitung. Bekannt ist hier nur, dass viele Volkstänze bereits seit dem Mittelalter auf "Volksfesten" so oder ähnlich getanzt wurden, da sie in manchen Schriften Erwähnung finden, wenn auch leider zumeist ohne nähere Details.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. März 2009
  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hi Legat,
    ich lese zur Frage einmal im Sachs (vgl. http://www.geschichtsforum.de/276549-post4.html ) quer: In seinem Standardwerk zur Tanzgeschichte sieht Curt Sachs den Übergang "zur eigentlich höfischen Lenbensform der Minnesängerzeit" im "Tanzwesen des nordischen Mittelalters, das aus den Texten der dänischen Balladen etwa seit 1200 erschlossen werden kann" (S.177), an. Frühere Zeiten kannten nach Auffassung des Autoren nur den Chorreigen oder namentliche Kettenreigen - freilich getrennt nach Geschlechtern, wenn auch mit gefaßten Händen - keinen (höfischen) Paartanz im Sinne der Cortezia der Minnesängerzeit. Da die ideologischen Implikationen des Autoren aber in Frage gestellt werden sollten, ist es gewiß sinnvoll auch zu erwähnen, daß gewisser Hjalmar Thuren, der sich sowohl mit "Tanz, Dichtung und Gesang auf den Färöern" als auch mit dem "Tanz und Tanzgesang im nordischen Mittelalter" beschäftigt hatte, anderer Auffassung sein soll: Dieser sah anscheinend in den Balladen Dokumente bereits "minnesängerlicher [Tanz-]Kultur". Dessen Artikel scheinen in Publikationen der Internationalen Musikgeschaft zu finden sein: Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft. Hrsg. von Oskar Fleischer und Max Seiffert. Jahrgang I, IV, VII-XI, XIII - ZEITSCHRIFTEN, Bd. 3 (1901-1902)
    Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft. Hrsg. von Oskar Fleischer und Max Seiffert. Jahrgang I-III, VII, VIII, X-XII - ZEITSCHRIFTEN, Jg. (?) 9 (1907/1908)

    Über den höfischen Tanz schreibt Curt Sachs erst wieder im Zusammenhang der Minnesängerzeit etwas (S.180 f); er verweist auf Abbildungen aus der Manesseschen Minnesängerhandschrift (Codex Manesse ? Wikipedia): z. B.
    Manesse - Manesse - Tafeln
    Die erste Tanzbeschreibung stammt nach Angabe von Sachs aus Bayern und findet sich im lateinischen Rittergedicht vom Rudlieb (Rudlieb | Lexikon '88 |. Die Textstelle IX 50-55 (in der Seiler-Edition, Halle 1882) soll nach Angabe einen Tanz beschreiben, der im Schuplattler und in der italienischen Trescona weiter lebt.

    Jetzt wird es mir doch zu lang, weiter zu lesen und zu zitieren. Vielleicht schaust du einfach selbst in das - gewiß aber auch überarbeitungswürdige Buch zur "Weltgeschichte des Tanzes", das 1976 im Georg Holms Verlag wieder aufgelegt wurde.
     
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  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Irgendwie läßt mich diese Frage nicht ruhen. Ich habe noch einmal das Buch von Herrn Sachs quer gelesen. Es ist wirklich nicht leicht zu lesen und ich überlege mir ernstlich, Walter Sorells Kulturgeschichte des Tanzes zu zu legen. Wie dem auch sei, ich habe auch noch einmal den Geschichtsforum-Thread über Tanzgeschichte studiert und möchte Demoiselle zitieren:

    Curt Sachs muß man man nun zugestehen, daß er durchaus einige Archive durchforstet hat und vielmehr wohl noch eine grundlegende Literaturzusammenstellung zur Tangeschichte geliefert hat und vor allem nach diesen Brücken zwischen Folklore und höfischem Tanz gesucht hat. In seinen Überlegungen zur Minnesängerzeit reflektiert er die nicht eindeutige Unterscheidung von bäuerlicher und adliger Tanzkultur, wobei freilich auch nicht klar ist, wann die beiden europäischen "Pole: den bäuerischen, der die Bevölkerung der naturvolkhaften Kraft, bedeutsamkeit und Erdverbundenheit des Tanzes verkörpert, und den adligen, der den wertvollen Erdstoff zum funkelnden Kristalle schleift" ([1933], 1976, S.189), sich trennten. Demoiselles Überzeugung jedenfalls läßt sich mit Cut Sachs nur stützen: "Diese beiden Tanzwelten sind aber durch keine feste Grenze geschieden. In unstillbarem Verlangen recken sich von hüben und drüben die Hände aus, um zu erraffen, was der eigenen Welt versagt ist. Höfische Lebensart steigt über alle so ängstlich gehüteten Standesmauern hinweg zum Volke nieder. Verkümmert, vergröbert, verzerrt, wie sie ankommen mag, - sie erriecht mit Sicherheit den Boden und haftet hier noch, wenn sie oben längst verlassen ist. [...] Aber hovetanz [Nithart] wird nur, was emporgestiegen ist aus der bewahrenden Tiefe, aus demgroßen Speicher der Volkstänze." (ebd.) Das Vorgehen, um die entsprechenden Interdependenzen zu identifizieren, ist aber eher ein rekonstruktives, da die Quellen schließlich versagen. Sachs zitiert Nithart, der sich darüber wundert, daß man in spilstuben hotanz pflege, anstatt den hoppaldei. Hier ist eigentlich zu fragen, ob die neuzeitlichen Quellen historisch nicht irreführen und es eine Trennung eigentlich vorher nicht gab?

    Legat zitiert aus dem Wikipedia-Artikel über Tanz:
    Tanz ? Wikipedia

    Für die der frühen Neuzeit vorhergehenden Zeit scheint also eine andere Dichotomie vorzuliegen. Zumindest scheinen hier Quellen vorzuliegen, allerdings nicht bezüglich der fraglichen Zeit, sondern etwas früher, aus der Völkerwanderung. So bezeugt Caesarius von Arles, daß sich zechende Goten nach einem Opfermahl erhoben und "nach teuflischem Ritus zu geschlechtsschlüpfrigen Liedern [tanzten]" (Sachs, [1933] 1976, S.168) Freilich ist auch möglich, daß sich durch den zunehmend christianisierenden Einfluß in den Adelsschichten auch das Tanzverbot verinnerlicht wurde und daher nur der Schautanz an den frühmittelalterlichen Höfen genossen wurde. Über den Tanz im frühen Mittelalter jedenfalls schweigt sich Curt Sachs aber leider geflissentlich aus. Die letzte Überlieferung - bevor er das Tanzwesen des Hohen Mittelalters zu sprechen kommt - ist die Erwähnung, daß Theodora, Gemahlin Justinians I vor ihrer Vermählung nackt im Zirkus aufgetreten sein soll. Ich werde nun wohl doch die Mühe machen müssen, das Kapitel über den hochmittelterlichen Tanz ganz zu lesen.
     
  7. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ein Bruchstück zur Frage nach dem höfischen Tanz

    Ich habe immerhin schon einmal etwas gefunden:

    Einem Handbuch des Tanzes (Victor Junk, Olms-Verlag, 1977) entnehme ich den Hinweis auf ein Zeugnis zum höfischen Tanz, der sich im Meier Helmbrecht ? Wikipedia finden soll; darauf hin habe ich die Passage auch auch bei Sachs zitiert gefunden. Andere Zitate stammen aus dem Neidhart und dem Parzival. Der Parzival und Helmbrecht berichten vom Tanz zweier Frauen zu Seiten eines Ritters. Im Neidhart scheint mir das nicht so eindeutig. Dazu gibt es auch eine Illustration in der Manessehandschrift und das Handbuch nennt Runkelsteiner Fresken.

    Ansonsten zitiert Sachs noch eine lange Passage aus dem Roman de la Rose findet sich eine Passage (nach Sachs Angabe Verse 727 bis 776), in der zunächst ein Mädchen namens Leece erwähnt wird, die beim Reigen den schönsten Kehrreim singen konnte und dazu tanzte mit den Füßen stampfte und tobte; anschließend wie sich ein Reigen mit schönen Treschen, manchem Dreh entwickelt, von Rotruenges und lotharigischer Musik ist die Rede. Schließlich zur Schelle und Trommel lösen sich zwei Damen aus dem Reigen und führen einen bildhaften Paartanz auf: „Zierlich ging die eine vor/auf die andre los, und als sie/ nah gekommen trafen sich die/ Münder, daß es schien, als wenn sie/gegenseitig Küsse tauschten.“

    In der englischen Wikipedia findet sich ein Hinweis auf die Estampie:
    Medieval dance - Wikipedia, the free encyclopedia

    Ein identischer Hinweis findet sich denn auch bei Curt Sachs ([1933] 1976, S.195) mit dem Zitat zweier Gedichtstellen, um den Zweifel abzuweisen, daß die Estampie kein Tanz gewesen sei: Die erste zitiert anscheinend schon Pierre Aubry ("Estampies et danses royales", 1906), das Sachs allerdings nach K. Bartsch (Altfranzösische Romanzen und Pastourellen) zitiert, das andere von Froissart (14. Jh.). Als Tanzmusik gibt es Musikstücke aus zwei überlieferten Handschriften, zum einen eben die Sammlung Aubrys oder sog. Pariser Handschrift mit acht Estampien, die vor 1325 aufgezeichnet worden sein soll, sowie eine Londoner Handschrift, ebenfalls mit acht Istampites. - zur Diskussion vgl. ggf. aus der neueren Literatur – Hinweis entnommen aus Dahms (2001): Mc Gee, Medieval Instrumental Dances ( Bloomington, 1989) oder ders., Mediaval Dances Matching the Repertory with Grocheio's Description (Journal of Musicology 7/ 1989, pp.498-517) versus Lorenz Welker („Emstampie“ in MGG-Online 1995), der die Estampie als reines Musikspiel betrachtet.

    Ferner gibt C. Sachs an, daß es sich bei der von Raimbaut am Markgrafenhofe zu Montferrat gehörten Estampie „in Wort und Weise“ um ein Stück mit Auftakt und drei Punkten handelt und verweist auf die Ductia, eine Sonderform einer Cantilena. Er will es in seiner 1930 erschienenen Grammophonsammlung „2000 Jahre Musik auf der Schallplatte“ aufgenommen haben. Ursprünglich war die Estampie nach Sachs ein Stampftanz (von fränk. stampôn), leite sich dem Namen also nicht von der Stantipes ab, was widersprüchlich erscheint, insofern Sachs (S.196) auch vermutet, „daß die Estampie aus der Verschmelzung der Formen Ducia, Nota und Stantipes hervorgegangen ist“, denn rhythmisch entspreche sie (als spätere, überlieferte) zumindest der älteren Stantipes (des 13. Jh.). Wie die Ductia soll die Stantipes ein Sonderform einer Cantilena sein. Die einfache Kantilene kennt kennt Vers und Refrain (a b a b), die genannten Sonderformen hingegen verschiedene Versmelodien (a b a c a d) usw. Nach Johannes de Grocheo soll es einen Unterschied der beiden Sonderformen geben: die Ductia hat die recta perscussio (=geraden Takt), die Stantipes nicht (=ungeraden Takt) – so Sachs. Wie dem auch sei, die Etampie des 14. Jh. gibt C. Sachs im eigentlichen (rekonstruierten) Vierviertel- oder Zwölfachteltakt an, sieht sie als Vorstufe späterer Schreittänze wie Allemande und Basse danse an.

    Edit: Das Bild liefer ich noch nach; und hoffentlich eine Fortsetzung
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2009
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  8. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hof- versus Bauerntanz?

    Über den profanen, volkstümlichen Tanz des MA schreibt Sibylle Dahms (Tanz. Bärenreiter-Verlag, 2001), daß er eine deutliche Tendenz zum gesprungenen Reigen zeige und erst ab dem 13. Jh. zum Paartanz. Motivation war der Jahreskreis, insonders der Frühling mit möglichen Rekurs auf althergebrachte Fruchtbarkeitsriten; es wurden im Freien getanzt: auf dem Dorfanger oder um die Linde im Dorfe oder einen Brunnen, ab dem 14. Jh. auch in Tanzhäusern. Wie kommt die Autorin beispielsweise auf das Tanzen um Dorflinde? In bezug auf die Angaben der Plätze scheint Franz M. Böhmes Geschichte des Tanzes in Deutschland von 1886 maßgeblich zu sein, das ich mir in einem Wiederabdruck im Olms-Verlag (1967) ausgeliehen habe: „Jedes Dorf hatte seine Linde, um den der Reigen sich drehte“ (Böhme I, S.37); als Quellen werden genannt die von Friedrich Heinrich von der Hagen herausgegebene Sammlung von Minnesinger-Handschriften, wobei freilich nicht leicht herauszufinden ist, was mit MSH. III, 199b und 187b im weiteren genau gemeint ist, weil die Jahresangabe der Sammlung (1838) schon zu Böhmes Zeiten überholt war (vgl. https://portal.d-nb.de/opac.htm?method=showFirstResultSite&currentResultId=partOf%253D451767764%2526any&selectedCategory=any); vielleicht ist hier jemand fündiger als ich: http://books.google.de/books?id=D4u1Ilo4v0kC&printsec=frontcover&source=gbs_book_other_versions_r&cad=1_2#PPR4,M1
    Nichts desto weniger sei bezüglich der Tanzgeschichte gerade die Darstellung Böhmes dringendst empfohlen. Was Sachs für die Zusammenstellung der Sekundärliteratur zur Tanzgeschichte geleistet hat, hat Böhme bezüglich der Zusammenstellung der Quellen geleistet. Vielleicht als ein kleiner Eindruck etwas im Hinblick auf die Ausgangsfrage vom Legat:

    Bezüglich des höfischen Tanzes gibt Sibylle Dahms das Tanzen in geschlossenen Räumen an – ebenso schon Böhme (a. a. O.) freilich ohne Literaturangabe – und „in maßvolle, schleifenden, am Boden haftenden Schritten [...] in Reigenform oder in Paaren“ (2001, S.53) an. Ihr Abbildungsnachweis erscheint mir freilich auf eine Tanzszene aus dem 16. Jh. (Kupferstichserie von Johann Theodor de Bry) irreführend und wie bereits bemerkt, habe ich so meine Zweifel bei einer Gegenüberstellung von Bauern- und Hoftanz in den früheren Epochen des Mittelalters. Bei Böhme selbst finden sich zwar Andeutungen in die Richtung einer solchen Dichotomie, aber als Tanzhistoriker des 19. Jhs., der die Quellen gründlich studiert hat, weiß er eigentlich besser:
    So zitiert Böhme selbst an einer Stelle (S.24 nach Bodmer) den Schenk Konrad von Landegge (http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Landeck,_Konrad_Schenk_von):

    [FONT=Franklin Gothic Medium, sans-serif]Wir son tanzen, wir son springen, wir son fröhlich reigen, wir son singen.[/FONT]

    Mir scheint, als würde im Hintergrund die Überlieferung eines gewissen Teichners im Liederssaal überbewertet, der um 1370 „das wilde Tanzen als einen von den Bauern auf den Adel übergegangenen Unfug [rügt]“ (Böhme I, S.34) Nun ist es nicht unbedingt redlich, eine Quelle lediglich gegen eine andere andere willkürlich auszuspielen. In einer Hausarbeit heißt es:
    „Eine neuere Veröffentlichung zu diesem Thema ist Joachim Bumkes Werk Höfische Kultur [2 Bde. 1986]. Bumke weist in seinen Ausführungen darauf hin, daß wir insbesondere über die höfischen Tänze des 12. und 13. Jahrhunderts sehr schlecht unterrichtet sind. Gründe hierfür sieht Bumke einerseits in der ungünstigen Quellenlage (Lehrbücher der Tanzkunst hat es erst im 15. Jahrhundert gegeben) andererseits aber auch darin, daß die Zeugnisse, die hauptsächlich aus der höfischen Dichtung stammen, noch nicht in angemessener Weise ausgewertet wurden.“
    http://www.grin.com/e-book/29317/der-tanz-zur-zeit-des-minnesangs.

    Nun, wenn auch nicht in erschöpfender Weise, aber eine durchaus umfassende Auswertung hatte meinem Eindruck gemäß schon ein Autor, der hundert Jahre vor Bumke publizierte, gemacht! Interessant wäre in meinem Zusammenhang nun aber dann doch zu fragen: Wie ernst ist Neidhart überhaupt zu nehmen, wenn er von bäuerlichen Tänzen à la Hoppaldei berichtet und fragt:

    [FONT=Franklin Gothic Medium, sans-serif]wer gap in die windikeit, daz sie in der Spielstuben hovetanzen künnen?[/FONT]

    Oder mit anderen Worten vermute ich zumindest, daß man Neidhart überhaupt nicht wörtlich nehmen darf: Tanzten die Bauern nicht einfach so wie am Hofe, den Neidhart aber sich gerne „züchtiglich“, „sachte“ - wie Teichner sagen würde - tanzend zu sehen wünschte?
    Freilich kenne ich mich mit modernen Neidhartinterpretation in keinster Weise aus, daher will ich die Überlegung indirekt überprüfen, und zwar indem ich der Frage nachgehe, ob die Quellen belegen, daß man am Hofe eben nicht – wie angeblich vornehmlich im Bauerntanze – gesprungen sein sollte. Dazu finde ich natürlich nicht unbedingt Eindeutiges bei Curt Sachs, aber immerhin zitiert er aus (wohl Konrad von Würzburgs) Trojanischem Krieg:

    [FONT=Franklin Gothic Medium, sans-serif]Ez ward nie schöner reige/ gemachet [...] lîs ûf den füezen slîfen/ und dar nâch balde springen[/FONT].

    Und nach Sachs läßt dieses „Zeugnis des 13. Jahrhunderts [...] kaum einen Zweifel, daß innerhalb des gleichen 'Reigens' auf einen schleifenden Teil balde, daß heißt 'sogleich', ein Springtanz folgt. Hier sind die klassischen Paare Vortanz-Nachtanz, Basse danse-Tordion,* Pavane-Galliarde vorbereitet.“ (Sachs, [1933] 1976, S.190) Hüpf- oder Sprintänze, diese waren für Teichner das Gegenteil der „züchtiglichen Tänze“; hier wäre neben schon genannten der Ridewanz zu erwähnen,** oder auch der französische Virelai (>Firlefanz), wobei aber auch nicht viel mehr als die Namen bekannt wurden und es wird dann noch komplizierter, daß auch von Tret- oder Trabtänzen gesprochen wird, was bei Sachs aber keine eindeutige Systematik ergibt. Vielleicht dazu wann anders eine Fortsetzung.


    * auf der nächsten Seite: „Bassadanza und Saltarello“ (S.191) – an anderer Stelle heißt es auch: daß der Tourdion „nicht anderes als eine Abart der Galliarde“ sei (S.242)

    ** Der Name leitet sich von „ritwân“ wenn nicht von der altfranzösischen Rotruenge (< provenzalisch: Retroensa?) her.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2009
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