The deeds of Tiberius and Germanicus in Germany

Ich hatte mich vertan. 'Wisura' ist nicht erschlossen. Laut Altsächsischem Wörterbuch von Holthausen findet es sich in den 'kleinen Denkmälern', womit Holthausen alle Überlieferung außer dem Heliand und der altsächsischen Genesis meint.

(Natürlich könnte man sagen, dass es für das Germanische erschlossen ist, aber das Wort ist überliefert.)

Dazu, wie weit den Römern die Visurgis bekannt war, wird man nichts sagen können. Wieso sollte es aber zweifelhaft sein, dass sie den Fluss über den Zusammenfluss mit der Fulda hinaus kannten? Ich würde es eher als wahrscheinlich erachten, dass sie wussten, wo sie ihre Lager errichteten. Zumindest so weit kann man ihnen die Kenntnis nicht absprechen. Eine gewisse Strecke weiter sicher auch nicht. Nur wie weit können wir nicht sagen.
 
Wieso z.B. Germanicus entgegen zeitnaher Berichte in die Weser eingefahren und damit den am schnellsten erreichbaren sinnvollen, den Nachschub gewährenden Fluss (Ems) ignoriert haben sollte, erschließt sich mir nicht. Die Gefahren im Wattenmeer waren den Römern sicher auch bereits vor dem Jahre 16 bekannt.

Ich frage mich, wieso Germanicus 1000 Boote bauen ließ, nur um seine Soldaten an die Ems zu bringen, dort waren sie noch nirgends. Nehmen wir die Landung an der Ems ungefähr bei Rheine an, dann sind das ca. 90 km Luftlinie von Xanten aus. Ja nachdem wieviel Leugen wir pro Tagesmarsch ansetzen sind das 4 bis 5 Tagesmärsche, wo soll da der Vorteil sein die Soldaten auf einem Umweg von 300 biss 400 km (je nachdem wo damals die Küstenlinie war) durch das gefährliche Wattenmeer dorthin zu bringen? Ein Nachschubproblem ist es sicherlich nicht gewesen, Tacitus schreibt ja ausdrücklich dass der Vorteil des Bootstransportes auch der war, Legionen und Vorräte zusammen zu transportieren.

Was war also der Vorteil, der die Zeit und das Geld für den Bau von 1000 Booten wert war, und der die Verzögerung des Feldzuges durch den Umweg des Transportes der Legionen durch das Wattenmeer wert war?

Bei einem D-Day an der Ems wären die Römer immer noch 100 km von den feindlichen Cheruskern entfernt gewesen, Legionen die mindestens 5 Tagesmärsche in den Knochen hatten wären auf Cherusker getroffen, die eine Vorwarnzeit noch mehreren Tagen hatten sich auf die Auseinandersetzung mit den Römern vorzubereiten.

Bei einem D-Day an der Weser wären ausgeruhte Legionen plötzlich im Kernland des Feindes aufgetaucht.
 
Hinzu kommt ja, dass Germanicus während des Baus der Flotte noch einmal beim Varus Schlachtfeld war, wo er den verwüsteten Varus-Grabhügel aber nicht wiederherstellte. Wir hätten dann also die Situation, dass Germnicus vom Rhein aus mit seinen Legionen über die Ems bis ins 133 km Luftlinie entfernte Kalkriese zog, dann zum Rhein zurückkehrte um die Legionen per Boot an die 90 km entfernte Ems zu bringen. Das ist doch verrückt?
 
Das Ganze ist auch ein weiteres Indiz dafür, dass die Varus Schlachfelder nicht bei Kalkriese zu suchen sind. Wenn ich meine Legionen schon mal in der Kalkrieser-Niewedder Senke habe und damit nur 60 km westlich von der Weser entfernt, führe ich sie nicht zum Rhein zurück und setzte sie dann nach einem Riesenumweg durch das Wattenmeer mit Booten 40 km westlich von Kalkriese und somit 100 km westlich der Weser wieder ab.

Die Varus Schlachtfelder befanden sich in einer Gegend, von der aus es Sinn gemacht hätte die Legionen zu den Standorten am Rhein zurückzuführen, um sie von dort per Boot zu einem sinnvollen und den Aufwand rechtfertigenden Ziel zu bringen.
 
In 2,7 wird eindeutig eine Zwischenepisode während des Flottenbaus beschrieben, wo Germanicus samt seiner Legionen den mittlerweile zerstörten Grabhügel noch einmal besuchte:

Den Grabhügel, der kurz vorher für die Legionen des Varus errichtet worden war, und einen früher schon dem Drusus geweihten Altar hatten sie gleichwohl bereits zerstört. Den Altar stellte er wieder her und hielt zu Ehren seines Vaters mit den Legionen – er selbst an ihrer Spitze – den feierlichen Waffenlauf. Den Grabhügel wieder aufzurichten fand er nicht gut.
 
Was war also der Vorteil, der die Zeit und das Geld für den Bau von 1000 Booten wert war, und der die Verzögerung des Feldzuges durch den Umweg des Transportes der Legionen durch das Wattenmeer wert war?

Bei einem D-Day an der Ems wären die Römer immer noch 100 km von den feindlichen Cheruskern entfernt gewesen, Legionen die mindestens 5 Tagesmärsche in den Knochen hatten wären auf Cherusker getroffen, die eine Vorwarnzeit noch mehreren Tagen hatten sich auf die Auseinandersetzung mit den Römern vorzubereiten.

Bei einem D-Day an der Weser wären ausgeruhte Legionen plötzlich im Kernland des Feindes aufgetaucht.

Das ist eine gute Frage.

Ich will versuchen, die Überlegungen des Germanicus nachzuvollziehen.

Im Vorjahr hatte es einen kombinierten Aufmarsch gegeben:
Gemanicus war mit vier Legionen per Schiff die Ems aufwärts gekommen, während Caecina mit 40 Kohorten auf dem Landweg bis zur Ems marschierte.

Nehmen wir mal an, sie haben sich bei Rheine getroffen.

Die Route per Schiff ist zwar um ein Mehrfaches länger, die Geschwindigkeit ist aber ebenfalls um ein Mehrfaches schneller. Wahrscheinlich brauchten beide Heeresteile gleich lang - etwa eine Woche - und trafen zur selben Zeit ein. Die Truppen des Germanicus ausgeruht, die des Caecina erschöpft.

Das könnte Germanicus dazu bewogen haben, beim nächsten Mal das gesamte Heer auf Schiffen zu transportieren.

Bis dahin sehe ich also keine Probleme.

Warum aber Germanicus dann - Tacitus zufolge - im Jahr darauf nicht gleich in die Weser geschippert ist, sondern die beträchtliche Strecke von der Ems bis zur Weser auf dem Landweg marschiert ist, weiß ich auch nicht. Darüber kann man nur spekulieren.
War Germanicus eine Landung an der Weser zu riskant?
Ein "D-Day" kann ja nur funktionieren, wenn der Feind völlig ahnungslos ist.
Hat die mutmaßliche Erkundungsexpedition des Jahres 15 zu Erkenntnissen geführt, die gegen eine Landung an der Wesermündung sprachen? Wir wissen es nicht.
 
In 2,7 wird eindeutig eine Zwischenepisode während des Flottenbaus beschrieben, wo Germanicus samt seiner Legionen den mittlerweile zerstörten Grabhügel noch einmal besuchte:

Den Grabhügel, der kurz vorher für die Legionen des Varus errichtet worden war, und einen früher schon dem Drusus geweihten Altar hatten sie gleichwohl bereits zerstört. Den Altar stellte er wieder her und hielt zu Ehren seines Vaters mit den Legionen – er selbst an ihrer Spitze – den feierlichen Waffenlauf. Den Grabhügel wieder aufzurichten fand er nicht gut.

Da steht doch nicht, dass Germanicus den Grabhügel besucht hat.
Er hat den Drususaltar besucht.
Der Drususaltar kann ja wohl nicht auf dem Schlachtfeld gestanden haben.
 
Da steht doch nicht, dass Germanicus den Grabhügel besucht hat.
Er hat den Drususaltar besucht.
Der Drususaltar kann ja wohl nicht auf dem Schlachtfeld gestanden haben.

Warum sollte Tacitus den Grabhügel in einem Atemzug mit dem Altar erwähnen, wenn Germanicus nicht beide mit eigenen Augen gesehen hätte?

Ist natürlich auch eine Sache der Interpretation, meine Interpretation ist er hat beide besucht.
 
Warum sollte Tacitus den Grabhügel in einem Atemzug mit dem Altar erwähnen

Das ist doch klar: Weil beide dasselbe Schicksal hatten. Sie wurden von den Germanen zerstört.

tumulum tamen nuper Varianis legionibus structum et veterem aram Druso sitam disiecerant.

Der Unterschied ist:
Den Drususaltar hat Germanicus mit seinen Legionen besucht und wiederhergestellt.
Den Tumulus nicht.


Ist natürlich auch eine Sache der Interpretation, meine Interpretation ist er hat beide besucht.
Für diese Interpretation sehe ich keinen Anhaltspunkt im Text.


Hinzu kommt ja, dass Germanicus während des Baus der Flotte noch einmal beim Varus Schlachtfeld war, wo er den verwüsteten Varus-Grabhügel aber nicht wiederherstellte. Wir hätten dann also die Situation, dass Germnicus vom Rhein aus mit seinen Legionen über die Ems bis ins 133 km Luftlinie entfernte Kalkriese zog, dann zum Rhein zurückkehrte um die Legionen per Boot an die 90 km entfernte Ems zu bringen. Das ist doch verrückt?
"Verrückt" ist nicht das, was Tacitus schreibt, sondern nur das, was Du hineininterpretierst.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich frage mich, wieso Germanicus 1000 Boote bauen ließ, nur um seine Soldaten an die Ems zu bringen, dort waren sie noch nirgends. Nehmen wir die Landung an der Ems ungefähr bei Rheine an, dann sind das ca. 90 km Luftlinie von Xanten aus. Ja nachdem wieviel Leugen wir pro Tagesmarsch ansetzen sind das 4 bis 5 Tagesmärsche, wo soll da der Vorteil sein die Soldaten auf einem Umweg von 300 biss 400 km (je nachdem wo damals die Küstenlinie war) durch das gefährliche Wattenmeer dorthin zu bringen? Ein Nachschubproblem ist es sicherlich nicht gewesen, Tacitus schreibt ja ausdrücklich dass der Vorteil des Bootstransportes auch der war, Legionen und Vorräte zusammen zu transportieren.
Doch, gerade die Vorräte dürften auch ein Grund dafür gewesen sein. Ein Maultier schafft 150 kg, eine Prahme 30 - 50 t, das ist ein eklatanter Unterschied. Natürlich sind Prahmen nicht seetauglich, die Schiffe werden also keine Prahmen gewesen sein und ihre Ladekapazität daher auch wesentlich geringer als die von Prahmen. Womöglich ging es auch darum, aus mehreren Richtungen aufzutauchen. Eine Machtdemonstration.

LEG XVII schrieb:
Was war also der Vorteil, der die Zeit und das Geld für den Bau von 1000 Booten wert war, und der die Verzögerung des Feldzuges durch den Umweg des Transportes der Legionen durch das Wattenmeer wert war?
War es denn eine Verzögerung?

LEG XVII schrieb:
Bei einem D-Day an der Ems wären die Römer immer noch 100 km von den feindlichen Cheruskern entfernt gewesen, Legionen die mindestens 5 Tagesmärsche in den Knochen hatten wären auf Cherusker getroffen, die eine Vorwarnzeit noch mehreren Tagen hatten sich auf die Auseinandersetzung mit den Römern vorzubereiten.
Von welchem Feldzug redest du jetzt? Denn die Landung ungefähr bei Rheine wäre ja eher das Jahr 15, da ging es aber noch gar nicht direkt gegen die Cherusker, sondern gegen die Brukterer.
Aber auch im Jahr 16 nahm man Bataver, Friesen und Chauken mit. Gerade in Bezug auf die Chauken und um sie zu überzeugen, sich den Römern anzuschließen, war eine Landung an der Unterems sinnvoll. (Nicht sinnvoll dagegen am linken Ufer zu landen - Tacitus kritisiert ja gerade ausdrücklich den Zeitverlust durch Brückenbau und den vermeidbaren Manpowerverlust durch die Tide.)

LEG XVII schrieb:
Bei einem D-Day an der Weser wären ausgeruhte Legionen plötzlich im Kernland des Feindes aufgetaucht.
Du vergisst die Chauken!

Hinzu kommt ja, dass Germanicus während des Baus der Flotte noch einmal beim Varus Schlachtfeld war, wo er den verwüsteten Varus-Grabhügel aber nicht wiederherstellte.
Auch hier vermischt du offenbar wieder die Jahre 15 und 16.
Im Jahr 15 war das Varusschlachtfeld - laut Tacitus - zunächst gar nicht das Ziel des Feldzuges. Erst im Verlaufe des Feldzuges soll sich die Idee entwickelt haben, das Varusschlachtfeld zu besuchen. Ob das stimmt oder nicht, sei dahingestellt, das aber ist die Information, die wir haben.
Im Jahr 16 dagegen gab es zwei Feldzüge, einen ersten zur Entsetzung Alisos. In diesem Zusammenhang schildert Tacitus, dass Germanicus den Grabhügel nicht wieder instandsetzte.
Ich frage mich, wieso Germanicus 1000 Boote bauen ließ, nur um seine Soldaten an die Ems zu bringen, dort waren sie noch nirgends. Nehmen wir die Landung an der Ems ungefähr bei Rheine an, dann sind das ca. 90 km Luftlinie von Xanten aus. Ja nachdem wieviel Leugen wir pro Tagesmarsch ansetzen sind das 4 bis 5 Tagesmärsche, wo soll da der Vorteil sein die Soldaten auf einem Umweg von 300 biss 400 km (je nachdem wo damals die Küstenlinie war) durch das gefährliche Wattenmeer dorthin zu bringen? Ein Nachschubproblem ist es sicherlich nicht gewesen, Tacitus schreibt ja ausdrücklich dass der Vorteil des Bootstransportes auch der war, Legionen und Vorräte zusammen zu transportieren.
Doch, gerade die Vorräte dürften auch ein Grund dafür gewesen sein. Ein Maultier schafft 150 kg, eine Prahme 30 - 50 t, das ist ein eklatanter Unterschied. Natürlich sind Prahmen nicht seetauglich, die Schiffe werden also keine Prahmen gewesen sein und ihre Ladekapazität daher auch wesentlich geringer als die Prahmen. Womöglich ging es auch darum, aus mehreren Richtungen aufzutauchen. Eine Machtdemonstration.
Was war also der Vorteil, der die Zeit und das Geld für den Bau von 1000 Booten wert war, und der die Verzögerung des Feldzuges durch den Umweg des Transportes der Legionen durch das Wattenmeer wert war?
War es denn eine Verzögerung?

LEG XVII schrieb:
Bei einem D-Day an der Ems wären die Römer immer noch 100 km von den feindlichen Cheruskern entfernt gewesen, Legionen die mindestens 5 Tagesmärsche in den Knochen hatten wären auf Cherusker getroffen, die eine Vorwarnzeit noch mehreren Tagen hatten sich auf die Auseinandersetzung mit den Römern vorzubereiten.
Von welchem Feldzug redest du jetzt? Denn die Landung ungefähr bei Rheine gehörte ja eher in das Jahr 15, da ging es aber noch gar nicht direkt gegen die Cherusker sondern gegen die Brukterer. Aber auch im Jahr 16 nahm man Bataver, Friesen und Chauken mit. Gerade in Bezug auf die Chauken und um sie zu überzeugen, sich den Römern anzuschließen, war eine Landung an der Ems sinnvoll.

Das Ganze ist auch ein weiteres Indiz dafür, dass die Varus Schlachfelder nicht bei Kalkriese zu suchen sind. Wenn ich meine Legionen schon mal in der Kalkrieser-Niewedder Senke habe und damit nur 60 km westlich von der Weser entfernt, führe ich sie nicht zum Rhein zurück und setzte sie dann nach einem Riesenumweg durch das Wattenmeer mit Booten 40 km westlich von Kalkriese und somit 100 km westlich der Weser wieder ab.
Die Idee das Varusschlachtfeld zu besuchen kam ausdrücklich erst zu einem Zeitpunkt, als der Feldzug gegen die Brukterer bereits recht erfolgreich verlaufen war. Es war nicht von Anfang an das Ziel des Feldzugs 15.
Im Jahr 16 war Germanicus eigentlich nicht auf dem Varusschlachtfeld. Zumindest nicht, als er Aliso entsetzte. Wie er von der Emsmündung an die Weser etwa bei Minden-Bückeburg marschierte, wissen wir nicht. Wir wissen nicht, ob er in Kalkriese vorbei kam.

Die Varus Schlachtfelder befanden sich in einer Gegend, von der aus es Sinn gemacht hätte die Legionen zu den Standorten am Rhein zurückzuführen, um sie von dort per Boot zu einem sinnvollen und den Aufwand rechtfertigenden Ziel zu bringen.
:confused:
Der Satz ist erklärungsbedürftig.

Im Übrigen geht es in diesem Thread nicht um die Lokalisierung eines Varusschlachtfeldes. Es geht um die Operationsgebiete von Tiberius/Germanicus 10/11 und Germanicus 14-16.

Wir hätten dann also die Situation, dass Germnicus vom Rhein aus mit seinen Legionen über die Ems bis ins 133 km Luftlinie entfernte Kalkriese zog, dann zum Rhein zurückkehrte um die Legionen per Boot an die 90 km entfernte Ems zu bringen. Das ist doch verrückt?
Du vermischt/verwechselst offenbar Ereignisse des Jahres 15 und 16 miteinander. Lies die Quellenstellen noch mal im Einzelnen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Werra und Weser sind eigentlich ein und derselbe Fluss.


Werra, die r.z. Weser bei Hannoversch Münden (Lkr. Göttingen, Niedersachsen, D). – 775 Uuisera, 786 Uuisora, 811 Wiseraa, 933 Wiseraha, 1016 Wirraha, 1141 Werrahe. – Werra und Weser trugen ursprünglich einen Namen, nämlich *Wisura[FONT=Arial, sans-serif][FONT=Arial, sans-serif] →[/FONT][/FONT] Weser bzw. Wisera. Eine Differenzierung wurde dadurch erreicht, dass sich für den Oberlauf das Kompositum altnieder-/althochdeutsch Wiser-aha verfestigte. Durch Synkope der zweiten Silbe entstand *Wisraha, assimiliert zu Wirraha, später Werrahe und Werra. – Sperber, HG.A.5, S. 115–117; Udolph, Weser, S. 493f.
Albrecht Greule, Deutsches Gewässernamenbuch, Berlin/Boston 2014
 
Hier noch mal für LEG XVII zur Unterscheidung die Feldzüge 15-2 und 16-1+2 die Kartendarstellung:

15 n. Chr. 2.jpg 16 n. Chr. 1 u 2..jpg
 
Wobei natürlich eine gewisse Unsicherheit in der Identifizierung des "Lagers an der Lippe" mit dem "Lager Aliso" zuzugeben ist, was natürlich auf der Karte nur einen geringen Unterschied ergibt, aber durchaus bedeutsam für Lokalisierungsfragen ist. Es muss bei dieser Stelle auch mit Aliso nicht Haltern gemeint sein. Der Name ist schließlich schon einmal gewandert, und das alte Aliso wurde im Winter von 9 auf 10 ja aufgegeben. Es wird zerstört worden sein. Und solange es keine 2 Zerstörungsschichten in Haltern gibt ... (Dass Aliso nicht aufgegeben wurde ist ja lediglich ein Mythos, der darauf beruht, dass es nicht erstürmt wurde, sondern von der Besatzung verlassen. Dieser Unterschied wir in vielen modernen Publikationen ignoriert.)

Egal, wie man dazu steht, für die dem Thread zugrundeliegende Frage, bleibt die Tatsache bestehen, dass Germanicus an der Lippe eine Infrastruktur einrichtete.

Dann landet er an der Ems. Schon zuvor hat er ein Lager weiter im Land eingerichtet, jetzt entsteht weiter im Norden ein Brückenkopf.

Man kann dazu im Einzelnen verschiedener Meinung sein, aber Germanicus bedachte nicht nur den aktuellen Feldzug, sondern auch die Einrichtung der Infrastruktur.
 
Du vermischt/verwechselst offenbar Ereignisse des Jahres 15 und 16 miteinander. Lies die Quellenstellen noch mal im Einzelnen.

Habe ich gemacht, und gelesen habe ich dass Germanicus im Jahr 16 die Wahl hatte den im Jahr 15 errichteten und danach zerstörten Varus Grabhügel wiederherzustellen oder nicht (er entschied sich dagegen). Dass er die Entscheidungsmöglichkeit hatte impliziert aber, dass er den Hügel mit seinen Legionen auch erreichen konnte. Wenn er nicht sogar vor Ort war, was das Nennen des Grabhügels zusammen mit dem Drusus-Altar nahe legt (es wäre sonst ein sehr schlechter Schreibstil den Hügel völlig kontextlos zu erwähnen, wo hätte er in Relation zum Altar gelegen, wer hätte Germanicus von der Zerstörung berichtet, usw.).

Die Fahrt flussaufwärts habe ich in der Tat mit den Ereignissen des Jahres 15 durcheinander gebracht, im Jahr 16 erfolgte die Landung an der Flussmündung. Und da ist es auch eigentlich egal ob Ems- oder Wesermündung, die Zangenbewegung gegen die Cherusker kam so oder so zustande. Entschuldigung dass ich an dir gezweifelt habe, Tacitus.

Mit der Varus Variante Kalkriese ergibt sich nun ergibt sich nun: Germanicus ist beim Varus Grabhügel bei Kalkriese und damit 60 km westlich der Weser bei Minden/Bückeburg/Rinteln, da wo wir Idistaviso vermuten. Dann führt er die Legionen zum Rhein zurück, um sie dann 100 km nördlich von Kalkriese und damit 150 km nordwestlich von Minden and der Emsmündung wieder abzusetzen. Und auch wenn Germanicus nur in der Nähe des Grabhügels/Kalkriese war sieht das Szenario nicht viel anders aus. Da stimmt was nicht.

Wenn der Grabhügel jedoch weit südlich von Minden lag hätte es Sinn gemacht, die Legionen zuerst zum Rhein zu führen und sie von dort aus zur Emsmündung zu transportieren, zumindest wären die Standorte am Rhein kein allzu großer Umweg gewesen.
 
gelesen habe ich, dass Germanicus im Jahr 16 die Wahl hatte den im Jahr 15 errichteten und danach zerstörten Varus Grabhügel wiederherzustellen oder nicht (er entschied sich dagegen). Dass er die Entscheidungsmöglichkeit hatte impliziert aber, dass er den Hügel mit seinen Legionen auch erreichen konnte.
Implikationen sind bei Tacitus so eine Sache. Da wäre ich vorsichtig:
Tacitus schafft es vier Marschtage Varusschlacht in nur einem Satz unterzubringen, mit einem Dreilegionenlager zu Anfang oder vor der Schlacht und einem kläglichen Lager, welches von den aufgeriebenen Resten am (vor)letzten Tag der Schlacht noch errichtet wurde.
(prima Vari castra lato ambitu et dimensis principiis trium legionum manus ostentabant; dein semiruto vallo, humili fossa accisae iam reliquiae consedisse intellegebantur:)
Oder er berichtet von der Landung an der Ems und ihrer Überquerung, dann von der Nachricht des Aufstands der Angrivarier/Ampsivarier, welche Germanicus beim Lagerbau erreicht, und seiner Niederschlagung und im nächsten Satz ist man bereits an der Weser. Das sind 150 km Luftlinie, über deren Überbrückung der Leser nichts erfährt. Der Lagerbau kann genauso gut noch an der Ems stattgefunden haben oder irgendwo auf dem Marsch zwischen Ems und Weser. Das erfährt man nicht. Nehmen wir mal an, Germanicus hätte die Weser nicht erreicht: Wir müssten denken, dass das Lager an der Ems lag. Erst dadurch, dass im nächsten Satz der Marsch von der Ems zur Weser vollzogen ist, weil man sich nun, nach erfolgreicher Überquerung der Ems an der Weser mit den Germanen Aug in Aug gegenübersteht, wird deutlich, dass eben gar nicht klar ist, wo das Lager denn lag.
Und so erklärt sich vielleicht auch, warum der Altar wieder hergerichtet wurde, der tumulus aber nicht: Der Altar lag direkt außerhalb des Lagers. Von der Zerstörung des tumulus hatte man nur Nachricht. Das ist natürlich nur eine unbeweisbare Vermutung meinerseits, sie entspricht aber dem, was wir von Tacitus gewohnt sind, der sich gerne mal in Details verliert, um dann im nächsten Augenblick radikal zu raffen.


Mit der Varus Variante Kalkriese ergibt sich nun ergibt sich nun: Germanicus ist beim Varus Grabhügel bei Kalkriese und damit 60 km westlich der Weser bei Minden/Bückeburg/Rinteln, da wo wir Idistaviso vermuten. Dann führt er die Legionen zum Rhein zurück, um sie dann 100 km nördlich von Kalkriese und damit 150 km nordwestlich von Minden and der Emsmündung wieder abzusetzen. Und auch wenn Germanicus nur in der Nähe des Grabhügels/Kalkriese war sieht das Szenario nicht viel anders aus. Da stimmt was nicht.
Aus dem Text ergibt sich, dass Germanicus an der Lippe war und dort einen Altar für seinen Vater sowie Infrastruktur wiederherstellte. Dass er das Varusschlachtfeld erneut besucht habe, steht dort nicht.
Aber ja, die Stelle ist rätselhaft.
Ich kann sie mir nur so erklären, dass hier wieder eine der taciteischen Raffungen vorliegt. Wenn Tacitus nicht Tacitus wäre, müsste man die Stelle so lesen, dass Tumulus, Altar und Aliso gleich beieinander lägen. Nun ist Tacitus aber nun mal Tacitus... Sicher ist, die Germanen hatten sowohl den tumulus als auch den Altar vor der Ankunft des Germanicus bei Aliso zerstört - aber lagen sie deshalb alle bei Aliso? Warum restituierte er den tumulus nicht? Bei den Baumaßnahmen, die er angeblich im Zusammenhang mit dem Feldzug 16-1 vornahm, wäre die Restitution des tumulus doch wohl noch das geringste Problem gewesen. Was steht wörtlich bei Tacitus?
tumulum iterare haud visum - es wurde nicht dafür gesorgt, den Grabhügel wiederherzustellen.
Lag der tumulus womöglich doch zu weit weg vom Lippelager, um ein Detachment dort hinzuschicken? Diese Formulierung von Tacitus bietet noch genug Stoff für Diskussionen die nächsten 2000 Jahre. Es sei denn, der äußerst unwahrscheinliche Fall trifft ein, dass Plinius' Geschichte über die Germanenkriege doch noch gefunden wird. Der dürfte viel Licht in das taciteische Dunkel bringen. Allein... ein Buch, dass schon im 4. Jhdt. unauffindbar schien (naja, in einer Zeit ohne Opacs) wird wohl wenig Chance haben, noch auf uns zu kommen.
 
Bei den Baumaßnahmen, die er angeblich im Zusammenhang mit dem Feldzug 16-1 vornahm, wäre die Restitution des tumulus doch wohl noch das geringste Problem gewesen.

Nun ja, schau dir mal die Geländeanomalien an, die als Römer-Hügel in Frage kommen, da arbeitet auch eine Legion gerne mal eine Woche dran um die aufzuschütten. Besonders bei der Nettelstädt-Anomalie muss der Arbeitsaufwand gewaltig gewesen sein. So viel Zeit hatte Germanicus womöglich nicht.
 

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