Timur i Lenk

Dieses Thema im Forum "Das Mongolenreich" wurde erstellt von timurlenk, 1. April 2011.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das weiß ich wohl. Ich wollte nur die rein militärisch ausgerichtete und unkritisch-schwärmerische Glorifizierung Timurs abschmettern, wie sie vom Threadersteller kam. Nix für ungut.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. April 2011
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das ist so nicht richtig. Das islamische Kalifenreich, das vom Atlantik bis zum Indus reichte, bestand nicht nur viele Jahrhunderte, sondern übte auf die europäische, asiatische und afrikanische Welt einen kaum zu überschätzenden kulturellen und religiösen Einfluss aus, der vielfach bis heute fassbar ist. Das gilt auch für das türkisch-osmanische Imperium, das Römische Imperium, das Byzantinische Reich und andere in entlegeneren Gegenden.

    All diese Reiche, die ihren Machtbereich mehr oder weniger gewaltsam zu Imperien erweiterten, schufen allerdings im Gegensatz zum kuzlebigen Reich des hinkenden Timur bleibende kulturelle, gesellschaftliche, religiöse, architektonische oder administrative Werte, förderten eroberte Gebiete, halfen bei einem Neuanfang und verhielten sich nicht wie Timur nur als Zerstörer und Terminator.
     
  3. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Nochmals: schaut in meine links. Und ihr werdet entdecken, dass das timuridenreich durchaus seine spuren in der geschichte hinterlassen hat. Und zwar nicht nur zerstörung in den eroberten provinzen, sondern eben auch dauerhaftes erbe im kernlande, welches dann wiederum in die islamische welt ausstrahlte und gewissen einfluss ausübte - auch wenn ihr davon noch nie gehört haben solltet. So gibt es z.b. den "internationalen timuriden stil", der bis in die keramiken an den moscheen istanbuls belegen lässt. Oder in der literatur z.b. auf tschgataiisch einfluss ausübte, so stark, dass alleine wegen dieser epoche die heutigen turkologen noch immer tschagataiisch lernen müssen\sollten.
    Also, einerseits zerstörer, ja, aber eben auch kunstförderung, die nicht ohne einfluss oder ohne belang blieb.

    Hier noch ein beleg für den internationalen timuriden-stil:
    http://books.google.com/books?id=Qj...onepage&q=international timurid style&f=false
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. April 2011
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @lynxxx, das streitet ja niemand ab. Und dennoch: Um sein blühendes Kernland herum schuf Timur ein Glacis aus menschenleerer verbrannter Erde. Er hat nicht einmal ansatzweise versucht, die eroberten Gebiete sich einzuverleiben und dort seine Verwaltung zu etablieren. Lieber kam er mehrmals wieder, um endgültig tabula rasa zu machen. Damit steht er ziemlich einmalig in der Geschichte da.
     
  5. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Schon richtig, BB. Meine obige Anmerkung bezog sich nur auf die Pauschalisierung von Dieter, die timuriden seien nur zerstörer gewesen und hätten keinerlei kulturelle, architekt. usw. Werte, etc, hinterlassen, hätten keine wirkung auf die umgebenden reiche gehabt, usw.
     
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  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die paar Medresen und Moscheen, die unter Timur erbaut wurden, können die gewaltigen Zerstörungen ganzer Kulturen und Regionen nicht im Ansatz wettmachen, die er und seine Soldateska hinterließen. Timur ist als der große Zerstörer und Vernichter in die Weltgeschichte eingegangen und dieses Urteil besteht bis heute zu Recht - trotz einiger prunkvoller Moscheen und Mausoleen in Samarkand oder Buchara.

    In Usbekistan wird Timur heiß verehrt, wie Wiki bemerkt: "Er gilt trotz aller Verbrechen und trotz seines eingeschränkten politischen Weitblicks im heutigen Usbekistan als eine Art Nationalheld."
     
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  7. Timurçin

    Timurçin Gesperrt

    Timur war ein genialer Diktator wie viele anderen auch.

    Er förderte sein Land seinen Geburtsort Samerkand machte es zu
    einer der wichtigsten Metropolen Asiens.

    Also sollte man das ganze neutral betrachten auch
    wenn seine militärische Führung grausam war. Ich
    sag nur andere Zeit andere Regeln.

    Gut aus verständlich wenn Türken,
    oder besser gesagt Uzbeken stolz auf ihn sind
    und er als Nationalheld gilt.

    Wenn er so einseitig als Mörder dargestellt wird,
    müssten viele berühmte Feldherren, auch als Mörder bezeichnet werden.
     
  8. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Nationalheld? Timur war kein Türke, hat selbige vielmehr ordentlich aufs Haupt geschlagen.

    Es ist aber auch egal, als was er im Rückblick interpretiert wird. Als Totengräber Zentralasiens als eigenständigem Faktor in der Weltpolitik sollte man ihm vielmehr in Europa, China und Indien Denkmäler errichten. Weltgeschichte trug sich jedenfalls fortan an anderen Plätzen zu - eigentlich fast bis heute.
     
  9. Timurçin

    Timurçin Gesperrt

    Wie Timur war kein Türke, soll das ein witz sein?

    Timur war Türke, zwar nicht das was man unter Türkeitürke
    versteht aber er war Türke.

    Und was ist daran auszusetzen ihn als Nationalheld zu bezeichnen.
    Immerhin ist er das für einige, und seine Statuen in einigen
    Turksprachigen Länder stehen da ja wohl nicht ohne Grund oder?

    Viele denken wahrscheinlich nur weil er kein Freund
    der Osmanen war, macht ihn das gleich zum Antitürken
    oder möchtegern mongolen aus ethnischer Hinsicht wird
    und bleibt er trotzdem türke.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2011
  10. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Im Englischen kommt der ethnische Unterschied klarer heraus:
    Timur = Turkic (=Angehöriger eines Turkvolks)
    Bayezid I., sein Gegner = Turkish (=Türke)

    Ich habe aber wie gesagt kein Problem mit der Vereinnahmung Timurs durch die türkische Geschichtsschreibung. Ich würde ihn um keinen Preis in meinem Walhalla haben wollen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2011
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Also, die alte Tante Wiki sagt zur Herkunft Timurs folgendes:

    Danach würde unser hinkender Freund aus einem gänzlich turkisierten Stamm mongolischer Herkunft kommen, der längst eine Turksprache angenommen hatte.

    Nun könnt ihr euch seitenlang streiten, ob Temür ibn Taraghai Barlas eher Türke oder Mongole war! :D
     
  12. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Eben! Diese gewaltsame Unterscheidung zwischen Türken und Mongolen ist doch völlig uninteressant und dürfte über 1000 Jahre lang in Zentralasien keinerlei Thema gewesen sein.
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nun, für einen Türken oder Mongolen ist das sicherlich auch heute noch von Interesse und wird in den jeweiligen Heimatländern ernsthaft diskutiert.
     
  14. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Da braucht man nicht lange zu diskutieren, Timucins Ansicht ist ein klassischer Fall von Kategorienverwirrung nach Gilbert Ryle: Zwar gehört jeder Türke zu der Gruppe der Turkvölker, aber nicht jeder Angehörige der Turkvölker ist ein Türke (genauso wie jeder Deutsche zu der germanischen Volksgruppe gehört, aber nicht jeder Germane Deutscher ist).
     
  15. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Schon richtig, heute, im Zeitalter der Nationalstaaten.
    Aber in den 1000 Jahren zwischen 800 und 1800 etwa spielte das wohl kaum eine Rolle. Da versuchte man, sich auf einen möglichst mit Prestige belegten Clan zurückzuführen, in den Herkunftslegenden tauchen immer wieder mongolische und türkische Abstammungen durcheinander auf.
     
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  16. excideuil

    excideuil unvergessen

    Solche Glorifizierung geht gar nicht!
    Das klingt ja, als wolltest du solche Typen als Krone der menschlichen Schöpfung verkaufen?

    Wenn ich bei Wiki lese:

    "Timurs Herrschaft war gezeichnet durch Brutalität und Tyrannei." oder

    "Das hinderte ihn aber nicht daran, die Muslime massakrieren zu lassen.",

    dann frage ich mich, was soll bitteschön an Mord und Totschlag genial sein?

    Eben! Nichts!

    Eine Diktatur bringt immer unendliches Leid mit sich. Die jüngere deutsche Geschichte ist Beispiel genug!
    Daher kann ich nicht nachvollziehen, wie man die Verbrechen Timurs derart relativieren kann.

    Grüße
    excideuil
     
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  17. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das Problem türkischer oder mongolischer Ethnizität ist uralt. Heute gibt es in Russland noch die Kasan-Tataren, Astrachan-Tataren oder Krim-Tataren, die allesamt aus einer mongolischen Schicht der Goldenen Horde hervorgingen, die im 13. Jh. Südrussland eroberte. Bereits im 14./15. Jh. war die zahlenmäßig dünne mongolische Erobererschicht in den mitgewanderten Turkstämmen aufgegangen und gänzlich assimiliert worden.

    Somit müssen wir heute die Tataren als turkstämmig bezeichnen, auch wenn sie vor 700 Jahren aus einer turko-mongolischen Synthese hervorgingen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2011
  18. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Wie ich schon mal bemerkte: Das "Zählen" und vor allem Aufrechnen von Schädelpyramiden und Moscheen überlasse ich gerne anderen, vor allem die Wertung.

    Ich würde aber den Einfluss und die Blüte der timuridischen Kunst und Kultur als nicht zu gering einschätzen, was ich aber nachvollziehen kann, wenn man von dieser Region ausser militärgeschichtlich keine oder kaum Ahnung hat. Schaut oben nach, welcher kulturelle Einfluss der Timuriden auf die Schaibaniden, die Safawiden, die Osmanen und die Moghulen vorhanden war. Z.B. gilt die Miniaturmalerei-Schule von Herat eine der Höhepunkte der iranischen Malerei. Da wunderst du dich doch, oder? Die Timuriden als Mäzene eines Michelangelos, eines Leonardos, eines Goyas, eines Vermeers, eines Rembrandts? (nur mal so einige Namen, die für die bildende Kunst hier wichtig waren, so wie einige der Künstler z.B. der Herater Schule Einfluss auf die islamische Malerei hatten) :p

    Daher ja auch einige kürzere und längere verlinkte Texte im vorigen Posting, damit dieser geographische Raum eben nicht mit einer Handbewegung weggewischt wird, und gesagt wird, die haben eh nichts ausser Terror über die Welt gebracht. (Ich weiß, sowohl in der Forschung, als auch in der Allgemeinbildung bildet Zentralasien regelmäßig einer der weißen Flecken der Bildungslandkarte)

    Manchmal kommt mir eine Diskussion von hiesigen (europäischen) Reichen und fremden Reichen etwas schief vor.

    Wir bewundern mitunter El Greco, Velázquez, Murillo, Berrueguete, de Ribera, wir besuchen den Escorial in Madrid, die Kathedrale von Sevilla oder die in Toledo und erstarren in Ehrfurcht. (Durchaus zurecht, übrigens)
    Gleichzeitig wird mitunter ausgeblendet, welches Leid, welches Blut eigentlich an diesen Künstlern, Gebäuden, usw. indirekt kleben kann.
    Mag sein, dass Timur besonders grausam im Krieg gewesen ist, dass werde ich nochmal genauer mir anschauen, denn ich kenne die Militärgeschichte der Timuriden nicht so gut, wie die Kulturgeschichte, daher vielleicht auch unser Dissens. Aber das Schleifen von Städten, das Massakrieren von Einwohnern, auch das Benutzen von Terror im Krieg, die Versklavung, ja, die Auslöschung ganzer Kulturen, dass hat er beileibe nicht erfunden!

    Diese ganzen Faktoren finden sich schon bei der Kriegsführung z.B. durch die römischen Herrscher, um mal ein Beispiel zu nehmen, welches bei uns immer als "Vorbild" und als unsere Ahnherren gesehen werden und durch unzählige Filme, Theaterstücke, Romane, und nicht zuletzt Computerspiele glorifiziert wird.

    Nur bei dem "dummen Barbaren" aus Zentralasien wird sich ggf. darüber echauffiert, wie man nur so "blöd" sein kann, ihn zu bewundern...

    (Ich bewundere ihn übrigens ebenso wenig, wie viele römische Kaiser oder Herrscher oder europäische Könige, auch wenn ich Age of Kings oder Roman Total War spielte...;))

    Daher schaue ich nun mal in einige meiner Lexika, wo ich ggf. schnell mal ein Fazit zitieren kann, um eine gewisse Einordnung zu erreichen, jenseits der Wiki. Ich habe zudem noch die ausführliche Biographie über Timur von Tilman Nagel, die ich für Detailfragen ggf. heranziehen könnte, falls jemand Fragen haben sollte.

    aus dem Lexikon des Mittelalters erfahren wir:

    "T. verfolgte seine Eroberungen sehr zielstrebig und nicht selten unter Anwendung gezielter Terrormaßnahmen, denen ganze Landstriche und zahllose Menschenleben zum Opfer fielen (z. B.*Eroberung von Isfahan, Delhi und Bagdad). ... Dennoch führten die Förderung von Handel und Gewerbe und die planmäßige Umsiedlung von Gelehrten, Künstlern und Handwerkern aus den eroberten Gebieten v.*a. in der Hauptstadt Samarqand zu einer kulturellen Hochblüte, die auch unter seinen Nachfolgern, bes. seinem Enkel Ulug Beg (1447-49), anhielt. Vom Glanz der Hofhaltung T.s legen nicht nur die Berichte auswärtiger Gesandter (Clavijo u.*a.), sondern auch die erhaltenen Baudenkmäler Samarqands beredtes Zeugnis ab. In Samarqand regierten T.s Nachkommen bis 1500, in Herat bis 1507. In Indien gründete ein Timuride, Babur, das Reich der Mogulen."

    Im Palgrave Concise Historical Atlas of Central Asia steht:

    "Timur proved to be a capable military leader who
    enforced iron discipline and instilled excellent military
    skills in his army (Manz 2002). He employed strategies
    borrowed from the Mongols, such as totally destroying
    cities and towns and slaughtering their populations in
    order to destroy the morale of opponents. He set up spe-
    cial engineering units in his army to assist in the siege of
    cities. He also regularly captured all the artisans, schol-
    ars and craftsmen from occupied cities and sent them
    back to Samarqand as slaves. In addition, Timur
    attracted considerable support from numerous tribal
    leaders by declaring that his ultimate goal was to restore
    the great Mongol Empire. ...
    Timur left behind a large, prosperous, but very unsta-
    ble empire and a highly controversial legacy. During his
    reign, he patronized trades and crafts that helped to
    reintroduce profitable regional, international and
    transcontinental trade networks along the Great Silk
    Road. His capital, Samarqand, with its population of
    300,000 to 400,000 became one of the largest cities in the
    world at that time
    . However, the prosperity of the impe-
    rial center was achieved by plundering and destroying
    hundreds of cities and towns in the conquered territo-
    ries. His troops enslaved tens of thousands of the most
    skilled craftsmen, engineers, scholars and artisans, cre-
    ating a very substantial brain-drain and decades of steep
    cultural and economic decline on the outskirts of the
    empire."

    im Historical Atlas of the Islamic World:

    "Under Timur, his successor Ulugh Beg
    (r. 1404–49), and the Uzbek Shaybanids
    (1500–c. 1700) who inherited Timurid power in
    inner Asia, Herat, Samarkand, and Bukhara
    were transformed into world-class cities. They
    were embellished by the plunder and legions of
    skilled craftsmen and artisans Timur and his
    successors had imported from Persia, India,
    Iraq, and Syria. Though utterly ruthless and
    cruel (before taking Delhi, he had thousands of
    male prisoners executed so they would not be
    able to change sides) Timur was far from being
    an ignorant barbarian.
    He mastered Persian,
    and surrounded himselfwith some of the most
    distinguished scholars, artists, historians, and
    poets of his time, setting the stamp of “royal”
    Islamic high culture that would be imitated
    with rather more refinement by his successors.
    He was broad-minded on religious matters.
    Though a Sunni Muslim who launched his con-
    quests in the name ofthe Sharia under the pre-
    text that his enemies were apostates and trai-
    tors to Islam, he gave his protection to the
    Shiites. Shaikks (Sufi pirs) were his chiefspiri-
    tual advisors."

    Auf welche Weise eroberte er die ganzen Gebiete?
    Die Encyclopaedia of Islam schreibt:

    "The method and purpose of his campaigns.

    The Turco-Mongolian population of the Ulus Čaghatay, known as Čaghatays, formed the core of Tīmūr’s army, decimally ordered and led by his family and personal following. He also levied contingents from the regions he conquered, whom he used in campaigns close to their place of origin. Thus the composition of Tīmūr’s army changed and conformed to the needs of specific expeditions. As Tīmūr appointed his sons and followers governors over new dominions, he assigned armies to them, each containing commanders from a variety of tribes and from the families of Tīmūr’s personal followers.

    Taking Činggis Khān as model, Tīmūr offered a choice of submission with safety or complete destruction; he carried off the skilled artisans and spared the religious classes, sometimes amusing himself by matching them in disputation and in chess. Even from submissive cities he extorted a massive ransom. His campaigns included displays of spectacular ferocity, sparingly used, and almost
    always intentional. The ravages of his army were considerable but frequently followed by the restoration of agriculture. On his first expedition to a region, Tīmūr simply extracted submission and taxes, returning later to punish insubordinate vassals and install governors. He destroyed only the larger dynasties within his dominions, notably the Karts of Harāt and the Muaffarids of Fārs; small dynasties continued in place, providing hostages and troops. Tīmūr incorporated only part of his conquered territory into his domains, sc. regions combining a strong agricultural base and largely Persian-speaking population with a significant nomad Turco-Mongolian stratum. This corresponded approximately to the Il-Khānid and western
    Čaghatayid territories. Tīmūr may originally have intended to restore the entire Mongol empire, and have changed his mind when he found steppe regions more difficult to control and less rewarding financially than settled ones. By the mid-1390s, he had probably decided not to incorporate the steppe into his domain; he chose simply to destroy the cities of the Golden Horde and to leave the nominal rulership to a Djočid protégé, whom he left without support. Tīmūr’s campaigns into regions outside the Mongol empire seem to have been aimed to show that he was supreme also within the Islamic world. He installed no administration in India, Syria or Anatolia.
    One region Tīmūr tried to hold and failed, Adharbaydjān, was ruled by Turkmen nomads whom he could defeat but not destroy. Although it was nominally within Tīmūr’s realm, he held it only briefly."

    Der letzte Satz der EI lautet:

    "Tīmūr’s concern for his reputation was well rewarded, and he was remembered for centuries as a supremely charismatic figure, still invoked for legitimation in the 18th century by Nādir Shāh Afshar, and in the 19th by the Ming dynasty of Khokand."

    in: Einführung in die Ethnologie Zentralasiens steht:

    "Transoxanien und die daran angrenzenden Gebiete erlebten unter Timur Lenk (Tamerlane) eine neue kulturelle Blütezeit.
    Timur machte Samarkand zur Hauptstadt und baute es zu einem Zentrum der islamischen Welt aus. Es gelang ihm ein Reich vom Ganges bis zum Mittelmeer aufzubauen. Die zahlreichen Kriegszüge (Iran, Aserbaidschan, Georgien, Ostanatolien, Indien, China, Reich der goldenen Horde) Timurs führten zu schweren Verwüstungen. Allerdings stimulierte Timur und vor allem seine Nachkommen die Entfaltung von Kunst und Wissenschaft in der Region. Insbesondere die unter den Timuriden errichteten Bauwerke zählen zu den herausragenden Beispielen islamischer Baukunst. ..."

    in: Einführung in die Geschichte der islamischen Länder lesen wir:

    "Dabei wurden die regionalen Herrschaften nicht immer beseitigt, sondern wo immer das möglich schien in die sich
    herausbildende imperiale Struktur integriert. Der abgelöste Herrscher der Sarbadār zum Beispiel wurde einer der loyalsten Gefolgsleute Timurs bei seinen späteren Zügen durch Iran. (Die anderen Herrschaften allerdings wurden beseitigt, wenn auch z.T. nicht bereits bei der ersten Konfrontation, sondern erst, als Timur den Eindruck gewann, auf diese Leute werde kein Verlass sein, dafür gab es formale Kriterien wie das regelmäßige Erscheinen in Timurs Heerlager.)
    Der zentrale und westliche Iran war in den 1390er Jahren an der Reihe. Wieder wurden die regionalen Herrschaften teils integriert, teils eliminiert. Die wichtigsten Konkurrenten in der Region, auf nomadischen Gruppen basierende Herrschaften rund um Tabrīz einerseits und weiter westlich im Raum Erzurum andererseits konnte Timur immer nur verjagen, nie wirklich besiegen: Die entsprechenden Männer waren nach Timurs Tod noch
    da und nahmen ihre vorigen Positionen wieder ein.
    ... wobei eine dauerhafte Eroberung der entsprechenden Regionen offenbar nicht intendiert war. Timurs vielleicht blutigster Feldzug war derjenige nach Indien, Delhi 1398, das Massaker unter den Gefangenen ist berühmt;
    hier war Beute wohl der Hauptgrund. Weniger erfolgreich war Timur in seinen Auseinandersetzungen mit nomadisch basierten Staaten...
    Timurs Feldzüge sind wegen ihrer Unbarmherzigkeit berühmt, vor allem die Massaker an der Bevölkerung eroberter Städte wie z.B. Delhi und Damaskus, aber auch Isfahan und andere. Es scheint, dass Timur Massaker als Mittel bewusst eingesetzt hat, um die
    Erinnerung an die Taten Dschingis Khans wachzurufen und den gleichen Schrecken, den der große mongolische Eroberer verursachte, auch durch die eigene Person hervorrufen zu können: Sie wären also in gewisser Weise ein Zitat, wenn auch ein grauenvolles. Ob die Opfer Muslime waren oder nicht, hat ihn nicht gekümmert, aber er hat, ähnlich wie Dschingis, religiöse Spezialisten und Nachkommen des Propheten geschont, diese hatten auch das Recht, ihren Nachbarn Asyl zu gewähren. Die Schädelpyramiden (oder Haufen von toten oder lebenden Opfern, übereinandergestapelt, mit den Gesichtern nach außen) hat Timur nicht erfunden, aber er hat sie systematisch verwendet. Er hat daher viel getan, den Ruf des orientalischen Despoten, des blutrünstigen Tyrannen, über die damals bekannte Welt zu verbreiten, auch wenn in der europäischen Literatur einschließlich des Schauspiels und der Oper dies nicht die einzige Rolle ist, in der er vorkommt."
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2011
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  19. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Fortsetzung:

    Monika Gronke in ihrer Geschichte des Irans schreibt:

    "Alles in allem wurden Timurs Kampagnen, die bei seinen Zeitgenossen ebenso berüchtigt wie gefürchtet waren, mit ungezügelter Grausamkeit, ja Bestialität geführt. Als ihr Symbol dürfen die Schädelpyramiden gelten, die er vor den Toren rebellischer Städte aus den Köpfen der gefallenen Gegner und der männlichen wie weiblichen Einwohner aufschichten ließ. Timurs Ehrfurcht vor seinem mongolischen Vorbild Dschingis Chân bestimmte sein gesamtes Selbstverständnis. ...

    Die Bedeutung der Timuriden liegt daher kaum auf dem Gebiet des Militärs und der Staatskunst. Mehr als alles andere sind es die kulturellen und künstlerischen Leistungen, die den Ruhm Timurs und seiner Nachfolger begründeten. Neben Timurs Hauptstadt Samarkand, die er – hauptsächlich durch die von ihm aus den eroberten Gebieten verschleppten Handwerker und Künstler –
    nach persischen Vorbildern mit prachtvollen Bauten ausstattete, trat in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als zweites bedeutendes Kulturzentrum der Timuriden Herat. Die Herrscher und ihre Würdenträger waren bedeutende Mäzene von Literatur und Dichtung, Miniaturmalerei, Buchbindekunst und Kalligraphie. In Herat wirkte der größte Miniaturmaler des islamischen
    Iran, Kamâl ad-Dîn Behzâd (gest. 1535/1536), und der Derwisch und Dichter Dschâmî (1414–1492). Er, der als der letzte klassische Dichter Irans gilt, hinterließ als bedeutendstes Werk seine Epen, zusammengefaßt unter dem Titel Haft Aurang (Die sieben Throne oder Das Sternbild des Großen Bären). ... Um das nomadische Leben im Zelt mit den Vorzügen und Annehmlichkeiten des seßhaften Daseins zu verbinden, legten die Timuriden außergewöhnlich prächtige Gärten nach traditionellem persischen Vorbild an, in denen das Hoflager häufig verweilte. Rings um alte Städte wie Samarkand und Herat entstanden zur Timuridenzeit ausgedehnte Gartenanlagen, die sich von den Vorstädten früherer Zeiten nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre prachtvolle Ausstattung mit herrlichen Pavillons unterschieden.

    Ein letzter Abkömmling Timurs ... Zahîr ad-Dîn Bâbur, versuchte erfolglos, Transoxanien nochmals unter timuridische Oberhoheit zu bringen. Nach seinem endgültigen Scheitern zog er nach Nordindien, wo er 1526 ein eigenes Reich, das der Moguln, begründete. Hier fand die blühende Kultur der Timuriden, um neue Elemente bereichert, ein nicht weniger glänzendes Nachleben. "

    Ich breche hier mal ab, morgen oder danach zitiere ich noch Josef W. Meri's: Medieval Islamic civilization. An Encyclopedia, weil dieser Artikel sehr interessant ist, und darauf eingeht, dass in Usbekistan "witzigerweise" Timur Nationalheld sei.


    Also, Zwischenfazit:
    Erstens ist es zu einfach, polemisch auf den Timur einzudreschen, Steppenhitler, usw. Zweitens ist die kulturelle Blüte wesentlich stärker, als einige wenige von der Geschichte vernachlässigbare unbedeutende Moscheen. Letzteres war mir schon bekannt, Reste der timuridischen Kunst lassen sich in Berlin, Hamburg, Kopenhagen, usw. noch heute in den Museen bewundern. Daher habe ich mich auch überhaupt im Thread zu Wort gemeldet, um den Eindruck einiger User die FAKTEN entgegen zu halten, dass das Timuridenreich sehr wohl der Menschheit etwas hinterlassen hat. (in die Debatte der Glorifizierung des Threaderstellers wollte ich mich gar nicht einmischen oder ihn gar unterstützen)
    Drittens: Vielleicht sollten wir mal überlegen, warum wir oder viele von uns z.B. den Alexander (oder viele andere) "glorifizieren", trotz dass man z.B. bei Reisen durch Anatolien unzählige Ruinenortschaften antreffen kann, deren Brandschichten durch die Züge des Alexanders "bewundert" werden können, als er diese niederbrannte, da sie sich nicht ergeben wollten.
    Manchmal habe ich den Eindruck, hier wird mit zweierlei Blick geschaut, und gedacht, Alexander und unzählige andere Heerführer würden mit Blümchen ihre Eroberungen gemacht haben... Und seien auch die Timur'schen Feldzüge grausamer gewesen, ob ich nun Karthago einmal schleife, oder dreizehn Städte niederbrennen lasse, ist beides schlimm und aus heutiger Sicht beides nicht "bewunderungswürdig", was aber im ersteren Fall oft vergessen wird?

    PS: Wir hatten z.T. ähnliche Diskussionen auch schon hier, mit z.T. ähnlichen Zitaten:
    http://www.geschichtsforum.de/f41/timur-tamerlan-21424/
    http://www.geschichtsforum.de/f42/timur-lenk-sunnit-oder-schiit-35569/index2.html#post536942
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2011
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  20. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Einmal mehr lieber @lynxxx: Man kann die Shoah nicht gegen die deutsche Autobahn aufrechnen.
     

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