Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?


Sicher, und das dürfte auch jedem Diskussions-Teilnehmer klar sein, der auch nur oberflächlich diesen Thread verfolgt hat. Aber es liest ja vielleicht auch mal jemand mit, der nur oberflächlich im Thema drin ist, und da kann es zumindest nicht schaden, mal ein bisschen näher zu beleuchten, wer und was hinter solchen "Widerstandskämpfern" und selbsternannten Antifaschisten steckt.
 
Ein kleines bisschen ist man auch selbst in der Verantwortung, wenn man im GF Literaturempfehlungen postet. Autoren zu empfehlen, die offen propagieren, andere Leute zusammenzuschlagen, wenn sie nicht in ihr Weltbild passen, das geht doch ein bisschen zu weit!

Wobei WikiMANNia vielleicht nicht die beste aller Quellen ist - das ist nämlich ein misogyner Anti-Wikipedia-Wikipedia-Ableger (also ein Wikipedia-Ableger, der Anti-Wikipedia ist), da kann man auch aus Grokipedia zitieren.
 
Wobei WikiMANNia vielleicht nicht die beste aller Quellen ist - das ist nämlich ein misogyner Anti-Wikipedia-Wikipedia-Ableger (also ein Wikipedia-Ableger, der Anti-Wikipedia ist), da kann man auch aus Grokipedia zitieren.


Hier ging es ja auch nicht um Wikimannia, sondern um Horst Schöppner. Ich dachte beim überlesen des Beitrags nur Horst Schöppner? Doch nicht etwa der Typ! Doch genau der!
 
Hier ging es ja auch nicht um Wikimannia, sondern um Horst Schöppner. Ich dachte beim überlesen des Beitrags nur Horst Schöppner? Doch nicht etwa der Typ! Doch genau der!
Letztlich war "Andrea-Ulrike" nur ein Testballon des eher rechtsgerichteten Arnaud, ob hier auch linksextremistische Positionen sanktioniert würden. Das ist also von vornherein als Provo gedacht gewesen.
Gegen deinen Beitrag über Horst Schöppner sage ich nichts. Aber tendenziöse Quellen wie WikiMANNia oder Grokipedia sind nicht geeignet.
 
Ich versuche mal, den Bogen wieder zur Ausgangsfrage zu schlagen: Was können überhaupt Kriterien sein, an denen man historische Aufarbeitung messen könnte, an denen man festmachen kann, ob die Aufarbeitung gelungen ist oder eben nicht.

1. Juristische Aufarbeitung; Bestrafung von (Haupt)Tätern, Austausch von "Altlasten", Entschädigung von Opfern

2. Historische Aufarbeitung, Erforschung der NS-Zeit, Zusammenarbeit mit Historikern aus F, GB, den USA, aus Polen Russland.

3. Normalisierung der Beziehungen, Versöhnung mit den Nachbarstaaten, Beziehung zu Israel

4. Erinnerungskultur, Geschichtsdidaktik.

Nach diesen Kriterien könnte man festhalten, dass die juristische Aufarbeitung allenfalls teilweise gelungen ist, wenn man überhaupt nicht zu einem noch viel negativeren Urteil kommt. Noch über Jahrzehnte waren wirklich gruselige Leute in Amt und Würden, Hans Filbinger oder Hans Globke könnte man man wenigstens noch zugestehen, dass sie nicht den gleichen Kram gemacht haben wie in der NS-Zeit und nicht genauso geredet haben. Leute wie der NS-Arzt Ritter, die haben im Grunde genommen fast das gleiche gemacht und noch in den 1960ern genauso gesprochen wie 1933-45. Ritter schrieb noch in den 1960ern von "ererbten, asozialen Neigungen" in "Mischlings- und Zigeunersippen.
Scheußlichkeiten wie das "Gewohnheitsverbrecher-Gesetz und Maßregeln der Besserung und Sicherung schleppten sich noch Generationen durch das Justizsystem beider deutscher Staaten. Von den Alliierten wurden die schlimmsten Auswüchse kassiert, es wurden Todesstrafen und Zwangskastrationen verboten, aber die Maßregeln der Besserung und Sicherung nach §§ 66 (SV Sicherungsverwahrung, §63 und §64 basieren auf einer ganz finsteren Rechtstradition.
Da könnte man schon zu dem Schluss kommen, dass die juristische Aufarbeitung mangelhaft, skandalös war, dass es die Auschwitz-Prozesse überhaupt gab, das war einigen wenigen "Querulanten" wie Fritz Bauer zu verdanken, der den eigenen Behörden (zu Recht) so wenig traute, dass er Informationen über den Verbleib von Leuten wie Eichmann, Mengele an Israel weitergab, deutsche Dienststellen nicht einweihte, aus Sorge, dass man die Täter warnen würde.

2. Was die historische Aufarbeitung betrifft, da würde ich sagen, dass die durchaus gelungen ist, dass auch deutsche Historiker den Vorsprung der englischsprachigen Forschung aufgeholt und lesenswerte Publikationen vorgelegt haben, dass auch in Zusammenarbeit mit polnischen, russischen, israelischen Forschern und Archiven ein Großteil an Quellen bearbeitet wurden. Gerade auch auf dem Gebiet der lokalhistorischen Forschung ist sehr viel geschehen. So gesehen würde ich sagen, dass man zumindest sagen kann, dass die historisch, wissenschaftliche Aufarbeitung weit besser gelungen ist als die juristische.

3. Normalisierung der Beziehungen mit den europäischen Nachbarstaaten, mit Israel und den USA. Auch in diesem Punkt könnte man sagen, dass die im Fall unserer westlichen Nachbarn ganz gut und im Fall unserer östlichen Nachbarn oder auch mit Israel weniger gut gelungen ist.
Immerhin aber pflegt die Bundesrepublik mit allen ihren Nachbarn normale Beziehungen. Eine ausgeprägte Feindschaft gibt es mit keinem der Nachbarstaaten, und die BR hat sich durchaus einen Ruf als verlässlicher Partner erworben.

4. Erinnerungskultur. Da könnte man festhalten, dass es sowohl Positives wie Negatives gab. Positiv könnte festhalten, dass in den letzten Jahren in ganz Europa der ermordeten Juden gedacht wird. Dass individuelle Schicksale aus der Anonymität gerissen wurden. Negativ könnte man kritisieren, dass die Erinnerungskultur erstarrt zu bloßen Floskeln, und überaus negativ festhalten, dass Erinnerungskultur funktionalisiert wird zur politischen Waffe, zur Selbstüberhöhung, virtue signalling, zur Diskreditierung des politischen Gegners.


Insgesamt hätte ich gesagt, dass die Bundesrepublik bis vor ein paar Jahren wirklich auf einem guten Weg waren, dass sich die Beziehungen zu unseren Nachbarn, auch zu Polen oder Israel sich insgesamt positiv entwickelt hatten und Deutschland und die Deutschen sich auch vielleicht nicht gerade Beliebtheit, aber doch ein gewisses Ansehen als gefestigte Demokratie und bürgerlicher Rechtsstaat und verlässlicher Partner erworben hat. Bis vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, dass insgesamt die Aufarbeitung der NS-Zeit nötig war, um überhaupt zu erreichen, dass D wieder in die Staatengemeinschaft aufgenommen wird und wieder mit seinen Nachbarn Beziehungen aufnehmen konnte, dass vielleicht nicht alle Deutschen mitgezogen haben, dass aber die Mehrheit erkannt hat, dass es nötig war. Die Nazis, das waren keine Außerirdischen, die über D kamen, es waren unsere Großeltern und Großonkel, es waren unsere Lehrer, Fahrlehrer, es war der Bäcker und der Metzger, der Apotheker und der Arzt, es waren die Leute, die uns Schwimmen, Reiten oder Schachspielen beigebracht haben, unsere Vorfahren, unsere Nachbarn.

Die Älteren von uns, die haben noch die echten, originalen Nazis kennengelernt, der Deutsche, der nicht mindestens einen in der Familie hatte, der muss eine sehr kleine Familie oder auch ein schlechtes Gedächtnis haben. Die meisten von ihnen sind im Laufe der Jahre auch in der Demokratie angekommen, wussten die Vorzüge der Demokratie zu schätzen. Es waren doch nur sehr wenige, die sich den Führer zurückwünschten. Die meisten waren auch keine Täter, keine Überzeugungstäter, sondern sondern Mitläufer, Mittäter.
Ich wollte immer wissen wie der NS nach Nordhessen kam, wohin die nordhessischen Juden gingen, wer die waren.
Wie es kam, dass Nachbarn, die jahrelang gut miteinander auskamen, sich plötzlich feindselig zeigten, warum man ein Kind mit Schweineblut bespritzte, dass man früher auf dem Arm getragen hatte. Ich weiß es inzwischen, weiß auch, wer die nordhessischen Juden waren.


Wie gesagt,


Wenn man sich aber ansieht, wie dreist und laut und gewalttätig der Antisemitismus, der heimische wie der importierte sich in D und in Europa auftritt, wenn man mir ansehe
 
Letztlich war "Andrea-Ulrike" nur ein Testballon des eher rechtsgerichteten Arnaud, ob hier auch linksextremistische Positionen sanktioniert würden. Das ist also von vornherein als Provo gedacht gewesen.
Gegen deinen Beitrag über Horst Schöppner sage ich nichts. Aber tendenziöse Quellen wie WikiMANNia oder Grokipedia sind nicht geeignet.

Ich finde es ja immer bemerkenswert, dass Leute, die gesperrt wurden oder auch einfach gemerkt haben, dass es nicht das richtige Forum ist, dann das nicht einfach abhaken können.
 
Da die Aufarbeitung des Nationalsozialismus ein Prozess ist, der eigentlich nie abgeschlossen ist, kann die Aufarbeitung nur scheitern, wenn man sie einstellt. Das ist freilich der Wunsch vieler Deutscher und das Ziel rechtsextremer Propaganda.

 
Um ehrlich zu sein: Erinnerungskultur und Aufarbeitung sehe ich nicht als gleichbedeutend an. Der Prozess der Erinnerung ist in der Tat ein andauernder, und Verpflichtung auch nachfolgender Generationen. Die "Aufarbeitung" hingegen scheint mir einen natürlichen Schlusspunkt zu haben, nämlich spätestens dann, wenn sie durch das Wegsterben der Zeitzeugen, Täter und Opfer schlichtweg nicht länger möglich ist.
 
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