Warum ist die Aufarbeitung der Nazizeit gescheitert?

Ja. Ich finde es deshalb schade dass in unserem Schulunterricht damals zwar die Fakten genannt wurden, die Anschaulichkeit aber fehlte.

Dass Unrecht Unrecht ist, ist für Schüler unmittelbar spürbar wenn sie das Unrecht in vielen Einzelschicksalen nachvollziehen können:

Einschränkungen der Geschäftstätigkeit, "Kauft nicht beim Juden ein!", Verkauf des Geschäftes weit unter Wert an die Konkurrenz, Auswanderung nach völliger Ausplünderung, Armut in Amerika, vielleicht der Tod zurückgelassener Angehöriger, später die Rückkehr unter Anfeindung, Verzögerung der Restituierung.

An Deutlichkeit und trauriger Anschaulichkeit nicht zu übertreffen war für mich Viktor Klemperers "Aufbewahren für alle Zeit."

Und auch, in der Literatur, Hans Falladas "Jeder stirbt für sich allein."
 
Zuletzt bearbeitet:
. Ich bin mit der Tatsachenbehauptung des Titels nicht einverstanden und habe das auch schon mehrmals erläutert,
Zustimmung.
ich halte die Aufarbeitung des Nationalsozialismus durchaus für gelungen.
Beide Aufarbeitungen: HC und NS.
Niemand kann von sich behaupten 'Alles' ueber beide Themen zu wissen, schliesslich schlummern in ca. acht Laendern noch immer viele Akten vor sich hin.
Doch man braucht auch nicht alles wissen, es genügt den Charakter dieser beiden Vorkommnisse zu erkennen. Die unendlichen Einzelheiten wiederholen sich nur.
Haben wir Menschen aus der Vergangenheit gelernt? Nein.
 
Hier der von mir angekündigte Beitrag einer meiner Töchter:

Durch das Erzählen ihrer Geschichten wollten sie ihren Beitrag zu "Nie Wieder" leisten."
"Erzählen ihrer Geschichten".
Auch bekannt als 'living history.'[project] Wird vor allem von Institutionen gefördert. Man lernt nichts Neues hinzu , eher Bestätigungen von Bekanntem, doch ich höre und schaue wegen ihrer Spontanität gerne zu, tonation, body language und Gesichtsausdruck sprechen ihre eigene Sprache.
 
"Erzählen ihrer Geschichten".
Auch bekannt als 'living history.'[project] Wird vor allem von Institutionen gefördert. Man lernt nichts Neues hinzu , eher Bestätigungen von Bekanntem, doch ich höre und schaue wegen ihrer Spontanität gerne zu, tonation, body language und Gesichtsausdruck sprechen ihre eigene Sprache.
Äh, "living history" ist aber was anderes! Zumindest bei uns, da wird in historischer Gewandung eine entsprechende Zeit mit fast allem was dazu gehört dargestellt. Hier herrschen höchste Ansprüche an die Darsteller vor.
 
Ich mache um gegenderte Texte (sofern ich nicht beruflich genötigt bin, sie zu lesen) einen Bogen. Der Inhalt (der eigentlich gut und wertvoll sein mag) erreicht mich somit nicht.
Beim Lesen von Texten mache ich eigentlich keine Bögen. Wenn mich der Inhalt interessiert, nehme ich sprachliche Holprigkeiten und Gestelztheiten in Kauf, solange sie nicht gar zu offenkundig Selbstzweck sind, um den Leser zum Narren zu halten.
Über sprachlichen Ballast kann ich locker drüber weg lesen.

Beim Hören bin ich dagegen empfindlich. Heruntergeleierte Texte nerven mich ebenso wie Dauergestotter. Das kostet Lebenszeit, Drüber-weg-Hören geht leider nicht, da schalte ich dann sehr bald ab.
 
Beim Lesen von Texten mache ich eigentlich keine Bögen. Wenn mich der Inhalt interessiert, nehme ich sprachliche Holprigkeiten und Gestelztheiten in Kauf,
Solange es noch flüssig genug zu lesen ist, halte ich es auch so.
Ich lese schließlich auch Bücher aus den ehemals sozialistisch/kommunistischen Staaten. Die sind ja auch entsprechend ihrer Doktrin gefärbt, ließt man halt drüber hinweg.
 
ok. sounds as ambitious as well as most laudable to me. Cudos.
Ja, das ist teilweise sehr heftig, Stoffe, Schnitte, Applikationen, Schuhwerk, Ausrüstung müßen den Vorbildern der entsprechenden Zeit entsprechen. Mit Arbeitsgeräten verhält es sich dann genauso. Das echte Problem ist die Lagerausrüstung, da fängt es an knifflig zu werden.

Nur die Sprechweise fällt nicht darunter.
 
Gerade gelesen:
The Wiener Holocaust Library is one of the world’s leading and most extensive archives on the Holocaust, the Nazi era and related themes. The Library’s unique collection of over one million items includes published and unpublished works, press cuttings, photographs and eyewitness testimony.
Wow! Die haben aber gründlich 'aufgearbeitet'. And the conclusion is ....?
Ich bin der Meinung daß es nicht mehr sls ein Taschenbuch fũr Normalos zur 'Aufarbeitung' bedarf.
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Between 1939 and 1945 , 20 million individuals were exploited as slave and forced labourers by the Nazi regime. Thirteen million of them were concentration camp prisoners, POWs and foreign civilian workers within the Third Reich, and seven million were forced to work in occupied territories outside Germany as the Second World War was waged.

The slave labour system was a brutal one: two and a half million slave labourers died, predominantly Soviet prisoners of war and prisoners in SS concentration camps.

Although heavy labour was initially used to punish those the Nazis deemed ‘undesirable’, forced labour was increasingly used to meet the demands of an overstretched war industry. By 1944, one in four employees in Germany was a forced labourer, working in all sectors of industry, from agriculture to chemical production, for minimal pay in poor working conditions.

Enterprises relying on forced labour stretched from the western coast of France to occupied areas of the Soviet Union. Individuals exploited as forced labourers included civilians from Occupied territories, prisoners of war, Jews in ghettos, Roma and Sinti. From 1942, the Nazis also developed a system of slave labour, where inmates of concentration camps, predominantly political prisoners and Jews, were ‘leased’ to private companies. These prisoners were not paid and often worked to death.
Das einzig Neue für mich ist das Ausmaß: 20 Millionen? Kann man sich garnicht vorstellen.
Hugo Boss hatte ja auch blendend an Naziuniformen und Sklavenarbeit verdient. Selbige jedoch vor Auschwitz bewahrt.
 
Ja, das ist teilweise sehr heftig, Stoffe, Schnitte, Applikationen, Schuhwerk, Ausrüstung müßen den Vorbildern der entsprechenden Zeit entsprechen.
Ja, dazu braucht es Experten
Mit Arbeitsgeräten verhält es sich dann genauso. Das echte Problem ist die Lagerausrüstung, da fängt es an knifflig zu werden.
Wieder andere Expertise .
Ja, fūr zeitgenössische Filme werden oft Experten in Kleidung usw hinzugezogen.
Sam Spiegel (?) , Produzent des damals teuerstem Films ever, 'Ben Hur' legte größten Wert darauf alles so authentisch wie möglich darzustellen. Sein Bombenerfolg scheint ihm Recht gegeben zu haben.
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off topic:
nicht nur 'so authentisch wie möglich',sondern 100 %.
Wir wissen dass Leute Hemdknöpfe mit vier oder zwei Löchern tragen; also kreuzweise oder gerade annăhen ; dass Leute zuerst Milch im die Tasse und den Kaffe danach reingiessen und umgekehrt. Gewohnheiten ăndern sich von Gegend zu Gegend. Damals.
Nichtbeachtung solcher Winzigkeiten in z. B. der Bretagne hatte gar manchem Agenten der SOE od. O.S.S. Haft oder gar das Leben gekostet.
 
Ja. Ich finde es deshalb schade dass in unserem Schulunterricht damals zwar die Fakten genannt wurden, die Anschaulichkeit aber fehlte.

Was mir als Schüler beim Verstehen geholfen hat, waren die Bücher "Die Welle" und "Farm der Tiere", die wir dankenswerterweise im Englischunterricht gelesen haben. Die schrecklichen Bilder aus den KZs waren hingegen unerträglich für mich. Im Übrigen stimme ich der Überschrift auch nicht zu. Die Aufarbeitung ist nicht beendet und muss in jeder Generation erneut erfolgen.
 
"Animal Farm" haben wir auch gelesen, wobei das aber doch eigentlich eine Parabel auf die Sowjetunion (und den Kommunismus) ist.

Von "Die Welle" wurde uns in der Schule nur der Film gezeigt (der Fernsehfilm aus den 80ern). Gegen Ende hin fand ich ihn etwas dick aufgetragen, vor allem als die Schüler plötzlich Armbinden trugen.
 
Manchmal frage ich mich, ob man bei der Aufarbeitung des NS auch einmal ans Ziel kommen kann. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir im Kreis laufen. Dass wir aufarbeiten und aufarbeiten aber am Ende dann doch den NS nicht verstehen, nicht verstanden haben, nicht verstanden haben, was er war und nicht verstanden haben was er nicht war.
Was ist am Ende die Lehre, die man aus dem NS zieht und ziehen kann?

Nie wieder ein deutscher Holocaust? Nie wieder ein deutscher Rasse- und Vernichtungskrieg? Es wird keinen deutschen Holocaust, keinen deutschen Rasse- und Eroberungskrieg mehr geben. Selbst, wenn Deutschland das wollte, es wäre gar nicht dazu in der Lage, einen Eroberungskrieg zu führen, es mangelt dazu an der Manpower, am Know How, am Equipment, an einer effizienten Bürokratie. Selbst wenn man die hätte, so würde es an Mittätern und Helfershelfern scheitern, es mangelte an Leuten, die die Uhr lesen können, die lesen und schreiben können, die in der Lage sind, den Inhalt und Sinn eines schriftlichen Befehls zu erfassen. Es wäre die DB niemals in der Lage koordinierte Sammeldeportationen durchzuführen. Wenn wir unsere Nachbarn überfallen und töten wollten, könnten wir nur darauf vertrauen, dass sie sich totlachen. Marx hat mal gesagt, dass sich die großen Ereignisse der Geschichte wiederholen sich, einmal als Tragödie und dann als Farce.

Nie wieder Antisemitismus? Nie wieder Endlösungsantisemitismus? Er war nie weg, er war immer in der Mitte der Gesellschaft. Der heimische wie der importierte. Über den importierten will ich mich gar nicht auslassen, der heimische ist wieder soweit, dass eine antisemitische Partei im Bundestag sitzt, die Israel das Existenzrecht abspricht. Nie wieder heißt jetzt!- Das klingt im Zusammenhang mit Antisemitismus wie eine Drohung. Das, was wir nie wieder wollten ist schon jetzt Realität auf deutschen Straßen. Seit 1945 haben sich Judenhasser nicht getraut,, so schamlos die Sau rauszulassen. Tod Israel, Tod den Juden! Das hören wir doch rauf und runter. Wir haben schöne Gedenkstätten, wir haben in der historischen Aufarbeitung tatsächlich einiges erreicht, in ganz Europa, nicht nur in D gibt es viele, liebevoll gemachte, Denkmäler, die an die ermordeten europäischen Juden erinnern. Es gibt Stolpersteine, wer sich dafür interessiert, der kann erfahren, wer die jüdischen Nordhessen oder Thüringer waren.

Die lebenden Juden sind uns aber herzlich gleichgültig. Die deutschen Staatsbürger, die als Hamas-Geiseln Unerträgliches aushalten mussten, waren der deutschen Öffentlichkeit auch vielen Medien ziemlich egal. Wer sie waren, wer sie sind hat nicht viele interessiert. Es wurde wenig über die Geiseln berichtet.
Solidarität mit den Palästinensern?-Passt schon! Partei ergreifen für Palästina? überhaupt kein Problem! Solidarität mit Juden, mit Israel? Igitt, wie kannst du nur!

Nie wieder Pogrome, nie wieder Vertreibung, nie wieder brennende Synagogen? Der deutsche Staat schützt heute die Synagogen, muss sie beschützen, es stellt sich nur die Frage, ob er es auf Dauer kann.
Die deutschen Juden, die wenigen, die wieder hier leben, die immer noch hier leben, die könnte man natürlich vertreiben, könnte sie totschlagen, ausplündern, man müsste sich nicht einmal selbst die Hände dreckig machen, müsste nur wegsehen, es gibt viele Hiwis, die nur darauf brennen, das zu erledigen.
Zum Pogrom würde es noch reichen, aber nicht mehr zum industriellen Massenmord. Die Juden würden sich auch wehren, und sie würden die Zeichen erkennen, sie sitzen ohnehin schon auf gepackten Koffern.

Nie wieder Diktatur, Demokratie? Verteidigung des GG? Eigentlich könnte die BR schon ein bisschen Selbstvertrauen, auch Selbstbewusstsein haben. Die Deutschen haben es geschafft, das Land und die Wirtschaft wieder aufzubauen und eine Demokratie aufzubauen, die trotz all ihrer Defizite es geschafft hat, die sehr heterogenen Bevölkerungsteile unter einen Hut zu bringen. D hat die Wiedervereinigung gestemmt, obwohl sich die Deutschen in 40 Jahren sehr fremd geworden sind. D hat es geschafft, mit seinen Nachbarn außenpolitisch eine eine Versöhnung zu erreichen, das klappte im Fall von F sehr gut und weniger gut im Fall von Polen und der Tschechischen Republik, aber auch mit diesen ist man am Ende auf einen Nenner gekommen. Die Bundesrepublik hat Wohlstand geschaffen, die alte Bonner, die Berliner Republik waren trotz allen Defiziten Orte wo es sich leben ließ.
Die Bundesrepublik hat sich bei ihren Nachbarn als ein verlässlicher Partner auch wieder Ansehen erworben. Die deutsche Aufarbeitung des NS hatte zweifellos Mängel, viel mehr war aber realistischer Weise wohl auch nicht zu erwarten. Von einer nationalsozialistischen Machtübernahme war /ist die BR trotz Parteien wie DVU, NPD, Republikaner, AfD weit entfernt. Da muss man sich nicht so kleinmachen, als ob wir dazu verdammt wären, die Geschichte zu wiederholen. Die allerletzten Täter und Helfer sind ausgestorben. 1933-45 wird sich in dieser Form nicht wiederholen, kann sich nicht so wiederholen. Es ist lächerlich, immer wieder die Wiederkehr von Hitler und dem NS heraufzubeschwören, er kehrt nicht zurück, die Nazis kommen nicht wieder, sie sind tot, sie sind Geschichte, und abgesehen von ein paar Unverbesserlichen haben die Deutschen ihnen keine Träne nachgeweint.

Dennoch erzählen wir uns seit Jahren, dass wir unmittelbar vor einem neuen 1933 vor der nationalsozialistischen Machtübernahme stehen. All die Probleme, die die deutsche Gesellschaft betreffen:, haben mit der NS-Zeit gar nichts zu tun. Die Wähler wünschen nicht die Abschaffung der Demokratie, sondern sie wünschen sich mehr Demokratie, sie wünschen sich Basisdemokratie, sie wünschen sich, nicht mehr von den ewig gleichen, inkompetenten Politikern regiert zu werden. Dass man wenigstens mal anfängt, sich um die Probleme zu kümmern, die man überhaupt erst durch schlechte Politik geschaffen hat, dass sie gehört werden, dass Politik zum Wohle des Landes und nach den Interessen der Bürger gemacht wird.
Man beschwört die Machtergreifung herauf, aber was sie fürchten, das sind nicht Holocaust, Terror und KZs. Man fürchtet um die eigene Macht, man fürchtet, in der politischen Bedeutungslosigkeit zu versinken, fürchtet, dass einem der Geldhahn zugedreht wird, dass man nicht mehr an die Tröge kommt.

Ich will auf keinen Fall die Erinnerungskultur abräumen, ich will nicht Gedenkstätten schließen, aber irgendwann ist es auch mal Zeit, die Nazis ins Grab zu schicken, statt sich nicht permanent eine neue Machtergreifung herbei zu phantasieren

Eigentlich müsste man sich auch mal ehrlich machen, müsste einige selbsternannte "Anti-Faschisten" wieder einfangen und ihnen erklären: Nein, du bist kein Anti-Faschist! Du bist kein Widerstandskämpfer! Was du machst, dazu gehört kein Mut, du gehst kein Risiko ein, begibst dich nicht in Gefahr, es ist nicht mutig, es ist gratismutig, es ist nicht klug, sondern dumm, du hast nichts erreicht, was du machst, das ist Wahlkampfhilfe für das, was du vorgibst bekämpfen zu wollen. Nein, es war auch kein Fest der Demokratie! Es war der Versuch, einen Parteitag zu verhindern.
Aber Respekt! Es war kostenlose Wahl-Werbung, kostenlos für die Partei, aber sehr teuer für die Gesellschaft. 10.000 Polizeibeamte, da kann man sich ausrechnen, was das gekostet hat. Man hat genau die Bilder produziert, die der Partei nützen. Ihr habt Hass, wir haben Haltung, eine bekannte Aktivistin hielt ein Schild mit dieser Aufschrift hoch.
Das ist aber im Grunde politische Selbstbefriedigung, damit holt man sich einen runter auf die eigene Seelengröße aber holt keinen Wähler zurück, erreicht das genaue Gegenteil.
 
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