Welche entscheidenen Fehler hatte Deutschland im Ersten Weltkrieg begangen?

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Turgot, 1. Mai 2008.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Jetzt verstehe ich den Satz repo....;) Klar, das wäre ein weiterer möglicher Auslöser geworden.

    Bei dem Suchen nach dem Schiff stieß ich allerdings auf die "Detachierte Division", bei der die Linienschiffe Kaiser und König Albert, sowie der kl. Kreuzer Straßburg eine Atlanikreise unternahmen, um die Dauerbelastung der Turbinenanlage zu erproben. Die Reise ging vom 09.12.1913 bis zum 17.06.1914. Dabei wurden ca. 20.000 sm zurückgelegt.
    Im Kriegszustand wäre das wohl nicht so einfach möglich gewesen, mangels Treibstoffnachschubes. Noch interessanter wäre der Aspekt, wenn die Schiffe noch im Atlantik unterwegs gewesen wären, nach der Kriegserklärung. Immerhin waren es zwei der modernsten Linienschiffe der Hochseeflotte.

    Übrigens verkehrten jede Menge kl. Kreuzer in dem Zeitraum vor Kriegsbeginn im Atlantik so z.B. Dresden, Bremen, Straßburg und Karlsruhe sowie der gr. Kreuzer Goeben und o.g. Linienschiffe Kaiser und König Albert.
     
  2. Schwierig, die Russen darf man auch für 1. Weltkrieg nicht abschreiben, so waren z.B. die österreichisch-ungarischen Truppen in Galizien weitgehend von den Russen vernichtend geschlagen worden, die Front konnte nur mit Mühe gehalten werden.
     
  3. Tekker

    Tekker Gast

    Das sehe ich etwas anders. Man darf nicht vergessen, wie lange sich zum einen die Westfront hielt und zum anderen, daß der Krieg im Osten letztlich gewonnen wurde.

    Die Frage war ja, welche entscheidenden Fehler das Deutsche Reich gemacht hatte. Dazu zählt imho die Verletzung der belgischen Neutralität nicht, da GB wohl ohnehin gegen Deutschland ins Feld gezogen wäre, was sich auch aus den Beiträgen dieses Threads sehr schön herauslesen läßt.
    Den Seekrieg würde ich gänzlich als Nebenkriegsschauplatz ansehen, auf dem die entscheidenden Fehler kaum begangen werden konnten. Die Entscheidung wäre so oder so an Land gefallen und nur hier sind imho demzufolge die entscheidenden Fehler zu suchen.

    Der erste Fehler war das zurückweichen an der Marne und der "Verzicht" auf die Einnahme von Paris, was du @Turgot sehr schön dargestellt hast. Dieser Fehler resultierte aus taktischen Entscheidungen, die dem strategischen "großen Plan" zuwider liefen. Das Resultat war der Stellungskrieg, den in seinem ganzen Ausmaß so wohl niemand einkalkulierte.

    Damit war der Krieg aber keineswegs "schon fast verloren"! (s.o.) Der imho zweite entscheidende Fehler wurde nämlich erst 1918 (!) begangen, als man beim "Unternehmen Michael" den Fehler vom Anfang des Krieges wiederholte, indem auch hier die Taktik über die Strategie gestellt wurde. Und damit war der Krieg dann tatsächlich verloren.

    :fs:


    Edit:
    Vorsicht! Was wäre denn ein "forcierter Kampf" da geworden? Napoleon hat's vorgemacht, der böhmische Gefreite glaubte schlauer zu sein. Das Ergebnis ist bekannt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. Juni 2008
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Haben sie doch das ganze Jahr 1915 gemacht.
    So schreibt z.B. der o.g. Helfferich, dass es Bülow als "Sonderbotschafter" in Rom im Mai 1915 immerhin geschafft hätte, die Italiener noch 3 entscheidende Wochen aus dem Krieg zu halten. In der Zeit schlugen die Mittelmächte die Russen entscheidend in Galizien, und bekamen dadurch Truppen gegen die Italiener frei. Gleichzeitig musste aber unbedingt der Landweg in die Türkei freigemacht werden, also Serbien besiegt und besetzt werden, sonst hätten die Türken an den Dardanellen nicht standhalten können. Denen es ganz fürchterlich an Munition fehlte.

    Die Serben, die Italiener, die Rumänen, die Russen, alle wurden geschlagen, beizeiten besiegen konnte man aber keinen. Die Decke war einfach zu kurz.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2008
  5. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Man hätte alles daran setzen müssen, dis Amis aus dem Krieg zu halten. Vielleicht wäre dann irgendwann ein vernünftiger Friede zustande gekommen.
    Die Franzosen waren 1917 doch so fertig wie die Deutschen. Stichwort Nivelle-Offensive. Ohne die Hoffnung auf die Amis.....

    Aber die US-Amerikaner waren natürlich auf der Seite ihrer Debitoren, und ein Sieg der Deutschen und die Amis hätten ihre Forderungen als notleidend abschreiben können. Das macht kein Kaufmann solange ihm noch irgendwas einfällt....
    Ergebnis: Versailles und Schwarzer Freitag

    Eine Erfahrung, ein Lernprozess der zum ERP geführt hat.

    OK mal wieder viel OT, aber Leute, es sind doch die Zusammenhänge die man sehen muss. Von nix kommt nix:cool:
     
  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Dazu hätte man aber von der Meuterei der französischen Truppen wissen müssen, was m.W. nach aber nicht der Fall war.

    Italien hätte man heraushalten können, wenn Österreich-Ungarn bereit gewesen wäre, die Gebietsansprüche Italiens zu akzeptieren.

    In Osten blieben über 1 Million als Besatzungstruppen zurück.
     
  7. Tekker

    Tekker Gast

    Den Satz zu den Amis hatte ich mir extra gespart, das sehe ich nämlich so ähnlich wie GB... :pfeif:

    Richtig, mein Lieber! Nur das du oftmals etwas ...ähm... andere "Zusammenhänge" als ich siehst. :p
     
  8. Tekker

    Tekker Gast

    Wie weit gingen die denn? Das scheint mir doch ein zu hoher Preis in jener Zeit... :grübel:
     
  9. Alles korrekt, siehe Tarnow-Gorlice, Österreich-Ungarn hatte aber an der Ostfront nicht mehr viel zu melden. Die hatten frei nach Trappatoni an der Ostfront schon fertig. An der Alpenfront, ich bin mir nicht so sicher, auch da müssen die österreichischen Truppen am Anfang schlecht gestanden haben, man mobilisierte Standstützen, aber die Italiener griffen zu spät an, auch nach Kriegserklärung. Das sind meine Kenntnisse, für eine nähere Erläuterung wäre ich aber dankbar (speziell die Ostfront in WK I hat m.E. noch Forschungsbedarf). Ich lese mich da auch gerade ein und studiere momentan zur Zeit Tannenberg, Masurische Seen, Galizien usw. (inkl. Oberst Redl).
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. Juni 2008
  10. Ja, spricht für eine :ironie: brilliante Aufklärung deutscherseits. Die gegnerische Front kollabiert und man pennt.


    Italien hätte man nach diversen Isonzoschlachten auch aus dem Krieg kegeln können. Eine Offensive Richtung Mailand und Oberitalien wäre das Ende für Italien gewesen (nebenbei hätte man auch so die Folgen der Blockade mildern können). Reserven wurden aber der Westfront zugeführt.


    Genau, das habe ich beschrieben, eine Million Mann, die auch nach dem Frieden mit Russland fehlten.
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die gingen schon weit, welsch-Tirol, Triest "Freie Stadt" usw. eigentlich alles was die Italiener nachher bekamen, außer Deutsch-Südtirol. Wohlgemerkt für die Neutralität!
    Aber die Entente versprach mehr, viel mehr.... vergaß aber zu erwähnen, dass sie genau dies schon Serbien versprochen hatte.:cool:


    OT: Ich habe öfter schon bedauert, dass Dir der viele Nebel an der Nordseeküste den klaren Blick versperrt..................:p
    Was Du brauchst ist Bergluft, da geht der Blick in die Weite...... das Unwesentliche bleibt in der Tiefe.............=)
     
  12. Tekker

    Tekker Gast

    Das ist den Westmächten öfters passiert. Haben z.B. auch den Arabern versprochen, was sie sich dann doch lieber selbst unter den Nagel gerissen haben. Aber das sollte man nicht so eng sehen, lieber Repo. :pfeif:

    Ach weißt du, in meiner alten Heimat konnte ich durchaus weit blicken. Weitblick erhielt ich aber erst, als ich in die Fremde ging. Und Berge versperren imho eher den Blick über den Tellerrand. :p ;)
     
  13. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Nur haben GB/Fra/US zusammengekratzt was sie irgendwie entbehren konnten, und haben so die Italiener gerettet.

    Ne ne, das Hemd war zu kurz, es ging einfach nicht.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das war der absolute Hammer, Palästina und Syrien haben sie den Juden und den Arabern versprochen. Dann vorsichtshalber selbst behalten.
    Feisal hat als König in Damaskus residiert. Häschen, König in Bagdad durfte er werden. Unter britischem "Schutz".
    Diese Politik ist die Ursache aller Nahostkonflikte bis heute.

    Nur den faulen Säcken....
    die klugen steigen hoch und schauen auf der anderen Seite runter....:autsch:
    "schauen wer hinter den Bergen dort haust...."
     
  15. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Selbst der Generalstabschef des Heeres kam Ende 1914, nach dem das Rezept für den Sieg, der Schlieffenplan, gescheitert war, zu der Erkenntnis, das der Krieg militärisch nicht gegen alle drei Mächte gleichzeitig gewonnen werden könne.

    Falkenhayn vertrat die Meinung, das ein Stellungskrieg im Westen auf Dauer nicht gewonnen werden kann. Des Weiteren wollte Falkenhayn einen Separatfrieden mit Russland ausgehandelt wissen, da er die Auffassung vertrat, es gab zwischen Deutschland und Russland eigentlich keine großen Gegensätze.

    Auch mit Frankreich wollte er sich engagieren. Nur zu GB sah er unüberbrückbare Gegensätze.

    Von Großbritannien wurde ja sehr schnell und erfolgreich eine Wirtschaftsblockade gegen Deutschland verhängt. DieAuswirkungen waren nicht gleich zu Beginn des Krieges zu spüren, aber mit fortschreitender Dauer des Krieges immer mehr. Auf deutscher Seite hatte man naiverweise gehofft, das die USA so ein Blockade schon aus eigenen wirtschaftlichen Interessen verhindern würden. So verlor Deutschland den Zugang zu den ausländischen Märkten, der schon deshalb so wichtig war, weil Deutschland darauf angewiesen war, beispielweise die kriegswichtigen Rohstoffe zu importieren. Und dieser Mangel konnte nicht nicht auf Dauer kompensiert werden.

    Ein weiterer Punkt ist, das die deutsche Landwirtschaft durch den Ausbruch des Krieges erheblich beeinträchtigt wurde. So fehlt es schnell an Arbeitskräften, Dünger und Zugtieren. Deutschland hatte zwar eine erhebliches landwirtschaftliches Produktionsniveau, war aber trotzdem auf Einfuhren angewiesen. Anfang 1915 wurden schon Brot und mehl rationiert. 1916/17 erreichte mit den "Kohlrpbenwintern" die Ernäherungssituation einen katastrophalen Tiefpunkt. Bis Ende des Krieges sind mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland verhungert.

    Ich denke, das Deutschland seine Ressourcen für einen jahrelangen industriellen Abnutzungskrieg einfach nicht ausreichten .
     
  16. Tekker

    Tekker Gast

    Da sind wir dann ja doch wieder einer Meinung. :friends:
     
  17. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Um die Thematik der Ostfront aufzugreifen...

    Vgl. dazu auch folgende Threads:
    http://www.geschichtsforum.de/f62/frage-zur-entwicklung-der-ostfront-13030/
    http://www.geschichtsforum.de/f62/die-vergessene-front-ostfront-1914-bis-1917-18-a-4763/

    Im Jahr 1916 kann man aus militärhistorischer Sicht faktisch von einem Patt im Osten sprechen - so kurios das auch klingen mag: der Bewegungskrieg der ersten beiden Kriegsjahre war vorüber, und auch hier waren die Fronten erstarrt. Zudem war es - trotz erfolgreicher Schlachten wie bspw. Tannenberg und Gorlice-Tarnow - nicht gelungen, entscheidend die Front zu durchbrechen bzw. die russische Streitmacht als solche einzukesseln und zu vernichten. Selbst an der Karpatenfront konnte den Rumänen keine Kapitulation abgerungen werden, da ihre Linien durch die Russen stabilisiert wurden - und das, obwohl der größte Teil Rumäniens von den Mittelmächten erobert worden war.
    Darüberhinaus hatten die Offensiven unter Brussilov die österreichisch-ungarischen Linien zerbrochen, so daß de facto die Frontlinie nahezu vollständig auf die Deutschen übergegangen war.

    Das eigentliche Grundproblem lag aber bereits in der Planung bzw. der realistischen Umsetzung dieser Planung begründet: allein der deutsche Schlieffenplan konnte schon nicht derart umgesetzt werden, da die Russen einfach früher mobilisierten als erwartet und in Ostpreußen einmarschierten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2008

  18. Bei meinen Eltern liegt ein Buch (habe ich und vor 20 Jahren gelesen, daher keine Quelle), in dem von der möglichen Vorbereitung einer Offensive in Norditalien auch bei der OHL für das Frühjahr 1918 nachgedacht worden sein soll, man sich aber doch wieder für die Westfront entschied. Dem hätten auch die allierten Hilfsdivisionen in Italien nicht viel entgegensetzen können, obwohl sich die Italiener wieder leicht gefestigt hatten.
     
  19. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Die Österricher waren hierzu aber alleine nicht in der Lage. Im Sommer 1917 haben die Italiener die Österreicher mit 600 Bataillonen angegriffen und ganz schön in Bedrägnis gebracht.

    Erst im Oktober 1917, mit entscheidener deutscher Unterstützung, wurde die italienische Front zum Einsturz gebracht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2008
  20. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Man ging an der Ostfront ab 1915/16 zur sogenannten "Korsettstangen-Methode" über. Das sah so aus, dass man deutsche Einheiten, von der Division bis abwärts zur Kompanie in die k.u.k.-Front integrierte. Das bewährte sich tatsächlich, die Ostfront wurde so stabilisiert, da sich Wilhelms Truppen aufgrund der besseren Ausstattung und Moral als standfester im Vergleich zu Franz Josephs bereits schwer angeschlagener Vielvölkerarmee erwiesen. Als Verbündeter war Österreich-Ungarn, ähnlich wie Italien im 2. WK, eigentlich nur eine Belastung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2008

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