Wie lebten Schwerhörige Kinder zur Zeit des Nationalsozialismus ?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Rikadea, 23. Januar 2007.

  1. Rikadea

    Rikadea Mitglied

    Hallo miteinander !!! :winke:

    Ich habe heute einem Referat gelauscht zu Thema: Das Leben von Kindern im Nationalsozialismus.
    Mit einer Freundin habe ich mich über das Referat unterhalten und dabei hat sie mir eine Frage gestellt die wir uns beide nicht beantworten konnten. Auch unser Geschichtslehrer konnte uns da nicht helfen.
    Vielleicht kann mir ja irgendjemand da draussen die Frage beantworten. Undzwar lautet die Frage wie folgt:

    Wie lebten Schwerhörige Kinder zur Zeit des Nationalsozialismus ?

    Bin wirklich neugierig ob jemand uns die Frage beantworten kann.

    Liebe Grüße von
    Rikadea-Sophie Hakura & Aylina Hayuki :friends:
     
  2. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Ein Dokument dieser Zeit ist der biografische Roman "Lautlose Welt" von Maria Wallisfurth.
    Die Autorin lebte als Kind gehörloser Eltern in Aachen und in der Eifel, passt von daher nicht ganz zu eurer Frage, aber man erfährt so einiges über die Drangsalierungen behinderter Menschen während des dritten Reiches.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  4. collo

    collo Aktives Mitglied

    keine relativierung der verbrechen an behinderten im nationalsozialismus, aber ein paar anmerkungen:
    • nicht jeder behinderte war im nationalsozialismus von zwangssterilisierung oder gar tötung bedroht.
    • der eugenik-gedanke geht nicht auf die nazis zurück, entsprechende gesetzesentwürfe gab es schon in der weimarer republik. in skandinavien und in den usa (auf bundesstaatsebene) gab es ebenefalls gesetze zur sterilisierung behinderter (bzw. krimineller)!
    • und auch vor 1933 lebten behinderte menschen noch nicht so, wie es heute möglich ist
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 23. Januar 2007
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich empfinde die Beanteortung dieser Frage als etwas schwierig, da ich selbst an einer Innenohrschwerhörigkeit leide und ein Hörgerat tragen müsste, von dem ich aber offengestanden, selten gebrauch mache.

    Ich denke, ein Schwerhöriger lebte zu dieser Zeit nicht anders, als heute.
    Man wird belächelt, wenn man eine Frage nicht versteht und zu allem überfluss auch noch mit dem Kopf nickt.
    Ich denke, die nationalsozialisten hatten ein anderes Verständnis zu behinderten doch, dass sie gleich einem Schwerhörigen an den Prnger stellten, kann ich mir nicht denken. ebenso hätte das ja auch mit brillenträgern passieren können. Eben Schlecht sehende.
    Ab welcher Stufe der "Behinderung", galt man denn zu dieser Zeit als körperlich behindert? Diese Frage würde mich auch interessiern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Januar 2007
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

    Dreisatz-Rechenaufgaben

    Die Einübung in die ökonomische Notwendigkeit, "unnütze Esser" zu beseitigen, wurde den Schülern z.B. in Dreisatz-Rechenaufgaben nahegebracht:

    "Der jährliche Aufwand des Staates für einen Geisteskranken beträgt im Durchschnitt 766 RM, ein Tauber oder Blinder kostet 615 RM, ein Krüppel 600 RM. In geschlossenen Anstalten werden auf Staatskosten versorgt: 167.000 Geisteskranke, 8.300 Taube und Blinde, 20.600 Krüppel.
    Wieviele Mill. RM kosten diese Gebrechlichen jährlich? Wieviele erbgesunde Familien könnten bei 60 RM durchschnittlicher Monatsmiete für diese Summe untergebracht werden?"
    (entnommen aus: Flessau, Kurt-Ingo: Schule der Diktatur. Lehrpläne und Schulbücher des Nationalsozialismus. Frankfurt/ M. 1984, S. 201)

    http://www.sonderpaedagoge.de/geschichte/deutschland/ns/quellen.htm
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Nur, Dass hier nicht von tauben Menschen geredet wurde, sondern von "ganz normalen Schwerhörigen."
    Vieleicht haben die Fragesteller da auch etwas verwechselt.

    Noch mal meine Frage.
    Wäre der Reichsführer SS Himmler ( er war ja Brillenträger) als "Unart" eingestuft worden, wenn er blind gewesen wäre?
    Würde ich als Innenohrschwerhöriger ( Ich bin ja nicht taub) so eingestuft worden?

    Mir kommt es auf das Denkschema an. Auch heute denken noch manche Menschen, Schwerhörige wären dumm, nur, weil sie nicht alles gleich verstehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Januar 2007
  8. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Zum Thema "Schwerhörige im 3. Reich" habe ich was gefunden.

    Auszug:


    Quelle: http://www.bizeps.or.at/broschueren/leben/


    Gruß

    Jacobum
     
  9. Rikadea

    Rikadea Mitglied

    Hallöchen !!! :winke:

    *staun* So viele Beiträge, Dankeschön !!! :)

    @florian17160: Ich bin selber Hörgeräteträger und kann dir nur dazu raten sie auch zu benutzen. :) Aber das gehört jetzt hier nicht her.

    Ich hätte gedacht das sie, genauso wie die geistigbehinderten Kinder, als Minderwertig betrachtet wurden und man sie deshalb nicht besonders "freundlich" behandelt hat. Allerdings klingt dein Agument mit der Brille einleuchtend. Wenn sie auch eine Zeitung hatten und es extra eine Schwerhörigen-Hitlerjungend gab, dann waren sie doch ein Teil der damaligen Zeit. :grübel:
    Ich schau mir aber auf jedenfall mal die geschickten Links an.

    Liebe Grüße
    Rikadea *immer noch :grübel: *
     
  10. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Ich habe noch was zum Thema gefunden:

    http://www.schwerhoerige-dresden.de/datei/Geschichte.pdf

    Auszug:
    Gruß

    Jacobum
     
  11. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich muss das noch mal aufgreifen, weil mir gerade jemand eine pn schickte.
    Und will gleich noch eine Frage stellen.

    Über den bösen Nationalsozialismus will ich gar nicht reden. Aber warum glauben einige Leute, alles, was nicht "ganz normal" früher war, wurde ausgemerzt? So war das doch gar nicht.
    Muss man denn generell sagen, die Leute zwischen 33 und 45 in Deutschland waren Bestien? Wer kommt denn nur auf sowas.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2007
  12. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Kann das daran liegen, weil das in den Medien immer so dargestellt wird, daß der gesamte Staatsapparat nur auf Vernichtung von allem aus war, was irgendwie anders war?
    (War jetzt der erste Gedanke beim lesen.)
     
  13. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Diesen Eindruck habe ich beim lesen einiger Threads hier auch.
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Man sollte herausstellen, was die Nationalsozialisten als "lebensunwert" definierten.
    Bekannte humpelnde kinderreiche Väter oder Männer mit gestörten Sexualphantasien wurden nicht dazugerechnet.
    Dann all die Männer, die an der Front Hoden, Penis, Finger, Beine, Hände oder Ohren, Nasen, Augen oder ihr Gedächtnis verloren.

    Dass behinderte Menschen unter der Führung der NSDAP und deren "reiner Rassenlehre" keine Hilfe bekamen, dürfte wohl verständlich sein. Anarchronistische Ausnahmen siehe oben.
    Sie lebten isoliert. Manche Landfamilien hat sie weitestgehend abgeschirmt. In der Stadt wird es nicht anders gewesen sein.
     
  15. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Nun darfst du aber nicht vergessen, das es sehr wohl einen Unterschied zwischen parteilich angeordnetem Verhalten und realem Leben gab.
    Schliesslich war nicht überall eine Kamera dabei. Und wir sehen ja heute nur die Bilder, die damals wert waren, gesehen zu werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2007
  16. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    ist es mit dem 3. Reich nicht so, wie mit vielem, was einem selbst nur aus Erzählungen bekannt ist?

    Mittlerweile gibt es nur noch ganz wenig Menschen, die tatsächlich selbst diese Zeit erlebt haben.

    Die Mehrheit muss sich auf Berichte verlassen. Und da wurde halt enorm viel aufgebauscht. So stellt sich oft das 3. Reich tatsächlich als eine Aneinanderreihung von bösen, anormalen Monstercharakteren da.

    Und das Ausfiltern von Tatsache und Fiktion fällt schwer.
     
  17. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Da stimme ich dir zu. Es wird in Dokus auch immer gezeigt, wie die Leute ab 1933 in Massen Hitler zujubeln. Wurde eigentlich irgendwann auch nur ansatzweise untersucht, wieviele Deutsche auch nach 1933 noch gegen Hitler waren? Nur mal zur Erinnerung: in der letzten (halbwegs) demokratischen Reichstags-Wahl im März 1933 erreichte die NSDAP knapp 44 % der Stimmen - trotz beginnender Repressionen Andersdenkender durch die SA.
    :grübel:
     
  18. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Ich vergesse nicht.
    Deshalb habe ich ja geschrieben, dass die Regierung keine staatliche Hilfe für Behinderte zukommen liess.
    Ich habe auch geschrieben, dass die Verwandten der Behinderten ihre Behinderten nicht ihrem Schicksal überliessen (ins Heim abschoben und somit der Vernichtung ausliefern) sondern in ihren Familien behielten. Das aber eben weitestgehend isoliert.

    @flori was hast du für Erinnerungen an die Behinderten in der Öffentlichkeit der DDR? Welchen öffentlichen Stellenwert hatten die Behinderten in der DDR?
    Ich lebe in einer behinderten Stadt, wo schon zu DDR-Zeiten eine riesige Behindertenschule mit allem Pipapo existierte. Allerdings der Unterschied zu damals ist, heute begegne ich den Behinderten in Bussen, auf der Straße, im Laden, auf Festen, also überall. Sie sind mittendrin und alltäglich.
     
  19. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Lange her.
    Ich habe einen älteren Bruder, der am Down Syndrom leidet. Früher sagte man "Mongoloid"
    Man riet meiner Mutter ihn in einem Heim zu schicken, was sie auch tat.
    Meine Besuche dort glichen einem Albtraum. Da war er (damals 20) auf einem Zimmer mit einem 70 jährigen Alzheimerkranken.
    Erst nach der Wende war es besser. Er kam in einem freien Pflegeheim mit gleichaltrigen und selber Krankheit zusammen.
    Und er durfte entlich mal sagen, ich gehe jetzt alleine spazieren.

    Eines werde ich allerdings nie vergessen.
    Die Frage der Heimleiterin nach der Wende, wer das nun bezahlen soll?
    Ich war damals noch schüchtern. Heute hätte sie was zu hören von mir bekommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2007
  20. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Weil verlinkte Artikel in der Regel nicht wirklich gelesen werden, kopiere ich den gesamten Artikel von shoa.de hier rein. Quelle ist: Shoa.de - Nicht minderwertig, sondern mindersinnig - von Malin Büttner

     

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