wie sind die 10 Gebote Moses' im historischen Kontext einzuordnen?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von megatrend, 25. März 2010.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ein "Motiv" kann man doch wohl nur haben, wenn man etwas bewusst tut. Das ist aber nicht bei jedem Tun der Fall. Wer versehentlich jemanden überfährt, hatte auch kein Motiv, das Opfer zu töten.
     
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  2. Zeitmaschiene

    Zeitmaschiene Mitglied

    Vor den 10 Geboten hat vieleicht jeder mehr oder weniger gemacht was er wollte. Als Moses mit seinem Volk ins sogenante "Gelobte Land" zog brauchte mann Regeln. Die 10 Gebote sind der Anfang von Gesetzten die im laufe der Jahre immer mehr verfeinert wurden.
    Diese 10 Gebote/Regeln/Gesetzte waren für das Volk Israels gedacht und wurde nach und nach von anderen Völkern übernommen.

    Heute unterscheiden wir zwischen Mord, Todschlag oder fahrlässige Tötung, damals war jede Tötung wohl Mord und wurde mit der Todesstrafe bestraft.
    Todesstrafe wohl auch deshalb, weil mann als reisendes Volk keine Gefängnisse hatte.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Gesetze gab es auch schon bei anderen Völkern, auch schon früher, man denke nur an den Codex Hammurabi.
     
  4. Zeitmaschiene

    Zeitmaschiene Mitglied

    Da hast du natürlich Recht!
    Aber die Israeliten waren doch Generationenlang Sklaven Ägyptens. Sie kannten nur die Gesetze des (verhassten?!) Pharaos. Die 10 Gebote waren "ihre" Gebote, nicht vom Pharao, sondern von (angeblich) Gott. Somit gab es keine Ausrede sie nicht zu befolgen.
     
  5. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    das bezweifle ich mit Verlaub: es wird wohl quasi immer ungeschriebene Gesetze gegeben haben (so im Sinne "Du sollst nicht begehren Deines nächsten Weib" oder "Du sollst nicht begehren Deines nächsten Eigentum").

    nur so nebenbei: es gibt auch noch den Eventualvorsatz: wenn jemand nachts mit 250 Sachen über die Autobahn brettert.

    Ob dem wirklich immer so war, wage ich zu bezweifeln:
    1. Wenn z.B. ein Volk seinen eigenen Anführer (oder wichtigsten Medizinmann oder wichtigsten Geistlichen etc.) deshalb töten musste, dann dürfte ev. eine Güterabwägung stattgefunden haben
    2. Um einen Mörder zu überführen, brauchte es Zeugen oder Beweise. Zeugen konnten auch ein Eigeninteresse haben, um jemanden beseitigen zu lassen. Uebrige Beweise dürften sehr schwierig zu erbringen gewesen sein, Sachen wie Fingerabdrücke, genetische Spuren etc. gab es damals noch nicht.
    3. Der *Mörder* könnte auch geltend machen, dass er in Notwehr gehandelt hat: dass er im Nicht-Verteidigungsfall selbst umgebracht wordern wäre

    Dass in Gewissen Fällen wohl eher in dubio pro reo gegolten hat, ist wahrscheinlich. Oder es hat im Umkehrfall die Lynchjustiz gegeben.

    Es gab als Strafmöglichkeit auch noch den Ausschluss von religiösen Zeremonien (was damals als harte Strafe galt), die Aechtung, die Verbannung, die Versklavung etc..
     
  6. Paul Hohensee

    Paul Hohensee Neues Mitglied

    Es herrscht anscheinend eine große Verwirrung was den Begriff Juden-Hebräer und Israeliten anbetrifft. Unter der Rubril "Altes Ägypten"-Ertrunkener Pharao? haben ich dazu Stellung genommen. Es gab Nomadenstämme die sich im Ost-Delta seit etwa 1600 v.Chr. sporadisch niedergelassen hatten und aus dem Süden Palästinas kamen. Sie waren nie Sklaven und konnten Ägypten jederzeit wieder verlassen.
    Nach dem Tode Echnatons nahmen diese/oder einer dieser Stämme die monotheistische Idee mit auf ihrer Wanderung zurück in den Norden. Moses ist eine unhistorische Figur sowie der gesamte Auszug aus Ägypten.

    Paul
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das ist reine Spekulation.
    Außerdem: Wären die Stämme nach seinem Tod ausgewandert, wären sie in ein ägyptisch kontrolliertes Palästina gezogen. Die Ägypter hätten vermutlich auch nicht tatenlos zugesehen, wie diese Neuankömmlinge ihre tributpflichtigen Vasallenstädte einäschern.

    Ob das wirklich Eventualvorsatz ist, darüber kann man diskutieren. Der erfordert nämlich, dass der Täter die Möglichkeit eines Schadenseintritts in Kauf nimmt. Gerade wenn er nachts auf einer einigermaßen leeren Autobahn fährt, ist das nicht so eindeutig, aber auch tagsüber kann man wohl davon ausgehen, dass er davon ausgeht, dass nichts passiert, da er ja sonst selbst draufgehen würde, was eingeplant zu haben man ihm wohl kaum unterstellen kann.
     
  8. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Die Entwicklung zum Monotheismus verlief stufenweise. Eli (Jesus sagte am Kreuz "Eli, Eli, lama asabtani" => Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen) stammt von einer lokalen Vatergottheit namens El ab:
    Phönizien ? Wikipedia
    Von El finden sich in der Region archäologische Funde, die ihn in Begleitung mit Astarte (andernorts auch Ishtar genannt) zeigen. Allerdings aus älterer Zeit.

    Schau Dir mal den folgenden Beitrag an:
    Thutmosis / Moses: Thutmosis / Moses
    Mumien von Thutmosis II und III sind durchaus vorhanden:
    Wikipedia - Thutmosis II
    Wikipedia - Thutmosis III
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2010
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Was soll man dazu sagen ...
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Eigentlich heißt es aber "Eloï, Eloï, lema sabachtani" ist ist ein Zitat aus Psalm 22.
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    "El" ist aber generell ein Ausdruck für eine Gottheit und nicht nur als Eigenname des syrisch-kanaanäischen Gottes zu verstehen.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Aber bitte, Quijote reicht auch.
     
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  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Was soll dieser Blog nun beweisen? Ich finde darin keine Quellen, weder Primär- noch Sekundärquellen, auch keine Fachliteratur wird angegeben.
     
  14. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Bevor wir hier jetzt komplett in den geistigen Unfug rein kommen (danke El :D), nochmal kurz ausführlicher zu meinem vorherigen Post: "Eloï" bzw. "Elohim" ist der in der Tora gebräuchliche Pluralausdruck für Gott im Sinne von JHWH. Die Herkunft von der kanaanäischen Gottheit El, ist nicht ausgeschlossen, sondern vielmehr sogar wahrscheinlich: Elohim ? Wikipedia

    Nachdem wir hier jetzt vom ursprünglichen Thema dem Dekalog und dessen Entstehung und Entwicklung tatsächlich über Fahrlässigkeit und Fahrerflucht sowie einem Abstecher über die Bezeichnungen Juden/Hebräer/Israeliten zu "war Moses eine historische Gesalt?" gekommen sind, fände zumindest ich es schön, wenn man wieder zum Ursprungsthema zurückfinden würde. Wenn ich mich recht entsinne gibt es zumindest zu Moses einen eigenen Thread.
     
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  15. Paul Hohensee

    Paul Hohensee Neues Mitglied

    Hallo - ich gebe zu, das inzwischen Verwirrung entstanden sein kann - dabei wollte ich nur auf einen Teilaspekt des 5.Gebotes hinweisen. Aber dieses Thema - da es übergreifend ist, was die Entwicklung anbetrifft - verleitet zu immer neuen Fragen. Vielleicht wäre es sinnvoll, einen ganz neuen Thread eröffnen - wenn ja, mit welchem Thema.
    Bei meinem nächsten Eintrag werde ich einiges an Fachliteratur hinzufügen.

    Paul
     
  16. Paul Hohensee

    Paul Hohensee Neues Mitglied

    Anbei Literaturangaben

    Othmar Keel/Christoph Uehlinger: Göttinnen, Götter und Gottessymbole - Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bislang unerschlossener ikonographischer Quellen QUAESTIONES DISPUTATAE Bd.143 - Herder Verlag

    Erich Zenger u.a.: Einleitung in das Alte Testament 3.Auflage - Kohlhammer Studienbücher -Kohlhammer Verlag

    Matthias Augustin/Jürgen Kegler: Bibelkunde des Alten Testaments - Ein Arbeitsbuch - 2. überarbeitete Auflage - Verlag Chr. Kaiser

    Herbert Donner: Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in seinen Grundzügen 2.Bde. - ATD Ergänzungsreihe Band 4.1-2 - Vandenhoeck&Ruprecht Göttingen

    Jan Assmann: Moses der Ägypter - Entzifferung einer Gedächtnisspur - Carl Hanser Verlag

    Paul
     
  17. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Tatsächlich gibt es hierzu Paragrafen im 2. Buch des Mose:
    2. Mose 2. 12 ff.
    Wer einen Menschen schlägt, daß er stirbt, der soll des Todes sterben. Hat er ihm aber nicht nachgestellt, sondern Gott hat ihn lassen ungefähr in seine Hände fallen, so will ich dir einen Ort bestimmen, dahin er fliehen soll.
    Ersteres entspricht Mord oder Totschläg, zweiteres einer eher zufälligen (gottgewollten)Tötung.

    Ganz nebenei finden sich darin aufgelistet zahlreiche mit dem Tode zu strafenden Verbrechen, u. a. wer Vater und Mutter nicht ehrt sondern flucht, ebenso Vielgötterei, Diebstahl.

    Besonderes interessant die Todesstrafe für Stiere:
    Wenn ein Ochse einen Mann oder ein Weib stößt, daß sie sterben, so soll man den Ochsen steinigen und sein Fleisch nicht essen; so ist der Herr des Ochsen unschuldig. Ist aber der Ochse zuvor stößig gewesen, und seinem Herrn ist's angesagt, und hat ihn nicht verwahrt, und er tötet darüber einen Mann oder ein Weib, so soll man den Ochsen steinigen, und sein Herr soll sterben.
    Tötet ein Stier einen Menschen ist erstmal der Stier zu steinigen, der Stierbesitzer nur bei grober Fahrlässigkeit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2010
  18. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Die Unterteilung der Tötungsdelikte in Mord,Totschlag,Fahrlässige Tötung usw. ist eine Abgrenzung der modernen Strafrechtsdogmatik, die auf frühe Rechtsformen nicht ohne weitere anwendbar ist

    Altes codifiziertes Recht wie der Dekalog spricht nur vom Tötungsverbot ohne nach verschiedenen Begehungsformen zu differenzieren.
    Die Differenzierung erfolgte vielmehr nur im Sühnebereich ,wobei die Bandbreite in der Praxis von Sühnegeld bis Hinrichtung reichte, jedoch nicht nur auf das Delikt sondern auch auf das Opfer abstellte
     
  19. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Schon Sigmund Freud hat einen Zusammenhang zwischen Moses und Thutmosis gesehen:
    Crown Prince Thutmose - Wikipedia, the free encyclopedia

    Die Thutmosis-Pharaonen regierten von ca. 1500 v. Chr. (Thutmosis I) bis ca. 1390 v. Chr. (Thutmosis IV).
    Thutmosis III wurde um 1486 v. Chr. geboren (Quelle)

    Die Bücher I - III Mose werden von der Fachwelt auf ca. 1450 v. Chr. datiert (Erschaffung).

    Weiterführende Literatur:
    Jan Assmann - Moses, der Aegypter

    Hier noch ein Link, der die israelitische Geschichtsschreibung mit derjenigen der Aegypter von damals vergleicht:
    Pharaoh Thutmoses III
     
  20. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine Namensähnlichkeit zwischen Thutmosis und Moses besteht nur im Griechischen, denn Thutmosis ist die griechische Form von ägyptisch Djehutimes. Da ist es mit der Namensähnlichkeit also nicht mehr weit her...

    Dass die ersten drei Bücher Mose so früh entstanden sind, ist unwahrscheinlich. Man vermutet eher eine Entstehung in der Königszeit, auch wenn einzelne enthaltene Texte älter sein mögen.
     

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