wie sind die 10 Gebote Moses' im historischen Kontext einzuordnen?

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von megatrend, 25. März 2010.

  1. Hulda

    Hulda Aktives Mitglied

    Meinst Du mit den nachfolgenden Geboten die 248 weiteren?

    Um die Frage, wie es zu dem Zehnwort gekommen ist, geht es hier ja schon die ganze Zeit.
    Und ich bin froh, dass Du verstanden hast, dass niemand in einem Geschichtsforum darüber diskutieren möchte, ob Gott die 10 Gebote diktiert hat.
     
  2. Hulda

    Hulda Aktives Mitglied

    Der Witz entstammt aber dem ostjüdischen Kulturraum, da war die Salami aus Schwein und hieß auch nicht Salami. Außerdem besteht der Räucherkarpfen aus Schinken. :D
     
  3. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Neh, das war weiter oben eher die Frage, wie man diese meint umdefinieren zu können, wenn man glaubt die wären direkt von oben.

    Da sind ja auch zwei Varianten: in Exodus und Deuteronomium

    Besonders spannend finde ich das Bilderverbot, weil dieses wohl am ehesten zu sehr verschiedenen Interpretation einlädt.

    Das gibt dann immer lustige Diskussion mit den Pastoren ;)

     
  4. Morgenmuffel

    Morgenmuffel Neues Mitglied

    Hallo zusammen.

    Ich möchte dies Diskussion gerne nochmal aufwärmen.
    Ich muß aber vorrausschicken das ich wissenschaftlich völlig unbeleckt bin!


    Kann man die 10 Gebote nicht eher als eine Art Grundgesetz sehen?

    Sie enthalten ja sowohl Religiöse sowie Gesellschaftliche Regeln, ohne die keine Gesellschaft existieren kann. Aber als alleiniges Gesetz reichts ja auch nicht. Wir haben ja heute auch ein Grundgesetz und trotzdem brauchen wir ein BGB ein HGB und ein StGB.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die 10 Gebote enthalten einige für eine funktionierende Gesellschaft wichtige Regeln, da hast Du schon recht. Verfassungsbestimmungen im Sinne eines Grundgesetzes enthalten sie aber nicht.
     
  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Und eine StVZO, eine KO, eine Verordnung zur Durchführung der EG-Milchquotenregelung etc.:weinen:

    Grundgesetz im Sinne "des" Grundgesetzes in Deutschlands ist die Verfassung, die man nicht Verfassung nennen wollte, weil es damals halt nur der westdeutsche Separatstaat war.

    Unabhängig von der deutschen Verfassung, deren Namen Grundgesetz ist, kann man die 10 Gebote schon als eine Art Grundgesetz oder Basisregeln auffassen. Sie regeln neben dem Alleinvertretungsanspruches von Jahwe und seiner Rolle auch die Beziehungen der Bürger untereinander.

    Um hier Thomas Mann zu zitieren:

    „Die Juden haben der Welt den universalen Gott und – in den zehn Geboten – das Grundgesetz des Menschenanstandes gegeben. Das ist das Umfassendste, was man von ihrem kulturellen Beitrag sagen kann …“

    Staatsrechtliche Bestimmungen im Sinne des Verhältnisses des Gemeinwesens zu seinen Bürgern sind da aber nicht enthalten.:fs:


    Übrigens sind eine Reihe von komplizierten Regeln im Buch Levitikus
     
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  7. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Wobei ähnliche (bessere?) Regeln wie in den 10 Geboten (und der Berglehre) auch schon in älteren Schriften zu finden sind.
    z.B. in den akkad. "Räten der Weisheit" oder den "Anweisungen aus Shuruppak" und das ägyptische Totenbuch sollten wir auch nicht vergessen.
    (falls diese Texte noch nicht erwähnt wurden - Quellen und Texte/Übersetzungen kann ich bei Bedarf liefern)
     
  8. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Hallo,

    Du kannst gerne Quellen liefern. Man müsste diese Quellen noch zeitlich einordnen. Die Entstehung der Zehn Gebote wird hier umrissen:

    Zehn Gebote ? Wikipedia
     
  9. bonito

    bonito Neues Mitglied

    "Instructions from Shuruppak" online z.B. The instructions of Shuruppag: translation
    (ETCSL Electronic Corpus of Sumerian Literature - Uni. Oxford)
    Sonst z.B. "Babylonian Wisdom Literature", W.G.Lambert (1996)
    Dieser Text wird auf ca. 2500BC datiert

    "Advice of an Akkadian Father to his Son"
    Ancient History Sourcebook: The Advice of an Akkadian Father to His Son, c. 2200 BCE
    Sonst z.B. "From Distant Days: Myths, Tales, and Poetry of Ancient Mesopotamia" Benjamin R. Foster 1995
    Dieser Text wird auf ca. 2200BC datiert

    Ägyptisches Totenbuch
    http://www.amduat-achilles.de/rechtfertigung.html
    ab 2500BC sind entsprechende Texte bekannt, seit 2000BC auf des öfteren an Särgen angebracht
    Ein "Buch" dazu habe ich nicht ;(
     
  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Welche Frage? Die Gesetzestafeln wurden selbstverständlich von einer göttlichen Feuersäule in Stein gemeißelt und Mose um 1200 v. Chr. von Gott auf dem Berg Sinai übergeben (2.Buch Mose Kapitel 31 Vers 18; 5.Mose 5,22). :D
     
  11. Paul Hohensee

    Paul Hohensee Neues Mitglied

    Hallo
    zum 5.Gebot wäre noch hinzuzufügen, daß dies nur für den privaten Bereich galt. Der Stamm oder Staat hatte selbstverständlich das Recht, die Todesstrafe zu verhängen und durchzuführen.
    Paul
     
  12. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Ja deswegen wird von den Kirchen meist behauptet es hiesse "Du sollst nicht morden".
    In der Vulgata und Nova Vulgata der RKK steht allerdings "töten" und beide Bibelausgaben sind natürlich "fehlerfrei";)

    Interessant ist noch, dass das verwendete hebräische Verb für "morden", welches in den Zehn Geboten benutzt wird, an anderer Stelle in der Bibel auch so benutzt, dass "töten" besser passen würde.
    (Num 35:30, Dt 4:41-42, Dt 19:1-7)

    Man muss dieses Gebot wohl auch "hermeneutisch" lesen, also reindichten was man gerade braucht.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nun, morden ist viel mehr (oder nach Sichtweise viel weniger) als töten. Mord setzt ein Motiv voraus (Habgier, verstärkte Antipathie...), töten noch nicht. Töten schließt morden mit ein, morden ist aber nur eine Teilmenge von töten. So zumindest im heutigen Sprachgebrauch.
    Wir hatten, glaube ich, schon geklärt, dass die Zehn Gebote ein gemeinschaftliches Zusammenleben ermöglichen sollten, wobei die ersten drei Gebote die Autorität der Gebote betonen, während die restlichen ganz basale Gebote des Zusammenlebens sind, die das Auseinanderdriften und den Zerfall einer Gesellschaft durch Ehrenhändel und Blutrache verhindern (sollen).
    Nun ist die Frage: Kannte man, als die Zehn Gebote und ihre Vorgänger in anderen Kulturen abgefasst wurden, überhaupt einen Unterschied zwischen morden und töten?
    Das Lateinische jedenfalls - weil die Vulgata angesprochen wurde - kennt diesen Unterschied meines Erachtens nicht, wobei das Lateinische eine ganze Reihe an Worten für den Begriff töten kennt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2010
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    "Morden" bedeutet ein vorsätzliches Töten ohne staatliche Legitimation. Die Mord-Definition, die Du gibst, ist eine juristische, wie sie im deutschen und Schweizer Strafrecht enthalten ist, nicht aber im österreichischen. "Töten" hingegen ist jede Handlung, die zum Tod eines Menschen führt, das kann auch fahrlässig sein. Da die Bücher Exodus und Deuteronomium eine Menge Gesetze enthalten, die die Todesstrafe vorsehen, ist wohl klar, dass in den 10 Geboten nur das Töten ohne staatliche Legitimation gemeint sein kann, nicht das Töten generell.
     
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  15. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Zumindest im hebräischen gibt es den Unterschied. Töten, im allgemeinen Sinne von "das Leben nehmen" wäre "harag" (הרג), beim 5. Gebot wird aber eindeutig "ratsah" (רָצָה) verwendet, was unserer Definition von "morden", also nicht legitimisierten Tötens entspricht. Dabei muss das 5. Gebot noch nicht mal in der Auslegung gelesen werden, dass es nur im "privaten Bereich" Gültigkeit hat und nur eine Obrigkeit, in welchem Sinne auch immer, töten darf. Schließlich räumt die Tora auch ein ius talionis ein, welches sehr wohl auch für Privatpersonen Gültigkeit hat.
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Damit ist das "reindichten, was man gerade braucht" wohl auszuschließen.
     
  17. Paul Hohensee

    Paul Hohensee Neues Mitglied

    Nicht nur Mord setzt im allg. ein Motiv voraus, auch das Töten, siehe Sophokles. In der römischen und christlichen Geschichte verwischen sich diese beiden Begriffe vollständig.

    Paul
     
  18. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Man kann auch fahrlässig töten, dann hat man kein Motiv. In älteren Rechtsordnungen wurde oft nicht zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit unterschieden; was zählte, war nur der "Erfolg", also dass jemand tot war.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Könntest du das näher ausführen?
     
  20. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Nach der reinen Lehre braucht jedes menschliche Tun oder nicht Tun ein Motiv. Diese Feststellung bringt uns hier aber wohl kaum weiter.
     

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