Du reagierst auf einen Beitrag von mir, wo ich davongaloppierendes Hypothetisieren wieder versucht habe, anhand dessen, was in der Überlieferung habhaft ist, einzufangen.
Sind sie?
Tacitus wird wissen, warum er von einem Dreilegionenlager schrieb - ob dessen Auffinden nun historisch ist oder nur der Gegenüberstellung dient.
Germanicus ließ getrennt marschieren. Caecina mit vier Legionen, er selbst mit vier Legionen und die Reiterei. Dann gemeinsam mit acht Legionen. Im Jahr darauf hat man auf die Aufteilung verzichtet und ist zur Emsmündung gefahren und von dortaus gemeinsam, mit acht Legionen gen Minden/Rinteln marschiert. Also warum sollte Varus mit drei Legionen getrennt marschiert sein?
Richtig, weise ich immer wieder drauf hin. Zumal, wenn wir Cassius Dio nicht hätten, die Weser überhaupt kein Referenzpunkt für Varus wäre.
Was Tacitus mit dem saltus Teutoburgiensis meinte, wissen wir streng genommen nicht einmal. Wir haben lediglich die Angabe, dass man das ganze Gebiet zwischen Ems und Lippe verwüstet habe und als man die letzten Brukterer (die am weitesten vom Rhein entfernten Brukterer?) erreicht habe, in der Nähe des saltus Teutoburgiensis gewesen sei, in dem die unbestatteten Varuslegionen lagen.
Ganz in der Nähe von Gibraltar liegt die afrikanische Küste, man kann sie von Spanien aus gut sehen. In Afrika liegt der Kilimanscharo. Das ungefähr zum geographischen Wert der Angabe des Tacitus.
Das ist eben ein Faktoid. Es steht nirgends in den Quellen, dass Varus auf dem Weg in die Winterlager war, als er überfallen wurde. Velleis gibt uns nur die Info, dass ....pro tribunali ordine trahebat aestiva (Varus verschleppte mit Richtertätigkeiten den Sommer). Ein an sich unsinniger Vorwurf, dass Varus seinen Aufgaben nachgekommen ist, der uns aber immerhin eine zeitliche Einordnung gibt, nämlich, dass die Varusschlacht in der fortgeschrittenene zweiten Jahreshälfte stattfand.
Ich kann dir sagen, woher das mit den Winterlagern kommt: Laut Velleius soll der aus Rom herbeigeeilte Tiberius als Reaktion auf die Varusschlacht den Rhein überquert haben und dann zurück in die Winterlager gegangen sein. Und zuvor: L. Asprenati testimonium, qui legatus sub avunculo suo Varo militans gnava virilique opera duarum legionum, quibus praeerat, exercitum immunem tanta calamitate servavit matureque ad inferiora hiberna descendendo vacillantium etiam cis Rhenum sitarum gentium animos confirmavit. Lucius Asprenas, der las Legat unter seinem Onkel diente, kam (von Obergermanien) den Rhein hinab und sicherte die unter(germanisch)en Winterlager.
Daher kommen die Winterlager, aber dass Varus auf dem Weg in die Winterlager gewesen sei, kann man in den Quellen vergeblich suchen. Trotzdem hat sich diese Vorstellung so fest in den Köpfen verankert, dass das meist widerspruchslos hingenommen wird.
Naja, Tacitus beschreibt ja auch nicht die Varusschlacht, sondern die Varusschlacht durch die Augen der Legionäre des Germanicus, der sechs Jahre später das Schlachtfeld aufsucht bzw. durch die Augen es träumenden Caecina und der Germanen, als Arminius ihnen, auf Caecina und seine vier Legionen deutend sagt: "Seht, da ist er, derselbe Varus, den ihr schon mal besiegt habt."
Velleius sagt durchaus, was Varus gemacht hat: Er hat den Sommer mit Formalitäten verschleppt.
Ja, es gibt die Leute, die 40 Jahre später als alte Männer befreit wurden.
Das sind aber kaum diejenigen, die clades eius superstites, pugna aut vincula elapsi - die Überlebenden der Niederlage, die der Schlacht und den
Fesseln entkamen, die mit Germanicus sechs Jahre später auf dem Schlachtfeld waren und die verschiedenen Orte kommentierten. Wie das vincula elapsi zu verstehen ist, ist auch nicht ganz klar, man kann das so verstehen, dass sie der Gefangenschaft entgingen (also gar nicht gefangen wurden), oder dass sie, nachdem sie gefangen worden waren, entkamen.