Zur Bedeutung rechtsradikaler Einstellungen in der deutschen Gesellschaft

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von thanepower, 13. Oktober 2010.

  1. schaf

    schaf Neues Mitglied

    In der Arbeit steht,
    "Eine allumfassende Theorie der Radikalisierung gibt es jedoch nicht. Damit einhergehend sind auch die vorhandenen Definitionen vielfältig und vor dem Hintergrund der jeweiligen Disziplinen und Perspektiven unterschiedlich eingefärbt (Borum 2011; Pisoiu 2013; Schmid 2013; Young et al. 2013). "

    Wenn das nicht bekannt ist, wird eine Diskussion schwierig.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Genau das wird in #95 bereits ausgeführt. Wenn Beiträge nicht zur Kenntnis genommen werden und nur punktuell gelesen wird, dann werden Diskussionen schwierig. Betrachtet man allerdings beispielsweise die Arbeiten von Pisoiu auf die "schaf" in Anlehnung an Stumpf referenziert, dann trifft man auf Erklärungsansätze, die sich im Rahmen von Gruppenprozessen, geschlechtsspezifischer Rollenmuster bzw. generell im Umfeld von Sozialisationsprozessen bewegen. Also thematisch sich in der Zusammenfassung durch den Handbuchartikel bewegen.

    https://www.hsfk.de/fileadmin/HSFK/hsfk_publikationen/prif0618.pdf

    Allerdings ist m.E. auch anzumerken, dass die Referenzierung im Handbuchartikel auf die "relevanteren" Autoren verweist, die die Diskussion der letzten Jahrzehnte mit geprägt haben, wie Backes oder Stöss etc.

    Unabhängig davon kann es auch keine "allumfassende Theorie der Radikalisierung" geben, da derartige Ansätze völlig unterschiedliche Aspekte erklären müssen. Zunächst ist überhaupt zu erklären, wie auf der ideengeschichtlichen Seite ein entsprechender Überbau formuliert wird. Im nächsten Schritt wäre zu beantworten wie entsprechende "politische Eliten" - als frühe Adaptoren dieser Idee - diese aufgreifen. Und erst im dritten Schritten wären die Gründe für die Möglichkeit zur Mobilisierung einer Massenbasis zu betrachten.

    Für die Phase der Weimarer Republik wurde die Radikalisierung der frühen politischen Eliten betrachtet.
    https://www.geschichtsforum.de/thema/die-radikalisierung-der-rechten-in-der-weimarer-republik.52652/

    Jede dieser drei Phasen wird auf unterschiedliche methodische Ansätze zurückgreifen.

    In diesem Sinne sind unterschiedliche Ansätze zur Erklärung von Rechtsextremismus nicht - in der Regel - als rivalisierende Erklärungen zu betrachten, sondern eher als komplementär. Wobei wir uns erkenntnistheoretisch schon lange von der Vorstellung verabschiedet haben, dass ein Erklärungsansatz alles erklären kann.

    Und es ist Shinigami zuzustimmen, dass Rechtsextremismus in der mobilisierenden Ansprache emotionalisierend wirkt und damit auch "Ängste" aufgreift. Aber ebenso rationale Vorstellungen über Nationalismus, einen cäsaritischen Führer und die starke Stellung des Staates, auch gegen den Rechtsstaat propagiert. Also ein Gebäude der ausformulierten Theorie des Staates mit transportiert (vgl. z.B. Lilla zu Carl Schmitt, S. 49ff)

    Lilla, Mark (2016): Reckless Mind. Intellectuals in Politics. New York: New York Review Books
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Dezember 2019
    silesia gefällt das.

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