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Alt 14.02.2010, 21:44   #1
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geschi ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Ausrufezeichen Kriegsverbrechen der Wehrmacht

hey ich hab ma ne frage...
warum wurden gerade gerade in der sowjetunion diese Kriegsverbrechen ausgeführt??

danke schonmal

sorry is dringend kann mir bitte schnell einer antworten?!
danke

Geändert von geschi (14.02.2010 um 22:01 Uhr).
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Alt 14.02.2010, 21:56   #2
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wieso nur dort ? Kategorie:Kriegsverbrechen der Wehrmacht – Wikipedia
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Alt 14.02.2010, 22:29   #3
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Der Gast hat Recht, das Kriegsverbrechen auch an anderen Fronten begangen wurden.
Dennoch wurde der Krieg in der Sowjetunion von Anfang an sehr brutal geführt.

Von Anfang an waren die Bemühungen zu erkennen, mit der bolschewistischen Ideologie als Gegensatz zum Nationalsozialismus abzurechnen:
Kommissarbefehl – Wikipedia

Erstmals bezogen die Nazis den gezielten Massenmord an Zivilisten von vornherein als Kampfmittel ein, durch die Verwendung der so genannten Einsatzgruppen:
Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD – Wikipedia

Zudem wurde in der Rassenideologie die Sowjetbevölkerung als minderwertig angesehen, was sich unter anderem darin äußerte, dass Kriegsgefangene der roten Armee schlechter behandelt wurden als solche aus England oder Frankreich.
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Alt 14.02.2010, 22:34   #4
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Das soll jetzt nicht als "Rechtfertigung" verstanden werden, aber die Sowjetunion war hier nicht dabei.
Genfer Konventionen – Wikipedia
D.h. Lazarette, Sanitäter und Sanitätsfahrzeuge wurden in der Regel nicht als "Unziele" akzeptiert

Geändert von balticbirdy (14.02.2010 um 22:37 Uhr).
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Alt 15.02.2010, 06:41   #5
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Die Konvention war auch ohne Unterzeichnung für die SU bindend, für die deutsche Seite sogar für den Fall, dass die SU nicht gebunden gewesen wäre.
http://www.geschichtsforum.de/312550-post81.html
http://www.geschichtsforum.de/369775-post115.html

Im Übrigen kam unmittelbar nach Kriegsausbruch ein sowjetisches Angebot auf ausdrückliche Bestätigung der Grundsätze - auf Gegenseitigkeit. Das wurde von der deutschen Seite hinhaltend beantwortet und nicht an die Heeresgruppen im Osten weitergeleitet.
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Alt 15.02.2010, 15:23   #6
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Zitat:
Ashigaru Beitrag anzeigen
Erstmals bezogen die Nazis den gezielten Massenmord an Zivilisten von vornherein als Kampfmittel ein, durch die Verwendung der so genannten Einsatzgruppen:
Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD – Wikipedia
Dazu würde ich gern zwei Aspekte anbringen bzw. präzisieren:

- bereits in Polen wurden Einsatzgruppen tätig, auf deren Konto Tausende Morde gingen; das ist in der letzten Zeit (-> Böhler) wieder verstärkt in den Fokus gerückt

- die Massenmorde in der Sowjetunion waren mE keine Kampfmittel; sie wurden allerdings als solche getarnt (in den Opferlisten der Einsatzgruppenberichte wird die Masse als "Partisanen" geführt). Der Beginn der Massenmorde in den westlichen Grenzgebieten lag nur Stunden bzw. wenige Tage hinter der Besetzung durch die nach Osten vorstoßende Wehrmacht. Widerstand der Zivilbevölkerung wird in diesen ersten Tagen des Vormarsches auch von der Werhmacht kaum berichtet, die von der Wehrmacht wahrgenommene Partisanentätigkeit entwickelte sich auch erst im Herbst 1941, bzw. im Anschluss an die großen Kesselbildungen der Wehrmacht (aus denen zahlreiche sowjetische Soldaten entkommen konnten, die zT zu den Partisanen gingen).
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Alt 15.02.2010, 16:34   #7
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Zitat:
silesia Beitrag anzeigen
Dazu würde ich gern zwei Aspekte anbringen bzw. präzisieren:

- bereits in Polen wurden Einsatzgruppen tätig, auf deren Konto Tausende Morde gingen; das ist in der letzten Zeit (-> Böhler) wieder verstärkt in den Fokus gerückt

- die Massenmorde in der Sowjetunion waren mE keine Kampfmittel; sie wurden allerdings als solche getarnt (in den Opferlisten der Einsatzgruppenberichte wird die Masse als "Partisanen" geführt). Der Beginn der Massenmorde in den westlichen Grenzgebieten lag nur Stunden bzw. wenige Tage hinter der Besetzung durch die nach Osten vorstoßende Wehrmacht. Widerstand der Zivilbevölkerung wird in diesen ersten Tagen des Vormarsches auch von der Werhmacht kaum berichtet, die von der Wehrmacht wahrgenommene Partisanentätigkeit entwickelte sich auch erst im Herbst 1941, bzw. im Anschluss an die großen Kesselbildungen der Wehrmacht (aus denen zahlreiche sowjetische Soldaten entkommen konnten, die zT zu den Partisanen gingen).
Das mit den Einsatzgruppen in Polen ist mir bekannt.
Ich meine mit "Kampfmittel", dass aus Sicht der SS die Einsatzgruppen den Bolschewismus mit Hilfe von Liquidationen bekämpfen sollten, wie es aus einem Befehl Heydrichs deutlich wird:


Zitat:
Zu exekutieren sind alle Funktionäre der Komintern (wie überhaupt die kommunistischen Berufspolitiker schlechthin), die höheren, mittleren und radikalen unteren Funktionäre der Partei, der Zentralkomitees, der Gau- und Gebietskomitees, Volkskommissare, Juden in Partei- und Staatsstellungen, sonstigen radikalen Elemente (Saboteure, Propagandeure, Heckenschützen, Attentäter, Hetzer usw.).
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Alt 15.02.2010, 16:47   #8
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Der Kommissarbefehl ist nicht einmal so einmalig. Im Bürgerkrieg handhabten die "Weißen" das genauso. Ich weiß das aus der Biografie eines Naturwissenschaftlers, der in Sibirien in die Hände der Koltschak-Truppen fiel. Da hieß es bei den Gefangenen schlichtweg: "Kommissare, Juden und Letten einen Schritt vor !" - und dann...
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Alt 15.02.2010, 17:04   #9
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Zitat:
Ashigaru Beitrag anzeigen
Ich meine mit "Kampfmittel", dass aus Sicht der SS die Einsatzgruppen den Bolschewismus mit Hilfe von Liquidationen bekämpfen sollten, wie es aus einem Befehl Heydrichs deutlich wird:
Alles klar

also eine ideologische Verwendung. War dann ein Mißverständnis, ich wollte lediglich die Abgrenzung zu den Kampfhandlungen ziehen.

Zitat:
balticbirdy Beitrag anzeigen
Der Kommissarbefehl ist nicht einmal so einmalig. Im Bürgerkrieg handhabten die "Weißen" das genauso.
Allerdings bzgl. deutschem Militär:

Felix Römer: „Im alten Deutschland wäre solcher Befehl nicht möglich gewesen“, Rezeption, Adaption und Umsetzung des Kriegsgerichtsbarkeitserlasses im Ostheer 1941/42
„Dieses Bild der Gehenkten gehört nun zu unserer östlichen Erinnerung wie die Ziehbrunnen, die sterbenden Pferde und die krächzenden Dohlen, ein mittelalterliches Bild."[*]
VfZ 2008, S. 53.
[*] Erinnerungsschrift des Armeeoberkommandos (AOK) 2 über den „Einsatz gegen den Bolschewismus“, Weihnachten 1941, in: Bundesarchiv-Militärarchiv, RH 20-2/1149.

Geändert von silesia (15.02.2010 um 17:11 Uhr).
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Alt 16.02.2010, 13:43   #10
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Köbis17 ist jedem bekanntKöbis17 ist jedem bekanntKöbis17 ist jedem bekanntKöbis17 ist jedem bekanntKöbis17 ist jedem bekanntKöbis17 ist jedem bekannt
Ausrufezeichen kriegsverbrechen der wehrmacht im 2. Weltkrieg

Ohne zu relativieren und zu polarisieren, aber Krieg ist immer verbrecherisch, ob nun zu den alten Griechen, zu den Römern, oder tausend Jahre später in Europa oder sonst wo auf der Welt und zu welcher Zeit!

Es gibt keinen gerechten Krieg! Und wer auch immer dies versucht gesellschaftlich und politisch in diverse historische Ereignisse einzubinden, der lügt oder ist in seiner Meinung subjektiv.

Im Krieg gibt es keine Gesetzte! Alles andere, was behauptet wird ist eine Lüge und wird genutzt, um den Krieg zur relativieren!
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Alt 16.02.2010, 14:01   #11
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balticbirdy ist ein Lichtblickbalticbirdy ist ein Lichtblickbalticbirdy ist ein Lichtblickbalticbirdy ist ein Lichtblickbalticbirdy ist ein Lichtblickbalticbirdy ist ein Lichtblick
@Köbi, ich wäre vorsichtig mit solchen Statements. Es wäre ja schön, aber dann müssen sich alle daran halten. Und es war bestimmt nicht verbrecherisch, Auschwitz oder Buchenwald zu befreien.
balticbirdy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.02.2010, 14:21   #12
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Zitat:
balticbirdy Beitrag anzeigen
@Köbi, ich wäre vorsichtig mit solchen Statements. Es wäre ja schön, aber dann müssen sich alle daran halten. Und es war bestimmt nicht verbrecherisch, Auschwitz oder Buchenwald zu befreien.
Halt, Stopp...ich habe nicht behauptet, das Aktivitäten wärend des Krieges gut oder schlecht sind.

Krieg als Gesamtwerk ist einfach schlecht, ungeachtet, wer den Krieg verursacht hat, bringt er die nierdrigsten Aktionen des einzelnen Menschen in Form übersteigerter Imotion zu Tage.

Dabei spielt es in erster Linie, ich betone, in erster Linie, keine Rolle, ob nun nach Menschenrecht gehandelt wird oder nicht.

Beispiel, wo ist der Unterschied, zwischen dem mordenden SS Wachmann, dem brandschatzenden Ritter oder der Bevölkerung eines somalischen Dorfes, die Leichenteile von US Piloten im Dreck hinter sich herziehen?

Wir haben in allen momenten der Tat einen niederen Bewegrund, der menschlichen Psyche, in Form von Hass.

Achtung: Ich möchte keine Taten, vor allem der Nazis damit relativieren, ich möchte damit nur klarstellen, dass im Krieg, alle gleich sind. Wir sind im Krieg alle der Zerbrechlichkeit des Sterbens ausgesetzt und das ist die Waffe des Krieges, der TOD!

Geändert von Köbis17 (16.02.2010 um 14:58 Uhr).
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Alt 16.02.2010, 14:32   #13
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silesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblick
Dass Du nichts relativieren willst, ist mir klar.
Ebenso ist Krieg an sich "als Gesamtwerk" zu verdammen.


ABER: ich habe oben bewußt dieses Zitat ausgewählt, um auf Unterschiede aufmerksam zu machen. Man kann die Unterschiede in den Dimensionen des Vernichtungskrieges im Osten sehen.

Denk einmal darüber nach, ob dieses Zitat auf Norwegen, Dänemark oder Frankreich 1940 paßt? Offenbar waren die Massenmorde - die meist nun gerade nach Abschluß der Kampfhandlungen oder in bereits besetzten Gebieten stattfanden, in diesem Ausmaß für die Wehrmacht ein Novum.
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Alt 16.02.2010, 14:42   #14
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Zitat:
silesia Beitrag anzeigen
Dass Du nichts relativieren willst, ist mir klar.
Ebenso ist Krieg an sich "als Gesamtwerk" zu verdammen.


ABER: ich habe oben bewußt dieses Zitat ausgewählt, um auf Unterschiede aufmerksam zu machen. Man kann die Unterschiede in den Dimensionen des Vernichtungskrieges im Osten sehen.

Denk einmal darüber nach, ob dieses Zitat auf Norwegen, Dänemark oder Frankreich 1940 paßt? Offenbar waren die Massenmorde - die meist nun gerade nach Abschluß der Kampfhandlungen oder in bereits besetzten Gebieten stattfanden, in diesem Ausmaß für die Wehrmacht ein Novum.
Ich verstehe dein ABER nicht?

Wo ist der Unterschied? Vor allem der Opfer? Es wurde die Zivilbevölkerung "zermatscht"...ob nun von der Wehrmacht, der roten Armee, den Briten, der Franzosen oder der US-Amerikaner....

Im schlimsten Fall, war sich selbst jeder der Nächste und ich möchte nicht wissen, wie viele deutsche Soldaten z.B. im Häuserkampf in Stalingrad an eigenen Feuer gefallen sind! Dies gilt aber umgekehr genauso für die Amis in Städten am Rhein genauso wie den Sowjets in Berlin.

Noch schlimmer wird es wohl im Vietnamkrieg gewesen sein und was ist mit der Brandschatzung im 30ig Jährigen Krieg in Magdeburg!?
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Alt 16.02.2010, 15:03   #15
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Köbis dein Grundgedanke kann ich nachvollziehen und stimme dem auch zu.


Wenn man aber gerade den Russlandfelzug ansieht und die damit verbundenen systematischen Massenerschiessungen der jüdischen Bevölkerung durch die Einsatzkommandos sehe ich da doch einen Unterschied, denn das ist meines Wissens ein Novum - die systematische Massenerschiessungen - akribisch geplant und durchgeführt.
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Schenken ist ein Brückenschlag über den Abgrund deiner Einsamkeit. Antoine de Saint-Exupery, 1900-1944
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Alt 16.02.2010, 15:42   #16
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Zitat:
Köbis17 Beitrag anzeigen
Halt, Stopp...ich habe nicht behauptet, das Aktivitäten wärend des Krieges gut oder schlecht sind.

Krieg als Gesamtwerk ist einfach schlecht, ungeachtet, wer den Krieg verursacht hat, bringt er die nierdrigsten Aktionen des einzelnen Menschen in Form übersteigerter Imotion zu Tage.

Dabei spielt es in erster Linie, ich betone, in erster Linie, keine Rolle, ob nun nach Menschenrecht gehandelt wird oder nicht.

Beispiel, wo ist der Unterschied, zwischen dem mordenden SS Wachmann, dem brandschatzenden Ritter oder der Bevölkerung eines somalischen Dorfes, die Leichenteile von US Piloten im Dreck hinter sich herziehen?

Wir haben in allen momenten der Tat einen niederen Bewegrund, der menschlichen Psyche, in Form von Hass.

Achtung: Ich möchte keine Taten, vor allem der Nazis damit relativieren, ich möchte damit nur klarstellen, dass im Krieg, alle gleich sind. Wir sind im Krieg alle der Zerbrechlichkeit des Sterbens ausgesetzt und das ist die Waffe des Krieges, der TOD!

Ich stimme absolut mit dir überein, dass der Krieg brutalisiert, dass selbst hohe Ideale, sofern es sie gibt, korrumpiert werden. Dennoch bestehen doch gewaltige Unterschiede zwischen einem Kabinettskrieg des 18. Jahrhunderts und einem industrialisierten des 19. oder 20. Jahrhunderts. Selbst zwischen dem industrialisierten Krieg und einem Rasse- und Vernichtungskrieg bestehen doch Unterschiede.

Zweifellos waren die Materialschlachten des 1. Weltkriegs sehr grausam, und es gab bereits im 1. Weltkrieg auf beiden Seiten zahlreiche Kriegsverbrechen, die auf das was im 2. Weltkrieg folgen sollte, hindeuteten. Ludendorff forderte bereits den totalen Krieg, und die Aktionen der deutschen Armee in Belgien, die der Österreicher in Galizien und Serbien und die Armeniermassaker gaben einen Vorgeschmack.

Im Krieg kommt es immer zu Kriegsverbrechen, doch es macht einen Unterschied, ob es sich um Einzelaktionen handelt oder ob solche Greuel zur Norm werden, ob man sie mutwillig in Kauf nimmt oder ob sie gar sie von ganz oben befohlen werden.

Der Krieg ist grausam, daher hat sich die Menschheit immer bemüht, ihn sozusagen einzuhegen, Kriegsgesetze zu schaffen, die wenigstens die größten Exzesse verhindern sollen. Das ist nicht immer gelungen, doch es macht zumindest einen Unterschied, ob man sich versucht an Kriegsgesetze zu halten oder von vornherein einen Rasse- und Vernichtungskrieg verherrlicht- als Absage an jede "Humanitätsduselei".

Wenn man den Krieg generell kriminalisiert, und jegliche Kriegsführung diffamiert, so geht doch auch jede Differenzierung dabei unter, was wiederum Apologeten des Vernichtungs- und Rassekrieges in die Hände spielt, die dann sagen können: "tu quoque!"


Die Briten und Amerikaner haben sich im Verlauf des 2. Weltkriegs in bedenklicher Weise der Kriegführung der Deutschen angenährt. Flächenbombardements von Wohngebieten, Torpedierungen von Passagierdampfern, Erschießungen von Geiseln und Gefangenen gehören zu jedem Krieg doch es wäre nicht nur falsch, sondern auch ungerecht, wenn man die Kriegführung der Briten und Amerikaner über einen Kamm schert mit dem, was an der Ostfront zur Normalität wurde.


Wird jegliche Form der Kriegführung als gleich brutal und verbrecherisch stigmatisiert, geht ja auch jegliche Differenzierung dabei unter.

Da die Kriegführung offenbar ein Teil der menschlichen Natur ist, gilt es, den Krieg wenigstens einzuhegen, gesetze und Normen zu schaffen, die wenigstens die schlimmsten Greuel verhindern.
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Man muss das Grundgesetz vor seinen Vätern schützen und die Verfassung vor ihren Schützern
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Alt 16.02.2010, 17:37   #17
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Zitat:
Scorpio Beitrag anzeigen
Ich stimme absolut mit dir überein, dass der Krieg brutalisiert, dass selbst hohe Ideale, sofern es sie gibt, korrumpiert werden. Dennoch bestehen doch gewaltige Unterschiede zwischen einem Kabinettskrieg des 18. Jahrhunderts und einem industrialisierten des 19. oder 20. Jahrhunderts. Selbst zwischen dem industrialisierten Krieg und einem Rasse- und Vernichtungskrieg bestehen doch Unterschiede.
Ich kann auch den Unterschied klar erkennen. Im 18. Jahrhundert konnte man auch noch die Skalps von Indianern versilbern lassen. Freie Menschen einfangen und versklaven. Oder die tasmanischen Siedler fassten einfach so den Entschluß sich der tasmanischen Ureinwohner zu entledigen.
Der Unterschied zum 2. Weltkrieg ist nun der, dass die Nazi-Ideologie in ihrer Menschenverachtung eben nicht vor der Weißen Rasse halt machte. Im schönen 18. Jahrhundert erboste die feinsinnigen Europäer das Schicksal der Tscherkessen. Die Tscherkessen zählten sie zu ihres gleichen und waren entsetzt, dass die Türken und Araber sie wie Neger kaufen und verkaufen.
Vernichtungs- und Rassekriege gab es vorher schon oft genug. Die Beispiele der deutschen Kolonialgeschichte: Herero- und Boxeraufstand sind wohl hinreichend bekannt.

Zitat Walther von Reichenau bzgl. des Polenfeldzuges
Zitat:
Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch ein Träger einer unerbittlichen, völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurde. Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben.
Kaiser Wilhelm II in seiner Hunnenrede:
Zitat:
Ihr sollt fechten gegen eine gut bewaffnete Macht, aber Ihr sollt auch rächen, nicht nur den Tod des Gesandten, sondern auch vieler Deutscher und Europäer. Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen...
(Man beachte den historischen besser literarischen Vergleich des Kaisers. Er vergleicht die Grausamkeit seiner Soldaten mit der früherer Zeitalter.)

Was das quantitative Ausmaß der Verbrechen angeht:
Die Möglichkeit mehrere Menschen durch Krieg und Morden zu töten, besteht nur in einer Welt, die entsprechend dicht bevölkert ist. Hätte es zur Zeit der Kreuzzugspogrome am Rhein dort 6 Millionen Juden gegeben, wer weiß was mit ihnen geschehen wären. Im Morden und Vertreiben besaßen die Kreuzzüger schon die deutsche Gründlichkeit späterer Zeitalter. Qualitativ ist da kein Unterschied, es wurden eben alle Juden einer Stadt getötet oder wenigstens vertrieben.

Von derlei Grausamkeiten wie der Hinrichtung und Folter von Kriegsgefangen, Plündern und Brandschatzen... und so weiter hat die Menschenheit frühestens im 19. Jahrhundert begonnen Abstand zu nehmen. Erst am Ende des 19. Jahrhundert entstand die Hager Landkriegsordnung, Anfang des 20. Jahrhunderts die Genfer Konvention. Davor galten nur die guten Sitten des alten Europa. Dass es sich eben gehört adelige Gefangene standesgemäß in Schlössern unterzubringen und das man Christen nicht in die Sklaverei verschleppt. Oder das man nur die Köpfe von Japanern, Maoris, Türken usw. und die nicht die von weißen Christen als Trophäen an sich nimmt.
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אַ שפּראַך איז אַ דיאַלעקט מיט אַן אַרמיי און פֿלאָט
a schprach is a dialekt mit an armej un flot
Max Weinreich

Geändert von Maglor (16.02.2010 um 17:45 Uhr).
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Alt 16.02.2010, 18:46   #18
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Zitat:
Maglor Beitrag anzeigen
Zitat Walther von Reichenau bzgl. des Polenfeldzuges
...
Kaiser Wilhelm II in seiner Hunnenrede:
...
Den Vergleich (bei Reichenau ist der Rußlandfeldzug angesprochen) halte ich für unvollständig und abwegig.

Zum einen hinsichtlich der Folgen: mit der Wilhelmschen Verabschiedung des Expeditionskorps ist kein Befehl auf Entvölkerung ganzer Regionen und systematischem Massenmord verbunden gewesen, gleichwohl reichlich Kriegsverbrechen.

Zum anderen hinsichtlich des Kontextes, der im Zitat fehlt und den Ausschnitt vervollständigt und gegenüber der Hunnenrede die wesentlich andere Qualität darstellt:
"Das wesentlichste Ziel des Feldzuges gegen das jüdisch-bolschewistische System ist die völlige Zerschlagung der Machtmittel und die Ausrottung des asiatischen Einflusses im europäischen Kulturkreis. Hierdurch entstehen auch für die Truppe Aufgaben, die über das hergebrachte einseitige Soldatentum hinausgehen. ... die erbarmungslose Ausrottung artfremder Heimtücke und Grausamkeit und damit die Sicherung des Lebens der deutschen Wehrmacht in Rußland."

Siehe auch die Verbindung zum Zitat oben:
sowohl der Nationalsozialist Reichenau als auch die "unpolitische" sonstige Wehrmachtsführung stimmen in diesem Urteil zum Ostfeldzug überein: eine neue Qualität, mit "Hergebrachtem" nicht mehr zu vergleichen. Bei Gleichstellungsversuchen sollte man dieses eigene Urteil der Täter und Zuschauer nicht übersehen.


Über möglicherweise gesteigertes quantitatives Ausmaß früherer Verfolgungen und Vernichtungen (bei unterstellt höherer Bevölkerungszahl) zu spekulieren, halte ich ebenfalls für nicht tragend; Progrome auf diese Weise "aufzubohren", ebenfalls nicht.

Den Hinweis auf die völkerrechtliche Entwicklung halte ich dagegen für wichtig. Man muss nicht einen gewissen Zivilisationsfortschritt konstruieren, der seinen Bruch 1941/45 fand. Tatsache ist, dass abgesehen von einigen Kriegsverbrechen 1939/41 die Konventionen zunächst hielten (soweit sie eindeutig waren). Es war die deutsche Seite, die diesen Grenzübertritt sich steigernd in Polen, dann auf dem Balkan und schließlich in Rußland vornahm (übrigens bis zu einem "Totalen Krieg" Ende 1944/45 und "Nerobefehl", der aufgrund der militärisch sinnlosen Kriegführung sich gegen die eigene Bevölkerung als eines der letzten Opfer richtete - 1918 war die militärische Aussichtslosigkeit und Auflösung immerhin noch Kapitulationsgrund vorwärts der eigenen Grenzen).

1941 befand man sich im Jahr 1941, und nicht beim Vernichtungsfeldzug Höhle A gegen Höhle B in der Steinzeit.

Sicherlich wird man aber bei diesen Kategorien keine einheitliche Meinung finden.

Geändert von silesia (16.02.2010 um 18:49 Uhr).
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Alt 18.02.2010, 14:37   #19
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Dazu zwei Literaturtipps:

Der Kommissarbefehl: Wehrmacht und NS-Verbrechen an der Ostfront 1941/42: Amazon.de: Felix Römer: Bücher

Wehrmacht im Ostkrieg: Front und militärisches Hinterland 1941/42: Amazon.de: Christian Hartmann: Bücher
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Alt 07.09.2010, 19:30   #20
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Die Weitergabe des sog. "Kommissarbefehls" bis auf die unteren Verbände ist in der Memoirenliteratur bestritten worden.

Folgender Auszug stammt aus dem Kriegstagebuch der 10. Infanteriedivision (mot.), aus der Kommandeursbesprechung 17.6.1941, von 17 - 19 Uhr. Teilnehmer waren sämtliche Kommandeure der zugeordneten Einheiten (Regimenter) sowie der Divisionsstab.

Die Division war übrigens zugeordnet der Panzergruppe 2 (Guderian -> siehe die dortigen Erinnerungen, nach denen der Kommissarbefehl nicht weitergegeben worden sei); der Auszug ist auch in den übrigen Passagen recht interessant und aufschlußreich:
Miniaturansicht angehängter Grafiken
unbenannt-1.jpg  
__________________
In der Theorie sind Theorie und Praxis das Gleiche. In der Praxis sind sie es nicht (Yogi Berra). Der Unterschied ist Unsicherheit (Stephen Ross).

Geändert von silesia (07.09.2010 um 19:33 Uhr).
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Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden ursi Buchempfehlungen 0 09.05.2007 17:58


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