Schleppschreck
Aktives Mitglied
hallo,
Aliso:
Die römische Reiterei wird beim Rückzug zum Rhein zerschlagen?
Den langsamen, angeschlagenen Fusstruppen
jedoch gelingt der Rückzug auf Aliso?
Was bedeutet Rückzug auf ein noch intaktes Lager?
Bedeutet das automatisch Rheinnähe, oder die Sicherheit von der aus die Operation begonnen wurde?
Aufmarschroute=Rückzugsroute?
Alle Quellen zur Schlacht haben Gemeinsamkeiten, und sei es nur der Fakt der Schlacht, einige sind umfangreicher als andere.
Einzig eine Sache der Interpretation.
Hildisvini
So wie ich mir den Vorgang vorstelle, paßt "Fußtruppen gelingt Rückzug" nicht so recht, da es noch etwas Geordnetes impliziert. Einzelne Versprengte, so wie in dem folgenden Zitat dargestellt, sind wahrscheinlicher.
Wenn sich eine ganze Reiterei abzusetzen versucht, fällt das auf. Wenn sich einzelne Soldaten aufgeriebener Kohorten in den Wald schlagen und sich der Himmelsrichtung nach zum nächstgelegenen römischen Stützpunkt durchschlagen und sich auf dem Weg dorthin ggf. auch treffen und zusammentun, ist das etwas anderes. Also gesetzt dem Fall, die reliqui ex Variana clade waren tatsächlich auf dem Schlachtfeld anwesend.
Wir erfahren bei Tacitus, daß Germanicus von Überlebenden begleitet wurde, und zwar von solchen, die das Ende von Varus und den Legaten miterlebt hatten. Es ist natürlich möglich, daß es Leute von Vala waren, das würde implizieren, daß sich Vala erst ganz zuletzt abgesetzt hat.
Man könnte zunächst auch denken, daß es für einen Reiter einfacher war, zu entkommen. Aber ist das wirklich so? Die Pferde hatten ja auch eine dreitägige Marschschlacht hinter sich und dürften nicht im Bestzustand gewesen sein.
Wie auch immer, die Entkommenen hatten einen dreitägigen Horror mit schrecklichem Finale hinter sich. Sie mußten davon ausgehen, daß, dramatisch ausgedrückt, ganz Germanien in Flammen steht, und daß der Aufstand vielleicht sogar schon auf linksrheinisches Gebiet übergegriffen hatte. Ihre einzige Hoffnung und damit ihr einziges Ziel war wohl Vetera. Natürlich, als sie auf dem Weg dorthin quasi über Aliso gestolpert sind und sahen, daß dieses Kastell noch intakt war, haben sie die Chance genutzt (Das ist natürlich, wie so vieles in meinen Texten, Spekulation meinerseits).
Auch Asprenas marschierte in Eilmärschen nach Vetera. Velleius Paterculus berichtet dies. Asprenas hatte zwei Legionen dabei, LEG I und LEG V. Man fragt sich natürlich, wo kam er eigentlich her? Aus dem Gebiet südlich der Lippe? Man kann aber davon ausgehen, daß er nicht über Aliso marschiert ist. Überhaupt ist die Nachrichtenlage unklar. Wußte Asprenas bei seinem Marsch bereits von Varus Untergang? Oder war er selbst auch überfallen worden?
Erst in Vetera erfährt er vermutlich durch Kuriere, die sich durch die noch löchrige Umzingelung schleichen konnten, daß Aliso belagert wird. Da in Aliso inzwischen auch die Überlebenden der Varusschlacht eingetroffen waren, erfährt er vielleicht auch erst jetzt, daß die drei anderen Legionen verloren sind. Jetzt wird ihm plötzlich das ganze Ausmaß klar. Er setzt alles auf eine Karte und beschließt, die Kräfte, die in Aliso eingeschlossen sind, herauszuhauen, um mit ihrer Hilfe wenigstens die Rheinlinie sichern zu können.
Wenn man jetzt annimmt, daß Aliso z.B. in Haltern war, so ist der Abstand zu Vetera ca. 50 km. Selbst wenn Asprenas nur mit dem halben Weg rechnet, so müßte er dann doch ein Lager aufschlagen. Er muß aber auch die Besatzung von Vetera für alle Fälle verstärken, und er muß mit dem Anrücken der germanischen Hauptstreitmacht rechnen. Deshalb erscheint mir der Weg nach Haltern zu weit im Sinne einer Chance/Risiko-Abwägung durch Asprenas. Aber möglich ist es natürlich.
Zuletzt bearbeitet: