Das ist eines der drei stets vorgebrachten Argumente für die Gleichsetzungshypothese, nun schreibt Tacitus drei bis vier Generationen nach der Varusschlacht. Ob das nicht einen Zustand beschreibt, der Jahrzehnte vorher galt, aber zum Zeitpunkt der Niederschrift nicht mehr, lässt sich kaum zuverlässig eruieren.Tacitus berichtete allerdings (Annales II, 88), dass Arminius "bis jetzt" besungen wird: "caniturque adhuc barbaras apud gentis".
Die übrigen Ereignisse des Nibelungensagenkreises greifen vage Geschichten um Attila auf und um den Untergang der Burgunder und ich denke, dass Krimhild und Brunhilde in den Merowingerköniginnen Chimnechild und Brunichildis (die als arianiache Westgotenprinzessin fast heidnisch war) wiederzufinden sind. Somit sind eigentlich alle Sagenelemente des Nibelungensagenkreises der VWZ bzw. der Übergangszeit von Antike auf FMA zuzuordnen. Chimnechild und Brunhild waren mit Sigibert III. und I. verheiratet. Hier mag es also zu einer ersten Verwechslung gekommen sein. Brunichildis war in Feindschaft mit dem Bruder ihres Mannes Chilperich und dessen Geliebter/Ehefrau, weil diese ihre Schwester Gailswintha ermordet hatten. Sigibert I. verbündete sich mit seinem Bruder Guntram (der vielleicht mit Gunthahar vermischt wurde) gegen den gemeinsamen Bruder Chilperich. Dessen Frau ließ Sigibert ermorden.
Also Chimnechildis und Brunichildis waren beide mit einem Sigibert verheiratet, zwischen Brunichildis und Fredegunde gab es einen Konflikt. Dynastiegeschichte ist sowieso schon immer kompliziert, da verliert man leicht den Überblick. Die Merowinger toppen aber das übliche Maß an dynastiegeschichtlicher Komplexität.