Lager zwischen Oberaden und Anreppen?

Aber vielleicht das Fundament? Römische Fundamente wurden schließlich gern für neue Konstruktionen genutzt. Die frühmittelalterliche Kirche auf dem Fundament eines römischen Gutshofs findet man links des Rheins allerorten, wie auch mittelalterliche Burgen über römischen Türmen (z.B. Habsburg/Wülpelsberg oder die Burg Nürburg in der Eifel).
Moment, du stellst hier mindestens in einem Fall eine These als Fakt dar. Fakt ist, dass an der Nürburg eine Römerstraße vorbeiläuft, was zu der - plausiblen - These geführt hat, dass dort bereits in der Römerzeit wg. der strategischen Lage ein Posten war. Aber das ist eben nur eine These.
 
Moment, du stellst hier mindestens in einem Fall eine These als Fakt dar. Fakt ist, dass an der Nürburg eine Römerstraße vorbeiläuft, was zu der - plausiblen - These geführt hat, dass dort bereits in der Römerzeit wg. der strategischen Lage ein Posten war. Aber das ist eben nur eine These.

Nürburg ist ein schlechtes Beispiel. Mir war nicht bewusst, dass die These nicht auf archäologischen Funden beruht. Aber ein gutes Beispiel ist doch die schon genannte Ruine Strahlegg, wo über den Resten des römischen Turms eine mittelalterliche Befestigung entstand.

Wenn also auch rechts des Rheins von den selben Legionen steinerne Türme errichtet worden wären, dann wäre es möglich, dass wir diese noch nicht gefunden haben, weil sie überbaut sind, sei es mit Wehrkirchtürmen oder Höhenburgen. Darauf wollte ich nur hinaus.
 
"Wenn also auch rechts des Rheins von den selben Legionen steinerne Türme errichtet worden wären..."
  • Sind sie aber nicht. Selbst in Waldgirmes nur Fundamentsteine: dort aber niemals überbaut.
"dann wäre es möglich,"
  • ist es nicht, da die Annahme allen archäologischen Erfahrungen widerspricht.
"dass wir diese noch nicht gefunden haben,"
  • haben wir nicht (s.o.), und werden wir nicht, da auch durch Findenwollen nichts zu finden ist.
"weil sie überbaut sind,"
  • Alle Kirchen und Burgen haben bauarchäologische Untersuchungen hinter sich, bei denen genau auf ältere Mauerschichten geachtet wurde. Nie etwas römisches gefunden.
"sei es mit Wehrkirchtürmen oder Höhenburgen."
  • Wehrkirchtürme: meist aus dem 11. bis Anfang des 13. Jahrhunderts. Das wären 1000 bis 1200 Jahre nach den Römern. Da ist von einem Holz-Erde-Lager nichts mehr übrig außer einem flachen Wall. Und Wehrkirchtüme sind mitten in Siedlungen, die wiederum meist auch in landwirtschaftlicher Gunstlage waren.
  • Höhenburgen: Da wo Du Höhenburgen hast, haben die Römer zur Zeitenwende nie gebaut.
 
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Wehrkirchtürme: meist aus dem 11. bis Anfang des 13. Jahrhunderts. Das wären 1000 bis 1200 Jahre nach den Römern. Da ist von einem Holz-Erde-Lager nichts mehr übrig außer einem flachen Wall.

Wie kommst du jetzt auf ein Holz-Erde-Lager, wenn ich von steinernen Türmen spreche? Strahlegg ist auch schon über 1000 Jahre alt gewesen, als der Turmstumpf überbaut wurde.

Höhenburgen: Da wo Du Höhenburgen hast, haben die Römer zur Zeitenwende nie gebaut.

Die schon erwähnte Habsburg widerlegt diese Aussage.

Ab der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. befand sich auf dem Wülpelsberg eine Signalstation der Römer. Sie wurde von Legionären aus dem vier Kilometer nordöstlich gelegenen Militärlager Vindonissa (in der heutigen Gemeinde Windisch) unterhalten. Die Signalstation ermöglichte eine Sichtverbindung zwischen dem Lager und dem Bözbergpass und war wohl auch nach Aufhebung des Lagers im Jahr 101 in Betrieb.[2]

 
Höhenburgen: Da wo Du Höhenburgen hast, haben die Römer zur Zeitenwende nie gebaut.
Es ist richtig, dass die Römer tendenziell nach der Eroberung die auf Bergspornen oder erhöhten Stellen gelegenen oppida aufgaben und die Bevölkerungen in die Ebene in neu angelegte Munizipien umsiedelten. Aber was Signaltürme anbelangt, so machen diese natürlich auf erhöhten Lagen mehr Sinn, als in der Ebene, daher würde ich speziell für solche Türme die Annahme, dass sie eher hochgelegen waren, bejahen. Allerdings kennen wir z.B. aus Xanten natürlich Fachwerkbauten.
 
Zur Habsburg: Dort sind römische Spolien und Baukeramik. Das ist verschlepptes Material aus Vindonissa, es ist dort kein römisches Mauerwerk.

Zu der Signalstation:
"Ab der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. befand sich auf dem Wülpelsberg eine Signalstation der Römer. Sie wurde von Legionären aus dem vier Kilometer nordöstlich gelegenen Militärlager Vindonissa (in der heutigen Gemeinde Windisch) unterhalten. Die Signalstation ermöglichte eine Sichtverbindung zwischen dem Lager und dem Bözbergpass und war wohl auch nach Aufhebung des Lagers im Jahr 101 in Betrieb."
Das ist 70 bis 100 Jahre nach dem Alpenfeldzug.

Zu Vindonissa:
"Wahrscheinlich hat das römische Heer während des Alpenfeldzugs um 15 v. Chr. an der strategisch bedeutenden Stelle beim Zusammenfluss von Aare und Reuss einen Militärposten errichtet."

"Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen (das Lager wurde zunächst hauptsächlich aus Holz und Lehm, erst später aus Stein errichtet) präsentierte sich die Anlage gegen Ende des 1. Jh. n. Chr. wie folgt: Die Fläche des Lagers betrug rund 20 Hektar und war somit um ein Vielfaches grösser als das vorherige keltische Oppidum. Der Grundriss war polygonal und passte sich den topografischen Begebenheiten auf dem Geländesporn zwischen Aare und Reuss an. Der fast 2 km lange, ursprünglich aus Holz und Erde errichtete Wall wurde nach 72 n. Chr. durch eine etwa 3,6 m breite, mit massiven Toren und Türmen sowie einem vorgelagerten Graben versehene Lagermauer ersetzt."

Fazit: Du sprichst von Bauwerken fast 100 Jahre nach dem Alpenfeldzug.
Wir sprechen aber hier von römischen Bauwerken unter Drusus, Tiberius, Varus und allenfalls Germanicus, bis 16 n. Chr.

Zu den römischen Signalstationen: Auch sie lagen nicht dort, wo später Höhenburgen entstanden.
Beispielsweise in Wölfersheim, nahe bei der staufischen Burg Münzenberg, lag ein römischer Straßen- oder Signalturm (aus späterer Zeit), nahe an einer wichtigen Weggabelung der Wetterau. Signalstationen waren nicht auf isolierten und entlegenen Bergspitzen, sondern vorzugsweise nahe an Versorgungswegen.
 
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Fazit: Du sprichst von Bauwerken fast 100 Jahre nach dem Alpenfeldzug.
Wir sprechen aber hier von römischen Bauwerken unter Drusus, Tiberius, Varus und allenfalls Germanicus, bis 16 n. Chr.

Der Wülpelsberg war doch nur ein Beispiel für eine mittelalterliche Gipfelburg am Ort eines früheren römischen Signalturms.

Zu den römischen Signalstationen: Auch sie lagen nicht dort, wo später Höhenburgen entstanden.

Sicher nicht immer, aber im Fall Wülpelsberg ist die Quelle das Standardwerk "Die Römer im Aargau" (1985).

Ein Netz von Signaltürmen ergibt doch nur Sinn, wenn es Stationen sowohl nahe der Stützpunkte als auch an exponierten Stellen gibt. Mit dem Mobilfunk haben wir doch heute ein ganz ähnliches System, ohne Funkmast auf dem Berg hat man im Tal keine Verbindung.
 
Es gibt eine sehr interessante Diskussion hier, aus den Jahr 2017 und 2018 mit @El Quijote, @Divico und anderen, über Signaltürme (Ich rufe immer wieder die Suchfunktion auf, und wenn ich dort nicht immer Gold finde, so doch oft Trüffeln). Und da gab es einige ketzerische Gedanken zu dem was wir wissen (Literatur und archäologische Funde) und dem was wir mutmaßen:

  • Wir wissen gar nicht, ob es in der Zeit zwischen Drusus, Tiberius und Varus Signaltürme überhaupt gab!
  • Wir wissen nicht, ob die halbkreisförmige römische Anlage auf der Sparrenberger Egge überhaupt ein Signalturm war!
  • Und wenn dies dennoch der Fall war, wissen wir nicht ob es überhaupt eine Signalturmkette gab...
 
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Wir wissen gar nicht, ob es in der Zeit zwischen Drusus, Tiberius und Varus Signaltürme überhaupt gab!

Zwischen den drususzeitlichen Walenseetürmen besteht Sichtverbindung.

Wir wissen nicht, ob die halbkreisförmige römische Anlage auf der Sparrenberger Egge überhaupt ein Signalturm war!

Aber es ist jedenfalls eine römische Einrichtung.

Und wenn dies dennoch der Fall war, wissen wir nicht ob es überhaupt eine Signalturmkette gab...

Angesichts der drei mehr oder weniger erhaltenen augustuszeitlichen Türme am Walensee wird eine Signalkette hier von zuständigen Fachleuten angenommen, und weitere, bisher noch nicht lokalisierte Türme werden vermutet.
 
Die Walenseetürme kannst Du nicht auf die rechtsrheinischen Gebiete hochrechnen, schon gar nicht auf die Gebiete jenseits der Lippe.
Und die Walenseetürme wurden nach kurzer Zeit wieder aufgegeben, spätestens 16 n. Chr.

Ein Problem liegt darin, dass in der Germania die unterschiedlichen Feldherren unterschiedliche Ziele und unterschiedliche Aufmarschstrecken hatten, die vorübergehend ausgebaut oder unterhalten wurden, aber keineswegs sich als dauerhaft genutzte Infrastruktur erwiesen.

Angesichts der drei mehr oder weniger erhaltenen augustuszeitlichen Türme am Walensee wird eine Signalkette hier von zuständigen Fachleuten angenommen, und weitere, bisher noch nicht lokalisierte Türme werden vermutet.
Vermutet, aber seit dem 19. Jahrhundert nicht nachgewiesen. Und sie werden aus Holz gebaut gewesen sein.
 
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Die Walenseetürme kannst Du nicht auf die rechtsrheinischen Gebiete hochrechnen, schon gar nicht auf die Gebiete jenseits der Lippe.

Es liegen nur ganz wenige Jahre zwischen der Errichtung der Walenseetürme und den rechtsrheinischen Aktionen der selben beteiligten Legionen unter dem selben Feldherrn (Drusus).

Aber natürlich wären Steintürme nur dort zu erwarten, wo entsprechendes Baumaterial lokal verfügbar gewesen ist.
 
Du postulierst etwas was es nicht gibt, nicht gab und auch keinen Sinn ergeben hätte.

Kein Lager an der Lippe hatte Steinbauten, aber man hätte dort alle Zeit und die Ressourcen gehabt, Steinbauten zu errichten, wenn es ihnen denn überhaupt sinnvoll erschienen wäre.

Steinbauten waren einer viel späteren Epoche vorbehalten.

Ach so, für Steinbauten hätten die Römer Steinbrüche, Bleiklammern, Gußbeton und vor allem gebrannten Kalk gebraucht bzw. verwendet.
 
Du postulierst etwas was es nicht gibt, nicht gab und auch keinen Sinn ergeben hätte.

Aber die Walenseetürme existieren doch!

Kein Lager an der Lippe hatte Steinbauten

Das ist mir bekannt. Auch die gleichzeitig oder kurz nach den Walenseetürmen entstehenden Lager auf dem Septimer, Colm la Runga und bei Dangstetten sind frei von Steinbauten.

Steinbauten waren einer viel späteren Epoche vorbehalten.

Sind also die Walenseetürme keine Steinbauten?

Ach so, für Steinbauten hätten die Römer Steinbrüche, Bleiklammern, Gußbeton und vor allem gebrannten Kalk gebraucht bzw. verwendet.

Wenn man örtlichen Kalkstein zu Bausteinen verarbeitet, wie das am Walensee geschah, kann man auch gleich noch die Abschläge brennen. Oder man schafft den Kalk heran, was hier auf dem Wasserweg sehr bequem gewesen wäre.

Der Vorteil dieser steinernen Türme war doch, dass sie einer relativ kleinen Besatzung ausreichend Schutz gegen allfällige Angriffe geboten hätten, bis herbeisignalisierte Verstärkung eintreffen konnte. Ein Holzturm wäre schneller abgefackelt, als sich eine Entsatztruppe auf den Weg machen konnte.

Daher wären solitäre Steintürme abseits der Lager, bzw. zwischen den Lagern, auch wenig später in Germanien sinnvoll gewesen. Vielleicht nicht gerade an der eher steinarmen Lippe, die man wohl auch halbwegs unter Kontrolle hatte, sondern eher in Richtung der Mittelgebirge, zum Beispiel zwischen Rödgen und Hedemünden, bzw. zwischen Oberaden und Hedemünden.
 
Nein, die Steintürme in Germanien wären nicht sinnvoll gewesen, weil aufwendig, und weil Transportkosten und Logistik nicht darauf ausgerichtet waren.

Die Römer wussten was sie taten, auch ohne dass Du ihnen das erläutern musst, und warum selbst Drusus und Tiberius sich mit Zelt, oder wie in Anreppen und Haltern, mit Fachwerkgebäuden zufrieden gaben.
Sind also die Walenseetürme keine Steinbauten?
Das ist x-mal schon erläutert worden: Die Walenseetürme hatten einen einheitlichen Grundriss, eine gemeinsames Konzept, und gemeinsam die Aufgabe eines Sperrwerkes.

Auch die gleichzeitig oder kurz nach den Walenseetürmen entstehenden Lager auf dem Septimer, Colm la Runga und bei Dangstetten sind frei von Steinbauten.

Die Lager auf dem Septimer und dem Col da Runga sind mit dem Angriffskrieg entstanden, Dangstetten (mit durchaus edler Ausstattung) danach.

An den Walenseetürmen ist keine Kampfhandlung mit den Rätern und keine Vorbereitung der Belagerung einer rätischen Befestigung nachweisbar.

Das Lager auf dem Septimer war ein Feldlager im Alpenfeldzug, später nur in den Sommermonaten besetzt.

Das Lager auf dem Col da Runga diente der Eroberung rätischer Befestigungen, und unterhalb zeigten dich Spuren von Kampfhandlungen:

Auch wenn bei Wikipedia steht "Möglicherweise befand sich hier nicht nur ein kurzfristiges Feldlager, sondern auch ein fester Beobachtungsposten.", war seine Aufgabe offensiv.
 
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Nein, die Steintürme in Germanien wären nicht sinnvoll gewesen, weil aufwendig, und weil Transportkosten und Logistik nicht darauf ausgerichtet waren.

Bei den Walenseetürmen wurde lokal verfügbarer Kalkstein verbaut, und auch der gebrannte Kalk für den Mörtel konnte vor Ort hergestellt werden. Kalkstein finden wir zum Beispiel auch im Weserbergland. Da müsste nichts von weit her transportiert worden sein, denn das Material war lokal verfügbar.

Die Römer wussten was sie taten, auch ohne dass Du ihnen das erläutern musst, und warum selbst Drusus und Tiberius sich mit Zelt, oder wie in Anreppen und Haltern, mit Fachwerkgebäuden zufrieden gaben.

Drusus und Tiberius gehörten sicher nicht zur Besatzung von besonders gefährdeten Außenposten.

Das ist x-mal schon erläutert worden: Die Walenseetürme hatten einen einheitlichen Grundriss, eine gemeinsames Konzept, und gemeinsam die Aufgabe eines Sperrwerkes.

Drei Türme, die jeweils maximal eine Centurie aufnehmen konnten, ergeben doch kein Sperrwerk. So weit reichte römische Artillerie nicht.

Die Lager auf dem Septimer und dem Col da Runga sind mit dem Angriffskrieg entstanden, Dangstetten (mit durchaus edler Ausstattung) danach.

Das ist bekannt und wurde auch so formuliert: "Auch die gleichzeitig oder kurz nach den Walenseetürmen entstehenden Lager auf dem Septimer, Colm la Runga und bei Dangstetten sind frei von Steinbauten."

An den Walenseetürmen ist keine Kampfhandlung mit den Rätern und keine Vorbereitung der Belagerung einer rätischen Befestigung nachweisbar.

Und das ist weswegen relevant?

Das Lager auf dem Septimer war ein Feldlager im Alpenfeldzug, später nur in den Sommermonaten besetzt.

Und deswegen was?

Das Lager auf dem Col da Runga diente der Eroberung rätischer Befestigungen, und unterhalb zeigten dich Spuren von Kampfhandlungen:

Colm la Runga. Von dort hat man Sicht auf gleich fünf Täler. Und ja, unterhalb dieses Lagers fanden Kampfhandlungen in der Crap Ses-Schlucht statt, bei denen ein Haufen Schleuderblei auf die Rätier hagelte.

Aber wie spricht das jetzt gegen Steintürme à la Walensee in Germanien?
 
Ganz einfach:
  • Die Römer haben bis 16 n. Chr. im rechtsrheinischen Germanien keine steinernen Bauwerke erbaut, sieht man von den Brückenköpfen wie in Mainz-Kastell ab (z.B. der dortige Triumphbogen¹ )
  • Deshalb wirst Du auch nicht mehr steinerne römische Bauwerke dort finden als die vielen Archäologen und Denkmalpfleger vor Dir: nämlich keine.
  • Natürlich haben die Römer auch im rechtsrheinischen Germanien Kalk gebrannt. Das war aber für den Eigenverbrauch links des Rheins. 2018 fand sich in Bergisch Gladbacher Ortsteil Sand eine römische Kalkbrennerei, 20 km Fußweg vom Praetorium in Köln.
  • Die Inschrift² für einen möglichen Triumphbogen in Chur, dem Lucius Caesar gewidmet, ist dort der früheste Steinbau (2 v. Chr. - 2 n. Chr.).
  • Natürlich hätten die Römer entlang der Lippe, v.a. aber entlang des Hellwegs oder in Brilon Kalk brennen können für Steinbauten. Dennoch werden sie Kalk allenfalls für den Verputz bzw. die Kalkanstriche der römischen Fachwerkbauten verwendet haben.
¹ und der kann auch nach 16 n.Chr. erbaut worden sein:

² 10387 Fragment einer Inschrift für Lucius Caesar
 
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Die Römer haben bis 16 n. Chr. im rechtsrheinischen Germanien keine steinernen Bauwerke erbaut.

Jedenfalls nach dem aktuellen Stand der Forschung.

Deshalb wirst Du auch nicht mehr steinerne römische Bauwerke dort sehen als die vielen Archäologen und Denkmalpfleger vor Dir: nämlich keine.

Hier beschreibst du genau das Problem. Wenn man schon vorher glaubt zu wissen, wonach man suchen muss, dann findet man nur das, was man finden will. Da es keine Steintürme gegeben hätte, erübrigte sich die Suche danach.

Genau so, wie man glaubte zu wissen, dass die Römer nach 16 CE nie wieder nennenswert germanischen Boden betreten hätten, die römischen Schriftquellen hätten maßlos übertrieben. Inzwischen haben wir nicht nur das Harzhorn, sondern auch die ganz neu entdeckten mutmaßlichen Caracalla-Lager an Saale und Elbe (an dieser Stelle ein herzlicher Gruß an @Hermundure).

Natürlich hätten die Römer entlang der Lippe, v.a. aber entlang des Hellwegs oder in Brilon Kalk brennen können für Steinbauten. Dennoch werden sie Kalk allenfalls für den Putz der römischen Fachwerkbauten.

Zwischen den Walenseetürmen und den frühesten Lippelagern liegen an einer Hand abzählbare Jahre, und es waren die selben Legionen beteiligt.

Wenn diese am Walensee Steintürme errichten konnten, dann konnten sie das theoretisch auch ein paar Jahre später in Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Thüringen. Aber wenn man das von vornherein ausschließt, wird man auch nichts finden. ;)
 
Vielleicht ist die Frage erlaubt, welchen Sinn Steinbauten für die Zeit 12v-16n für die Lippelinie und nördlich hatten. Stein verbindet man mit Dauer. Ich bin immer noch beim Threadthema. Gibt es Steinbauten zwischen Oberaden und Anreppen?Wäre das ökonomisch sinnvoll in einem Gebiet, das sehr volatil war?
 
Die Römer haben in der Zeit von Drusus bis Germanicus ihre Lager in Germanien nicht in Stein gebaut.
Anlegeplätze bzw. Hafenanlagen (Haltern, Anreppen), Wachttürme, Lagergebäude (Rödgen, Dorlar) und selbst luxuriöse Prätoriumsgebäude mit Anlage eines Peristyls (Nijmegen, Anreppen, Haltern) wurden in Holz und Erde gebaut.

Auch die ersten Ausbaustufen des obergermanischen Limes erfolgten in Holz-Erde-Bauweise.

Selbst im auf Repräsentation
und Verwaltung ausgerichteten Waldgirmes waren nur die Gebäudesockel aus (importiertem) Stein, und vermutlich der Sockel der Reiterstatue des Augustus.Im zeitgleich erbauten Chur in Rätien hingegen wurden steinerne Gebäudeinschriften (und damit steinernene Tor- oder Verwaltungsbauten) gefunden.

Thermengebäude wurden, aus naheliegenden Gründen, recht früh in Stein gebaut.

Das Konzept des steinernen Limes ist vielleicht eher aus demonstrativ-politischen Gründen entstanden und umgesetzt worden: Es waren spätere Kaiser, die sich mit Bauwerken legitimieren mussten und wollten.

Militärisch ergab ein Ausbau in Stein, im Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis, keinen Sinn.
 
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Vielleicht ist die Frage erlaubt, welchen Sinn Steinbauten für die Zeit 12v-16n für die Lippelinie und nördlich hatten. Stein verbindet man mit Dauer.

Die wenig zuvor errichteten Walenseetürme wurden offenbar nur kurzzeitig während des Alpenfeldzugs genutzt, und den sehr wahrscheinlichen Sinn hatte ich oben schon beschrieben: die Türme dienten wohl der Nachrichtenverbindung zwischen Tiberius im Westen (Schweizer Mittelland, Zürichsee) und Drusus im Osten (Rätien, Alpenrheintal), sowie der Sicherung dieses Nadelöhrs zwischen Zürich und Chur bzw. Bregenz. Diese Türme mussten es einer relativ kleinen Besatzung im Fall eines Angriffs ermöglichen, so lange auszuhalten, bis Verstärkung eintreffen konnte. Das wiederum war nur mit massiven Steintürmen möglich.

Ich bin immer noch beim Threadthema. Gibt es Steinbauten zwischen Oberaden und Anreppen?

Es sind dort keine römischen Steinbauten bekannt. Und wie schon erwähnt würde man solche auch eher etwas östlich von Anreppen erwarten, wo es auf den Marschrouten gen Osten über Mittelgebirge ging. Dort hätten sie den gleichen Zweck erfüllen können wie jene am Walensee/Kerenzerpass: den Passübergang zu sichern und eine Signalverbindung von Rhein/Lippe zur Weser, Werra oder Elbe zu unterhalten.

Man möchte doch nicht in einem Holzturm sitzen, fünf oder zehn Eilmarschstunden vom nächsten größeren Lager entfernt, wenn aus den Wäldern oberhalb ein wütender Mob von im einen Fall Rätern, im anderen Cheruskern, quillt.

Baumaterial stand sowohl im Eggegebirge als auch im Weser-Leine-Bergland reichlich zur Verfügung. Nahe dem höchsten Berg der Egge, auf dessen Gipfel heute der Eggeturm steht, wurde später Sandstein für unter anderem den Kölner Dom abgebaut.

Die Römer haben in der Zeit von Drusus bis Germanicus ihre Lager in Germanien nicht in Stein gebaut.

Ja. Aber sie haben unter Drusus mindestens drei Steintürme gebaut, und das nur für kurzzeitige Verwendung.

Militärisch ergab ein Ausbau in Stein, im Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis, keinen Sinn.

Bei Lagern ergab ein Ausbau in Stein in dieser Phase keinen Sinn, da sind wir und ja einig.

Aber dass die Walenseetürme militärischen Sinn hatten, bezeugt doch schon die Tatsache, dass Biberlichopf, bzw. was davon übrig war, im 1. Weltkrieg (!) reaktiviert und neu befestigt wurde. Und das mit dem gleichen Auftrag wie knapp 2000 Jahre zuvor: beobachten, ggf. feindliche Aktivitäten melden, und notfalls verteidigen bis Verstärkung eintrifft.

Also ein Beobachtungs-/Signalposten mit im ersten Fall vielleicht einem Scorpio, ein paar Bleischleudereren und/oder Bogenschützen, und im zweiten Fall mit einem Maschinengewehr und ein paar Karabinern. Nicht allzu unähnlich, wie mir scheint.
 
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