Vielleicht ist die Frage erlaubt, welchen Sinn Steinbauten für die Zeit 12v-16n für die Lippelinie und nördlich hatten. Stein verbindet man mit Dauer.
Die wenig zuvor errichteten Walenseetürme wurden offenbar nur kurzzeitig während des Alpenfeldzugs genutzt, und den sehr wahrscheinlichen Sinn hatte ich oben schon beschrieben: die Türme dienten wohl der Nachrichtenverbindung zwischen Tiberius im Westen (Schweizer Mittelland, Zürichsee) und Drusus im Osten (Rätien, Alpenrheintal), sowie der Sicherung dieses Nadelöhrs zwischen Zürich und Chur bzw. Bregenz. Diese Türme mussten es einer relativ kleinen Besatzung im Fall eines Angriffs ermöglichen, so lange auszuhalten, bis Verstärkung eintreffen konnte. Das wiederum war nur mit massiven Steintürmen möglich.
Ich bin immer noch beim Threadthema. Gibt es Steinbauten zwischen Oberaden und Anreppen?
Es sind dort keine römischen Steinbauten bekannt. Und wie schon erwähnt würde man solche auch eher etwas östlich von Anreppen erwarten, wo es auf den Marschrouten gen Osten über Mittelgebirge ging. Dort hätten sie den gleichen Zweck erfüllen können wie jene am Walensee/Kerenzerpass: den Passübergang zu sichern und eine Signalverbindung von Rhein/Lippe zur Weser, Werra oder Elbe zu unterhalten.
Man möchte doch nicht in einem Holzturm sitzen, fünf oder zehn Eilmarschstunden vom nächsten größeren Lager entfernt, wenn aus den Wäldern oberhalb ein wütender Mob von im einen Fall Rätern, im anderen Cheruskern, quillt.
Baumaterial stand sowohl im Eggegebirge als auch im Weser-Leine-Bergland reichlich zur Verfügung. Nahe dem höchsten Berg der Egge, auf dessen Gipfel heute der Eggeturm steht, wurde später Sandstein für unter anderem den Kölner Dom abgebaut.
Die Römer haben in der Zeit von Drusus bis Germanicus ihre Lager in Germanien nicht in Stein gebaut.
Ja. Aber sie haben unter Drusus mindestens drei Stein
türme gebaut, und das nur für kurzzeitige Verwendung.
Militärisch ergab ein Ausbau in Stein, im Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis, keinen Sinn.
Bei Lagern ergab ein Ausbau in Stein in dieser Phase keinen Sinn, da sind wir und ja einig.
Aber dass die Walenseetürme militärischen Sinn hatten, bezeugt doch schon die Tatsache, dass Biberlichopf, bzw. was davon übrig war, im 1. Weltkrieg (!) reaktiviert und neu befestigt wurde. Und das mit dem gleichen Auftrag wie knapp 2000 Jahre zuvor: beobachten, ggf. feindliche Aktivitäten melden, und notfalls verteidigen bis Verstärkung eintrifft.
Also ein Beobachtungs-/Signalposten mit im ersten Fall vielleicht einem Scorpio, ein paar Bleischleudereren und/oder Bogenschützen, und im zweiten Fall mit einem Maschinengewehr und ein paar Karabinern. Nicht allzu unähnlich, wie mir scheint.