Die Mulan-Realverfilmung gefiel mir eigentlich recht gut, auch im Vergleich zum animierten Original. Die Anpassungen an den Zeitgeist hielten sich zum Glück in erträglichen Grenzen. Ein bisschen merkte man dem Film allerdings an, dass Chinesen nur vor der Kamera standen, nicht auch dahinter. Hätte man auch Drehbuch, Regie und Produktion von mit solchen Filmen erfahrenen Chinesen übernehmen lassen, wäre noch wesentlich mehr drin gewesen.

Übrigens hatte es bereits einige Jahre zuvor einen rein chinesischen Mulan-Film gegeben (keine Verfilmung des Disney-Stoffes), dem man leider ein bisschen sein eher knappes Budget angesehen hatte. Es gab zwar Massenszenen, aber die Rüstungen sahen arg nach Plastik aus.
Chinesische Filmemacher mit Hollywood-Budget, das wär's ...

Ich fand Halle Barry in Arielle eigentlich ganz niedlich, sie war es nicht, die das ruiniert hat.

Das Remake vom Dschungelbuch fand ich ordentlich gemacht, der Film hatte eine Story und einen Plot. Diese CGI-Aufnahmen sind ja schon sehr eindrucksvoll, man denkt manchmal, man hat eine Tierdoku vor sich. Aber das Medium des Zeichentricks hat die Möglichkeit, Tieren durch Mimik und Gesichtsausdruck eine individuelle Note zu geben.

Wir sehen ja nicht einen Bären, einen Tiger, eine Schlange, sondern wir erkennen Baloo, Kaa oder Shere Khan.

Bei Arielle war für mich Sebastian der Krebs einer der heimlichen Stars, Fabius und Sebastian erkennt man sofort, im Remake sind das aber Wesen, die kennt man aus der Tiefkühltruhe, und wenn die dann noch zu singen anfangen, wird es gruselig.
 
Ja, die Vermenschlichung von Tieren in Animationsfilmen und deren "realistische" Darstellungen in den Remakes passt nicht zusammen. Simba kann nicht der kleine Junge in Löwengestalt sein, der seinen toten Papa beweint, und gleichzeitig das Löwenjunge aus einer Tierdoku.

Naja, ich werd den Nolan-Streifen wohl am Wochenende sehen. Ich berichte, wenn ich nicht zu erschüttert oder überwältigt oder so bin...
 
Ich will noch mal auf Lupita Nyongo zurückkommen. Sie war damals gecastet als eine der Hauptrollen in The Woman King". Da ging es ja um eine Art Amazonen-Leibwache im Königreich Dahomé. Die Story war eine ziemliche Geschichtsklitterung, insgesamt aber überaus positiv. Lupita Nyongo hat damals ihren Rücktritt von der Rolle damals begründet damit, dass afrikanische Geschichten es verdienen, besonders detailgenau erzählt zu werden. Als Schauspielerin mit ostafrikanischen Wurzeln wollte sie nicht eine Afrikanerin aus Westafrika spielen.
Das stimmt so nicht. Die Vorproduktion von The Woman King begann 2015, Nyong'o, die für die Besetzung vorgesehen war, fuhr 2019 in den Benin als Representer einer Doku über die Ahojie: Warrior Women with Lupita Nyong'o. Im Rahmen dessen, was sie über die Ahojie während des Drehs dieser erfuhr, trat sie vom Cast zurück. Es ging bei diesem Rücktritt also nicht darum, dass sie als Ostafrikanerin keine Westafrikanerin hätte spielen wollen, sondern, dass sie nicht an der Glorifizierung der Ahojie (du nennst es Geschichtsklitterung) teilnehmen wollte.
 
So, Film gesehen. Begeistert hat er mich nicht, aber ich hab auch schon schlechteres gesehen (zB die Vorschauen vor dem Film, die mich i-wie nicht motiviert haben, demnächst wieder ein Kino zu besuchen; aber das ist eine andere Geschichte, und soll ein anderes mal erzählt werden...).

Vorweg: Ich kenn das Original nicht, sondern nur popkulturelle Umsetzungen der letzten 100, 200 Jahre. Und Achtung, Spoiler: Nicht zur Odyssee, die kennt jeder zumindest oberflächlich, aber zur Umsetzung und Änderungen durch Nolan.

Insgesamt: Die Erzählstruktur ist ganz geschickt gemacht. Auf der einen Seite sehen wir Ithaka, die Freier, und Penelope & Telemachos, die ums Überleben kämpfen. Auf der anderen Seite Odysseus, der (anfangs) ohne Erinnerungen auf Kalypsos Insel fest hängt. Diese beiden Erzählstränge werden erst gegen Ende des Films zusammen geführt, wenn Odysseus schließlich heimkehrt. Die allseits bekannten Odyssee-Episoden sind Rückblenden, ebenso wie ein paar Bilder aus dem Trojanischen Krieg (zB die Sache mit dem Holzgaul), an die Odysseus sich erinnert, während ein paar Szenen vor Kriegsausbruch aus Penelopes Erinnerung stammen. Ist ganz geschickt gemacht, bekommt ein Plus.

(Neue) Themen: Odysseus muss erkennbar mit seiner PTSD klarkommen. Außerdem wird die Frage verhandelt, was Führung bedeutet, und welche Verantwortung (und Schuld) ein Anführer wie Odysseus auf sich lädt. Fand ich interessant, kriegt auch ein Plus.

Altbekannte Szenen: Die Zyklopenszene war schwach, da der Zyklop nicht reden durfte, und nur als geistloses Monster dargestellt war. Circe hat mir gefallen (auch wenns etwas eklig wurde...), ebenso haben die Szenen mit Kaylpso funktioniert. Was gar nicht funktionierte, war das Holzpferd. Das sie dem keine Ränder gegönnt haben, war mehr als lächerlich. Skylla & Charybdis waren okay, die Reise ins Totenreich visuell enttäuschend (was Absicht seien mag), aber inhaltlich & emotional war es gut umgesetzt. Insgesamt ausgeglichen, gab gute und weniger gute Szenen.

Szenerie & Kostüme: Das große Manko des Films, mE. Zu dunkel und grau in grau, die Rüstungen waren überwiegend schlechte Fantasy, die Kulissen haben auch nichts raus gerissen, außer ein paar Wide Shots von alten Gemäuern. Und Agamemnons Batman-Helm sah genau so bescheuert aus wie auf den Fotos vor dem Film. Alleine dafür sollte irgend ein Kostümdesigner (oder Nolan selber) auf ewig im Tartaros Achilles Rüstung mit Teer wienern müssen, bis sie glänzt wie die Sonne... Klares Minus.

Cast: Der war ja im Vohinein heiß umstritten. Und er sieht tatsächlich aus wie New York City 2026. Man sieht Menschen aus aller Herren Länder, nur Menschen, bei denen ich automatisch "Mittelmeerraum" assoziert hätte, gab es so gut wie nicht. Keine Katastrophe, ist ja nichts neues, aber für mich verschenktes Potential. Auch in dem Punkt hätte der Film besser aussehen können. Minus.

Schauspielerei: War okay. Matt Damons war gut als traumitisierter, fast gebrochener Mann; ist die Frage ob man darin den listenreichen Odysseus sieht. Nicht wirklich überzeugend fand ich Telemachos, aber dafür gibt Edward Cullen als Antinoos (wenig überraschend) einen wirklich widerlichen Widerling ab. Im großen und ganzen ausgeglichen.

Fazit: Ich bereue nicht, den Film gesehen zu haben, aber eine Erleuchtung wars nun auch nicht. Kannm man machen, 50 von 100 Gummipunkten.
 
Insgesamt: Die Erzählstruktur ist ganz geschickt gemacht. Auf der einen Seite sehen wir Ithaka, die Freier, und Penelope & Telemachos, die ums Überleben kämpfen. Auf der anderen Seite Odysseus, der (anfangs) ohne Erinnerungen auf Kalypsos Insel fest hängt. Diese beiden Erzählstränge werden erst gegen Ende des Films zusammen geführt, wenn Odysseus schließlich heimkehrt. Die allseits bekannten Odyssee-Episoden sind Rückblenden, ebenso wie ein paar Bilder aus dem Trojanischen Krieg (zB die Sache mit dem Holzgaul), an die Odysseus sich erinnert, während ein paar Szenen vor Kriegsausbruch aus Penelopes Erinnerung stammen. Ist ganz geschickt gemacht, bekommt ein Plus.
So ist das Epos aber im Wesentlichen auch aufgebaut: Zu Beginn sitzt Odysseus bei Kalypso fest, während es auf Ithaka mit den Freiern drunter und drüber geht. Auch im Epos werden Odysseus' Irrfahrten (die in Wahrheit allerdings nur einen kleinen Teil des Epos ausmachen, nur etwa ein Sechstel des Umfangs) als Rückblende von Odysseus selbst erzählt. Auch das Epos ist voll von eingestreuten weiteren kürzeren Rückblenden darauf, was sich nach dem Ende der "Ilias" ereignete, u.a. zur Sache mit dem Pferd. Zur Halbzeit kommt Odysseus schließlich wieder nach Ithaka.

Diese Erzählstruktur ist also keine Erfindung von Nolan.
Ob sie wirklich geschickt ist oder ob sie Zuseher ohne Vorkenntnisse überfordern könnte, weiß ich nicht. (Homer setzte den Stoff als seinen Hörern bekannt voraus.) Immerhin kommt sie Nolans Faible für nicht-lineare Erzählweisen entgegen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie gesagt, ich kenn die Originalgeschichte gar nicht wirklich, sondern eigentlich nur die Einzelepisoden bzw deren Adaptionen der Neuzeit. Das der Film irgendwen überfordert kann ich mir nicht vorstellen. Die notwendigen Hintergrundinfos werden in dem "Ithaka-Erzählstrang" geliefert.

Zwei Aspekte noch: Es werden ("Ithaka-Erzählstrang") öfters die Seevölker erwähnt, und das deren Vordringe das Bestehen der Zivilisation selbst bedroht. Später, nach Odysseus Rückkehr, erklärt dieser dann an einer Stelle, sie, die Heimkehrer, seien diese Seevölker. Im Rahmen der erzählten Geschichte ein geschickter Schachzug, der nochmal die Sache mit Verantwortung und Folgen des eigenen Handelns betont. Historisch ist es aber eine etwas gewagte These, wenn mWn auch eine diskutierte. Und auch wenns zur ganzen Verantwortungs- & Folgen-des-eigenen-Handelns-Geschichte passt, fand ich es etwas gezwungen.

Das Ende ist anders als im Mythos. Im Film wird es so dargestellt, dass wer immer auch die Freier erschlägt, der Blutrache von deren Verwandten ausgesetzen sein würde, und gezwungen wäre, Ithaka zu verlassen. Das ist ein Grund, warum Telemachos nicht selbst versucht, mit Gewalt gegen die vorzugehen: Wenn er daraufhin ins Exil gewzungen würde, wäre Penelope völlig allein. Also bricht am Ende des Filmes Odysseus mit Penelope in den "unbekannten Westen" auf, und überlässt Telemachos die Herrschaft über Ithaka. Verstärkt wird das durch das Motiv, dass das irgendwie den Seelen von Odysseus unbestattet gebliebenen Gefährten im Totenreich helfen könnte. Beides (Blutrache & Seelsorge) scheint mir erfunden, zumindest so wie im Film dargestellt, und ich weiß nicht richtig, was ich daraus machen soll.

Außer eine zynische Vermutung zu äußern: Ich hab mich ja immer gefragt, warum nicht einer der Macher der Troja-Filme der letzten Jahre die Odyssee als Fortsetzung verfilmt hat. Ich mein, welches Franchise verzichtet sonst freiwillig auf einen zweiten Teil, va wenns schon eine Vorlage dafür gibt? Jetzt vermut ich, Nolan will Odysseus auf Aeneas treffen lassen, und in Teil 2 die Aeneis verwursten... ;)

P.S.: Das Odysseus Vater (bzw Telemachos Großvater) noch lebt, wird im Film erwähnt, aber dann völlig ignoriert; ein Name wird auch nicht genannt.
 
Dass Odysseus nicht auf Ithaka bleibt, sondern wieder in die Ferne reist, kommt allerdings auch in verschiedenen (nachhomerischen) Mythen vor. Die Geschichten sind völlig unterschiedlich.

Telemachos allerdings beteiligt sich bei Homer sehr wohl aktiv an der Tötung der Freier.
 
Im Film steht Telemachos auch nicht völlig abseits. Aber da Odysseus die größte Arbeit macht, und es nun nicht so viele überlebende Zeugen gibt...

Allerdings richtet sich Blutrache ja auch oft genug gegen die Sippe des Übeltäters, also wirklich Sinn ergibts nicht.
 
Ich will noch mal auf Lupita Nyongo zurückkommen. Sie war damals gecastet als eine der Hauptrollen in The Woman King". Da ging es ja um eine Art Amazonen-Leibwache im Königreich Dahomé. Die Story war eine ziemliche Geschichtsklitterung, insgesamt aber überaus positiv.
Die Regisseurin von The Woman King hat jetzt einen neuen Film in Arbeit. Bin gespannt, ob der bei Kritik und Publikum besser ankommen wird.
 
Das stimmt so nicht. Die Vorproduktion von The Woman King begann 2015, Nyong'o, die für die Besetzung vorgesehen war, fuhr 2019 in den Benin als Representer einer Doku über die Ahojie: Warrior Women with Lupita Nyong'o. Im Rahmen dessen, was sie über die Ahojie während des Drehs dieser erfuhr, trat sie vom Cast zurück. Es ging bei diesem Rücktritt also nicht darum, dass sie als Ostafrikanerin keine Westafrikanerin hätte spielen wollen, sondern, dass sie nicht an der Glorifizierung der Ahojie (du nennst es Geschichtsklitterung) teilnehmen wollte.
Wenn das so ist, dann ehrt sie das, sie hat ja immerhin auf eine Hauptrolle verzichtet in einem Streifen, der viel Publicity bekam.

Nyongo hat ja durchaus Recht, wenn sie sagt, es verdienen (afrikanische) Geschichten korrekt und authentisch erzählt zu werden.

Die Familiensaga "Roots" der Roman von Alex Haley und die Verfilmung von 1977 und auch ihr Remake aus den 2010er Jahren haben auf der ganzen Welt ungeheures Aufsehen erregt. Das Schicksal von Kunta Kinte und seinen Nachfahren hat auf der ganzen Welt Zuschauer bewegt. Man hätte es ihm und seinen Gefährten so sehr gegönnt, dass sie die Lord Ligonier kapern und zurück in die Heimat finden.
Stephen Spielbergs Amistad hat das Publikum bewegt, es waren gute Geschichten mit überzeugenden Darstellern.

Es gibt aber historische Fakten und kulturelle Gegebenheiten, es gibt Regeln der Plausibilität, Sehgewohnheiten, und es wäre eben nicht völlig gleichgültig, mit wem die Rolle des Kunta Kinte besetzt wird. Das Publikum würde nicht jeden X-Beliebigen akzeptieren in einer Rolle, für die er völlig ungeeignet ist. Man würde, meiner Meinung nach völlig zu Recht, von Regisseuren und Schauspielern ein gewisses Maß von Respekt erwarten gegenüber einem Autor, gegenüber einer Kultur, die das Werk hervorgebracht hat.


Im Fall von "Roots" ginge es um ein Werk, das für die amerikanische Literatur eine gewisse Bedeutung hat, um einen Autor, der den Pulitzer-Preis gewonnen hat. Cindy aus Marzahn würde das Publikum nicht eine Sekunde abnehmen, dass sie aus Juffure stammt.
Man würde es ihr nicht eine Sekunde abnehmen, dass sie die schönste Frau der Welt ist.
Es wäre ihre Besetzung einfach nur absurd, und jedes Kind würde das erkennen.
Ebenso absurd wäre es, wenn Cindy aus Marzahn dann um die Ecke käme und erklärte, alle Kritiker seinen einfach nur feindselig eingestellt gegen adipöse Frauen.
 
Wie gesagt, ich kenn die Originalgeschichte gar nicht wirklich, sondern eigentlich nur die Einzelepisoden bzw deren Adaptionen der Neuzeit. Das der Film irgendwen überfordert kann ich mir nicht vorstellen. Die notwendigen Hintergrundinfos werden in dem "Ithaka-Erzählstrang" geliefert.

Zwei Aspekte noch: Es werden ("Ithaka-Erzählstrang") öfters die Seevölker erwähnt, und das deren Vordringe das Bestehen der Zivilisation selbst bedroht. Später, nach Odysseus Rückkehr, erklärt dieser dann an einer Stelle, sie, die Heimkehrer, seien diese Seevölker. Im Rahmen der erzählten Geschichte ein geschickter Schachzug, der nochmal die Sache mit Verantwortung und Folgen des eigenen Handelns betont. Historisch ist es aber eine etwas gewagte These, wenn mWn auch eine diskutierte. Und auch wenns zur ganzen Verantwortungs- & Folgen-des-eigenen-Handelns-Geschichte passt, fand ich es etwas gezwungen.

Das Ende ist anders als im Mythos. Im Film wird es so dargestellt, dass wer immer auch die Freier erschlägt, der Blutrache von deren Verwandten ausgesetzen sein würde, und gezwungen wäre, Ithaka zu verlassen. Das ist ein Grund, warum Telemachos nicht selbst versucht, mit Gewalt gegen die vorzugehen: Wenn er daraufhin ins Exil gewzungen würde, wäre Penelope völlig allein. Also bricht am Ende des Filmes Odysseus mit Penelope in den "unbekannten Westen" auf, und überlässt Telemachos die Herrschaft über Ithaka. Verstärkt wird das durch das Motiv, dass das irgendwie den Seelen von Odysseus unbestattet gebliebenen Gefährten im Totenreich helfen könnte. Beides (Blutrache & Seelsorge) scheint mir erfunden, zumindest so wie im Film dargestellt, und ich weiß nicht richtig, was ich daraus machen soll.

Außer eine zynische Vermutung zu äußern: Ich hab mich ja immer gefragt, warum nicht einer der Macher der Troja-Filme der letzten Jahre die Odyssee als Fortsetzung verfilmt hat. Ich mein, welches Franchise verzichtet sonst freiwillig auf einen zweiten Teil, va wenns schon eine Vorlage dafür gibt? Jetzt vermut ich, Nolan will Odysseus auf Aeneas treffen lassen, und in Teil 2 die Aeneis verwursten... ;)

P.S.: Das Odysseus Vater (bzw Telemachos Großvater) noch lebt, wird im Film erwähnt, aber dann völlig ignoriert; ein Name wird auch nicht genannt.

In der Ilias setzt Homer die Kenntnis der Vorgeschichte voraus, die Handlung setzt ein im 10. Jahr der Belagerung, und der erzählte Zeitrahmen erzählt nicht den ganzen Trojanischen Krieg sondern auf einen Handlungsrahmen von einigen Wochen. Der Handlungsrahmen wo es so richtig Action gibt, der Zeitpunkt wo der Zorn des Achilleus umkippt von gekränktem Stolz von Zorn auf Agamemnon und die Griechen, die ihn, den Besten der Achäer gekränkt haben auf Hektor und die Troer ist sogar ein Zeitrahmen, der sich auf wenige Tage beschränkt.

Ähnlich ist es mit der Odyssee. Die fängt an mit der Frage: Wo steckt eigentlich Odysseus? Alle sind inzwischen mehr oder weniger glücklich heimgekehrt, nur Odysseus hängt immer noch bei Kalypso ab.

Wir erfahren wie es inzwischen auf Ithaka geht, wir erfahren, dass Telemachos allmählich zum Mann gereift ist. Mit Mentors und Athenas Hilfe entgeht er einem Hinterhalt der Freier, und er reist an die Höfe von Pylos und Sparta.
Erst im 5. Gesang tritt endlich Odysseus selbst auf. Er verlässt Kalypso, baut sich ein Floß und strandet bei den Phäaken. Die nehmen ihn gastlich auf, und in einer Schlüsselszene singt der blinde Sänger Demodokos (eine Hommage an Homer) von den Taten der Griechen, vom Streit zwischen Achilleus und Odysseus und wie es schließlich Odysseus gelingt, Troja zu erobern. Odysseus ist vom Gesang gerührt, bricht in Tränen aus und enthüllt, wer er ist. Dort berichtet er von seinen Irrfahrten und Abenteuern.
Auch in der Odyssee beschränkt sich der Zeitraum der eigentlichen Geschichte auf einige Wochen. Die Abenteuer und Irrfahrten des Odysseus werden in Rückblenden erzählt. Die Handlung setzt ein im 20. Jahr seit Odysseus nach Troja aufbrach. Wir erfahren, dass Penelope´ treu geblieben ist, dass sie und Telemachos von den Freiern belästigt werden, die sich über alle Regeln der Gastfreundschaft hinwegsetzen, die Odysseus Weinkeller leer saufen, seine Herden auffressen, seine Dienerschaft verführen, seine Sklavinnen beschlafen und sich so aufführen, weil sie nicht mehr damit rechnen, dass der Held zurückkommt. Es sind Usurpatoren.

Als dann Odysseus endlich auf Ithaka landet, da kennen wir die good guy und die bad ones, wir kennen die Zustände auf Ithaka. Auch hier beschränkt sich der Handlungsrahmen auf einige Wochen, Odysseus hängt bei Kalypso ab, Odysseus bei den Phäaken, die Telemachie, das umfasst einen Zeitraum von einigen Wochen, und die Action-Handlung sind auch hier nur wenige Tage. Die Tage, in denen Odysseus nach Ithaka zurückkehrt, bei Eumaios Aufnahme findet und gemeinsam mit Telemachos und mit der Hilfe seiner treuen Sklaven die Usurpatoren erledigt.

Odysseus Heimkehr und die Rache, das sind nur wenige Tage. Was inzwischen in Ithaka geschah, was Odysseus auf seinen Irrfahrten erlebt hat, dass erfahren wir aus Rückblenden, die Odysseus bei den Phäaken erzählt. Die Zustände auf Ithaka erfahren wir aus den ersten vier Gesängen.

In der Odyssee ist tatsächlich die Rede davon, dass es Stress gibt mit den Angehörigen der Freier. Vater Sohn und Großvater, Odysseus, Telemachos und Laertes kämpfen Seite an Seite, doch die Konflikte werden durch das Eintreten Athenes gelöst.

In der Ilias und Odyssee ist nicht eine Sekunde angedeutet, dass Odysseus Schuldgefühle hat, weil er Troja dem Erdboden gleich gemacht hat. Die Griechen haben auch nicht den Zorn der Götter auf sich gezogen, weil sie Troja erobert und die Trojanerinnen als Kriegsbeute mitgenommen haben, sondern weil sie jede Mäßigung vergessen haben. Ajax der Lokrer hat Cassandra an den Haaren aus dem Tempel gezerrt.
 
Nach der verbreitetsten (nachhomerischen) Version vergewaltigte er sie sogar im Tempel Athenes. Diese bat daraufhin Zeus, der Flotte der Griechen einen Sturm zu schicken.

Homer selbst deutete nur vage an, warum Zeus und Athene gegen die heimkehrenden Griechen vorgingen: weil sie nicht "gerecht" gewesen seien.

Dazu kam dann (in einem nachhomerischen Mythos) noch die Rache des Nauplios, des Vaters des Palamedes: Der (bei Homer noch nicht vorkommende) Grieche Palamedes war neben Odysseus der listigste unter den Griechen. Als sich Odysseus vor der Kriegsteilnahme drücken wollte, indem er sich blöd und wahnsinnig stellte, ließ Palamedes durch einen Trick den Täuschungsversuch auffliegen. Seither hasste Odysseus Palamedes, schob ihm trojanisches Gold unter und bewirkte so seine Steinigung. Als die Griechen heimsegelten, bewirkte Nauplios durch ein in der Nacht bewusst falsch entzündetes Leuchtfeuer, dass die griechen Schiffe auf Klippen auffuhren.
 
Dass Odysseus nicht auf Ithaka bleibt, sondern wieder in die Ferne reist, kommt allerdings auch in verschiedenen (nachhomerischen) Mythen vor. Die Geschichten sind völlig unterschiedlich.

Telemachos allerdings beteiligt sich bei Homer sehr wohl aktiv an der Tötung der Freier.
ad 1) Telemachos und die Exekution der Sklavinnen
Nicht nur das, er ist es auch, der die treulosen Sklavinnen aufhängt, die wie Melantho und ihr Bruder Melantheus der Ziegenhirte es mit den Usurpatoren gehalten haben. Melantho war von Penélopé wie eine eigene Tochter aufgezogen worden.
Die treulosen Sklavinnen müssen die Spuren des Gemetzels beseitigen, die das abrupte Ableben der Freier in den Hallen hinterlassen hat.

Ad 2) Odysseus geht in die Ferne

Im 10. Gesang der Odyssee trifft Odysseus im Hades auf den Seher Teiresias. Der verrät ihm ein Mittel, Poseidon zu versöhnen Odyssee 11, 121-135

Odysseus soll so lange landeinwärts wandern, bis er auf Leute stößt, die keine Schiffe kennen, die ungesalzene Speisen essen, die keine Boote und Ruder kennen. Wenn ihm ein Wanderer begegnet, der sein Ruder für eine Schaufel hält, dann soll Odysseus an dieser Stelle Poseidon ein reiches Opfer spenden. (1 Stier, 1 Widder und 1 Eber)
Mit anderen Worten, Odysseus soll den Kult des Poseidon verbreiten in einer Gegend, wo er noch nicht verehrt wird.

Wenn Odysseus sich auf diese Art von Poseidons Fluch befreit hat, und bei seiner Rückkehr eine Festhekatombe spendet, soll ihm ein friedliches Alter und ein sanfter Tod beschieden sein, fern des Meeres und geehrt von allen Völkern. (Odyssee 11, 135-140)
 
Irgendwie habe ich auch bei Nolan den Eindruck, dass er mit der Odyssee nichts anfangen kann, dass er daraus auch keine große Erzählung machen kann.
Das fängt ja schon mit der Auswahl der Übersetzung an. In Deutsch könnte man auf Heinrich Voß zurückgreifen,

In Englisch gilt im Allgemeinen die Übersetzung von Robert Fitzgerald als der Goldstandard etwa so wie die deutsche Übersetzung von Heinrich Voss man könnte auf die Übersetzung von D. H. Lawrence zurückgreifen, die auch sehr poetisch ist. Nolan aber sucht sich ausgerechnet Emily Wilson als Übersetzerin und entscheidet sich für eine woke-feministische Variante in einfacher Sprache, die Übersetzerin ist der Ansicht, es handele sich um eine "old world comic version of a super-hero who fights the bad guys and witchy woman" und kommt mit pseudo-feministischen Phrasen um die Ecke das Homer keine weiblichen Perspektiven abbildet-

Wirklich nicht? Was ist mit der Szene zwischen Hektor und Andromache, in der sie beschreibt, wie Achilleus ihre Stadt eroberte, ihren Vater und ihre Brüder tötete. Wie sie sich ihr Los als Sklavin in Argos ausmalt, das Los von Astyanax. Homer ist eine wahre Fundgrube für antikes Leben. Keine weiblichen Perspektiven?
Das ist so abgrundtief dumm und ignorant. Red Flag!

Die Szene bei den Phäaken der Auftritt des Sängers Demodokos, eine heimliche Hommage an den Meister, an Homer die Odyssee wurde ja von Dichtern geschrieben, die im Stil Homers schrieben.
Das ist eine Schlüsselszene wer Homer ist, wer Odysseus ist.

Mel Gibson hätte die Szene in Altgriechisch gedreht, er hätte vermutlich vieles getan, bei dem es jedem Altphilologen kalt den Rücken herunterläuft, aber er hätte doch zumindest sich bemüht, den Geist der Erzählung aufzunehmen. Red Flag!

Odysseus ist jedenfalls nicht Oppenheimer, er hat ebenso wenig Skrupel oder Schuldgefühle empfunden, Troja zu zerstören wie
Mehmet der Eroberer Schuldgefühle empfunden hat, weil er über die Hintertür in Konstantinopel einmarschiert ist und dem Byzantinischen Reich den Gnadenstoß versetzte.

Wozu ist man denn nach Troja gekommen? Wirklich nur wegen Helena?
Achilles gibt offen zu, dass ihm die Troer nichts getan haben, dass ihn nur Ruhm und Beute interessieren.
Red Flag!

Die Szene mit Polyphem ist ebenso eine Schlüsselszene. Diesem Abenteuer verdankt Odysseus Poseidons Zorn. Er überlistet Polyphem, der das Gastrecht schändet. Polyphem ist der Proto-Typ des Barbaren. Indem man Polyphem stumm macht, nimmt man der ganzen Szene das Potenzial.

Odysseus überwindet Polyphem mit der Kraft der Rede und mit List. In der Ilias beschreibt Antenor Odysseus als linkisch, ja manche hielten ihn für dumm, sobald er aber anfing zu reden, konnte keiner der Gewalt seiner Rede widerstehen. Er sagt, sein Name sei Niemand und er gibt Polyphem Wein zu trinken, macht ihn betrunken, und nach Art der Barbaren gibt sich Polyphem die Kante mit ungemischtem Wein.
Sprachlos mag ein Ungeheuer vielleicht noch bedrohlicher wirken, aber die ganze Szene lebt von Rede und Gegenrede. Der geblendete Kyklop brüllt und schreit um Hilfe, andere Kyklopen kommen, und sie gehen wieder, weil Niemand Poyphem verletzt hat. Zuletzt ruft Odysseus Polyphem seinen wahren Namen zu. In der Verfilmung mit Kirk Douglass ist das viel besser gemacht. Red Flag!

Odysseus kommt nach Ithaka zurück, so wie Vito Corleone in das Land seiner Väter zurückkommt.
Er kommt, um Rache zu nehmen, Rache an den Männern, die seinen Weinkeller leer saufen, seine Vorratskammer leerfressen, die seine Sklavinnen beschlafen und seine Frau belästigen. Die sich in seinem Palast daneben benehmen wie der letzte Abschaum.
Als Bettler kehrt er in den eigenen Palast zurück, muss sich mit einem anderen Bettler im Boxkampf messen.

Vito Corleone reist erst ab, wenn Don Chicio und alle seine Handlanger tot sind.
Odysseus hat Troja erobert, hat sich mit Monstern angelegt, und fast im Alleingang
den Abschaum im Haus erledigt, er ließ ihnen nur die Wahl zwischen einem leichten Tod oder einem schweren, aber nicht einer kommt davon.

Zwanzig Jahre hat Odysseus gebraucht, um heim nach Ithaka zu kommen. Er hat dafür selbst auf die Unsterblichkeit verzichtet.
Dass Odysseus am Ende davonläuft vor den Problemen das klingt für mich wie Vito Corleone, der darauf verzichtet, Don Chichio einen Besuch abzustatten, weil da zu viele Männer mit luparas herumhängen, weil er nicht riskieren will, dass Don Tommasino angeschossen wird, der nach NY zurückreist.
 
Es gibt aber historische Fakten und kulturelle Gegebenheiten, es gibt Regeln der Plausibilität, Sehgewohnheiten, und es wäre eben nicht völlig gleichgültig, mit wem die Rolle des Kunta Kinte besetzt wird. Das Publikum würde nicht jeden X-Beliebigen akzeptieren in einer Rolle, für die er völlig ungeeignet ist. Man würde, meiner Meinung nach völlig zu Recht, von Regisseuren und Schauspielern ein gewisses Maß von Respekt erwarten gegenüber einem Autor, gegenüber einer Kultur, die das Werk hervorgebracht hat.
Das verstehe ich ja. Aber dann hätte man den Fall nicht erst bei Lupita aufmachen sollen, sondern schon bei Brad und Diane.
 
In Englisch gilt im Allgemeinen die Übersetzung von Robert Fitzgerald als der Goldstandard etwa so wie die deutsche Übersetzung von Heinrich Voss man könnte auf die Übersetzung von D. H. Lawrence zurückgreifen, die auch sehr poetisch ist. Nolan aber sucht sich ausgerechnet Emily Wilson als Übersetzerin und entscheidet sich für eine woke-feministische Variante in einfacher Sprache, die Übersetzerin ist der Ansicht, es handele sich um eine "old world comic version of a super-hero who fights the bad guys and witchy woman" und kommt mit pseudo-feministischen Phrasen um die Ecke das Homer keine weiblichen Perspektiven abbildet-
Wirklich nicht? Was ist mit der Szene zwischen Hektor und Andromache, in der sie beschreibt, wie Achilleus ihre Stadt eroberte, ihren Vater und ihre Brüder tötete. Wie sie sich ihr Los als Sklavin in Argos ausmalt, das Los von Astyanax. Homer ist eine wahre Fundgrube für antikes Leben. Keine weiblichen Perspektiven?
Das ist so abgrundtief dumm und ignorant. Red Flag!
da türmen sich gute Gründe auf, diesen Film zu vermeiden. Für so etwas kaufe ich keine Kinokarte.
Aber dann hätte man
was nichts am Inhalt der von @Scorpio genannten Gründe ändert.
 
nordostmediterran aussehen
Wie sieht man denn nordostmediterran aus? Gehört es zu den allgemeinen Sehgewohnheiten, sofort "aha, nordostmediterran" zu erkennen, und zwar in den Maß, wie man sofort einen Sean Connery in der Rolle von Martin Luther King mehr als nur befremdlich fände? Ich wittere da keine Doppelstandards - mir kommt dieses wittern eher als Pseudoargument vor.
 
Wie sieht man denn nordostmediterran aus? Gehört es zu den allgemeinen Sehgewohnheiten, sofort "aha, nordostmediterran" zu erkennen, und zwar in den Maß, wie man sofort einen Sean Connery in der Rolle von Martin Luther King mehr als nur befremdlich fände? Ich wittere da keine Doppelstandards - mir kommt dieses wittern eher als Pseudoargument vor.
Dann nenne es halt "griechisch", denn darum geht es doch, das Lupita nicht "griechisch" aussieht. Nun sehen aber auch Sean, Brad und Diane nicht "griechisch" aus. Die Benennung ist mir um ehrlich zu sein, wumpe. Mich stören die doppelten Standards die angelegt werden.
 
Dann nenne es halt "griechisch", denn darum geht es doch, das Lupita nicht "griechisch" aussieht. Nun sehen aber auch Sean, Brad und Diane nicht "griechisch" aus.
Neuschwanstein sieht nicht wie eine mittelalterliche Burg aus. Die Marksburg, Burg Sooneck und Burg Katz auch nicht. Aber Marksburg, Sooneck und Katz sind der mittelalterlichen Burg um einiges ähnlicher als Neuschwanstein.
;)
wo wäre hier ein Doppelstadard?
 
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