Sein Reichtum wird dagegen oft betont.
Das ist auch relativ: Eine kleine Grafschaft/Herrschaft wie jene von Enn ist zwar reich, im Verhältnis zu den Gegnern aber dennoch unzureichend Zwergen-reich. Dementsprechend geht die Geschichte aus.
Auch darin bist du kontrafakisch unterwegs. Es fängt schon damit an, dass Witege und Dietrich versuchen, den angerichteten Schaden zu begleichen, anstatt als Pfand Hand und Fuß hinzugeben. Aber Laurîn gibt ihnen deutlich zu verstehen, dass er sehr viel reicher ist, als sie und das, was sie ihm anbieten, ihn nicht locken kann. Er, der über magische Gürtel (die ihm die Kraft von 12 Männern geben) magische Ringe (die die Kraft vier Männern geben), magische Umhänge (die unsichtbar und wohl auch unhörbar machen, letzteres nicht explizit aber logisch ableitbar), magische Kronen (auf denen sich geschmiedete Vögel bewegen und singen als seien sie echt) besitzt, hat auch allerlei anderes Zeug, das so viel oder gar mehr wert ist, als ein Königreich, wie nicht etwa Laurîn behauptet, sondern der Erzähler selbst oder den
degen in den Mund legt.
Die Krone wird so hoch geschätzt, dass der Erzähler sagt:
darûf ein krône von golde,
sam sie got selbe vüeren solde
ûf der krônen obene
sungen wol die vogele
in allen den gebaeren
sam sie lebende waeren
mit listen war sie erdaht
mit Zauber dar brâht
Darauf eine Krone von Gold, als sollte
GOTT SELBST sie tragen. Oben auf der Krone sangen die Vögel und gebärdeten sich, als ob sie lebendig wären. Mit Klugheit (List) und Zauber war sie hergestellt worden. Klar, nach den ganzen Superlativen der vorherigen Beschreibung seiner Kleidung, Rüstung und Waffen muss da der ultimative Superlativ herangezogen werden.
Als Laurîn dann seine Forderung (
den rehten vuoz, die linken hant) gestellt hat, bekommt er Antwort:
Des antwurte ime her Dietrich [...]
"Neina, du vil kleiner man,
du solt dînen zorn lân:
man solt niht vüersten pfenden,
bî vüezen und bî henden,
die wol geben rîchen solt,
beidiu silber unde gold
[...]"
Daz getwerc was sprüche vrî:
ich hân mêr goldes dan iuwer dri
Da antwortete ihm Herr Deitrich [...]: "Nein, du sehr kleiner Mann, lass ab von deinem Zorn, man soll Fürsten nicht an Füßen und Händen pfänden, die geben reiche Kompensation, sowohl Silber als auch Gold. [...]" Der Zwerg ~antortete~: "Ich habe mehr Gold, als ihr drei."
Dass er her drei Personen anspricht, ist etwas seltsam, da zu dem Zeitpunkt nur Witege und Dietrich anwesend sind, Hildebrand und Wolfhard sowie später Dietleib von Steier sind ja noch gar nicht anwesend.
Später gegenüber Dietleib, der sich nach seiner Schwester Künhild erkundigt, sagt Laurîn:
vürwâar ich daz sprechen wil:
ich hân guotes alsô vil,
mêr dan alle künege hân;
daz ist ir allez undertân
Fürwahr, so will ich dir sagen, dass ich so viele Besitztümer habe, mehr als alle Könige (zusammen) besitzen, das alles ist ihr (Künhild) untertan.
Klar, da kann man natürrlich sagen: "Das ist Laurîn, der da spricht, der auf den Putz haut°, also lassen wir den Erzähler dran:
allez das diu werlt sol haben,
des was der berc vol geladen. [...]
daz wizzet sicherlîche:
kein künec wart nie sô rîche
Alles, was es an Reichtümern auf der Welt gibt, davon war der Berg vollgestopft, das wisst ihr sicherlich, dass kein König je so reich war.
Zum Festmahl treten zwei Geiegnspieler auf:
Dô sach man vür die vürsten gân
zwei getwerge lobesam,
zwêne kurze videlaere
ir gwant was rîch und swaere.
die truogen zwô videln in der hant,
die wâren bezzer dan ein lant.
Da traten vor die Fürsten zwei löbliche Zwerge, zwei kurze Geiger, deren Gewänder reich und schwer waren, die hatten zwei Geigen in den Händen, die besser als ein Land waren. (Die Geigen werden im Anschluss als aus Gold mit Edelsteinen besetzt beschrieben.)
Dieses Motiv, dass Einzelgegenstände besser oder mehr wert als ein Land oder ein Königreich seien, taucht hier unterm Berg noch mehrfach auf.
Bist du sicher, dass du den Laurîn jemals gelesen hast?