Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

gein einander si dô stuben / sam zwêne valken, die dâ vlugen / der ein grôz, der ander kleine, / wan Laurîn der was kurzer beine
wie zwei Falken im Flug stoben sie (Laurin und Witege) aufeinander zu, der eine groß, der andere klein, denn Laurîn hatte kurze Beine.
 
Die Eingangsthese war ja, dass Laurîns Rosengarten eigentlich nur die historische Beschreibung von Dornenbefestigungen gewesen seien. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Der Rosengarten (sie vorherige Zitate) wird eben tatsächlich als Garten beschrieben, der unverteidigt ist, erst nach seiner Zerstörung kommt Laurîn aus seiner Burg, erst da kommt es zum Kampf.
Am schönsten finde ich nebenbei, dass Laurîn Witege und Dietrich als Esel beschimpft.
Eine meiner Hypothesen ist, dass der Rosengarten eine besondere Rolle in diesem Lied spielt. ich hatte ja geschrieben, dass aus meiner Sicht das Zwergenreich ein Topos der Anderswelt ist.

Hildebrand sagt, nachdem Dietrich allgemein gelobt wurde, dass er noch kein Abenteuer bei den Zwergen bestanden hat (ich beziehe mich auf L3):
"Das Abenteuer der Zwerge ist ihm unbekannt in den hohlen Bergen, die dort die Zwerge bewohnen.
Das muss man ihnen von Rechts wegen zugestehen: Wer ihr Abenteuer suchen (sehen) will,
[wird merken, dass] sie manchen Helden totschlagen und sie in ganz große Not bringen.
“ (KI-Übersetzung)

Es ist ein für Dietrich neues und besonderes Abenteuer. Hildebrand warnt ihn vor Laurin, dem alle wilden Länder/das wilde Land untertan ist,aber auch viel Magisches und Zauberhaftes, und der manchen Recken Hand und Fuß abgeschlagen hätte:
"Ich weyz eynen cleynen man, dem ist vil wndirs undirtan, der ist kume driger spanne lang. Her hat manchen an sinen dang
hant und vuz abe geslagen (daz wil ich vor war sagen), der großer waz wan siner dri, den macht her aller eren vri.
Her ist Laurin genant. Yme dinen alle wilde lant.
"

Hildebrand weiß jedoch nicht wo genau Laurin lebt. Er kennt nur einen "Rosengarten" in "In deme Tyroldes tanne", der von Laurin bewacht wird, und bei Strafe nicht zerstört werden darf. Den Zugang zu Laurin erhalten die Helden nur über den "wundersamen Rosengarten". Falls das Verbot und Tabu verletzt wird, wird Laurin es bestrafen. Ist "der Rosengarten" ein Fanum, ein heiliger Bezirk heidnischer Götter*, über den "Laurin" erreichbar ist?

Im Indiculus superstitionum et paganiarum („Kleines Verzeichnis des Aberglaubens und des Heidentums“) , Indiculus superstitionum et paganiarum – Wikipedia
eine kirchliche Handschrift aus dem 8.Jahrhundert werden unter Punkt 4: De casualis id est fanis. – „Über kleine Gebäude, d. h. Heiligtümer“ und 6. De sacris siluarum quae nimidas vocant. – „Über Waldheiligtümer, die sie Nimidas nennen“ und 8. De sacris Mercurii, vel Iovis. – „Über Heiligtümer Merkurs und Jupiter“ aufgeführt. Die Christianisierung war in Sachsen noch im Gang, aber auch in Alamannien war sie im 8.Jahrhundert nur oberflächlich.
Die Zerstörung eines Heiligtums wurde als Herausforderung der Götter empfunden, und als Beweis, der macht des christlichen Glaubens, dass Gott "stärker" ist. Die Zerstörung oder das Betreten durch nicht Eingeweihte war ein Vergehen, dass den gerechten Zorn des Verehrten herausfordern musste.

"Laurin" erscheint gleich, unmittelbar nach Witeges Frevel, mit magischen Kräften und Attributen ausgestattet, prächtig golden
wie ein König sein soll / "also iz eyn konig furen solde".

Wo kommt Laurin her? Sein Auftreten erinnert an das plötzliche Erscheinen von Göttern in der antiken Mythologie.

Er erscheint jedoch in Zwergengestalt, auf einem Reh (oder kleinem Hirsch), und erinnert damit an einen Elfen oder Kobold. Birkhan schreibt, dass die Dämonisierung früherer Bevölkerung (und ihres Glaubens?) auch an den Pikten beobachten lässt. "Nach ihrem Ausscheiden aus der Geschichte im 9.Jahhundert lebten sie bis heute in der Volkstradition als zwergenartige Wesen weiter, die in Erdhöhlen wohnen und ein magisches Bier (heather ale) aus Heidekraut brauen. Diese Tradition geht bis auf Adam von Bremen (11.Jahrhundert) und die Historia Norvegiae (um 1200) zurück. Noch heute werden im Schottisch-Englischen pecht, picht oder pict für einen kleinen Menschen gebraucht."Birkhan, Kelten, S.508

Kann Laurin auch deswegen nur ein Zwergenkönig sein, weil sich das Epos an ein christliches Publikum richtet, und daher nicht gottgleich auftreten kann? Ich bin auf eure Kritik gespannt.

* ich habe einen Hinweis in einem Text aus dem 19.Jahrhundert gelesen, dass auf heidnischen Begräbnisplätzen bewusst christliche Friedhöfe angelegt wurden, der Autor nannte diese tatsächlich Rosengärten. ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
 
* ich habe einen Hinweis in einem Text aus dem 19.Jahrhundert gelesen, dass auf heidnischen Begräbnisplätzen bewusst christliche Friedhöfe angelegt wurden, der Autor nannte diese tatsächlich Rosengärten. ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
wahrscheinlich ist davon nichts zu halten: gut 80% dessen, was bei Grimm und etwas später Dahn, Golther, Meyer als "germanische Religion", "germanisch" etc. aufgeführt wurde, erwies sich später als unhaltbar.
 
wahrscheinlich ist davon nichts zu halten: gut 80% dessen, was bei Grimm und etwas später Dahn, Golther, Meyer als "germanische Religion", "germanisch" etc. aufgeführt wurde, erwies sich später als unhaltbar.
Hier die Quelle von 1890: Der Indiculus superstitionum et paganiarum

Die beiläufige Bemerkung zum Rosengarten (ohne Quellenangabe) befindet sich auf Seite 5 im unteren Abschnitt . Der Autor Heinrich Albin Saupe benutzt den Begriff an dieser Stelle sehr selbstverständlich auch ohne Anführungszeichen, als wäre er selbsterklärend.

Tyrol und wildes Land: ich habe den Verdacht, aber heute keine Zeit dem nachzugehen, dass die Begriffe im Laurin nicht synonym verwendet werden, d.h. dass sich nur der Rosengarten zu Tyrol im Tann befindet, jedoch nicht das Zwergenkönigreich im wilden Land. Ich werde es noch überprüfen, wenn wäre es ein Argument, dass das wilde Land eine Anderswelt ist.
 
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Hier die Quelle von 1890
das ist im Stil und Duktus den Sachen von Golther et. al. sehr ähnlich; um 1890-1900 wurde zwar einiges der "Erkenntnisse" der älteren Germanistengeneration (um 1850) revidiert, aber wir sind da immer noch sehr weit von dem entfernt, was an Nüchternheit im Sonderband "germanische Religionsgeschichte" des RGA zu erfahren ist. Kurzum: ich würde diese Sekundär"quelle" - Albin Saupe in "Programm des städtischen Realgymnasiums zu Leipzig 1890/91" - da inhaltlich lieber nicht überfordern.
 
Zunächst wird ja der Rosengarten zerstört, dann kommt es zum Kampf der erst zwei, dann vier, dann fünf Menschen (Dietrich, Witege, Hildebrand, Wolfhardt, Dietleib von Steier) mit Laurin bzw. -einander, dann zur Versöhnung aller und Laurin führt sie in seinen Berg. Das aber ist, wenn ich den mhd-Text korrekt verstanden habe, eine Zweitagesreise. Bevor sie den Berg betreten, kommen sie an einen Ort (nicht ausdrücklich ein Tal, aber wohl zu verstehen) der ausdrücklich mit dem Paradies verglichen wird.
 
Der Rosengarten ist ein Tabu, er ist beeindruckend schön und zugleich geschützt, umhegt.

Die Helden wiederum handeln im Grenzbereich von ruhmsteigerndem Âventiure und Frevel.

Laurin ist rechtmäßiger Besitzer und Hüter der Ordnung, in dieser Rolle wird er auch durchaus positiv dargestellt.

Für den Frevel der Zerstörung des Rosengartens ist eine Strafe bekannt und ausdrücklich angedroht.

Es ist Witige, der auf der Suche nach dem Âventiure ausdrücklich die Grenzverletzung in Kauf nimmt, ja ausdrücklich beabsichtigt.

Dietrich ist nicht an der Freveltat beteiligt, er hat sich vorher schon räumlich von Witige und mit seinen Worten deutlich von der beabsichtigten Tat distanziert.

Sein Verhalten weist keinerlei Parallelen zu den historischen Figuren wie Meinhard II. auf.

Selbst mit den örtlichen Verhältnissen der Herren von Enn und Meinhards vertraute Zeitgenossen können keinen realen Bezug zur Dietrichsepik gesehen haben, da die Rolle und das Verhalten der Sagengestalten sich nicht in der historischen Wirklichkeit wiederfinden.

Interesant ist in der Dietrichsepik aber die Versöhnung zwischen den Beteiligten: Hier wäre ein thematischer Bezug denkbar, zur Feier einer realen Konfliktlösung oder eines vertraglichen Ausgleichs.
 
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Der Rosengarten ist ein Tabu, er ist beeindruckend schön und zugleich geschützt, umhegt.

Die Helden wiederum handeln im Grenzbereich von ruhmsteigerndem Âventiure und Frevel.

Laurin ist rechtmäßiger Besitzer und Hüter der Ordnung, in dieser Rolle wird er auch durchaus positiv dargestellt.

Für den Frevel der Zerstörung des Rosengartens ist eine Strafe bekannt und ausdrücklich angedroht.

Es ist Witige, der auf der Suche nach dem Âventiure ausdrücklich die Grenzverletzung in Kauf nimmt, ja ausdrücklich beabsichtigt.
Auf der anderen Seite hat Laurîn dank eines magischen Umhangs Künhild entführt und geriert sich auch verräterisch, indem er seine neu gewonnene Freunde gleich betrügt und ihnen einen Schlaftrunk unterjubelt und sie in einen karkær wirft.
 
Oh, in diesen karkær werde ich jetzt gesteckt, weil ich den Ermahnungen von @Sepiola und anderen nicht gefolgt bin, diesen und andere Texte gründlich zu lesen.

Die Entführung von Künhild hatte ich als landes- und zeittypische Sitte betrachtet.
 
Zunächst wird ja der Rosengarten zerstört, dann kommt es zum Kampf der erst zwei, dann vier, dann fünf Menschen (Dietrich, Witege, Hildebrand, Wolfhardt, Dietleib von Steier) mit Laurin bzw. -einander, dann zur Versöhnung aller und Laurin führt sie in seinen Berg. Das aber ist, wenn ich den mhd-Text korrekt verstanden habe, eine Zweitagesreise. Bevor sie den Berg betreten, kommen sie an einen Ort (nicht ausdrücklich ein Tal, aber wohl zu verstehen) der ausdrücklich mit dem Paradies verglichen wird.
Die Zweitagesreise findet sich nicht in allen Versionen. es gibt soweit ich mich erinnere in einer jüngeren Vulgatversion eine Übernachtung bei einem Vasallen Laurins. Auch interessant: Zutritt zum Hohlen Berg ist nur mit einem vereinbarten Signal (Glocke, Horn) möglich.
 
Ich habe den leisen Verdacht, dass deine Gleichsetzung von Jeraspunt und Jochgrimm auf dem Anlaut <J> basiert und der ungefähren gleichen Länge. Das wäre allerdings ein wenig dürftig.
Ne, ich gehe in erster Linie vom analogen Wegschema im Eckenlied und Virginal (und Laurin) aus.
Nee, da ist schon eindeutig die körperliche Größe des Zwergs gemeint. Sein Reichtum wird dagegen oft betont.
Nicht nur Laurin wird laufend als "klein" bezeichnet, sondern es heißt auch, sein Ross sei so groß wie ein Reh gewesen (V. 165 f.). (Unter einem normal großen, gerüsteten Mann würde das doch zusammenbrechen.) Also der Dichter dachte sich Laurin eindeutig als physisch klein.
In der nachfolgende Abbildung ist auch nicht die körperliche Größe des "Zwergs"/Rekruten gemeint und das noch im 16. Jh.! Hätte der Rekrut ein Pferd wäre auch das klein. Nur im Verhältnis zum Vorgesetzten wurde der Rekrut in einem sozial niederen Status gestellt und nicht im Sinne einer Märchenfigur etc. - Landsknecht mit noch unausgebildeten, verkleinerten Rekruten. Niklas Stoer, Nürnberg 1540:
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Sein Reichtum wird dagegen oft betont.
Das ist auch relativ: Eine kleine Grafschaft/Herrschaft wie jene von Enn ist zwar reich, im Verhältnis zu den Gegnern aber dennoch unzureichend Zwergen-reich. Dementsprechend geht die Geschichte aus.
Die Eingangsthese war ja, dass Laurîns Rosengarten eigentlich nur die historische Beschreibung von Dornenbefestigungen gewesen seien. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Der Rosengarten (sie vorherige Zitate) wird eben tatsächlich als Garten beschrieben, der unverteidigt ist, erst nach seiner Zerstörung kommt Laurîn aus seiner Burg, erst da kommt es zum Kampf.
Eine meiner Hypothesen ist, dass der Rosengarten eine besondere Rolle in diesem Lied spielt. ich hatte ja geschrieben, dass aus meiner Sicht das Zwergenreich ein Topos der Anderswelt ist.
Ähnlich wie beim Zwerge-Narrativ verhält es sich beim Rosengarten-Barriere-Narrativ, allerdings genau umgekehrt: Im Virginal wird er noch ähnlich wie bei Caesar realistisch beschrieben. Im Laurin wird die Rosenhag-Barriere hingegen künstlich zu einer komischen Rosengarten-Polemik aufgebauscht. Zwar bestand der Rosenhag inzwischen aus einer großen, wertlosen Stachelheckenwildnis, doch die Burg dahinter war für ihre Besitzer nach wie vor sehr wertvoll. Um dem sich anbahnenden Burgstreitfall eine komische Note zu verleihen, ließ der trickreiche Dichter die Burg verschwinden und verwandelte stattdessen die umliegende Wildnis in einen wertvollen "Rosengarten". Die Angreifer spielten das Spiel mit und taten so, als wäre es tatsächlich ein wertvoller "Rosengarten", wie "Laurin" ihn sah, verhielten sich aber so, als wäre es nur eine wertlose Stachelwildnis.

Fazit: Ihr unterschätzt einfach die Fähigkeit der damaligen Dichter und Leute phantasievoll Perspektivwechsel einzusetzen und diese als Projektionen auf reale Sachverhalte zu deuten. Die Träume machten es seit Jahrtausenden vor. Aber dieses Verständnis scheint inzwischen weitgehend verloren gegangen zu sein.
Das aber ist, wenn ich den mhd-Text korrekt verstanden habe, eine Zweitagesreise.
Soweit ich mich erinnere war es (meistens) eine Nachtreise. Am frühen Morgen kommen sie an.
Bevor sie den Berg betreten, kommen sie an einen Ort (nicht ausdrücklich ein Tal, aber wohl zu verstehen) der ausdrücklich mit dem Paradies verglichen wird.
Noch heute ist z.B. die Seiser Alm ein paradiesischer und touristischer Hot Spot, wovon es in den Hochgebirgen viele gibt. Also realistisch betrachtet wieder nichts Ungewöhnliches oder Märchenhaftes.
Es ist Witige, der auf der Suche nach dem Âventiure ausdrücklich die Grenzverletzung in Kauf nimmt, ja ausdrücklich beabsichtigt.

Dietrich ist nicht an der Freveltat beteiligt, er hat sich vorher schon räumlich von Witige und mit seinen Worten deutlich von der beabsichtigten Tat distanziert.
Der (vorsichtige) Dietrich und der (rowdy) Witege erhalten hier nur die ihnen zustehenden bekannten Rollen, die sie in fast der gesamten Dietrichepik einnehmen. Außerdem hat auch Meinhard die Drecksarbeiten anderen überlassen.
Selbst mit den örtlichen Verhältnissen der Herren von Enn und Meinhards vertraute Zeitgenossen können keinen realen Bezug zur Dietrichsepik gesehen haben, da die Rolle und das Verhalten der Sagengestalten sich nicht in der historischen Wirklichkeit wiederfinden.
Die Rollenzuteilungen und die Handlung geschehen schematisch. Außerdem sind die näheren Details der Konflikte und Verwicklungen nicht überliefert.
 
Das aber ist, wenn ich den mhd-Text korrekt verstanden habe, eine Zweitagesreise. Bevor sie den Berg betreten, kommen sie an einen Ort (nicht ausdrücklich ein Tal, aber wohl zu verstehen) der ausdrücklich mit dem Paradies verglichen wird.
In Laurin 3 (Ältere Vulgat) heißt es nur sehr kurz, dass sie dem Zwerg zum hohlen Berg folgen, und am nächsten Morgen ankommen:

Do volgeten sy dem getwerge keyn eyme holen berge.
Wetich waz dy reyse leyt, wen ez brachte sy alle in erbeyt.
Also sy den berg ane saen, sy wonten, her were nae.
An dem andern morgen vru quamen sye alrest dir zcu.
An dem selbin morgen quomen sy unvorborgen
vor eynem berg lobesam uf eynen wnneclichen plan
undir eyne linden grune.


In der jüngeren Vulgat wurde die Reise stark ausgebaut. Sie übernachten in einem Berg, der sich erst öffnete, nachdem Laurin eine goldene Schelle bedient hat. (JV, V 1360)
 
Bevor sie den Berg betreten, kommen sie an einen Ort (nicht ausdrücklich ein Tal, aber wohl zu verstehen) der ausdrücklich mit dem Paradies verglichen wird.
Dietrich spricht es im Laurin L3 sogar aus:
„Vergangen ist all unsere Schwere. Mich verließen all meine Sinne und mein Verstand: Wir sind im Paradiese.“ KI-Übersetzung von:
«Zcugangen ist alle unse swere.Mich trugen den alle myne sinne und myne wise,wir sint in dem paradyse.»

Wolfhardt sagt im nächsten Satz:
Do sprach Wolfhart zcu hant: «Uns hat got her gesant,
daz wir da heyme mugen ien, daz uns ebentur sy geschen.»


Der locus amoenus bedeutet die Abwesenheit von Mühsal, Sorgen, Trauer, Leiden, Krankheit und Tod. Dietrich sagt in einer der Jüngeren Vulgatversionen, Mein hercz, das ist freiden reich (JV, V 1498). In der L3 wird eine Aussage zum Rosengarten wiederholt, um die Ähnlichkeit zu betonen: "Der plan waz froude vol. Der in solde sehen an, der muste sin truren lan." / „Die Wiese war pure Freude. Wer sie ansehen durfte, der musste seine Trauer hinter sich lassen (vergessen).“

Es ist erstaunlich, dass dem Heidenreich von Laurin paradiesische Qualität zugerechnet wird, Schönheit, Wonne, Freude, die Attribute können
nicht stark genug sein, um das Wunderbare (wundersame) der Orte zu beschreiben, denen die Recken im wahrsten Sinne des Wortes begegnen.
 
Zuletzt bearbeitet:
In der nachfolgende Abbildung ist auch nicht die körperliche Größe des "Zwergs"/Rekruten gemeint und das noch im 16. Jh.! Hätte der Rekrut ein Pferd wäre auch das klein. Nur im Verhältnis zum Vorgesetzten wurde der Rekrut in einem sozial niederen Status gestellt und nicht im Sinne einer Märchenfigur etc. - Landsknecht mit noch unausgebildeten, verkleinerten Rekruten. Niklas Stoer, Nürnberg 1540:
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Nun handelt es sich aber beim Laurîn um jemanden, der a) als getwerc charakterisiert wird, und von dem b) gesagt wird, dass er ein Pferd von der Größe einer Geiß bzw. eines Rehs ritt und c) dass er nur drei Spannen groß sei. Das sind ca. 60 cm.

Das kannst du natürlich wegzuwischen versuchen, das sind aber nun mal explizite Angaben.


Ne, ich gehe in erster Linie vom analogen Wegschema im Eckenlied und Virginal (und Laurin) aus.
Dann zitiere doch die entsprechenden Stellen. Das kannst du nicht. Weil es Unsinn ist. Stattdessen die wissentliche Uminterpretation von getwergen als "Bürgern" und Ersetzung von Ortsnamen durch andere bzw. Interpretationen von punt ('Brücke') als "steiler Weg". Das ist bestenfalls kreativ zu nennen, aber sonst leider nix.


Ich weiß ja, dass wir in postfaktischen Zeiten leben, aber du treibst es mit der Postfaktizität doch allmählich ein bisschen weit,
 
Hier die Quelle von 1890: Der Indiculus superstitionum et paganiarum

Die beiläufige Bemerkung zum Rosengarten (ohne Quellenangabe) befindet sich auf Seite 5 im unteren Abschnitt . .

Da ist doch eine Quellenangabe:

Da ziemlich fest steht, dass an den altheidnischen Begräbnisstätten unserer Vorfahren auch Kultstätten sich befunden haben und die christlichen Kirchen und Friedhöfe vielfach an der Stelle der alten Begräbnisplätze (Rosengärten) angelegt wurden (Pfannenschmid, das Weihwasser p. 57 ff.), so liegt die Annahme nahe, dass von ihnen, auch nachdem sie das Christentum schon angenommen hatten, an den Gräbern Kulthandlungen in heidnischem Sinne werden verrichtet worden sein.

Online hier nachzulesen, meinem ersten Eindruck nach ein Spekulatiusauflauf:

 
Sein Reichtum wird dagegen oft betont.
Das ist auch relativ: Eine kleine Grafschaft/Herrschaft wie jene von Enn ist zwar reich, im Verhältnis zu den Gegnern aber dennoch unzureichend Zwergen-reich. Dementsprechend geht die Geschichte aus.
Auch darin bist du kontrafakisch unterwegs. Es fängt schon damit an, dass Witege und Dietrich versuchen, den angerichteten Schaden zu begleichen, anstatt als Pfand Hand und Fuß hinzugeben. Aber Laurîn gibt ihnen deutlich zu verstehen, dass er sehr viel reicher ist, als sie und das, was sie ihm anbieten, ihn nicht locken kann. Er, der über magische Gürtel (die ihm die Kraft von 12 Männern geben) magische Ringe (die die Kraft vier Männern geben), magische Umhänge (die unsichtbar und wohl auch unhörbar machen, letzteres nicht explizit aber logisch ableitbar), magische Kronen (auf denen sich geschmiedete Vögel bewegen und singen als seien sie echt) besitzt, hat auch allerlei anderes Zeug, das so viel oder gar mehr wert ist, als ein Königreich, wie nicht etwa Laurîn behauptet, sondern der Erzähler selbst oder den degen in den Mund legt.

Die Krone wird so hoch geschätzt, dass der Erzähler sagt:

darûf ein krône von golde,
sam sie got selbe vüeren solde
ûf der krônen obene
sungen wol die vogele
in allen den gebaeren
sam sie lebende waeren
mit listen war sie erdaht
mit Zauber dar brâht

Darauf eine Krone von Gold, als sollte GOTT SELBST sie tragen. Oben auf der Krone sangen die Vögel und gebärdeten sich, als ob sie lebendig wären. Mit Klugheit (List) und Zauber war sie hergestellt worden. Klar, nach den ganzen Superlativen der vorherigen Beschreibung seiner Kleidung, Rüstung und Waffen muss da der ultimative Superlativ herangezogen werden.

Als Laurîn dann seine Forderung (den rehten vuoz, die linken hant) gestellt hat, bekommt er Antwort:

Des antwurte ime her Dietrich [...]
"Neina, du vil kleiner man,
du solt dînen zorn lân:
man solt niht vüersten pfenden,
bî vüezen und bî henden,
die wol geben rîchen solt,
beidiu silber unde gold
[...]"
Daz getwerc was sprüche vrî:
ich hân mêr goldes dan iuwer dri

Da antwortete ihm Herr Deitrich [...]: "Nein, du sehr kleiner Mann, lass ab von deinem Zorn, man soll Fürsten nicht an Füßen und Händen pfänden, die geben reiche Kompensation, sowohl Silber als auch Gold. [...]" Der Zwerg ~antortete~: "Ich habe mehr Gold, als ihr drei."

Dass er her drei Personen anspricht, ist etwas seltsam, da zu dem Zeitpunkt nur Witege und Dietrich anwesend sind, Hildebrand und Wolfhard sowie später Dietleib von Steier sind ja noch gar nicht anwesend.

Später gegenüber Dietleib, der sich nach seiner Schwester Künhild erkundigt, sagt Laurîn:

vürwâar ich daz sprechen wil:
ich hân guotes alsô vil,
mêr dan alle künege hân;
daz ist ir allez undertân


Fürwahr, so will ich dir sagen, dass ich so viele Besitztümer habe, mehr als alle Könige (zusammen) besitzen, das alles ist ihr (Künhild) untertan.
Klar, da kann man natürrlich sagen: "Das ist Laurîn, der da spricht, der auf den Putz haut°, also lassen wir den Erzähler dran:

allez das diu werlt sol haben,
des was der berc vol geladen. [...]
daz wizzet sicherlîche:
kein künec wart nie sô rîche

Alles, was es an Reichtümern auf der Welt gibt, davon war der Berg vollgestopft, das wisst ihr sicherlich, dass kein König je so reich war.
Zum Festmahl treten zwei Geiegnspieler auf:

Dô sach man vür die vürsten gân
zwei getwerge lobesam,
zwêne kurze videlaere
ir gwant was rîch und swaere.
die truogen zwô videln in der hant,
die wâren bezzer dan ein lant.

Da traten vor die Fürsten zwei löbliche Zwerge, zwei kurze Geiger, deren Gewänder reich und schwer waren, die hatten zwei Geigen in den Händen, die besser als ein Land waren. (Die Geigen werden im Anschluss als aus Gold mit Edelsteinen besetzt beschrieben.)
Dieses Motiv, dass Einzelgegenstände besser oder mehr wert als ein Land oder ein Königreich seien, taucht hier unterm Berg noch mehrfach auf.

Bist du sicher, dass du den Laurîn jemals gelesen hast?
 
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Vergleich Raub der Prosperina und Raub der Künhilt
Die Entführung von Künhilt ist im Laurin der älteren Vulgatversion nur ein Nebenthema. Die Helden erfahren erst von Laurin am Rosengarten, nach dessen Niederlage gegen Dietrich, dass er der Schwager Dietleibs ist, und Künhilt entführt hat. Die Befreiung von Künhilt ist anfangs kein Motiv für die Aventiure, die Herausforderung Laurins alleine sollte den Heldenstatus Dietrichs noch vergrößern.

Bei Homer, Ovid, Claudian und auch im Lauirn beschreiben die Autoren eine Idylle in der Natur, in der sich die Frau, die entführt wird, mit Begleiterinnen befindet.

"Fern von Demeter, der Herrin der Ernte, die mit goldener Sichel schneidet, spielte sie und pflückte Blumen mit den Töchtern des Okeanos, Rosen, Krokus und schöne Veilchen, Iris, Hyazinthen und Narzissen. Die Erde brachte die Narzisse hervor als wundervolle Falle für das schöne Mädchen nach Zeus' Plan, um Hades, der alle empfängt, zu gefallen. Sie war für alle, unsterbliche Götter und sterbliche Menschen, ein wundervoller Anblick, aus ihren Wurzeln wuchsen einhundert Köpfchen, die einen so süßen Duft verströmten, dass der ganze weite Himmel droben und die ganze Erde lachten und die salzige Flut des Meeres. Das Mädchen war bezaubert und streckte beide Hände aus, die Pracht zu greifen. Doch als sie es tat, öffnete sich die Erde und der Herrscher Hades, dem wir alle begegnen werden, brach hervor mit seinen unsterblichen Pferden auf der Ebene von Nysa. Der Herr Hades, Sohn des Kronos, der mit vielen Namen genannte. Um Erbarmen flehend, wurde sie in den goldenen Wagen gezerrt."Homerische Hymnen 2 Für Demeter 4ff.

"Wy sy mir wart, daz sage ich dir,dez saltu gloubin mir. Steyrin eyn burg ist genant, do ich dy reynen kuschen vant (daz wizze, degen kune)
undir eyner linden grune mit mancher schonen juncfrouwen, dy man wol mochte schouwen. Dan noch hutten ir zcwene man.
Mit listen ich sy in ane gewan. Do quam ich hine zcu geriten gar mit ritterlichen syten. Nymant da zcu mir sprach, do mich nymant ensach. Undir dy linden ich da reit, do vant ich dy schonen gemeit. Do luchte sy uz den andern schone also der mane uz dem throne.
Vor Kunhilt ist sy genant. Ich ving sy by der wizzen hant, uf saczte ich ir eyn helkeppelin, vor mich swang ich daz megetin.
Ich furte sy mit gewalt von dan. Uns sach vrouwe noch man."


Künhilt befindet sich unter einer grünen Linde, der Baum, der den schönen Ort fast immer kenzeichnet, mit schönen Jungfrauen, und zwei Wächtern. Laurin raubt sie hier mithilfe eines Tarnumhangs oder einer Tarnkappe, und schwingt Künhilt vor sich auf das Pferd.

Bei Claudian wird Proserpina von Diana und Minerva bewacht. Auch hier die Naturidylle, die von der Entführung unterbrochen wird. Die Göttinnen pflücken Blumen, an den Hängen des Ätna.

" Venus befiehlt ihnen, Blumen zu sammeln. „Kommt, Schwestern, solange die Morgensonne noch durch die feuchte Luft scheint und solange Lucifer, mein Vorbote der Dämmerung, noch seine taufrischen Rosse lenkt und die glänzenden Felder tränkt.“ So sprach sie und pflückte jene Blume, die von ihrem eigenen Weh zeugte. Ihre Gefährtinnen durchstreiften die verschiedenen Täler. Man hätte glauben können, ein Bienenschwarm sei im Flug, begierig darauf, seine Süße aus dem Thymian von Hybla zu sammeln, wo die Königsknappen ihre in Wachs behausten Heere anführen und das honigtragende Volk, das aus dem hohlen Stamm der Buche strömt, summsend um seine Lieblingsblumen schwärmt. Die Wiesen werden ihrer Pracht beraubt; diese Göttin flicht Lilien mit dunklen Veilchen, jene schmückt sich mit biegsamem Majoran, eine dritte tritt rosenbekränzt hervor, eine andere mit weißem Liguster umwunden. Auch dich, Hyacinthus, pflücken sie, deine von Weh gezeichnete Blume, und ebenso Narcissus – einst liebliche Knaben, nun der Stolz des blühenden Frühlings. Claudian, Der Raub der Proserpina, 2.Kapitel.

Pluto und Laurin behandeln die Entführten nach dem Raub vorbildlich und ritterlich, trösten, und freien um ihre Gunst, präsentieren sich als würdige Gatten und heiraten die Umworbenen und machen sie zu Königinnen ihrer Unterweltreiche. Bei Pluto/Hades ist es die Unterwelt, bei Laurin ein unterirdisches Zwergenreich. Die Fackeln der Furien erstrahlen bei Pluto, bei Laurin ist es ein Karfunkel, der den Palast in einem besonderen Licht erleuchtet. Pluto überrumpelt die blumenpflückenden Göttinnen durch sein plötzliches Erscheinen, Laurin durch die magische Kraft der Tarnkappe. Laurin beschreibt die Schönheit Künhilts mit "Da leuchtete sie aus den anderen schön, wie der Mond aus dem Thron [des Himmels / den Sternen]", vergleicht sie mit dem Mond, der die Sterne übertrifft. Pluto sagt bei seiner Umwerbung, dass Proserpinas Herrschaft alle Lebewesen unterworfen sind, die der Sphäre des Mondes (der Nacht) zugerechnet werden. Auch Laurin zählt gegenüber Künhilt auf, wer ihr untertan ist: " Fürwahr, ich will das sagen: Ich habe so viel Gut (Besitz/Reichtum), mehr als alle Könige haben; das ist ihr alles untertan.“

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen dem antiken Mythos und Laurin: es gibt im Laurin keine Mutter (Demeter/Ceres), der die Tochter entrissen wurde, keinen Zeus oder Jupiter, der seine Zustimmung zur Entführung gibt, um das Gleichgewicht zwischen Unter - und Oberwelt zu halten und seinen Bruder zu besänftigen, und der letztlich Mutter und Gatten einen schmerzlichen Kompromiss aufzwingt. Künhilt verlässt Laurin, und kehrt in die christliche Oberwelt zurück (die in keinem Gleichgewicht zur Unterwelt steht). Trotz der Unterschiede fand ich die Ähnlichkeiten so groß, dass ich sie zur Diskussion stellen möchte.

Antike Motive in mittelalerlichen Epen sind bekannt, z.B. von Tristan und Isolde, in dem das falsche Zeichen (schwarzes statt weißes Segel) den Tod des Geliebten auslöst. Das erinnert sogar an das Ende von Shakespeares unglücklich Liebenden, Romeo und Julia. Das Segelmotiv ist dem antiken Mythos der Rückkehr Theseus von Kreta entlehnt: da er vergisst das weiße Segel zu hissen, um seinen Vater Aigeus zu signalisieren, dass er den Minotaurus besiegt hat, stürzt sich dieser beim Anblick des schwarzen Segels in den Tod. Als das Schiff mit Isolde an Bord und dem weißen Segel eintrifft, lügt Tristans Ehefrau Isolde Weißhand aus Eifersucht und behauptet, das Segel sei schwarz. Tristan glaubt, seine Geliebte komme nicht, verliert den Lebenswillen und stirbt kurz vor ihrer Ankunft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Entführung von Künhilt ist im Laurin der älteren Vulgatversion nur ein Nebenthema. Die Helden erfahren erst von Laurin am Rosengarten, nach dessen Niederlage gegen Dietrich, dass er der Schwager Dietleibs ist, und Künhilt entführt hat. Die Befreiung von Künhilt ist anfangs kein Motiv für die Aventiure, die Herausforderung Laurins alleine sollte den Heldenstatus Dietrichs noch vergrößern.
Wobei der Text da auch den einen oder anderen logischen Bruch hat. Dietleib kommt auf der Suche nach seiner Schwester hinzu (da niemand weiß, wohin Laurîn mit Künhild geritten ist, da sie ja unsichtbar und offensichtlich auch unhörbar waren, ist allein das schon ein großer Zufall), schlägt sich aber auf die Seite Laurîns, als er erfährt, dass dieser der Entführer seiner Schwester ist, bezeichnet ihn sogleich als seinen Schager und ist bereit mit Dietrich zu kämpfen, um das Leben des Entführers seiner Schwester zu schützen.
Später dann, im Zwergenpalast, unterhält er sich mit seiner Schwester und fragt sie, die bereits als Königin der Zwerge bezeichnet wird, ob sie dort bleiben möchte, er fände wohl einen angemessenen Mann für sie. Und sie antwortet ihn, dass es ihr gut ginge (ich hân keines gebrestes niht) all die Reichtümer zwar schön anzusehen seien, aber ihr nichts wert sind, da die Zwerge nicht an Gott glauben und sie lieber unter Christen sei:

vil libiu swester mîn
wilt du niht langer hinne sîn
in disem holn Berge
bî dem kleinen getwerge,
oder wilt du dich von im scheiden lân?
dir wirt noch wol ein ander man.
Sie sprach: vil lieber bruoder mîn,
swaz du wilt, daz sol sîn.
ich hân keines gebrestes niht,
alsô dîn ouge selbe wol siht:
swes mîn herze eines gert,
der bin viere gewert.
mîn herze ist aller vröuden vol,
swenn ich den berc an sehen sol
und alle die mîne meide sint.
dannoch ist mîn herze blint:
diz leben wart mir nie liep,
wan ez ist ein undiet:
iriu werke sint mir ein wiht,
wan sie gloubent an got nicht,
alsô sprach diu schoene meit,
ich waer gern bî der kristenheit.
 
Wobei der Text da auch den einen oder anderen logischen Bruch hat. Dietleib kommt auf der Suche nach seiner Schwester hinzu (da niemand weiß, wohin Laurîn mit Künhild geritten ist, da sie ja unsichtbar und offensichtlich auch unhörbar waren, ist allein das schon ein großer Zufall), schlägt sich aber auf die Seite Laurîns, als er erfährt, dass dieser der Entführer seiner Schwester ist, bezeichnet ihn sogleich als seinen Schager und ist bereit mit Dietrich zu kämpfen, um das Leben des Entführers seiner Schwester zu schützen.
Später dann, im Zwergenpalast, unterhält er sich mit seiner Schwester und fragt sie, die bereits als Königin der Zwerge bezeichnet wird, ob sie dort bleiben möchte, er fände wohl einen angemessenen Mann für sie. Und sie antwortet ihn, dass es ihr gut ginge (ich hân keines gebrestes niht) all die Reichtümer zwar schön anzusehen seien, aber ihr nichts wert sind, da die Zwerge nicht an Gott glauben und sie lieber unter Christen sei:
@El Quijote : Guten Morgen, welche Fassung zitierst du? Ich verwende aktuell die Fassung des älteren Vulgat L3, die am vollständigsten ist.

Die beiden Unterweltreiche lassen sich nur bedingt vergleichen, Hades/Pluto versus Laurin. Die Anderswelt hat einen Zugang für Sterbliche zum Beispiel in den Artus-Sagen, die Unterwelt der griechisch-römsichen Antike ist selbst für Demeter und Ceres unerreichbar, daher müssen sie ihre Klage vor Zeus/Jupiter bringen. Dietleib, der seine Schwester sucht, konnte dank des vermittelten Friedens und der geschworenen Genossenschaft mit Laurin seine Schwester besuchen und befragen. Während sich Persephone/Proserpina ihrem Schicksal mehr oder weniger fügen müssen, das Urteil des Himmelsgotts teilt ihr Jahr in zwei Hälften (Winter Unterwelt/Frühjar-Sommer-Herbst Oberwelt), ist Künhilt eine aktiv handelnde und selbstbewusst agierende Frau, ohne die die Recken im Zwergenreich verloren gewesen wären, und trägt maßgeblich zu ihrer Befreiung bei.

Ich hatte weiter oben eine Bemerkung von Ulrike Kindl zitiert, die den Bruch mit dem großen Thema der Kreuzzugszeit erklärte, der Auseinandersetzung Christentum und Islam:
"Hier werden die großen Themen der damaligen Zeit im Hintergrund sichtbar, wenn die Laurin-Dichtung auch nur der niederen Epik zuzurechnen ist. Es ist die Zeit der Kreuzzüge, und der Gegensatz zwischen “Heide” und “Christ” ist das allbeherrschende Problem. Der “heidnische” Gegner wird zwar als ebenbürtiger und ritterlicher Kämpfer von edler Gesinnung anerkannt, aber ein Verwandtschaftsverhältnis zwischen Heide und Christ wird bei aller Toleranz als unlösbare Tragik erlebt, wie etwa im Fragment gebliebenen Versepos Willehalm des Wolfram von Eschenbach (um 1160–1220), einem der Meisterwerke der mittelhochdeutschen Literatur. Gelöst kann das Problem nur werden, wenn der heidnische Partner sich taufen lässt." Cf. Bertau 1983; Greenfield/Miklautsch 1998." U.Kindl, Ladinia XXXIX (2015)

Das Ende ist tatsächlich von dieser Auseinandersetzung Christen - und Heidentum geprägt, in der Walberan-Version lässt sich Laurin tatsächlich taufen (die Version wurde mutmaßlich in Venedig angefertigt), und wird ein Freund Dietrichs und lebt an seinem christlichen Hof in Bern/Verona.
 
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