Britisches Imperium

Im zusammenhang mit der Auswanderung aus religiösen Gründen habe ich in einer Vorlesung zur Geschichte Englands unter den Stuarts etwas interessantes gehört. Für die religösen Auswanderer war es notwendig, ihrer Tätigkeit in der neuen Welt ein religiöse Legitimation zu geben. Für die Siedler in der Karibik war dies recht einfach: Sie kämpften ständig gegen die papistischen Spanier. Die Siedler in Virginia legitimierten sich jedoch darin, dass sie ständig von den heidnischen Indianern bedroht wären.
Das aber nur am Rande.
 
Eben! Bei diesen Auswanderern handelte es sich um die berühmten Puritaner, die 1620 vor religiöser Unterdrückung aus England flohen.
Ihre berühmteste Siedlung Plymouth in Massachusetts, die heute Teil des US-Amerikanischen Gründungsmythos ist.
Aber auch in der Karibik (Providencia und San Andres) siedelten Puritaner, denen jedoch keine so erfolgreiche Koloniegründung wie in Neu-England gelang. Die Kolonisten von Providencia betrieben Plantagenwirtschaft auf Sklavenbasis und Freibeuterei gegen die Spanier. 1641 vertrieben die Spanier die Engländer von der Insel.
 
Ein wichtiges Datum zur Besiedlung Amerikas ist auch 1845, das Jahr der Kartoffelfäule in Irland. Diese löste eine riesige Emigrationswelle von Iren nach Amerika aus. Interessant, dass gerade zu diesem Zeitpunkt in Kalifornien Gold gefunden wurde.
 
Die "Potato Famine" war kein Ruhmesblatt für Großbritannien... Irland zeigte seit 1800 alle Symptome eines brutal ausgebeuteten Entwicklungslands (immenses Bevölkerungswachstum, Monokultur, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten, kaum Investition in Infrastruktur, Willkür der Administration,..). Während der (aus Amerika(!) eingeschleppten) Seuche starben 1 Mio Iren oder mehr (vor allem Kinder); mehrere Milllionen wanderten in der Folge aus. Es dauerte fast 100 Jahre, bis sich die Bevölkerungsstruktur in Irland wieder normalisierte...

Den Auswanderern ging es allerdings wenig besser (Wikipedia):
An Bord der schlecht ausgestatteten Emigrationsschiffe waren Krankheiten und Seuchen verbreitet, was ihnen den Namen coffin ships („Sargschiffe“) einbrachte. Weil man fürchtete, dass sie Seuchen einschleppten, wurden die irischen Einwanderer zumeist nicht sehr erfreut empfangen.

Diejenigen, die die Überfahrt überlebten, gehörten in ihrer neuen Heimat jeweils zu der untersten Gesellschaftsschicht. Aufgrund ihrer katholischen Konfession und ihrer Herkunft waren sie mit Vorurteilen konfrontiert. Um überleben zu können, übernahmen sie schwerste und schmutzige Arbeit zu sehr niedrigen Löhnen, was ihnen den Hass der angestammten Arbeiterschicht eintrug, der die Iren zur Konkurrenz wurden. Die irischen Frauen arbeiteten als Dienstbotinnen und in Textilfabriken, die Männer beim Bau von Eisenbahnlinien und Kanälen oder im Bergbau. Viele Männer kamen bei diesen gefährlichen Tätigkeiten ums Leben. Nach einer Redensart war „unter jeder Eisenbahnschwelle ein Ire begraben“. Obwohl, oder gerade weil sie zur untersten Schicht der Bevölkerung gehörten, war der Zusammenhalt unter den irischen Emigranten sehr groß. Man besann sich auf die alten Traditionen und unterstützte die in Irland gebliebenen Verwandten. Viele Irisch-Amerikaner nahmen auf der Seite der Union am amerikanischen Bürgerkrieg 1861–65 teil. Sie sahen darin eine Vorbereitung auf den Kampf gegen England.
Die Goldfunde in Kalifornien waren von hohem Propagandawert... Aber man kam nicht so leicht nach Kalifornien... Jetzt mussten sich allerdings die Vereinigten Staaten zum ersten Mal ernsthaft überlegen, wie sie eigentlich die Westküste zu regieren gedachten...
Aber nicht so sehr ein Problem des Britischen Empire...

Die Einwanderungsstatistik in die USA ist recht spannend, jeder einzelne Zacken ist ein ganzes Buch wert.....
 

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Ich freue mich immer über neue Member mit Detailwissen!

Danke.

Die Bevölkerung des United Kingdom (ohne Irland) wird beim Census 1801 offiziell mit 10,5 Mio angegeben. Schätzungen für 1700liegen bei 6,7 Mio.
Da das Bevölkerungswachstum kaum vor 1770 greift, würde ich für 1774 höchstens 8,5 Mio schätzen. Die Angabe 10,5 Mio für 1750 umfasst wahrscheinlich Irland.

In Ordnung.

Inwieweit zuerst Deutschland oder die USA dem Vereinigten Königreich in Europa und international wirtschaftliche Konkurrenz machten, ist eine Frage der gewählten Referenzen. Für die USA galt seit 1823 die Monroe Doktrin...

Richtig, so war das Deutsche Reich den Briten im Bereich der Auslandsinvestitionen wohl ein größerer Konkurrent als die Amis.
Bei vielen anderen wirtschaftlichen Kriterien (Industrie, BSP, Infrastruktur etc.) war aber die VSA Briten und Reichsdeutschen seit dem späten 19. Jahrhundert mehr oder weniger weit voraus.

2. In einem Buch bin ich über folgenden Satz gestolpert: In the early phases of colonialism there was, with the exception of North America, no massive emigration of English colonists. Britaiin dominated the sea and established her trading posts along the coast, e.g. India, without controlling the interior of the country. Emigration to North America followed alomg different lines. Religious struggles in Britain, the institution of the Anglican Curch as the Established Curch of England in the first half of the 17th century led religious dissenters to emigrate from Britain.
Wieso gerade nur Nord America? Und Wieso überhaupt?

In Nordamerika war es leer, in Indien voll; Nordamerika war VIEL NÄHER dran. Kimatisch war Nordamerika England recht ähnlich. Die o.g. "Companies" boten günstige Schleppertarife an.....

Auwanderung aus religiösen Gründen ist eine recht häufige Sache - die Verfolgung Andersgläubiger war in England teilweise sehr strikt! Elisabeth ließ alle katholischen Geistlichen hängen! Der religiöse Wahnsinn des 30-jährigen Krieges spiegelte sich auch in England wider - wenn auch auf andere Weise.

Ich füge dem zwei weitere wichtige Gründe hinzu:

Nordamerika wurde auch deshalb das primäre Ziel der britischen Siedlungskolonisation, weil...

erstens andere für die europäische Siedlungskolonisation geeignete Gebiete (Australien, Neuseeland, die Hochländer von Kenia und Neuguinea) erst (viel) später erschlossen wurden

und zweitens andere für die europäische Siedlungskolonisation geeignete bekannte Gebiete (Südafrika, die Rio-de-Plata-Region) bereits von anderen Mächten kontrolliert wurden.

3. Wieso wurden im ersten Empire die Kolonien Kanada und Indien über Kämpfe mit Frankreich, und die Kolonien WestIndien und Gibraltar über Kämpfe mit Spanien erobert?

Weil diese Kolonien als profitabel angesehen wurden und es auch waren.

Also ich meine, was hatte z.B. Spanien mit WestIndien zu tun, dass sie es Englang "überlassen" konnten?

Die Karibik war für Spanien von erheblich geringerer Bedeutung als das amerikanische Festland, was dazu führte, das mehrere europäische Staaten sich fest in der Karibik etablieren konnten, während mehrere (englische) Großangriffe auf das spranisch kontrollierte Festland scheiterten.

Aber die Stuarts WAREN doch Papisten :confused:

Die vor-revolutionären Stuarts waren Anglikaner.
Die religiös Verfolgten in England waren Katholiken und protestantische Sekten, von denen die Puritaner ein Gruppe waren.
 
- Mary, Queen of Scots heiratete ziemlich häufig ... mal einen Protestanten, mal einen Katholiken, und mal irgendwen...

- Jakob I. "... sich mit Katholiken und Spaniern umgab, machte ihn noch unpopulärer. .. trat aber erfolgreich Forderungen nach einer erneuten Katholikenverfolgung nach dem Gunpowder Plot von 1605 entgegen."

- Karl I. "... schloss Karl schnell Frieden mit Frankreich und Spanien... Darüber hinaus entstand auf Grund des Ehevertrags mit Henrietta Maria erneut eine starke katholische Partei am Hof."

- Karl II. "..nach einer engen außenpolitischen Bindung an Frankreich die Haltung gegenüber den englischen Katholiken lockerte ..... Im Rahmen einer allgemeinen Katholikenfurcht erließ das Parlament mehrere Gesetze gegen diese Glaubensgruppe, worauf Karl II. 1678 das Parlament auflöste. Auf dem Sterbebett war er gemäß einem Geheimvertrag mit Ludwig XIV. zum Katholizismus übergetreten"

- Jakob II. "..geriet aber mit (dem Parlament) und der Anglikanischen Kirche bald in scharfen Konflikt, weil er seine katholischen Glaubensbrüder in staatlichen und kirchlichen Ämtern förderte. ... folgte eine Säuberungswelle, die zahlreiche Katholiken und Dissenters in öffentliche Ämter brachte."
 
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- Mary, Queen of Scots hieß nicht von ungefähr "die Katholische"

Die wohl auch deshalb nicht Königin von England wurde.

- - Jakob I. "... sich mit Katholiken und Spaniern umgab, machte ihn noch unpopulärer. .. trat aber erfolgreich Forderungen nach einer erneuten Katholikenverfolgung nach dem Gunpowder Plot von 1605 entgegen."
- Karl I. "... schloss Karl schnell Frieden mit Frankreich und Spanien... Darüber hinaus entstand auf Grund des Ehevertrags mit Henrietta Maria erneut eine starke katholische Partei am Hof."

Eine eher pro-katholische Haltung dieser Anglikaner, die ja praktisch Anhänger einer englischen Version der katholischen Kirche waren, sollte nicht überbewertet werden.
Weder ihre Innenpolitik noch ihre Außenpolitik war katholisch.

Zu den Auswirkungen des "Gunpowder-Plot" auf die Katholiken Englands:

The Gunpowder Plot reinforced James's oppression of non-conforming English Catholics; and he sanctioned harsh measures for controlling them. In May 1606, Parliament passed an act which would require every citizen to take an Oath of Allegiance, incorporating a denial of the Pope's authority over the king.[85] James was conciliatory towards Catholics who took the Oath of Allegiance,[86] and he tolerated crypto-Catholicism even at court.[87] However, in practice he enacted even harsher measures against Catholics than were laid upon them by Elizabeth.

James I of England - Wikipedia, the free encyclopedia

- Karl II. "..nach einer engen außenpolitischen Bindung an Frankreich die Haltung gegenüber den englischen Katholiken lockerte ..... Im Rahmen einer allgemeinen Katholikenfurcht erließ das Parlament mehrere Gesetze gegen diese Glaubensgruppe, worauf Karl II. 1678 das Parlament auflöste. Auf dem Sterbebett war er gemäß einem Geheimvertrag mit Ludwig XIV. zum Katholizismus übergetreten"

Jakob II. "..geriet aber mit (dem Parlament) und der Anglikanischen Kirche bald in scharfen Konflikt, weil er seine katholischen Glaubensbrüder in staatlichen und kirchlichen Ämtern förderte. ... folgte eine Säuberungswelle, die zahlreiche Katholiken und Dissenters in öffentliche Ämter brachte."

Der Katholizismus der nach-revolutionären Stuarts, die ja auch der katholischen Kirche angehört haben, ist unbestritten.
 
Wir wollen aber auch nicht vergessen, warum ich meine fragende Bemerkung eingeworfen (und belegt) habe, übrigens über die STUARTS als solche..


Im Zusammenhang mit der Auswanderung aus religiösen Gründen habe ich in einer Vorlesung zur Geschichte Englands unter den Stuarts etwas interessantes gehört. Für die religösen Auswanderer war es notwendig, ihrer Tätigkeit in der neuen Welt ein religiöse Legitimation zu geben. Für die Siedler in der Karibik war dies recht einfach: Sie kämpften ständig gegen die papistischen Spanier.
Das aber nur am Rande.

Diese Darstellung über Jakob I. war mir aber neu:
"However, in practice he enacted even harsher measures against Catholics than were laid upon them by Elizabeth."
 
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Für die religösen Auswanderer war es notwendig, ihrer Tätigkeit in der neuen Welt ein religiöse Legitimation zu geben.

Das haben Spanier und andere europäische Siedler in der neuen Welt auch getan.
Insofern war das nicht ungewöhnlich.

Für die Siedler in der Karibik war dies recht einfach: Sie kämpften ständig gegen die papistischen Spanier.

Nun, viele der englischen Siedler in Nordamerika waren "Papisten".
Eine ganze Kolonie, Maryland, wurde sogar von "Papisten" dominiert.
 
Ganz OT und sehr peinlich... Beim Editieren meines Artikels weiter oben griff Pavel schon den Text ab... Deshalb nur der Ordnung wegen:

Mary, Queen of Scots kennen wir ja von Schiller und Stefan Zweig her - eine bunte Biografie!

Maria, die Katholische (oder auch "Bloody Mary") war natürlich eine TUDOR, die Tochter Heinrich VIII. Sie hatte daher nichts in der Liste der Stuarts zu suchen. Allerdings war sie wirklich eine Erz-Katholikin, mit einer ziemlich schwarzen Biografie...
 
nochmal zurück zum britischen Imperium mal eine ganz banale Frage, wieso schaffte es gerade GB sich ein Imperium zu dieser Zeit aufzubauen. Vor allem frage ich mich, wie genau ich mir das vorstellen muss. Eroberten sie nur durch Kriege oder gab es auch friedlichere Verfahren? Und was war ihnen gegeben, dass sie sich ein Imperium aufbauen konnten, was anderen nicht gegeben war.
Ihr Ziel ist mir im Klaren denke ich. Eben Macht über der ganzen Welt verteilt und um an Güter zu kommen, die sie in ihrem eigenen Land nicht vorfanden. Aber was gaben sie bspw. Kanada, dafür, dass sie dort Rohstoffe abbauten? Oder stelle ich mir das grad absolut falsch vor...?
 
Aber was gaben sie bspw. Kanada, dafür, dass sie dort Rohstoffe abbauten? Oder stelle ich mir das grad absolut falsch vor...?

Etwas vielleicht. Ein "Kanada" gab es damals noch nicht. Indigene (=eingeborene) wurden schlicht unterworfen, wenn es zu Anfang auch oft Verträge gab. (Kurzfassung)

Schau dir mal verschiedene Kriege an bzw. die entsprechenden Friedensschlüsse. GB verstand es stehts, (koloniale) Vorteile herauszuziehen. Ach ja, dann fällt mir auch noch spontan "Freibeuterei" ein. (Austellung von Kaperbriefen.)
 
nochmal zurück zum britischen Imperium mal eine ganz banale Frage, wieso schaffte es gerade GB sich ein Imperium zu dieser Zeit aufzubauen. Vor allem frage ich mich, wie genau ich mir das vorstellen muss. Eroberten sie nur durch Kriege oder gab es auch friedlichere Verfahren? Und was war ihnen gegeben, dass sie sich ein Imperium aufbauen konnten, was anderen nicht gegeben war.
Ihr Ziel ist mir im Klaren denke ich. Eben Macht über der ganzen Welt verteilt und um an Güter zu kommen, die sie in ihrem eigenen Land nicht vorfanden. Aber was gaben sie bspw. Kanada, dafür, dass sie dort Rohstoffe abbauten? Oder stelle ich mir das grad absolut falsch vor...?

Da stellen wir uns doch mal janz dumm (Feuerzangenbowle) und denken uns in diese Zeit hinein.
Wie dachten denn Leute in einem Land, die meinten, von Gott überaus bevorteilt zu sein?
Sie dachten, da muss ich reisen und den anderen von meinem Wohlstand berichten und ihnen beibringen, wie sie auch so cool sein können.
Natürlich gibt es nichts umsonst. Wenn ich da schon meinen Gott hinbringe, haben die sich auch in Form von Naturalien zu bedanken. Oder so ähnlich.
 
... wieso schaffte es gerade GB sich ein Imperium zu dieser Zeit aufzubauen. Vor allem frage ich mich, wie genau ich mir das vorstellen muss.

Nehmen wir erst mal den europäischen Standpunkt ein:
Die Welt war um 1550 zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Das ist ganz wörtlich zu nehmen: Die eine Hälfte (Amerika bis auf Brasilien, der Pazifik bis zu den Philipinen) "gehörte" Spanien, die andere Hälfte (Brasilien, Afrika, Indien) Portugal. Gegen Ende des 16. Jh. entstanden andere europäische Mächte: Frankreich, England und die Niederlande. Das deutsche Reich einschließlich Italien zeigte aber nur wenig Interesse an einem Wettstreit.

England, Frankreich und die Niederlande begannen nun, ebenfalls Handel mit den "Kolonien" zu betreiben. Dies führte natürlich zu ständigen Reibereien mit Spanien und Portugal, die sich nicht immer in Kriegen, sondern auch "Freibeuterei" äußerten. Bekannt sind die Überfälle der englischen Kaperer auf die Spanische "Silberflotte". England setzte Spanien in der Karibik zu ("Westindien"), Frankreich Portugal in Vorderindien, und die Niederlande Portugal in der Hinterindischen Inselwelt.

Voraussetzung für diese Aktionen waren schnelle Schiffe, Kanonen, navigationskundige Kapitäne, gute Seekarten.

Die Abwehr der Spanischen Armada 1588 stärke Ruhm und Selbstbewusstsein der Britischen Navy. Aber im 17. Jh. waren die Einflussgebiete Frankreichs, Englands, auch Hollands noch recht ausgeglichen. Spanien besaß formal einen großen Teil Amerikas, aber diese Auswandererkolonien besaßen faktisch eine große Eigenständigkeit. Ähnlich verhoelt es sich mit dem Osten Nordamerikas, einer klimatisch nicht so begünstigten Regien, die langsam aber stetig vor allem durch Englische Kolonisten besiedet wurde,

Erst mit dem Ausgang des 7-jährigen Krieges, der sinnvoller eigentlich "Britisch-Französischer Kolonialkrieg" genannt wird (und von manchen Historikern sogar "Erster Weltkrieg") gewann England die Oberhand. Durch viel Glück wurden die Franzosen in Nordamerika "neutralisiert", durch einen Handstreich des berühmten Robert Clive die anderen Nationen in Vorderindien.

Trotz bedeutend kleinerer Bevölkerung behaupteten die Holländer jedoch die Indonesische Inselwelt ("Batavia") und die Portugiesen Brasilien; Zwischen England und Portugal bzw den Niederlanden herrschte die meiste Zeit ein sehr freundliches politisches Verhältnis (ganz anders als zu Spanien und zu Frankreich)

Weiterhin setzte England auf seine Flotte.

Ein weitere Glücksfall, nämlich die um 1770 in England beginnende "Industrielle Revolution", brachte, England großen Gewinn durch die kolonialen Absatzmärkte für Industrieprodukte.

Der Sieg über Napoleon 1815 (Frankreich UND Spanien) machte England dann endgültig zur Weltmacht. Jetzt wurde ebenfalls das Innere Afrikas und das Innere Indiens kolonisiert.
 
England hatte durch seine Insellage einen großen strategischen Vorteil, um die Insel zu verteidigen, waren keine Festungen, sondern eine starke Hochseeflotte nötig, die wesentlich billiger in der Unterhaltung, als Festungen und eine absolutistische Armee waren. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war die niederländische Flotte die größte der Welt, doch als Peter I. zu seiner "Großen Gesandschaft" nach Westeuropa aufbrach, wo er in Holland und England den Schiffsbau von der Poke lernte, wurden die besten und modernsten Schiffe schon nicht mehr in Zandam, sondern auf den Londoner Docks gebaut. In Nordamerika schien es, als ob die Holländer und Franzosen die besseren Karten hatten. Die Holländer besaßen eine sehr attraktive Verkehrsverbindung mit dem Hudson und die Franzosen hatten mit dem Sankt Lorenz und dem Missisippi noch zwei schönere, doch die englischen Kolonien waren schon sehr früh Siedlungskolonien, so dass zu Beginn des Siebenjährigen Krieges schon über 2, 5 Millionen Angelsachsen, aber nur etwa 150.000 Franzosen in Nordamerika lebten. Dabei hatte Großbritannien nur ein Viertel soviele Einwohner wie Frankreich. Seit dem Spanischen Erbfolgekrieg war England die führende Seemacht, die auf dem Kontinent das "Balance of Power" Prinzip vertrat, da es am meisten davon profitierte.
 
in einigen meiner textquellen steht, dass die brit. Kolonien vor allem nach dem 1. Weltkrieg sich immer mehr nach Unabhängigkeit sehnten. Wieso gerade dann, wenn sie doch eigtl im Schutz von England standen...
Und wenn sich nach dem 1. Weltkrieg schon alles in Richtung Unabhängigkeit entwickelte, wie war es dann erst nach dem 2. WK?
 
@KleineSünde

Die Ententemächte hatten im Ersten Weltkrieg das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" zu ihren Kriegszielen erklärt. In erster Linie ging es ihnen darum, die Völker Österreich-Ungarns gegen Habsburg aufzuwiegeln.
Der Schuß ging aber in sofern nach hinten los, dass nun auch die Kolonialvölker der Entente, besonders Indien, die Unabhängigkeit forderten. Doch erst der zweite Weltkrieg brachte die Voraussetzungen, dass praktisch alle Kolonien ihre Unabhängigkeit erlangten:

1. Die Siege der Japaner hatten gezeigt, dass auch asiatische Völker in der Lage waren, den Europäern eine Niederlage zuzubringen. Japan hatte zwar insgesamt den zweiten Weltkrieg verloren, doch sollte diese Erkenntnis für Motivation der Kolonialvölker in den Unabhängigkeitskriegen (Indochina-Vietnam, Algerien, Kongo etc.) wichtig sein.

2. Die großen europäischen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien waren 1945 nur noch Mächte 2. Klasse. Dies wird z.B. in der Suezkrise 1956 deutlich. Großbritannien und Frankreich wollten den schwelenden Konflikt zwischen Israel und Ägypten dazu nutzen, um die Kontrolle über den Suezkanal militärische zurückzugewinnen, den der Ägyptische Präsident Nasser kurz zuvor verstaatlicht hatte.
Die Militäraktion war zunächst zwar erfolgreich, doch die USA verweigerten die Unterstützung für GB und F, da ihnen gute Beziehungen zur dritten Welt wichtiger waren. Auf Druck der USA schlossen GB und F einen Waffenstillstand mit Ägypten. Die Kanalzone wurde von UN-Blauhelmen gesichert.
Die Suezkrise hatte gezeigt, das GB und F als Großmächte hinter die USA und die UdSSR zurücktreten mussten. Für viele Kolonien von GB und F war es das Zeichen, den Kampf um die Unabhängigkeit zu verstärken.
 
in einigen meiner textquellen steht, dass die brit. Kolonien vor allem nach dem 1. Weltkrieg sich immer mehr nach Unabhängigkeit sehnten.
Das ist ein ziemlicher Schmarrn... Kolonien "sehnen sich" nicht. Die in Europa im Laufe des 19.Jh. aufkommende Geisteshaltung - der "Nationalismus" - der sich im griechischen Freiheitskampf, Panslawismus, Zionismus, Einigung Italiens und Deutschlands äußerte, schwappte auch auf die Intellektuellen der Kolonien über.
Diese Eliten wurde ja zum Großteil in England erzogen, besuchten die besten Colleges und Universitäten. Der Gedanke, auch "ihr Land" der Kontrolle bzw. Ausbeutung fremder Staaten zu entziehen, war nahe liegend. Ab 1918 standen ihnen auch die propagandistischen Mittel (Zeitungen mit begrenzter Zensur, Selbstverwaltungsgremien mit Rederecht) zur Verfügung. Oder anders ausgedrückt: Den europäischen Staaten wurde es langsam peinlich, anderen Völkern nicht wenigstens ein bisschen dieser "Demokratie" zu gewähren, um die sich ja auch irgendwie der 1. WK gedreht hatte...

Ich will das nicht unbedingt negativ darstellen, aber die Kolonialmächte verloren ihre Härte und die Eliten der Kolonien träumten Ideale.

Nach dem 2.WK verloren die Kolonialmächte überhaupt jede moralische Rechtfertigung und letztlich auch ihre Macht. Algerien ist ein sehr trauriges Beispiel eines sinnlosen Festhaltens an eine alte Zeit...

Worum es im 1.WK gegangen war, mag immerhin unklar bleiben, aber der 2.WK war am Ende ein Krieg Demokratie gegen Diktatur.

Die Idee des "Commonwealth of Nations", eines lockeren, in erster Linie Handelsverbundes war eine geniale Idee: Jeder konnte "sein Gesicht wahren".

Selbstverständlich gab es Staaten, deren Wunden zu tief saßen, als dass sie sich mit ihren alten Kolonialherren arrangieren wollten. Sechs oder sieben weitere Probleme, die jede in die Unabhängigkeit entlassene Kolonie belasteten, kamen dazu (Multi-Ethnizität, Religionsminderheiten, Mehrsprachigkeit, unstabile Wirtschaftsbasis, fehlende Politikkultur, geringe Alphabetisierung, sehr ungleiche Verteilung des Volksvermögens (i.d.R.Grundbesitz))
 
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in einigen meiner textquellen steht, dass die brit. Kolonien vor allem nach dem 1. Weltkrieg sich immer mehr nach Unabhängigkeit sehnten. Wieso gerade dann, wenn sie doch eigtl im Schutz von England standen...
Und wenn sich nach dem 1. Weltkrieg schon alles in Richtung Unabhängigkeit entwickelte, wie war es dann erst nach dem 2. WK?

Im Zuge des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts des 20. Jahrhunderts brauchten die Kolonien zunehmend spezialisierte Arbeitskräfte. Diese Arbeitskräfte mussten etwas mehr Bildung haben als die Bananenpflücker früherer Jahrhunderte. Man hoffte mit der Ausbildung der kolonialen Arbeitskräfte im Kolonialland diese für das Kolonialland treu an sich zu binden.
Andererseits wurde die Haltung von Kolonien zunehmend teurer. Die Kolonialmächte orientierten sich neu und zerteilten historisch gewachsene Landstriche, um ihre in Vorbereitung auf die Entlassung aus der Kolonialwirtschaft diese nicht erstarken zu lassen. Auch eine erstarkende Bewegung im Kolonialland für "Freiheit für alle, nicht nur auf dem Papier" tat ihr übriges.

Das Sehnen nach Freiheit kam sicherlich nicht erst nach dem 1. Weltkrieg auf. Aber der 1. Weltkrieg zeigte den Kolonien, dass Kolonialismus überwindbar ist, da die Kolonialländer jederzeit mit sich selbst im Krieg beschäftigt sein konnten.
 
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