Claus Graf Schenk von Stauffenberg

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von heinz, 5. Juli 2004.

  1. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Auf was für einen Trip bist du denn jetzt?
    Ich habe eine Frage gestellt, wie du darauf kommst, dass Georg Elser Kommunist gewesen sei. Ich habe angedeutet, dass er ihnen mal nahegestanden hat.

    Nach meinem Elser kam dann ein Absatz. Du hast den Adenauer-Staat und seine Widerstandsehrung als überhöht bezeichnet. Darauf bin ich eingegangen.

    Es ist mir neu, dass ich bei deinen Postings grundsätzlich das Gegenteil verstehe. Übertreibungen führen nicht zum Ziel.
    Übrigens: Ich habe mein Posting geschrieben, nicht um deine mir unbekannte Verfolgtenverwandtschaft zu diskreditieren.
    Schreib vorher, dass man "dir nichts erzählen braucht".
     
  2. Da hast du einen wichtigen Punkt in der Nachkriegsrezeption der verschiedenen Widerstandskämpfer (der sogenannten, selbsternannten und der echten) erkannt. Es war vielen nach dem Krieg ausgesprochen peinlich, dass es Leute gab, die schon 1933 und nicht erst 1943 gemerkt hatten, dass die Macht in Deutschland einer Verbrecherbande ausgeliefert worden war. Elser war ein einfacher Handwerker. So viel Durchblick, wie der hatte, darf man von Offizieren mit humanistischer Bildung auch erwarten.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Es gab wohl Offiziere die schon sehr früh diesen Durchblick hatten. Henning von Tresckow sah das bereits 1934, dennoch hat er den Eid geschworen. Hier überwiegte wohl der militärische Verstand.

    Man kann nicht alle über den gleichen Kamm scheren, sondern muss jeden einzelnen Verschwörer genau anschauen um ein gesamt Bild zu erhalten.

    Leider waren diese Offiziere in der Minderheit.
     
  4. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Was die Rezeption betrifft, so ist das richtig. Andererseits muss man aber auch feststellen, dass die Nationalsozialisten mit Geschick und Brutalität in den Jahren 1933 und 1934 alle Kräfte ausschalteten, die frühzeitig einen effektiven Widerstand hätten aufbauen können.
     
  5. ...die frühzeitig einen effektiven Widerstand hätten aufbauen wollen. So könnte ich zustimmen.
    Die Militärs wurden nicht ausgeschaltet, sondern haben freudig mitgemacht.

    Elser wusste, Hitler bedeutet Krieg, und versuchte das zu verhindern.
    Die Militärs wussten, Hitler bedeutet Krieg, und haben das gefördert.
     
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Viele haben freudig mitgemacht, aber bei weiten nicht alle. Und es gab einige Stimmen die versuchten den Krieg zu verhindern.

    http://www.geschichtsforum.de/69147-post10.html

    Elser hat es erkannt, das ist richtig. Er hat mit der Planung im Herbst 1938 begonnen und das Attentat fand am 8. Nov. 1939 statt. Er stand dem Regime von beginn an Kritisch gegenüber, das standen andere auch. Siehe Molke oder Harnack.
     
  7. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Eine kleine Anmerkung zum Thema "kritisches Bewußtsein" und "Aufgeklärtheit".
    Man mag sich heute über die damalige Generation wundern, aber sobald in unserer Gesellschaft Umfragen erstellt und Befragungen durchgeführt werden, findet sich immer wieder, daß ein signifikanter Anteil unserer Bevölkerung wenig bis gar keine Ahnung hat. Bestenfalls dennoch eine Meinung...
    (dieses Phänomen zieht sich, erstaunlicherweise(?), durch alle Bildungsschichten)
     
  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Anmerkung:

    In der Graf Stauffenberg Kaserne Sigmaringen findet zZ eine Ausstellung über ihn statt.
    Insbesondere der mili. Werdegang wird dokumentiert.
     
  9. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Das ist m. E. ein sehr wichtiger Aspekt.

    Der Mythos um den Widerstand ist durchaus nach dem Krieg bewußt geschaffen worden, und dabei hat man auch einige schwierige Punkte weggelassen.

    M. E. war das völlig berechtigt und notwendig.
    Deutschland lag damals nicht nur in Ruinen, sondern war auch moralisch ruiniert.
    Es war völlig falschen Leitbildern gefolgt, hatte historisch einmalige Verbrechen begangen, ziemlich alles war entwertet, auf das man kurz vorher noch stolz war.

    Und irgendein Vorbild, einen Grund zum Stolz, eine Tradition, für die sich Engagement lohnt, braucht eine Gesellschaft, wenn sie einen neuen, demokratischen Staat aufbauen will.
    Der Widerstand war die moralische Grundlage für die neue Republik, man brauchte diese Vorbilder, um für einen Neuaufbau motivieren zu können.

    Und das Faszinierende am Widerstand des 20. Juli war eben, daß es nicht nur um die Beseitigung Hitlers ging, sondern es sehr breit diskutierte Vorstellungen über ein besseres Nachkriegsdeutschland gab. Und er umfaßte eben nicht nur die alten Militäreliten, sondern diese gingen ein Bündnis ein mit Christen, Liberalen und auch Sozialdemokraten - das war entscheidend anders als in der Weimarer Republik.

    Diese Zusammenarbeit nahm den Gründungskonsens der Bundesrepublik vorweg, darauf konnten sich CDU/CSU, FDP und SPD berufen und die Bonner Republik legitimieren.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein Blick auf die Liste des Personenkreises vom 20. Juli 1944 ist durchaus interessant, aus zwei Perspektiven:

    Anders als bis zum November 1939 war nicht der innere oder höchstrangige Kreis um Hitler, soweit es um die Generalität ging, beteiligt. Zwar waren bekannte Namen dabei,
    http://de.wikipedia.org/wiki/Persönlichkeiten_des_20._Juli_1944
    aber nicht aus den (aktiven) Spitzen der Wehrmacht und des Umfeldes. Stülpnagel, Canaris, Wagner, Olbricht, Fellgiebel wären da als Ausnahmen zu nennen, von Witzleben, Hoepner waren nicht aktiv. Im Oktober 1939 versuchte man zumindest, ausgehend vom OKH, die Heeresgruppenführer auf die Seite zu ziehen (Rundstedt, Bock; Leeb war schon dabei).

    Weiterhin hat eine Verschiebung stattgefunden, die den möglichen Erfolg für den Umsturz betraf: die Bedeutung des Ersatzheeres und der Heeresgruppe in Frankreich, ferner die Befürchtungen um die SS als Widerstandspotential beim Umsturz. In der Liste wird übrigens Nebe genannt, der 1941 die Einsatzgruppe B mit zehntausenden Morden in Weißrußland leitete und angeblich wegen der Blutorgien um seine Ablösung bat, ein Beispiel für die sehr unterschiedliche "Zusammensetzung" des 20. Juli.
     

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