Das Land der Dichter und Denker

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Piotr, 24. August 2008.

  1. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Bei den Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung stimme ich Dir natürlich zu. In der Wehrmacht gab es genug Nazis, die mit Vernichtungsbefehlen sicher kein Problem hatten. Die waren dann auch hier und dort stimmungsangebend und rissen andere mit. Das muss unwidersprochen bleiben.
    Mir kam es eher auf Situationen im "normalen" Krieg an. Jetzt nicht einmal Kampfsituationen, sondern außerhalb davon. Patrouille, Wachdienst, wo man mit der allgemeinen Bevölkerung des besetzten Landes in Kontakt kommt. Keine konkreten Befehle, sondern eigenständiges Handeln. Man kann z.B. Kriegsgefangene bespucken, verprügeln, verstümmeln und erschießen, muss es aber nicht. Wenn dann noch ein Partisanen- oder Guerillakrieg ins Spiel kommt, dann bekommt man einen "nervösen" Finger. Mord und Folter von vorher ganz normalen Leuten sind dann nicht weit, wie, um mal willkürlich die Franzosen zu nehmen, im Algerienkrieg.
     
  2. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Fällt Dir was auf?
    Alle überaus blutig gescheitert. (Könntest übrigens den 17. Juni 1953 noch erwähnen, auch die Deutschen haben einen blutig erstickten Aufstand)

    War dann erfolgreich. Kein Blutbad.

    Aber das hat einen ganz bestimmten Grund, und der heißt KSZE.

    Der Westen hat dem Osten seine Grenzen garantiert, hat aber im Gegenzug den "berühmten" Korb III mit der Respektierung, unter anderem, der Menschenrechte, dem damaligen Ostblock aufgeladen.

    Der ganze Wandel im Ostblock war nur deshalb möglich.


    1933-1945 gab es aber kein KSZE.
    Also bitte hier keine Vergleiche ziehen.
     
  3. Piotr

    Piotr Mitglied

    Ich Versuch an einigen Beispielen vielleicht zu erklaeren worum es mir geht.
    Leider ist das Wissen des normalen Kowalski (Otto-normal-Verbraucher) nicht so gut wie derer die tiefgruendiger die Hitlerzeit bearbeitet haben. Ich hab mir fast alle angegebenen links durchgelesen, einiges war neu und einiges war mir bekannt. Aber so wie den Polen in Deutschland das Stereotyp "kaum gestohlen schon in Polen" anhaftet, so haftet leider den deutschen das Vorurteil an das sie (Mehrheit) fuer die Hitlerdiktatur waren, das es differnzierte Formen des Widerstandes in Deutschland gab, weiss so recht niemand in Polen, Russland und den meisten Laendern.
    Mir persoenlich ist wie gesagt bewusst das man nicht alle ueber einen Kamm scheeren kann, es aber leider immer wieder passiert.
    Wenn ich zb. mit Freunden in Deutschland bin und wir sprechen polnisch, dann denkt man das wir Russen sind. Bedeutet: Fuer Leute die sich mit der Materie befassen ist es klar wo der Unterschied zwischen der polnischen und russischen Sprache ist.

    Und das mit der KSZE halte ich persoenlich fuer ziemlich wage, das nur dadurch der Umbruch in Polen moeglich war, werd mich aber natuerlich genauer informieren um nicht als Allgemeinwissend angeklagt zu werden.

    Hoffe konnte mich verstaendlich formulieren.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    NUR
    ist immer ein großes Wort.
    Nur wegen KSZE kam in Polen bestimmt nicht der Umbruch. Da kommen mit Sicherheit noch etliche innerpolnische Faktoren hinzu, wie in Ungarn, wie in der CSSR, wie in Rumänien usw. Die alle jeweils anders gelagert waren.
    Aber
    KSZE war der große Schirm, unter dem sich dies alles überhaupt erst entwickeln konnte.

    Was mich, offen gestanden nach wie vor wundert, sind die erheblichen Ressentiments die Du für die Polen den Deutschen gegenüber geltend machst.
    Persönlich habe ich im östl. Mitteleuropa eher gegenteilige Erfahrungen gemacht, ja ich würde sie geringer einschätzen als im betroffenen Westeuropa.
    Aber, nun denn, objektiv kann ich eh keine Aussage dazu machen.

    Die Unterschiede zwischen der polnischen und der russischen Sprache verschließen sich aber dem nicht sachkundigen Zuhörer auf jeden Fall. Da bitte ich nun doch die Messlatte nicht zu hoch anzusetzen. Ich bezweifle sehr, dass ein nicht deutschsprechender Pole einen Schweden von einem Deutschen allein durch ein paar Worte zuhören unterscheiden kann.
     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Dann fehlt es an der Bildung in Geschichte oder auch am Interesse. Wobei es auch in der Schweiz Menschen gibt, die dieses Wissen auch nicht haben, da sie sich nicht tiefgründig mit dieser Zeit beschäftigt haben. In den Schulbüchern wird aber schon das Wesentliche vermittelt.
    Wenn es dann Interessiert muss sich vertiefen.


    Ich sagte es schon, dann muss man eben Aufklären und dieses Wissen vermitteln.

    Was wird den in den Schulen für Wissen über die Hitlerzeit vermittelt? Was für Literatur steht denn in den Buchhandlungen über die Geschichte des Dritten Reichs?

    Was heisst in den meisten Ländern?

    Ja und wo ist da ein Problem?

    Ich gebe offen zu, ich würde den Unterschied nicht merken.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. September 2008
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied

    OT:
    So hieß ein Mitschüler von mir!
    Heißt glaube ich Schmied?
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Mein Über-übernachbar hiess Kowalske.
    Der ist immer bitterlich böse geworden, wenn man ihn mit "Kowalski" angeredet hat.
    Mir erklärte er, "Kowalski" ist polnisch, "Kowalske" ist preussisch.
    Ist da was dran?
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nein, ist es nicht. Außer dass sich ein preußischer Beamter in Schlesien vor einigen Generationen verschrieben hat oder es auf eigenen Wunsch des Namensträgers geschah.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Kann natürlich sein.
    Aber Preußen hätte ich jetzt, in dem Fall, eher mit Kaschuben oder Masuren verbunden, also geographisch. Weniger mit Schlesien.
     
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    OT: Dann eben meinetwegen vielleicht auch ein österreichischer Rat. Die Endung -ke ist wohl typisch schlesisch. Siehe auch den Namen des dortigen Nazi-Gauleiters.
     
  11. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Würde ich auch sagen:
    Wenn man beide Sprachen nicht spricht, dann kann man den Unterschied nicht heraushören, weil ja vieles doch sehr ähnlich klingt.
    Nichts für ungut.
    ;)
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Wo Du es sagst, wirds mir klar.
    Hieß doch Handke?

    Somit wäre Flos Preusse ein Schläsier.
    Naja, ein echter Berliner ist doch aus Hinterpommern.
     
  13. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Im Polnischen wird unentwegt gezischt. Die Russen haben eine sehr weiche Sprache.
    Einige Sch-laute (-Buchstaben) werden sehr weich gesprochen. Zum Beispiel in "ja schiwu" (ich wohne), vergleichbar ausgesprochen wie das französische j. Sie haben zwar auch ein Schtsch-Buchstaben, wo die sch's hart gesprochen werden, der kommt aber selten vor, z.B. in schtschaj (Tee).
    Zudem werden russische Buchstaben wie "ja" und "ju" sehr oft verwendet.
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast

    Heißt der Tee auf Russisch nicht einfach "tschaj"? Ohne "schtsch"?
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Allerdings; es ist dort ein einfaches tsch.
    Ein Beispiel für schtsch ist schtschuka (Hecht).

    PS(EDIT): Daneben gibt es übrigens im Russischen noch die interessante Kombination aus s und tsch am Wortanfang wie in stschast (Glück), stschjot (Konto, Rechnung, Spielstand) oder eben stschitat (rechnen, zählen).

    PS(nochmal EDIT): Im Übrigen kennt das Russische nicht nur ein weiches sch, also eigentlich sh - wie bspw. in shenschtschina (Frau; hier übrigens eine interessante Kombination mit sh und schtsch im Wort) oder shisn (Leben; das s ist übrigens hier auch weich) -, sondern auch ein hartes sch - wie bspw. in schest (sechs) oder schkola (Schule).
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. September 2008
  16. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Richtig. Die vielen Sch-Buchstaben im Russischen haben mich verwirrt.
     
  17. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich bitte die Diskutanten wieder auf das eigentliche Thema zurück zu kommen.

    Wenn ihr euch über die Aussprache der polnischen und der russischen Sprache unterhalten möchtet, dann bitte in einem neuen Thema.
     
  18. Piotr

    Piotr Mitglied

    Die Ressentimente sind ledeglich Geschichtlicher Natur und bei der aelteren Bevoelkerung, was man nicht auf die heutigen deutsch-polnischen Kontakte uebertragen kann. Die sind eigentlich sehr positiv, bestimmt positiver als gegenueber unseren oestlichen Nachbarn :scheinheilig:

    In den polnischen Geschichtsbuechern wird hauptsaechlich aus der polnischen Perspektive berichtet.

    Meiste Laender meine ich die die unter Nazideutschland gelitten haben.

    Der Vergleich hinkt zwar etwas, aber ist so wie mit dem Geschichtswissen, wer sich etwas mehr fuer Sprachen interessieren wuerde, koennte den Unterschied sicherlich merken.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Eigentlich sollte in den polnischen Geschichtsbüchern eine Darstellung stehen, welche die gemeinsame deutsch-polnische Geschichte aus einer für beide Seiten akzeptablen Sicht schildert. Jedenfalls wurden ja seit den siebziger Jahren recht erfolgreich die dt.-polnischen Schulbuchgespräche geführt. Wobei natürlich insbesondere der innere Widerstand das besetzte Polen wenig berührt, insofern aus bildungspolitischer Perspektive Polens vielleicht weniger interessant ist.

    Ich las bei Thomas Urban, Von Krakau bis Danzig. Eine Reise durch die deutsch-polnische Geschichte. München 2000 (polnische Ausgabe: Od Krakowa po Gdańsk. Wędrówka przez dzieje polsko-niemieckie. Warszawa 2002), dass es unter polnischen Jugendlichen in den ehemals dt. Gebieten eine Art Volkssport gäbe, Spuren der deutschen Vergangenheit zu sammeln, die von der Volksrepublik Polen zu verwischen vergessen worden seien. Kennst Du so etwas?
     
  20. Piotr

    Piotr Mitglied

    Natuerlich, besonders gern wird nach ehemaligen Bunkern Ausschau gehalten: Es gibt noch sehr viele in Polen, einige in besserem, andere in schlechterem Zustand, wie diese zb.:
    ARMIA £ÓD�: Beleñ - Stroñsko - 7 schronów.
    ARMIA £ÓD�: Sieradz - 5 schronów.
    ARMIA £ÓD�: Widawa - 6 schronów.
     

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