Das Turiner Grabtuch

Es ist mir persönlich generell kaum möglich, an ein wundersam entstandenes Abbild von Jesus Christus auf einem Stück Stoff zu glauben. Mein Weltbild ist rationalistisch, positivistisch und materialistisch. Ein Abdruck auf einem Tuch, entstanden durch den Kontakt eines Körpers mit einem Tuch würde deutlich anders aussehen, dies wurde hier ja auch schon dargestellt. Ich glaube also nicht, daß man es hier mit einer tatsächlichen Reliquie zu tun hat. Interessant fände ich, woher das Tuch stammt, ob nun aus dem Mittelalter oder dem Nahen Osten um Christi Geburt, und natürlich, wie das Bild, das ja tatsächlich vorhanden ist, denn nun entstanden ist. Ich muss sagen, daß ich das Abbild, das ja vor allem auf dem Negativ deutlich hervortritt, verblüffend "echt" finde. Dieses Bild hat durchaus Ausstrahlung, und ich denke, wenn dies ein Künstler geschaffen hat, hatte derjenige wirklich Talent. Ich glaube am ehesten, daß es einem Künstler des Mittelalters gelungen ist, mit einer Technik, die noch nicht vollständig bekannt ist, dieses Abbild auf dem Tuch hervorzurufen. Es wurden ja schon verschiedene Versuche gemacht, um herauszufinden, mit welcher Technik man ein solches Abbild erzeugen kann, und mich hat hierbei am ehesten der Abdruck eines Flachreliefs überzeugt.
 
Es ist mir persönlich generell kaum möglich, an ein wundersam entstandenes Abbild von Jesus Christus auf einem Stück Stoff zu glauben. Mein Weltbild ist rationalistisch, positivistisch und materialistisch.
Es ist ja ein Geschichtsforum, insofern dürftest Du mit Deiner Ablehnung einer wundersamen Erklärung offene Türen einrennen. ;)

Oder andersherum gesagt: Die Deutung "Der allmächtige Gott hat uns mit dem Grabtuch ein Wunder geschenkt, damit wir an die Auferstehung seines eingeborenen Sohnes glauben" würde von den meisten Nutzern als historische Aussage vermutlich abgelehnt werden, und zwar ganz unabhängig von ihrer persönlichen religiösen Überzeugung.
 
@Stradivari

Es ist mir schon klar, daß wir uns in einem Geschichtsforum, und nicht in einem theologischen Forum befinden. Dieses Artefakt fasziniert aber viele Menschen, und nicht nur aus religiösen Gründen. Mindestens genauso interessant ist der verblüffend lebensechte Ausdruck des Abbildes. Wie gesagt, ich gehe davon aus, daß ein Künstler des Mittelalters dieses Abbild geschaffen hat, und er hat immerhin einen Gegenstand mit einer großen Ausstrahlung erzeugt.
 
Sicher bezeugt ist dieses spezielle Grabtuch Mitte des 14. Jh. in der Nähe von Troyes. Schon damals wurde seine Echtheit übrigens angezweifelt, etwa vom zuständigen Bischof - er vermutete einen Betrug aus Gewinnsucht. Kirchliche Anerkennung fand es erst etwa ein Jahrhundert später, als es bereits dem Haus Savoyen gehörte.

Wenn wir nicht zu einem Wunder Zuflucht nehmen, liegt die Vermutung sehr nahe, dass es auch in dieser Zeit hergestellt worden ist. Woher hätten französische Stiftskanoniker und Adelsfamilien 1300 Jahre nach Jesu Tod auch plötzlich ein vorher noch nie erwähntes Tuch aus seinem Grab haben sollen?

Die C14-Datierung und die Existenz weiterer kostbar gestalteter Grabtücher im 14. Jh. sprechen ebenfalls sehr für diese Deutung. Das bedeutet aus meiner Sicht übrigens nicht, dass man den künstlerischen Wert der Relique bezweifeln oder einen religiösen Menschen verspotten müsste, der in ihm ein Zeugnis der Auferweckung seines Erlösers sieht.
 
Zu dem Turiner Grabtuch fand ich zufällig eine französische Seite, die einen Artikel aus archaeometry vorstellt. Das Ganze ist automatisch übersetzt (hier von Google translate) und recht flüssig zu lesen.

Demzufolge ist das Turiner Grabtuch nicht Abbild eines echten Körpers oder eines 3-D-Modells in menschlichen Proportionen, sondern künstlerisch gestaltet, als Abbildung, oder eher Abwickelung eines Flachreliefs, und dadurch für uns ein "echter" erscheinendes 2-D-Bild.


Die Gegenüberstellungen sind sehr einleuchtend.
Es wirkt plastisch, weil es das wiedergibt was wir erwarten, nicht das, was wir als reales Abbild sehen würden.

Originalartikel:
Archaeometry (2025). DOI: 10.1111/arcm.70030
 
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Verborgene Beweise in der Geschichte des Grabtuchs

Ist das Grabtuch echt, was aller Wahrscheinlichkeit der Fall ist, dann ist es ein Wunder. Aber die Wissenschaft kann kein Wunder messen, sie kann nur seine Unfassbarkeit feststellen. Deshalb wird man auf einem rein wissenschaftlichem Weg niemals den erhofften Beweis erhalten, dass auf dem Turiner Grabtuch das Bild vom gekreuzigten Jesus zusehen ist.

Folgt man dieser Logik, dann macht es Sinn, abseits der Wissenschaft in der überlieferten Geschichte des Grabtuchs auf Spurensuche zu gehen. Dieser Weg scheint bisher aber nur ausreichend erforscht zu sein, weil es viele namhafte Künstler gibt, wie z.B. Jan van Eyck oder Leonardo da Vinci, die ihre Dokumentationen über das Grabtuch in Form von Bilderrätseln der Nachwelt überliefert hatten. Weil schriftliche Aufzeichnungen fehlen, gibt es deshalb nur einen einzigen Weg, wie man die Echtheit des Grabtuchs beweisen kann:
  1. Man muss aus diesen Werken die herausfiltern, die nicht erklärbare Besonderheiten aufweisen
  2. Man muss nach Werken uralter Meister suchen, die einen Bezug zu Jesus haben
  3. Man muss den Schlüssel finden, wie man diese Rätsel lösen kann
  4. Daraus muss sich eine zusammenhängende Beweiskette ergeben, die das Grabtuchabbild als echt ausweist
Wenn man die entsprechenden Beweise gefunden hat und eine zusammenhängende Beweiskette vorzeigen kann, in der alles Hand und Fuß hat, so dass man sie mit gesunde Menschenverstand plausibel nachvollziehen kann, weil es die Logik gebietet, dass es sich bei der Vielzahl der ineinandergreifenden Puzzleteile unmöglich um reine Hirngespinste handeln kann, dann hat man die Echtheit vom Grabtuch bewiesen, was auf einem rein wissenschaftlichen Weg unmöglich ist.

In dieser kurzen Einleitung, mit dem Titel „Verborgene Beweise in der Geschichte des Turiner Grabtuchs“, habe ich die entsprechenden Bilder mit den Beschreibungen dazu zusammengefasst:

HiDrive
 
Ist das Grabtuch echt, was aller Wahrscheinlichkeit der Fall ist, dann ist es ein Wunder.
Echt ist das "Grabtuch" auf jeden Fall. Es ist ja da. Die Frage wäre allenfalls, wie alt es ist (ca. 600 - 700 Jahre).

Aber die Wissenschaft kann kein Wunder messen, sie kann nur seine Unfassbarkeit feststellen. Deshalb wird man auf einem rein wissenschaftlichem Weg niemals den erhofften Beweis erhalten, dass auf dem Turiner Grabtuch das Bild vom gekreuzigten Jesus zusehen ist.

Folgt man dieser Logik, dann macht es Sinn, abseits der Wissenschaft in der überlieferten Geschichte des Grabtuchs auf Spurensuche zu gehen.
Das ergibt nun keinen Sinn. Wenn man diesen Abschnitt auf seine Grundaussage kondensiert, lautet diese: Weil man sich dem Grabtuch nicht mit wissenschaftlichen Methoden nähern könne, müsse man sich ihm mit wissenschaftlichen Methoden nähern.


Dieser Weg scheint bisher aber nur ausreichend erforscht zu sein, weil es viele namhafte Künstler gibt, wie z.B. Jan van Eyck oder Leonardo da Vinci, die ihre Dokumentationen über das Grabtuch in Form von Bilderrätseln der Nachwelt überliefert hatten. Weil schriftliche Aufzeichnungen fehlen, gibt es deshalb nur einen einzigen Weg, wie man die Echtheit des Grabtuchs beweisen kann:
Man muss die Echtheit nicht beweisen. Das Tuch ist echt. Die Darstellung ist echt. Die Frage ist vielmehr, mit welchen Methoden das Bild aufgebracht wurde. Man kann das Tuch
  • textilwissenschaftlich
  • kunstwissenschaftlich
  • rezeptionswissenschaftlich
  • etc.
untersuchen und datieren.
Hier im Thread sind vor allem die rezeptions- und die kunstwissenschaftlichen Fragestellungen prädominant.
 
Eines kann man aber mit Sicherheit sagen: Das Tuch ist nicht das was es vorgibt zu sein.

Es ist ein Artefakt, nicht durch das Einschlagen und Abwickeln eines menschlichen Körpers entstanden.

Zugleich hat es eine eigenständige künstlerische Qualität.
 
Eines kann man aber mit Sicherheit sagen: Das Tuch ist nicht das was es vorgibt zu sein.

Es ist ein Artefakt, nicht durch das Einschlagen und Abwickeln eines menschlichen Körpers entstanden.
Schön auf den Punkt gebracht.

Vor ca. ein/zwei Jahren lief eine Dokumentation bei Arte(?), welche sich mit den bekannten bzw. überlieferten Aufenthaltsorten des Tuches befasste.
Die für seine Erhaltung eher suboptimalen Bedingungen u.a. durch öffentliches Ausstellen (Licht, wechselnde Luftfeuchtigkeit, etc.) kamen dabei zur Sprache.
Zum Ende der Dokumentation wurde ein tatsächlich 2000 Jahre altes Stück Tuch gezeigt, dass (bis zu seiner Auffindung vor wenigen Jahren) unter besseren (gleichmässigen!) Lagerungsbedingungen (in der Sahara?) gefunden wurde. Der im Vergleich zum sogenannten Grabtuch erbärmliche Zustand spricht Bände. Vielleicht findet ja jemand die Doku, und kann sie hier verlinken.
 
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