Die Ägypter und das Kokain/der Tabak

Dieses Thema im Forum "Das Alte Ägypten" wurde erstellt von Murasaki, 1. Dezember 2008.

Schlagworte:
  1. Lili

    Lili Neues Mitglied

    @Frank D das heißt "Nicotiana"
    Ein Nicotiana-Gewächs wäre bspw. die Tollkirsche.
     
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Die Gattung Tabak gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, wie Tomate, Kartoffel und eben Tollkirsche Tabak ? Wikipedia

    Die ganze Familie enthält Inhaltsstoffe, die Mensch und Tier nicht so zuträglich sind, mit dem Ziel, das Gefressenwerden zu verhindern. ;)
    Die Gattung Nicotiana verhindert das Gefressenwerden mit einer ordentlichen Dosis Nikotin.
    Mir war neu, das Nikotin in Spuren auch in anderen Gemüsesorten, wie der Aubergine vorkommt.
    Spannend für´s Thema wäre zu wissen, ob die Gattung Tabak mit ihrem auffällig hohen Nikotingehalt schon im Altertum in Afrika oder anderswo außer Amerika bekannt war.
    Möglicherweise erhöhte sich der Nikotingehalt durch züchterische Auslese in Amerika.
    FrankD scheint Hinweise darauf zu kennen.
     
  3. Frank D

    Frank D Neues Mitglied

    Nee, ich kenne keine Hinweise, mir war lediglich bekannt, dass Nicotiana-Gewächse auch außerhalb Amerikas vorkommen. Nicotiana Persia wäre übrigens das Kraut was Ägypten am nächsten wäre, obwohl das überwiegend ein Zierkraut ist - was man aber wohl auch konsumieren kann.
    Und wie gesagt, nur ein Bruchteil der von den Ägyptern aufgeführten Heil- und Drogenkräuter ist heute bekannt, einige Pharma-Firmen arbeiten mit Ägyptologen zusammen an einem entsprechenden Forschungsprojekt.
    Zum Beispiel wurde Christusdorn häufig in ägyptischen Tinkturen verwendet, aber Christusdorn hat keinerlei therapeutische Wirkstoffe. Die ägyptische Medizin ist aber zu gut gewesen um unwirksamen Kram zu verarbeiten, also hat man das genauer untersucht. und siehe da, in den 6 Wochen nach der 1. Blüte des Christusdorns produziert die Pflanze einen ganzen Medikamentencocktail, vom Antibiotikum bis zum Antidepressivum. Aber nur in dem engen Zeitraum, wohl gegen Fressfeinde.

    Daher kann man schlicht nicht ausschließen, dass nikotinhaltige Stoffe in Ägypten wuchsen oder wachsen.

    Die Tollkirsche ist übrigens zwar ein Nachtschatten- aber kein Nicotiania-Gewächs.
     
    1 Person gefällt das.
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Meinst du damit Nicotiana alata? Wenn ja, die Pflanze kommt ursprünglich auch aus Amerika und ist nur zwischenzeitlich auch wonaders heimisch geworden. Oder meinst du Nicotiana Persica? Das wäre dann nämlich eine veredelte Zuchtpflanze zur Tabakgewinnung, die ebenfalls ursprünglich aus Amerika stammt.

    Edit:
    Sorry, stimmt, da hab ich mich falsch ausgedrückt. Ich wollte sagen: Die Tollkirsche enthält Nikotin, wenn auch in verschwindend geringer Konzentration. Bei Tollkirschen handelt es sich um Atropa-Gewächse, was zumindest mich davon abhalten würde Tollkirschen als Tabakersatz zu verwenden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2009
  5. Ogrim

    Ogrim Aktives Mitglied

    Drogenjunkie Pharao

    Hallo allerseits,

    ich habe da ein kleines Problem. Ich erinnere mich, mal einen längeren Artikel über medizinische Studien an ägyptischen Pharaonenmumien gelesen zu haben. Darin war ausgeführt, dass die untersuchte Mumie zeit ihres Lebens unter vielfältigen Drogen gestanden haben muss und dass der Spiegel der verschiedenen Opiate so hoch war, dass der Herr Pharao von seinem Tagesablauf wirklich nicht mehr viel mitbekommen haben dürfte.
    Nun die Frage: Kann mir jemand das Gedächtnis auffrischen, um welche Mumie es bei dieser Untersuchung ging und mir vielleicht ein paar Literaturtips zum Thema geben?:fs:

    Besten Dank im Voraus!
     
  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

  7. Narhara

    Narhara Neues Mitglied

    Um welche Drogen handelte es sich denn zum Beispiel?
    Aus dem stehgreif fallen mir jetzt nur Opium und Morphium (usw.) ein...

    Mit dem was ich so gelesen habe, kann es allerdings durchaus sein, dass es der ein oder andere Pharao ein wenig zu bunt mit seinen Festen getrieben hat und dadurch an die Drogenabhängigkeit herangekommen ist. Eine andere möglichkeit wäre außerdem, dass der betreffende Pharao sehr kränklich gewesen ist und deshalb in Behandlung war. Um zu betäuben wurde nähmlich Opium und (oder?) Morphium benutzt. Ergo:
    Bei zu vielen Behandlungen und Betäubungen lag die Wahrscheinlichkeit abhängig zu werden recht hoch....
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der Gebrauch von Drogen zu rituellen, hedonistischen und medizinischen Zwecken ist so alt wie die Menschheit. Das Niveau ägyptischer Ärzte war sehr hoch, und der Gebrauch von Drogen schlägt sich bereits in der Ilias und Odyssee nieder.

    Beim Besuch des Telemachos, Odysseus Sohn in Sparta bei Menelaos und Helena gerät der Gastgeber ins Schwärmen von seinem Ägyptenbesuch wie ein deutscher Kiffer, der zum ersten Mal niederländische Coffeeshop- Kultur erlebt.

    In Ägypten sei jeder ein Arzt, versichert Menelaos, der von seinem Trip das "pharmakon Nepenthes" mitgebracht hat, von dem Helena Telemachos eine Kostprobe in den wein mischt.

    "Da rinnt dir keine Tränen die Wangen herunter, und sind dir auch Vater und Mutter gestorben.


    Homer erwähnt darüber die Lotusfrucht, die die Reisenden die Heimkehr vergessen läßt oder das Kraut Molys, das Hermes dem Odysseus gibt, der sich damit gegen Kirkes Zauberei wehrt.

    Herodot beschreibt als Kuriosum, dass die Skythen sich mit einer Cannabissauna vergnügen.
     
    1 Person gefällt das.
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Morphin ist das Hauptalkaloid des Opiums. Das aber ist erst 1804 zum erstenmal chemisch isoliert worden und stand daher den Pharaonen kaum zur Verfügung.
     
  10. Vatrenus

    Vatrenus Gesperrt

    Wäre Kath eine Möglichkeit ?
     
  11. Amun-Ra

    Amun-Ra Neues Mitglied

    Kannst Du bitte Belege für eine Verwendung von Opium im Alten Ägypten nennen ?!?

    Lutz
     
  12. bonito

    bonito Neues Mitglied

  13. Ogrim

    Ogrim Aktives Mitglied

    Die Quellen sind meines Erachtens beide nicht sonderlich gut. Wir sollten versuchen, am Material zu bleiben und klare Beobachtungen festzustellen.
    Es scheint fest zu stehen, dass die Ägypter verschiedene Arten von Drogen kannten und sie auch, scheinbar besonders in höheren Kreisen, umfangreich konsumierten. Ob sie damit nur Krankheiten behandelten, kann ich nicht sagen, würde ich jedoch wegen des Umfangs der Anteile im Blut bzw. Knochen/Haar nicht annehmen.
    Wir werden uns die meisten Pharaonen als Drogenkonsumenten, nicht nur harmlose "Kiffer", vorstellen müssen. Macht das für die Ägyptologen eigentlich einen Unterschied?
    Ausserdem empfiehlt es sich in diesem Thread, erstmal die Links von Muspilli zu lesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. September 2010
  14. Ogrim

    Ogrim Aktives Mitglied

    Der Gebrauch dürfte in verschiedenen Regionen schon erheblich länger verbreitet gewesen sein. Drogen spielen eine grosse Rolle in der mehrheitlich schamanistisch geprägten Geisteswelt der Mittel- und Jungsteinzeit. Selbst wenn man die Illias, wofür ich plädieren würde, bis in die Bronzezeit hinein verlängert, gibt es noch ältere Belege.

    Das zeigt deutlich, dass beim Konsum der euphorische Zustand in Gesellschaft im Mittelpunkt stand. Bei den Skythen hiess es, das Rauchen von Cannabis würde den Krieger schmerzunempfindlich und unsterblich werden lassen.

    Das ist meine Lieblingsstelle bei Herodot. Er hat aber selbst nicht konsumiert und das Verfahren nicht verstanden, er schreibt nämlich, dass die Skythen so "froh darüber waren, dass sie endlich sauber waren, dass sie lachend und tanzend durch die Strassen liefen". Sollte man mal gelesen haben.
    :friends:
     
  15. Amun-Ra

    Amun-Ra Neues Mitglied

    Nein (... und das nicht nur weil sie einen islamischen Raum für 1000 v.u.Z. impliziert ... :pfeif: ).

    Wer eine solch absolute Aussage trifft sollte halbwegs zeitgenössische Belege aus dem Alten Ägypten vorlegen können (Funde, Texte, etc.). Ansonsten kann man soetwas erfahrungsgemäß in der Regel sehr schnell in die Tonne hauen ... :nono:

    Lutz
     
  16. Water

    Water Neues Mitglied

    Wie kommt denn Kokain in die Mumien? Weil da steht ja, was mir auch gleich so auffiel, dass das südamerikanische Pflanzen sind... :grübel:und damit kann es die doch nicht in Ägypten gegeben haben, oder wird in Afrika auch Kokain angebaut? Cannabis ist ja bekannt, wird ja z.B. heute auch in Afghanistan angebaut, wenn ich das nicht verwechsle...
    Gibts denn irgendwelche seriösen Quellen zu dieser Mumienuntersuchung? Wurde da wirklich Kokain und Nikotin gefunden?
    Ehrlich gesagt, das mit den Römern liest sich auch alles ganz "passend" aber naja, man muss ja immer erst alles beweisen... sonst kann man sicher auch eine andere Erklärung finden, warum z.B. Nero so war (was ja auch noch fraglich ist...). Jedenfalls sind so manche Erklärungen durch Drogenkonsum echt lustig... jetzt soll die Kleopatra also alle mit Drogen vollgepumpt haben... ja, doch, da wird ja einiges klar... :D
     
  17. rena8

    rena8 Aktives Mitglied


    Irgendwo in diesem oder einem anderen Thread wurde das diskutiert.
    Hanf = Cannabis und Mohn als Ausgangspflanze von Morphium und Heroin waren in Eurasien/Afrika schon im Neolithikum bekannte und nachgewiesene Pflanzen. Nikotin kommt in Spuren auch in Auberginen und anderen Gemüsepflanzen vor, weil es ein Fraßabwehrstoff ist, der die Pflanze schützt.
    Was man nun genau in welchem Pharao gefunden hat, weiß ich nicht mehr.
    War das wirklich Kokain?
     
    1 Person gefällt das.
  18. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Halte ich für sehr unwahrscheinlich. Kath kann nirgendwo in Ägypten angebaut werden - bekannt sind Äthiopien und der Jemen als Anbaugebiete. (Kat braucht die gleichen Bedingungen wie Kaffee.) Da die Kat nur in frischer Form wirksam ist und die Entfernung mit den damaligen Transportmethoden nicht schnell genug zurückgelegt werden konnte, kann ich mir nicht vorstellen, daß man in Ägypten wirksames Kat importieren konnte.
     
    El Quijote gefällt das.
  19. Water

    Water Neues Mitglied

    In dem Link, den Muspilli gepostet hat, steht, dass Mumien untersucht wurden und die Wissenschaftlerin ihren Augen nicht trauen konnte, als sie Kokain entdeckt hat, weil es das nur in Südamerika gab. Und mich würde halt interessieren, ob man die "Messung" die da durchgeführt wurde, irgendwo anhand einer seriösen Quelle nachprüfen kann. Der Artikel ist ja eher populärwissenschaftlich, aber wenn wirklich Kokain gefunden wurde, wäre das ja ein Grund, ein kleines bisschen das Wort "spektakulär" zu gebrauchen, oder? Weil wie kommt das denn da hin? ;) (vielleicht haben die Phönizier doch Amerika entdeckt... :red::D)
     
  20. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Da das Thema wiederbelebt wurde, kann ich noch Pituri anhängen.
    Ebenfalls ein Nachtschattengewächs, dass sogar mehr Nikotin enthalten soll als der amerikanische Tabak. Pituri wurde von den Altaustraliern verwendet und in besonders verzierten Taschen transportiert.
    Pituri - Duboisia hopwoodii

    Mit den ägyptischen Mumien besteht aber kein Zusammenhang, nur der Vollständigheit halber, weil im Thread auch über die Inhaltsstoffe nicht- amerikanischer Pflanzen diskutiert wurde, soweit ich mich erinnere, habe auch nicht den ganzen Thread nochmal gelesen.
     

Diese Seite empfehlen