Die Assyrer: Ströme des Bluts ?

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von Louis le Grand, 7. Januar 2005.

  1. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Die Assyrer sind heute mit dem Stigmata grausamer Eroberer behaftet. Das liegt jedoch nicht daran, dass sie viel kriegerischer gewesen wären als andere große Reiche der Geschichte. Ihren Zeitgenossen galten sie keineswegs als besonders grausam. Ihre schlechte Presse verdanken die Assyrer vielmehr ihrem über Jahrhunderte anhaltenden militärischen Erfolg sowie dem Eifer, mit dem die assyrischen Könige ihre kriegerischen Erfolge in Wort und Bild verherrlichten. Schriftliche Berichte sind in großer Zahl erhalten, in Stein gemeißelt sowie auf Tafeln und andere Objekte aus Ton geritzt und viele der Wandreliefs, die ihre Paläste schmückten, zeigen kriegerische Szenen.

    Dennoch hatten die Assyrer auch ein völlig anderes Gesicht. Wie schon die Reliefs zeigen, waren sie begnadete Künstler und Architekten. Assyrien war eine der bedeutendsten Hochkulturen der antiken Welt. Mit großer Macht, Wohlstand und Reichtum ausgestattet, entwickelten sie eine enorm verfeinerte Hof- und Wohnkultur. Besonders berühmt waren die assyrischen Gärten und Parkanlagen. Große Areale mit exotischen Bäumen und Blumen, geschmückt mit luxuriösen Palästen und weiten Wasserflächen, gespeist durch großangelegte Aquädukte, die das klare Wasser von weit her transportierten. Nicht umsonst war die berühmte Semiramis eine assyrische Königin.

    Dieses Bild zeigt König Assurbanipal in einem seiner Gärten bei einem Festgelage mit seiner Gemahlin: http://www.orientalisti.net/img/nadali2003/fig5.big.jpg


    Man teilt die Geschichte der Assyrer in drei Phasen ein:

    1. Altassyrische Zeit ( zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. )

    2. Mittelassyrische Zeit ( ca. 1335-1050 v. Chr. )

    3. Neuassyrische Zeit ( ca. 900-612 v. Chr. )

    In altassyrischer Zeit stieg der Stadtstaat Assur zu einem Territorialstaat auf, in mittelassyrischer Zeit wurde dieser zum ersten mal eine dominierende Großmacht. Ich möchte hier eine Einführung in das Neuassyrische Weltreich geben. Ich werde Grundlegendes darstellen und die Geschichte des allmächtigen Neuassyriens anhand der bedeutenden Herrscher nachzeichnen.



    Grundlegendes

    Die Assyrer gehören zur klassischen Kultur des akkadischen Mesopotamien, also zu genau der gleichen Kultur wie Babylon. Beide sprachen Akkadisch und schrieben es in der bekannten akkadischen Keilschrift. Es sind nur wenige Details die Assyrer und Babylonier unterscheiden. Die Könige von Assur waren die ersten die einen Weltmachtanspruch formuliert haben, mit dem politischen Ziel, die bekannte Welt zu unterwerfen. Ihr oberster Gott war Assur . Ihm galt der Schlachtruf: „Assur ist König der Welt“ .Im Laufe der assyrischen Geschichte verschmolz Gott Assur mit dem babylonischen Gott Marduk, dem König der Götter. Die assyrischen Großkönige zeichnen sich durch eine ungewöhnliche dynastische Kontinuität aus. Von den Stadtfürsten in altassyrischer Zeit bis zum Untergang des Reiches und dem Tod des letzten Herrschers 609 v. Chr., regierte eine ununterbrochene Blutlinie von Königen aus einer einzigen Familie. Ihr korrekter Titel lautete: Großkönig, Starker König, König der vier Weltgegenden, König von Sumer und Akkad, Hohepriester des Assur.


    Es folgen nun nacheinander mit zeitlichem Abstand die Kurzbiographien der Könige, am Ende auch die Buchtipps. :D
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Januar 2005
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  2. Tukulti-Ninurta

    Tukulti-Ninurta Neues Mitglied

    Das freut mich aber, das nun auch die Assyrer endlich mal gewürdigt werden. Werde das hier mal sehr interessiert verfolgen, und sehen, wie veraltet mein Wissen ist :rolleyes:

    Wie immer wurde die Geschichte von den Siegern bzw. von den Assyreren nicht wohlgesonnenen Autoren verfasst. Obwohl sie im wesentlichen nicht grausamer waren als andere Völker, gelten sie doch als blutige Tyrannen. Wie schon geschrieben verdanken sie ihren Ruf vor allem ihrem Erfolg.

    Wird es in absehbarer Zeit etwas über Alt- und Mittelassyrisches Reich geben? Ansonsten werd ich mich evtl. an einem kleinen Artikel versuchen , so es der Job zuläßt.
     
  3. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    @Tukulti-Ninurta :)
    Da kann ich dir nur zustimmen. Setzt man die Assyrer ins Verhältnis zu anderen Großreichen oder zu ihren Zeitgenossen (etwa Nebukadnedzar II.), dann waren sie nicht brutaler, sondern nur erfolgreicher. Besonders in dynastischer Hinsicht. Eben weil sie einer gewissen (falschen) "negativ Presse" unterliegen, widmet sich diese Einführung einer beeindruckenden Zivilisation über die man an vielen Stellen staunen kann !

    PS: Für die etwas weniger bewanderten; Tukulti-Ninurta I. war auch König von Assyrien (1233-1197). ;) :hoch:
     
  4. Babylonia

    Babylonia Neues Mitglied

    Schön, dass mehr Bewegung in diesen Pfad kommt.
    Jetzt bin ich gespannt, ob Du nun Tukulti- Ninurta I.(1233- 1197) bist, der Babylon in Schutt und Asche legte und beraubte oder Tukulti- Ninurta II.(890- 884 v. Ch.).
     
  5. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Stimmt ja, von den gab es ja sogar zwei. Das kommt davon, wenn man Königslisten von oben nach unten ließt und da aufhört wo man fand was man suchte. ;)
     
  6. Wie immer in der heutigen Geschichtswissenschaft, besonders aber nun bei den Assyrern bemühen sich die Forschenden immer weitere Relativierungen zu treffen. Die Atzteken um mal ein Beispiel zu nennen haben furchtbare Dinge getan aber wie wir es neulich in einer anderen Diskussion hatten, man darf es angeblich nicht moralisch verurteilen und das war doch eine Hochkultur ?! Ich bezweifle nicht daß die Assyrer eine solche Hochkultur hatten, aber ganz ohne moralische Verurteilung: sie haben Menschen aufs übelste geschunden und Massenmorde angerichtet die ihresgleichen suchen. Den Rest beherschten sie durch Umsiedelung, Ethnische Säuberung und Furcht der Untertanen vor ihren Assyrischen Herrn.

    Besonders interessant finde ich die Militärgeschichtliche Rolle der Assyrer, zu den Armeen der Könige Assurs werde ich morgen noch etwas verfassen. Die Assyrer haben sowohl die Belagerungsramme als auch den Belagerunsturm und das erste Geschütz erfunden und noch vor allem Anderen: Die Kavallerie ist eine Assyrische Erfindung. Die Truppen der Assyrer waren mit die best organsiertesten vor Rom und Assur war militärtechnologisch der Größte Revolutionär der Antike und mit der Geschichte.

    Die besondere Grausamkeit der Assyrer galt aber vor allem für das Mittel- und Neuassyrische Reich, um den Unterschied mal ohne Euphemismen bildlich zu verdeutlichen, ein Text aus einem Assyrischen Palast der dort an der Wand steht:

    „Ich vernichtete sie, riß ihre Mauer ein und verbrannte sie mit Feuer, ich ergriff die Überlebenden und Pfählte sie vor ihrer Stadt, Hügel von Leichen und Schädeln errichtete ich vor der Stadt, ich warf ihre Leichen in kleine Stücke geschnitten den Hunden und Schweinen vor und ließ die übrigen dabei zusehen, die Leichen der Kinder stapelte ich, ich zog ihnen langsam die Haut ab, einigen schnitt ich Hände und Füße ab, anderen die Nasen, Ohren und Arme, allen stach ich die Augen aus, ich zog den Kindern die Haut ab und bedeckte damit die Mauern der Stadt, die Köpfe ihrer jungen Männer schnitt ich ab und bildete daraus eine Säule über ihrer Stadt, ihre jungen Mädchen verbrannte ich, ich verbrannte auch 3000 weitere Gefange mit ihnen in Gruben, ich ließ nicht einen einzigen am Leben der als Gefangener hätte dienen können.“

    Das haben sie selbst, also die Assyrer selbst in ihren Feierräumen und Wohnräumen über ihr Wirken geschrieben.

    Negative Presse, von ihnen selbst verfasst ? Das sie derartige Dinge getan haben ändert nichts daran daß sie trotzdem eine herausragend hochstehende Zivilisation waren, und wie ich gelernt habe darf man nichts und niemanden moralisch verurteilen.

    Es ist ein bedeutender Unterschied zwischen der Verherrlichung kriegerischer Erfolge wie sie z.B. Nebukadnezar betrieb und diesem sehr typischen Text, es ist ein Unterschied ob ich die Vielzahl der eroberten Städte rühme oder nur eine endlose Litanei an sich steigernden sadistischen Grausamkeiten.

    Was wie gesagt nicht ihre hochstehende sonstige Kultur negiert, so waren die Assyrer gute Kaufleute, technisch herausragend begabt (Belagerungsturm) aber z.b. auch die älteste Darstellung eines Flaschenzuges stammt aus Assyrien ! Auch Landwirtschaftliche, z.B: waren die Assyrer diejenigen die die Baumwollstaude aus Indien holten und in Mesopotamien heimisch machten. Geniale Kanalbauten und Straßen und das erste Parkverbot der Welt wie auch die umfangreichen Bibliotheken die Assurbanipal anlegte stehen eben im krassen Kontrast zu ihren Taten die sie auf Kriegszügen vollzogen oder auch bei sich zu Hause, so haben wir Darstellungen von Feiern wo überall in den Bäumen zur Dekoration Köpfe hängen aus Assur.
     
  7. Die Heere Assyriens

    Entscheidend für das Verständnis der Assyrer ist m.M.n. das Militär, da Assyrien primär eine Militärmacht war und sich auch ins besondere als Solche selbst defnierte.

    Das Alt-Assyrische Reich orientierte sich in seiner Militärstruktur noch an der Tradition der Heere der Hurriter und besonders der des Mitanni Reiches. Die Hauptwaffe war hier der Streitwagenkämpfer, der von einem Zwei-Pferd Streitwagen mit einer Lanze kämpfte. Als die Mitanni von dem Hethiterkönigen niedergeworfen wurden, eroberten die Assyrer den Osten des Mianni Reiches für sich und im Konflikt mit den Hethitern stellten sie erstmals geordente Infanterie auf, vorher kämpfte die Infanterie einfach in dichten Blöcken hinter den Streitwägen und in der Form als Leichte Plänkler zur Fuß zwischen den Streitwägen.

    Dabei nahm ein Streitwagen je einen solchen Plänkler als drittes Besatzungsmitglied mit, dieser sprang jedoch vor dem eigentlichen Kampf ab und kämpfte dann zur Fuß weiter. Die Infanterie wurde nun in zwei Klassen eingeteilt: die schwere Infanterie kämpfte in geschlossenen Formationen und wurde Asharituu genannt, sie kämpfte in den vorderen Reihen mit Schild und Speer, in den hinteren mit dem Bogen. Die Leichte Infanterie die sich aus den Plänklern entwickelte wurde Hupshu genannt und kämpfte in lockerer Formation oder Auflösung, aber ebenso zweigeteilt in Speerkämpfer und Bogenschützen.

    Gegen Ende des Alt-Assyrischen Reiches ist es schon nachweisbar, daß die Ashiratuu vom König Land erhielten, im Gegenzug stellten sie von dessen Erträgen ihre Ausrüstung und leisteten als Steuer Militärdienst. Diese Ordnung entwickelte sich ähnlich späterer solcher Systeme wohl unter dem militärischen Druck von Nachbarvölkern. In dieser Zeit wurden nun die Hupshu immer mehr aus Nicht-Assyrern aufgestellt. Diese Armee blieb dann auch in der Grundstruktur die des Mittelassyrischen Reiches. In dieser Zeit veränderten sich aber trotzdem die Grundlagen massiv.

    Zum ersten entwickelten die Assyrer massivere Streitwägen und die bisherigen Plänkler wurden ein reguläres drittes Besatzungsmitglied, desweiteren kam die erste Reiterei der Menschheitsgeschichte auf die nicht nur Aufklärte sondern selbst kämpfte. Man band ein drittes Pferd an den Streitwagen und der dritte Mann sprang im Kampf dann auf dieses Pferd und agierte zu Pferd mit einer Lanze zwischen den Streitwägen. Oder er verblieb und das dritte Pferd zog den Streitwagen mit.

    Desweiteren kamen die ersten Reiter auf, die ohne Streitwägen agierten, diese ersten Reiter führten zur Hälfte je einen großen Schild und zur anderen Hälfte den Bogen, während der Bogenschütze schoß hielt der Schildträger die Zügel von dessen Pferd.
    Die gleiche Anordnung bildete sich zu dieser Zeit auch bei den Ashiratuu aus, Teile dieser Truppe wurden mit großen, Pavisen ähnlichen Schilden ausgerüstet, der Rest der dahinter stehenden Infanterie mit Bögen. Diese Truppen kamen vor allem bei Belagerungen zum Einsatz, zu einer Zeit wo die Assyrer erstmals gedeckte aufgehängte Belagerungsrammen einsetzten. Diese Bewaffnungsidee sollte dann später die Grundlage der persischen Heere bilden.

    Tiglatpileser III reformierte dann die assyrischen Heere von Grund auf und schuf eine ganz neue Vielzahl von Truppentypen. Die Kavallerie war zu diesem Zeitpunkt bereits zur Hälfte mit Lanzen und zur anderen mit Bögen bewaffnet, der Drei-Pferd Streitwagen war Standard, wobei das dritte Pferd nicht mehr als Zusatzreittier sondern als richtiges Zugpferd eingesetzt wurde, und die ersten Vier-Pferd Streitwägen waren im Einsatz. Tiglatpileser III reorganisierte nun die Infanterie in folgender Weise:

    Die bisherigen Ashiratuu wurden in die neue Kisir Sharutti umgewandelt. Die Kisir Sharutti war die aus Assyrern gebildete Zentralarmee, die in Assur selbst stationiert wurde, sie enthielt aber nicht nur die bisherige Ashiratuu Infanterie sondern auch eine Streitwagentruppe und ein starkes Kavallerieelement. Die Streitwägen wurden in dieser Truppe alle als Vier-Pferd Streitwägen mit 3 bis 4 Mann Besatzung ausgelegt. Die Infanterie wurde als schwere Infanterie mit der üblichen Mischung vorne Schild, Lanze, hinten Bogenschützen ausgelegt, und 1/4 der Truppe als andere Einsatzformen von Infanterie wie Schützen oder berittene Infanterie. Die Streitwagenkämpfer agierten manchmal auch in Belagerungen als Eliteinfanterie was ebenfalls ein Novum war.

    Die Schützen in der Kisir Sharutti führten alle große Pavisen in der vorderen Reihe, der Rest Bögen, es gab aber auch reine Schützentruppen, und als Besonderheit gemischte Einheiten von Schleuderern und Bogenschützen. Die Assyrer spezialisierten sich darauf, gleichzeitig ballistisch und gerade auf den gleichen Gegner zu schießen, so daß er mit seinen Schilden in die eine Richtung deckend den Geschossen aus der anderen Richtung ausgeliefert war. Eine weitere Besonderheit war Infanterie in Karren, die auf Wägen in die Schlacht fuhr, für den Kampf aber absaß, ein solcher Wagen wurde von zwei Pferden oder zwei bis drei Mauleseln gezogen, und trug im Schnitt 5 Mann Infanterie. Solche Infanterie nannten die Assyrer Kallipani. Solche Einheiten hatten häufig auch Infanterie dabei die dann auf Mauleseln oder Pferden in die Schlacht ritt, zum Kampf aber absaß. Auch bei diesen Einheiten galt die Zweiteiliung von Speer- und Bogenkämpfern.

    Die bisherigen Hupshu Verbände der leichten Infanterie wurden wegen ihres hohen Anteils nicht Assyrischer Einheiten in die jeweilige Provinzarmee umgewandelt und nur noch aus den Einwohnern der jeweiligen Provinz rekrutiert. Sie bildeten nun Leichte wie Schwere Infanterie und konnten auch andere Waffengattungen in geringerem Umfang enthalten. Viele Shab Sharri Verbände waren für ihr Geschick berühmt, mit dem sie unwegsames Terrain oder Flüsse und Sümpfe durchqueren konnten und von den babylonischen Shab Sharri übernahmen die Assyrer einen aufblasbaren Ziegenschlauch als Standardausrüstung all ihrer Truppen, mit diesem als Schwimmhilfe überquerten sie dann Gewässer in Rüstung. Auch die Shab Sharri folgten der Zweiteilung in Speer- und Bogenkämpfer und trugen aber im Gegensatz zu den Kisir Sharutti keine oder nur sehr leichte Rüstungen und häufig auch ihre Landestracht.
    Die seltenen Streitwageneinheiten bestanden hier vor allem noch aus Drei-Pferd Streitwägen, manche Provinzen stellten aber auch Kavallerie Einheiten die aber dann von den Assyrern bald in die Kisir Sharruti aufgenommen wurden, so daß die Kavallerie ihrer Zentalarmee bald sehr gemischt war.

    Zusätzlich zu diesen Verbänden fanden sich in der Assyrischen Armee die Aufgebote der Verbündete und geworbene Söldner aus den verschiedenen Völkern am Rande des Assyrischen Reiches. Nach dem Fall Urartus waren uratäische Truppen sowohl in der schweren Infanterie als auch bei der Kavallerie weit verbreitet, die uratäische Kavallerie wurde aber binnem kurzem in die Kisir Sharruti aufgenommen und mit assyrischen Uniformen und Waffen ausgestattet. Die Uratäische Infanterie kämpfte in dichten Blöcken mit Schild und Lanze. Auch sehr verbreitet waren zu jeder Zeit aramäische leichte Infanteristen, die Aufgaben als Plänkler, Kundschafter und Fernkämpfer übernahmen und vor allem mit Schleudern und Wurfspeeren kämpften, manchmal wurden sie auch mit Bögen ausgerüstet. Nach den ersten heftigen Kämpfen gegen die Kimmerier wurden auch immer wieder Kimmerische berittene Bogenschützen angeheuert und in der Spätzeit Assurs fanden sich auch einige Phryger in ihren Reihen ein.

    Die Assyrische Kisir Sharutti war wie vor ihr die gesamte Assyrische Armee in 5 Armee Korps gegliedert, jedes der Armeekorps umfasste alle wesentlichen Truppentypen und trug den Namen eines der assyrischen Götter, also Assur, Ishtar, Adad, Sin und Shamash. Später wurden diese 5 Armee Korps mit dem Anwachsen des Reiches zur Zeit Sargons auf die 5 wichtigesten Städte des Reiches verteilt, auf Ninive, Assur, Arbela, Nimrud und Dur Sharkukin. Jedes der Armee Korps wurde von einem eigenen General befehligt der Turtanu genannt wurde. Häufig führte der König, Shar genannt die Armee aber selber in den Kampf, in diesem Fall agierten zwei der Turtanu als seine Stellvertreter und kommandierten den jeweils linken oder rechten Flügel der Armee. Daher wurden sie Turtanu der Rechten, bzw der Linken Seite genannt. Ein weiterer hoher Generalsrang aus den Reihen der Qurubuti war der Rab Shaki.

    Tiglatpileser III schuf noch als letztes zu all den anderen Truppentypen aus der bisherigen Leibwache des Königs von Assur eine eigene Eliteeinheit die dann Qurubuti genannt wurde. Auch diese umfasste sowohl Infanterie als auch Kavallerie und Vier-Pferd Streitwägen, war aber numerisch um einiges kleiner als die anderen Verbände und stand auch außerhalb der Armeeorganisation und allein direkt dem König. Die Qurubuti Infanterie trug als erste sowohl Speer und Schild als auch den Bogen, und die Qurubuit Kavallerie folgte diesem Bewaffnungsmuster bald und so hatte jeder Qurubuti Reiter sowohl die Lanze als auch den Bogen und agierte so in beiden Rollen zugleich. Die Qurubuti Reiter wurden rasch selbst schwerer gerüstet und panzerten auch als erste ihre Pferde mit Lederschabracken und Pferdepanzern aus Fellen. Diese Pferdepanzer kamen zur gleichen Zeit auch bei den Streitwägen auf, blieben aber bis zur Zeit von Assurbanipal bei der übrigen Kavallerie unüblich. Die Qurubuti Streitwägen rekrutierten sich aus den besten solchen Truppen der Kisir Sharutii und bildeten das direkte persönliche Gefolge des Königs.
     
  8. Die Taktiken der Assyrer auf dem Schlachtfeld und ihr Operatives Vorgehen waren äußerst modern und geschickt. Auf dem Schlachtfeld wurden diverse Taktiken angewandt, in offener Feldschlacht ist aber häufig folgende Grundtaktik erkennbar: Die Assyrischen Streitwägen und Kavallerie wurden mit den jeweiligen Turtanu an den Flügeln aufgestellt, in der Mitte der Armee stand der König mit den Qurubuti und weiteren Truppen, deren Streitwägen und Reiter aber zur Flanke abgeordnet wurden. Überhaupt ist es Bemerkenswert wie flexibel die assyrische Kommandostruktur war. Die Streitwägen und Reiter fegten nun die leichten Truppen des Gegners und deren Streitwägen und Reiter vom Feld und nahmen die Flanken der gegnerischen Armee. Dann griff das Zentrum das bisher den Gegner nur mit Bögen beharkt hatte an und die Streitwägen attackierten die Flanken und den Rücken des Gegners, wurde dessen Zusammenhalt zersprengt, ritt die Kavallerie die Fliehenden und Zerstreuten nieder.

    Die Assyrische Armee gliederte sich in Regimenter, die von den Assyrern Kisri genannt wurden. Solche Einheiten waren zwischen 200 und 1000 Mann stark und ein Armeekorps gliederte einem solchen Kisri noch um die 150 bis 600 Streitwägen und Kavalleristen an.
    Eine solche Kisri wurde auch Kisrum genannt, der Befehlshabende Offizier einer solchen Einheit dann Rab Kisrum. Es gab auch dann später reine Infanterie Kisri und reine Kavallerie und Streitwägen Kisri, eine solche Streitwägen Kisir hatte dann aber nur noch um die 150 bis 200 Streitwägen. Die jeweilige Kisri gliederte sich in Untereinheiten von je 10 Reitern oder Streitwägen die jeweils von einem Rab Eshirte geführt wurden. Die gleiche Gliederung gab es bei der Infanterie, wobei zwischen dem Kisri und der 10 Mann Gruppe weitere Gliederungen stehen konnten, aber nicht mussten. So gut wie alle rein assyrischen Einheiten waren verblüffend flexibel und konnten im Feld kurzfristig von ihren Befehlshabern neu kombiniert und zusammengestellt werden, was von einem sehr hohen Ausbildungsstand zeugt.
     
  9. Tukulti-Ninurta

    Tukulti-Ninurta Neues Mitglied

    Ja, es ist Tukulti-Ninurta I. , der Babylon eroberte. leider wurde er von seinem eigenen Sohn ermordet...

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie mache Leute Maßstäbe unserer Zeit auf eine Zeit vor 3000 Jahren zu übertragen versuchen. Dies ist nicht möglich, wir sind durch mehrere hundert Jahre christlich geprägt und haben unser Wertesystem, doch galten damals andere Regeln. Hätten die Assyrer sich anders verhalten(und es waren auch nicht alle assyrischen Herrscher so extrem grausam, auch das ist Propaganda), würden wir heute vielleicht über die grausamen Mittani oder das grausam Urartu schreiben.

    Was auch immer wir heute davon halten, in ihrer Zeit waren sie nicht schlimmer als andere, ich verstehe auch nicht, wie sich hier diese Inschrift von einer Selbstbeweihräucherung Nebukadnezars unterscheidet. Beides dient dem gleichen Zweck, Überhöhung eigener Taten und Abschreckung für mögliche Angreifer. Wer würde schon ein Reich angreifen, das mit so harter Vergeltung arbeitet wie die Assyrer. Das hat schon einen gewaltigen psychologischen Effekt. Und wenn jetzt jemand mit Menschenrecht oder ähnlichem kommt, auch das gab es damals noch nicht. Es waren nunmal Zeiten in denen man eine starke Miltärmacht oder wichtiger Handelspartner sein mußte um als Reich oder Machtfaktor zu bestehen. Als andere ist Verklärung der Gschichte.
     
  10. Nichts anderes hatte ich doch geschrieben, da ist kein Vergleich und keine Wertung erlaubt, genau das hatte ich doch geschrieben ?!

    Ich erwähnte doch auch die Atzteken, aus religiösen Gründen opferten sie Menschen, daß muß man schon tolerieren und wie ich vergangene Woche von Akademikern hörte ist es ja so schade daß ihre Kultur verloren ist.

    Aber im Ernst: Wie ich selbst schrieb: Barbarei und Abscheu erregende Taten auf der einen und Hochkultur auf der anderen Seite schließen sich nicht aus. Die Assyrer hatten definitiv eine Hochkultur.

    Hast du den Text nicht gelesen ? Es unterscheidet sich deutlich ! Nebukadnezar II rühmte wieviele Städte er erobert hat, und er rühmte seine Gerechtigkeit und Größe, ich zitiere:

    „Ich bin mächtig, ich bin allmächtig, ich bin ein Held, ich bin ein Gigant, ich bin ein Koloß !“

    Da fehlen irgendwie die gehäuteten Kinder mit deren Häuten man dann die Zinnen der Stadt behängte, nicht das Nebukadnezar nicht auch grausam Menschen töten ließ, aber er verheerlichte es nicht in seinen Inschriften und seine Methoden waren nicht derart einfallsreich und vielfältig und mehr aus Töten und weniger aufs Foltern ausgelegt. Die Assyrer sind die ersten Menschen die nachweislich Menschen pfählten.

    Dieser Punkt Christentum ist meiner Meinung nach falsch. Die christlichen Moldawier haben ebenso Gepfählt !! wie die christlichen Spanier Indianerfrauen lebende Ratten in ihre Körperöffnungen gerammt haben.

    Aber ich veruruteile das explizit nicht, das möchte ich noch einmal wiederholen und betonen.

    Das ist ein Punkt wo ich dir zustimmen kann .Wenn man die von den Assyrern selbst verfassten Text wörtlich nehmen würde, dann wäre ihr Reich nicht funktionsfähig gewesen, die Grausamkeiten waren nicht zuletzt eben psycholgoische Kriegsführung waren, vergleichbar dem Terror der Mongolen, die Textliche Darstellung sollte sicher die zahllosen Feinde Assurs in Furcht und Horror versetzen.

    Die gibt es auch heute nicht, alles andere ist Verklärung der Gegenwart.

    Trotzdem möchte ich beschließend die Zeitgenossen zitieren: „Wehe der mörderischen Stadt, die voll Tod und Leid war und vom Morden nicht lassen wollte! Ninive ist zerstört, wer will Mitleid mir ihre haben !“

    PS: ich habe doch die Kulturleistungen wie z.b. den Flaschenzug auch exlizit genannt, oder nicht ?! (Außerdem implizierte ja der Titel des Thread das man exakt darüber diskutieren solle, eben in wie weit die Assyrer ihre Herrschaft wirklich durch solche Taten begründet haben und in wie weit diese Vorgänge nur Propaganda waren und da habe ich eben die Position, daß sie diese Taten wirklich auch umgesetzt haben !)
     
  11. Aber laß uns jetzt bitte nicht eine Moraldebatte anfangen, das macht keinen Sinn, diskutieren wir nur über die Assyrer ohne Wertung, daß wäre viel interessanter.

    Ich habe mich vor allem mit den Assyrern wegen ihrer herausragenden Militärgeschichtlichen Rolle beschäftigt, daher kann ich vor allem Infor von der Militärischen Seite her liefern und habe ja oben schon versucht das zu tun.

    Zur politischen Seite freue ich mich sehr auf die Posts von Louis le Grand.

    Über die Alt-Assyrer weiß ich auch nur wenig, so weit mir bekannt gehörten sie zum Hurritschen Großraum und waren vor allem auch Händler. Die Rolle der Assyrer als Händler interessiert mich sehr, ich habe aber kaum Informationen darüber.

    Ein weiterer Punkt wäre die Religion zu der Louis ja schon etwas geschrieben hat, dazu etwas detailliertere Informationen wären super.
     
  12. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    @Quintus Fabius :)
    „Die Heere Assyriens“ ist ein wirklich sehr guter Beitrag, der das ganze Bild perfekt ergänzt.

    Es ist ein bedeutender Unterschied zwischen der Verherrlichung kriegerischer Erfolge wie sie z.B. Nebukadnezar betrieb und diesem sehr typischen Text, es ist ein Unterschied ob ich die Vielzahl der eroberten Städte rühme oder nur eine endlose Litanei an sich steigernden sadistischen Grausamkeiten.

    Genau an dieser Stelle muss man differenzieren. Sprich, nicht alles für bare Münzen nehmen, denn die Assyrer trugen bei so etwas mächtig dick auf. Das war nämlich Teil ihrer psychologischen Kriegsführung. Königsinschriften und Reliefs mit Kriegsdarstellungen bieten ein breites Spektrum der bei den Assyrern zur Anwendung gelangten Mittel der Gewalt. So wurde etwa fremden Gesandten in den Repräsentationsräumen assyrischer Paläste die Unbesiegbarkeit der Armee und das Schicksal der Besiegten auf Schritt und Tritt vor Augen geführt. Darstellungen dieser Art, durch die jeglicher potentielle Widerstandswille bereits im voraus erstickt werden sollte, waren nicht nur auf Paläste beschränkt, sondern an allen öffentlichen und repräsentativen Gebäuden angebracht. Es handelt sich dabei nicht um die sinnlosen Verherrlichung von begangener Brutalität, sondern um ein politisches Instrument zur Einschüchterung von Feinden und Vasallen. Dabei war das rhetorische Mittel der blutigen Übertreibung nur recht und billig. Was aber nicht heißen darf, dass die assyrischen Großkönige durchaus zu erbarmungsloser Gewalt griffen, wenn es ihnen nötig erschien. Dennoch sind auch Akte großer Gnade dargestellt, etwa wenn Tiglatpilesar III. seine rebellierenden Vasallen an der Mittelmeerküste nicht exekutieren lässt sondern erst in Ketten legen lässt, um ihnen dann im Ninurta-Tempel der Hauptstadt die Ketten wieder abzunehmen, ihnen die Hände reicht und einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit ihnen schließt. Sowohl Terror als auch Milde prägte die Politik Assyriens, allerdings verstanden sie wenig Spaß, wenn sich jemand konsequent ihrer Macht zu entziehen versuchte.

    Was willst du denn genaueres über die Religion wissen ?

    Aber nun die erste Biographie.



    Assurnasirpal II.
    (883-859)

    Sein wohl berühmtestes Abbild ist allerdings dieses:
    http://perso.wanadoo.fr/spqr/Images/assurba2.jpg

    Sohn des Tukulti-Ninurta II. Er, sein Vater und Großvater befreiten Assyrien aus einer Zeit der Lethargie, in der das Reich schrumpfte. Expansion war wieder an der Tagesordnung. Relativ schnell begann er mit Kriegen nach Norden, Osten, Süden und ganz besonders nach Westen, nach Syrien und in die Levante. Schnell erlangte er die Oberhoheit über die Küste des „großen Meeres von Amurru“ und den Libanon. Die Feldzüge Assurnasirpals hatten in der Regel rein wirtschaftliche Motive. Die Länder, die unter militärischer Kontrolle standen, waren willkommene Lieferanten von Gold, Silber, Rohstoffen und Waren aller Art, aber auch von Rindern und Pferden. Der ständige Mangel an Arbeitskräften wurde durch den Einsatz von Kriegsgefangenen ausgeglichen, so dass die zahlreichen militärischen Vorstöße weniger den Charakter von polit. Handlungen als von Beutezügen hatte.

    Nicht lange nach seinem Regierungsantritt beschloss Assurnasirpal II. seine Hauptstadt von Assur nach Kalchu (heute Nimrud) unweit des Zusammenflusses von Tigris und Großem Sab zu verlegen. Im Jahr 878 v. Chr. begannen die Arbeiten an den Stadtmauern, einem Kanal und den Palästen, doch erst nach 15 Jahren Bauzeit konnte die große Einweihungsfeier für den Palast stattfinden. Assurnasirpal II. verwandelte Kalchu von einem kleinen Verwaltungszentrum in die Hauptstadt eines bedeutenden Großreiches. Assur blieb bis zum Untergang das religiöse Zentrum Assyriens. Kalchu blieb etwa 150 Jahre lang Metropole, bis zur Herrschaft Sargons II. (dazu später). Die Stadtmauern erstreckten sich über eine Länge von fast acht Kilometern und bestand aus rund 70 Millionen Ziegeln. Die Mauern umschlossen ein Areal von 360 Hektar einschließlich der Reste der alten Stadt im Südwesten, die Assurnasirpal in eine Akropolis mit dem Tempel- und Palastbezirk verwandelte.

    Der Nordwestpalast, sein Hauptwerk, wies den üblichen Grundriss assyrischer Paläste auf. Ein äußerer Hof für öffentliche Angelegenheiten wurde durch einen großen Thronsaal von dem inneren Komplex abgetrennt, in dem um runde Höfe herum Räume angeordnet waren. Der Zugang zum großen Hof erfolgte wahrscheinlich durch ein Tor in der Ostmauer. Die Südmauer mit ihrer gemeißelten Steinfassade war von drei Toren durchbrochen, die von riesigen steinernen Löwen mit Menschenköpfen flankiert waren und in den Hauptthronsaal führten. Hier stand in einer Nische an der linken Schmalseite ein rechteckiger Sandsteinblock, in den das Bild das Königs sowie eine lange Inschrift eingemeißelt ist. Sie verkündet die Vollendung des Nordwestpalastes, den Wiederaufbau von Kalchu und überliefert das große Fest, das der König zur Feier dieser Ereignisse gab. Die Inschrift beginnt mit Assurnasirpals Titeln und seiner Ahnenreihe. Dann folgte die Aufzählung seiner Eroberungen und Bauwerke. Er errichtete eine Terrasse aus Ziegelsteinen, die 120 Schichten hoch war. Darauf baute er einen Palast mit acht Flügeltüren, von denen jede aus anderen Arten Holz angefertigt war. Die Wände waren mit Malereien und blauglasierten Ziegeln geschmückt Assurnasirpal erbaute die Tempel seiner neuen Hauptstadt Kalchu und – wie die Inschriften sagen – restaurierte verfallenen Städte und Paläste in ganz Assyrien. Er ließ einen Kanal ausheben, um Wasser in die neue Metropole zu leiten. Bäume und Pflanzen, die auf Assurnasirpals Feldzügen gesammelt wurden, brachte man in die königlichen Parkanlagen von Kalchu. Auch Gefangene aus allen Himmelsrichtungen wurden hier angesiedelt.

    Bilder von Kalchu gefällig ?
    Stadtplan
    westlicher Palastbezirk
    Nordwestpalast von Innen

    Der König rühmt sich auch seiner Jagderfolge. Er behauptet, 450 Löwen und 390 Wildtiere von seinem Streitwagen aus erlegt zu haben und Elefanten, Löwen, Stiere und Strauße in Fallen gefangen zu haben. Schließlich beschreibt der Text ein zehntägiges Fest, zu dem 69.574 Männern und Frauen „aus allen Distrikten des Landes“ eingeladen worden waren, um zusammen mit den Bürgern von Kalchu den Umzug des Königs und die Eröffnung des Palastes zu feiern, wobei nach Angaben dieser Quelle 14.000 Schafe und 10.000 Schläuche Wein konsumiert worden sind.

    Assurnasirpal und andere assyrische Großkönige fanden im Alten Palast in Assur die letzte Ruhe. Bedauerlicherweise wurden die Gräber geplündert. Im südlichen Teil des Nordwestpalastes von Kalchu entdeckte man in jüngerer Zeit drei unversehrte Gräber, eines mit dem Leichnam eines Mannes, die anderen enthielten die sterblichen Überreste zweier Königinnen. Sowohl die Menge wie der Wert der Grabbeigaben, darunter 57 Kg reines Gold, zeigen den unermesslichen Reichtum des Königshauses. Aus Texten und Reliefs der Zeit geht bereits hervor, wie viele Edelmetalle und Juwelen nach Assyrien gelangten. Ebenso geben die Reliefs wertvolle Hinweise auf die Lebensweise des Königs und seiner Beamten.
     
  13. So ich irgendwo gelesen habe jagten die Assyrer sehr gerne Delphine von Booten aus, die Könige und hohen Adligen kamen zu diesem Zweck des öfteren nach Phönizien.
     
  14. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Die Rolle des Königs

    Einige Worte zum Großkönig. Dieser war selbstverständlich die höchste irdische Instanz auf allen Ebenen des Lebens. Er setzte Priester und Beamte ein wie er es für richtig hielt. Er war oberster Befehlshaber und Hohepriester des Reichsgottes Assur, und daher auch theoretisch als Assurs Stellvertreter der Herrscher über die ganze Welt. Die Könige waren jagdbegeistert, weshalb die Anmerkung der Delphinjagd von Quintus Fabius wohl zutreffen dürfte. Darüber hinaus musste ein König aber ebenso über große Bildung verfügen. Er musste sich mit Architektur auskennen, Kunst, Riten, Landwirtschaft, Botanik und natürlich der Schreibkunst. Nicht wenige Herrscher Assyriens gelten als sehr gebildet, mit zahlreichen Interessen und Vorlieben.



    Salmanassar III.
    (858-824)

    Sohn des vorherigen. Der neue König Salmanassar III. führte die Kriegspolitik seines Vater fort. Sein Betätigungsfeld konzentrierte sich auf Syrien und den Taurus. 853 v. Chr. sah er sich einer Koalition von Königen und Fürsten der Küstengebiete gegenüber, die hartnäckig versuchten sich von der assyrischen Herrschaft zu befreien. Die Kämpfe zogen sich bis 838 v. Chr. hin, wobei der Hauptgegner das aramäische Königreich Damaskus sein sollte. Salmanassars Versuch Damaskus zu unterwerfen schlug zwar nach zahlreichen Siegen doch fehl, aber zumindest konnte er sicher sein, dass sich dieses nicht mehr dem assyrischen Einflussgebiet entziehen konnte. Auch Kilikien überzog Salmanassar mit Krieg, mit dem Ziel der Rohstoffgewinnung.

    Die Beziehungen zu Babylon gestalteten sich schon sehr viel freundlicher. Es wurden Freundschaftsverträge geschlossen und Heiraten vollzogen. 851 griff Salmanassar in die babylonische Thronfolge ein, als der Bruder des Königs von Babylon rebellierte. Assyrien griff die Positionen des Rebellen an und ein assyrisch-babylonisches Heer belagerte die letzte Zuflucht des abtrünnigen Bruder, wobei dieser getötet wurde. Dies nahm König Salmanassar III. zum Anlass die wichtigsten Kultzentren Babyloniens zu besuchen und in Babylon selbst dem Gott Marduk zu opfern. Dabei ließ er sogar ein Fest für die Bewohner von Babylon und Borsippa ausrichten. Mit einigen chaldäischen Stämmen im Süden, welche die südlichen Provinzen bedrohten, machte er dabei auch gleich kurzen Prozess. Ab 843 unternahm er mehrere Ostfeldzüge wobei er 27 kleiner Königreiche zu Vasallen machte, auch die Meder gerieten dabei in die Abhängigkeit.

    Schon zu Beginn seiner Herrschaft gab Salmanassar den Bau eines weiteren Palastbezirks in der Südostecke der äußeren Stadt Kalchu in Auftrag (siehe oben genannte Karte). 846, in seinem 13. Regierungsjahr, wurde das Bauwerk vollendet. Der von den Archäologen als „Festung Salmanassar“ bezeichnete Palast war zugleich königliche Residenz, Schatzkammer und Schutzburg des Herrschers. Im 7. Jahrhundert v. Chr. beschreibt eine Quelle den Zweck des Palastes ekal masharti: „...für die Verwaltung des Militärlagers, die Unterhaltung der Hengste, Wagen, Waffen, Rüstungen und Kriegsbeute jeglicher Art.“ Tatsächlich fand man dort Waffen und Rüstungen wie auch große Mengen an teilweise sehr wertvoller Kriegsbeute. Die „Festung Salmanassar“ wurde in einem befestigten Gelände von etwa 8 Hektar erbaut. Das Hauptgebäude maß 350 mal 250 Meter. Und war in zwei Areale eingeteilt: vier große Höfe im Norden, der Palast und die Wohngebäude im Süden. In den äußeren Höfen befanden sich Werkstätten zur Reparatur und Instandsetzung der Kriegsausrüstung, Beamtenwohnungen und Magazine zur Aufbewahrung der Kriegsbeute und anderer Dinge. Die Südseite des Südosthofs nahmen die stattlichen Räume der Königsresidenz ein, mit dem Thronsaal als größten und glanzvollsten Teil. Den gewaltigen Thronsockel fand man noch an der ursprünglichen Stelle in einer Nische an der Ostwand. Bis heute erkennt man die Vertiefungen in denen einst der Thronsessel Salmanassars III. befestigt war.

    Karte des assyrischen Reichsgebiets und der Einflusszonen bis zum Tode Salmanassar III.:
    http://www.utexas.edu/courses/classicalarch/images2/MapNeoassyrian.gif
     
  15. Babylonia

    Babylonia Neues Mitglied

    Darüber fand ich das hier:
    Im zentralanatolischen Kanesch (Kültepe)/ Kappadokien wurden 21000 Keilschrifttafeln in einer semitischen Sprache und zwar in der altakkadischen Form des von den Assyrern gesprochenen Akkadisch gefunden, die uns Informationen über den Handel der Assyrer Mitte des 2. Jahrtausend v. Ch. liefern. Aus den „kappadokischen Tafeln“ erfahren wir, dass am Rande von Kanesch, in einem Händlerviertel, eine Handelsniederlassung (akkadisch „karum“) der Assyrer bestand- als Zentrum eines weit gespannten Netzes von Handelsemporien (Zwischenstationen) der Stadt Assur am Tigris. Die „Vorstände“ der Unternehmen blieben in Assur, ihre Familienmitglieder wurden für Jahre in solchen Niederlassungen sesshaft, um sich dort um die Geschäfte zu kümmern, andere wiederum waren für den Transport der Waren zuständig.

    Die Handelstätigkeit und das Transitwesen der assyrischen Kaufleute wurde durch Handelsabkommen mit den jeweiligen lokalen Fürsten in Anatolien (auch in Nordsyrien) geregelt- entsprechende Abmachungen belegen dies. Die Fürsten gewährten den Handelskarawanen Schutz für den Transit und Beistand gegen Überfälle auf ihrem Territorium. Im Gegenzug wurden die Handelsgüter der Assyrer besteuert und weiterführende Handels- und Monopolrechte an den Fürsten abgetreten. Trotz dieser harter Bedingungen musste der Handel lukrativ gewesen sein, wurde er über Generationen aufrechterhalten. Die Gewinnspannen waren beträchtlich: Für Zinn gab es das Doppelte des Einkaufspreises, für Textilien das Dreifache.
    Die Assyrer tauschten in Anatolien Zinn und Textilien gegen wertvolle Edelmetalle. Die in Assurs Stammhäusern ansässigen Händler kauften Zinn, das über die Handelsrouten aus den Minen des iranischen Hochlandes nach Assur gelangte, sowie Stoffe und Fertigtextilien aus Südmesopotamien. Mit Eselskarawanen wurden die Waren nach Anatolien gebracht. Eine solche Reise dauerte sechs Wochen, im Winter wurde sie eingestellt. Oft wurde ein Zusammenschluss mehrerer Kaufleute für den Transport organisiert, um das Risiko von Überfällen zu minimieren.
    Die Abwicklung der Geschäfte unterlag strengen Regeln, Verstöße wurden von dafür zuständigen Stellen hart geahndet.

    Die Handelshäuser der Niederlassungen waren oft zweistöckig, verfügten über Werkstattbereiche, Geschäftsräume, Speicher und Höfe. Wertgegenstände, kostbare Waren und Dokumente verwahrten die Kaufleute in gesicherten, oft sogar versiegelten Räumlichkeiten.
    Die assyrischen Kaufleute waren nicht der lokalen, sondern der assyrischen Rechtssprechung unterworfen. Eine Handelsniederlassung verfügte über eine eigenständige, mehrstufige Verwaltung und Institutionen, die der Stadt Assur entsprachen. Diese Leitungsinstanzen verhandelten mit lokalen Fürsten und vertaten vor ihnen die Interessen des Karum und seiner Bewohner. Außerdem war diese Verwaltung für Steuern und Abgaben zuständig und für Kontakte mit Assur.


    Aus dem reinen Tauschhandel hatte sich im Lauf der Zeit ein Handel gegen andere Werte entwickelt. Zunächst waren es Silberklumpen, dann Silberringe und „Barren“. Gold und andere Metalle kamen später hinzu.

    Als Gewichtseinheit galt das Talent. Es entsprach 30,5 kg oder 60 Minen, die sich in 60 Sekel zu je 8,146g teilte. Ein Sila entsprach 0,842 Liter, z.B. Korn.. Diese Werte waren in ganz Mesopotamien üblich. Sie unterlagen oft Schwankungen. Aus altbabylonischer Zeit sind einige Preise bekundet: Ein Sekel Gold war sechs Sekel Silber Wert, für hundertdreißig Sekel Kupfer bekam man einen Sekel Silber und der Preis für einen Sekel Eisen betrug acht Sekel Silber. Auch die Preise für Tiere sind in dieser Zeit dokumentiert worden: Ein Schaf kostete einen halben bis einen ganzen Sekel Silber, ein Rind gab es für zwanzig Sekel und für einen Esel musste man sogar dreißig bis hundertzwanzig Sekel Silber „hinblättern“. Arbeiter wurden in Naturalien bezahlt und erhielten noch sechs Sekel Silber im Jahr.

    Assur (südlich des heutigen Mossul) profitierte von seiner günstigen Lage als Drehscheibe der Handelsrouten vom Persischen Golf nach Nordsyrien, vom Industal zum Mittelmeer und in die Levante sowie von Südmesopotamien nach Anatolien.

    Die Ende des 19. Jh. n. Ch. in Kültepe gefundenen Korrespondenzen, Inventare, Rechnungen, Protokolle und Verträge bringen gesicherte Belege über diesen Teil der Handelstätigkeit der Assyrer zur jener Zeit.

    Nach B. Hrouda haben die assyrischen Herrscher ihren Bedarf an Metallen, Holz, wertvollen Steinen oder Pferden für die Armee in zunehmendem Masse mittels Beute und Tribut gedeckt. Eroberung ersetzte friedlichen Handel. Die brutale Ausplünderung eroberter Länder hat letztlich zum rapiden Untergang des neuassyrischen Reiches am Ende des 7. Jh. v. Ch. geführt. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Assyrer ganz Syrien und Palästina erobert, die Grenzen Ägyptens erreicht, sich weit nach Anatolien vorgeschoben und waren im Osten und Nordosten gegenüber iranischen Stämmen und dem Reich Elam, das das iranische Plateau und die Ebene von Huzistan beherrschte, zum Stehen gekommen. Zum Erhalt ihrer Militärmaschine waren sie aber so sehr auf permanenten Nachschub angewiesen, dass das Ausbleiben weiterer Eroberungen automatisch zum Kollaps des Reiches führen musste( „Der Alte Orient“, Bertelsmann 2003 )


    Weiter Quellen:
    Eva Concik- Kirschbaum, „Die Assyrer. Geschichte, Gesellschaft, Kultur“, C. H. Beck Wissen, München 2003
    Milli Bau, „Der Fruchtbare Halbmond“, Kultur der Nationen 32, Glock und Lutz Vlg., Nürnberg 1975
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Januar 2005
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  16. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

  17. Alexandros

    Alexandros Neues Mitglied

    @ Quintus Fabius

    es wäre schön, wenn du in Zukunft deine Quellen nennst.

    Danke.
     
  18. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Tiglatpileser III. "der Erneuerer"
    (744-727)

    Urenkel des vorherigen, Sohn des Adad-Nirari III.. Nach dem Tod Salmanassars III. kam es zur Schwächung der königlichen Autorität. Zunehmend gewannen die Provinzstatthalter und hohe Beamte Einfluss die fast an Autonomie grenzte. Es gab sogar Beamte die eigene Feldzüge unternahmen und Inschriften verfassten in denen kein Wort zum König viel. Tiglatpileser war der jüngste Sohn seines Vaters, drei seiner Brüder gingen ihm als König voraus. 744 kam es zu einer Revolte in der Hauptstadt Kalchu, ob dies im Zusammenhang mit der Thronbesteigung Tiglatpilesers steht ist völlig unklar.

    Doch Tiglatpileser III. räumte erst einmal kräftig auf. Er reorganisierte den assyrischen Staatsapparat von Grund auf. Besonders die Kompetenzen der Statthalter wurden neu geregelt, korrupte oder illoyale Beamte streng verfolgt und aufs härteste bestraft, der Hof von zwielichtigen Personen „gesäubert“. Quintus Fabius hat schon sehr schön die bedeutenden Reformen in der Armee gewürdigt. Hier war sein Hauptwerk, dass er endgültig auf ein stehendes Heer setzte, welches schnell und effektiv eingesetzt werden konnte. Durch diese Umstrukturierungen gelang es Tiglatpileser zügig Assyrien wieder seine alte Stärke wiederzugeben.

    Tiglatpileser III. konzentrierte sich militärisch auf den Süden. Nabu-nasir, der König von Babylon, starb 734 v. Chr. Zwei Jahre später wurde sein Sohn gestürzt, kurz danach riss der Scheich der Bit-Amukkani, eines chaldäischen Stamms aus der Region südlich von Nippur, Babylons Thron an sich. Als Reaktion darauf marschierte Tiglatpileser gegen die Chaldäer. Nach siegreichem Feldzug unterwarfen sich die Führer der Aramäer und Chaldäer. Unter ihnen war Marduk-apla-iddina, der Stammesführer der Bit-Jakin, der sich später erfolglos Tiglatpilesers Nachfolgern widersetzte. Im Jahr 729 beschloss Tiglatpileser, selbst den Thron von Babylon zu besteigen, anstatt einen Vasallen zu ernennen oder die ehrwürdig Stadt zur Provinz zu degradieren. Zum Zeitpunkt der Neujahrsfeste von 728 und 729 trat er die Nachfolge des babylonischen Königs an. Die Beziehungen zwischen Babylon und Assyrien waren zu dieser Zeit von eminenter Bedeutung. Babylon war ein großes religiöses und kulturelles Zentrum, das trotz seiner militärischen Schwäche die assyrische Politik beeinflusste. Die Assyrer gebrauchten in ihren literarischen Werken und selbst in ihren Königsinschriften des öfteren den babylonischen Dialekt des Akkadischen. Während der folgenden Jahrhunderte änderte sich ihre Politik gegenüber Babylon grundlegend, als sie versuchten, eine dauerhafte Lösung für die Kontrolle des babylonischen Südens zu finden.



    Morgen kommt dann Sargon II. dran.
     
  19. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Sargon II. "der Starke"
    (722-705)

    Das obere Bild zeigt Sargon mit seinem Kronprinzen Sanherib. Hier noch ein anderes Portrait von Sargon: http://www.bible-history.com/assyria_archaeology/sargon_ii_portrait.jpg

    Sohn des vorherigen. Einiges spricht dafür, dass Sargon seinen älteren Bruder Salmanassar V. vom Thron vertrieben hat, vielleicht war jedoch nur die Thronfolge des Bruders unklar. Dieser hatte der Stadt Assur zahlreiche Privilegien entzogen. So konnte Sargon sich auf die Unterstützung der verärgerten Eliten Assurs stützen und den Thron übernehmen. Seine ersten Jahren nutzte er zur Konsolidierung seiner Macht und ließ dabei 6000 Assyrer in das syrische Hamat verbannen, die er als Kriminelle bezeichnete.

    Sargon war außenpolitisch unglaublich aktiv und kämpfte und an unzähligen Fronten um das Reich auszudehnen. Während Sargons Thronbesteigung machte sich Babylon unabhängig. Sein Hauptaugenmerk richtete er zunächst auf das mächtige Königreich Urartu, dass im Norden lag und bis in den Kaukasus reichte. Oft kam es zu Grenzkonflikten und Streitigkeiten mit Urartu. Als 716 v. Chr. Rusa I. König von Urartu, begann sich in die Beziehungen mit assyrischen Vasallen einzumischen, hatte Sargon genug von den Störungen und begann mit der Invasion Urartus. Er plünderte das Land und besiegte ein uratäisches Heer, dann gelang ihm die Einnahme der Krönungsstadt und der Staatsschatz Urartus fiel ihm in die Hände. Sargon berichtet selbst: „Ein furchtbares Gemetzel richtete ich in seinem Heere an, die Leichen seiner Kriegerzerstreute ich wie Malz, die Niederungen des Gebirges füllte ich mit ihnen an. Ihr Blut ließ wie einen Strom die Spalten und Terrassen herabfließen, Niederungen, offenes Land und Hänge färbte ich rot wie Anemonen. Seine Krieger, das Elitekorps seiner Truppen, die Bogenschützen und Lanzenträger schlachtete ich wie Schafe zu seinen (Rusas I.) Füßen dahin und schnitt ihre Köpfe ab.“ Dann folgt der Bericht über die Beute und den Tod des Königs von Urartu: „...von dem leuchtenden Glanz des Gottes Assur, meines Herrn überwältigt, sich mit seinem eisernen Schwert das Herz durchbohrte, wie einem Schwein, und so sein Leben beendete“. Urartu sollte fortan ein Vasall sein, wenn auch ein höchst unbequemer und die Macht Assyriens bis in den Kaukasus reichen.

    In Babylon tolerierte Sargon zunächst den König Marduk-apla-iddina II. und schloss Friedensverträge mit ihm. Als jedoch der innere Friede wiederhergestellt war und Urartu erobert worden ist, da schlug Sargon gegen Babylonien los. In mehreren Kampagnen unterwarf er Babylon und nahm den babylonischen Thron wieder selbst ein. Der geschlagene Babylonier floh nach Elam.

    717 gründete Sargon II. eine neue Königsresidenz die er Dur-Scharrukin – Sargonsburg – nannte. Die neue Stadt war ein Abbild des Kosmos und sollte den Ruhm des Königs in Wort und Bild verherrlichen. Die Baumassnahmen verschlangen gewaltige Ressourcen. Sie war als Quadrat geplant, von sieben Toren her wurde man eingelassen, jedes Tor war einem Gott geweiht. Der Palastbezirk befand sich im Norden. Dort erhob sich der Hauptpalast auf einer gewaltigen künstlichen Terrasse. Im Südwesten befand sich ein weiterer Palastbezirk für den Thronfolger Sanherib. Die Götter von Dur-Scharrukin wurden 707 in die Tempel der neuen Stadt gebracht, als Sargon mit „den Fürsten aller Länder, den Provinzstatthaltern, den Inspektoren und Aufsehern, den Adeligen und Eunuchen und den Ältesten von Assyrien Wohnung in der Residenz nahm und ein Fest feierte“. Dur-Scharrukin ist bis heute gut erhalten.

    Mehr Bilder von Dur-Scharrukin:
    http://oi.uchicago.edu/OI/PROJ/KHO/Khorsabad_Ex.html
    http://rubens.anu.edu.au/htdocs/bycountry/france/paris/museums/louvre/antiquities/mesopotamia/Khorsabad/index.html

    Im Jahr 705 unternahm Sargon einen Feldzug nach Anatolien, wo er König Midas von Phrygien zum Vasallen machte. Im Land Tabal im Taurusgebirge fiel der Großkönig im Kampf gegen einen Fürsten namens Gurdi. Seine Leiche konnte nicht geborgen werden und daher nicht im Alten Palast von Assur bestattet werden, was die Assyrer als böses Omen werteten, ja als Strafe weil Sargon die Götter Babylons zu sehr verehrt habe. Dennoch hinterließ er ein gewaltiges Reich.

    Assyriens Reichsgebiet beim Tode Sargons II, ohne Vasallen:
    http://www.hps.cam.ac.uk/readinglists/1-empire.jpg


    Es folgt Sanherib.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2005
  20. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Sanherib "der Große"
    (704-681)

    Sanherib war ohne jeden Zweifel einer der schillerndsten Herrscher Mesopotamiens, ein Mann von enormen Fähigkeiten und großer Tatkraft. Geboren um 745 v. Chr., war er als ältester überlebender Sohn Sargons vermutlich in Kalchu aufgewachsen, der langjährigen Hauptstadt der assyrischen Könige; bald nach Sargons Thronbesteigung 722 wurde er offiziell zum Kronprinzen ernannt und hatte in dieser Rolle reichlich Gelegenheit, die Staatsgeschäfte kennen zulernen. Während der zahlreichen Feldzüge seines Vaters fungierte er als Regent Assyriens und korrespondierte, wie wir den aus dieser Zeit erhaltenen Staatsbriefen entnehmen können, mit Gouverneuren und Generälen, empfing Tribut, kümmerte sich um Überschwemmungen im assyrischen Kernland, verhandelte über die Entlohung der Palastgarde und war mit Palast- und Gartenbauprojekten in der Residenz Dur-Scharrukin befasst. Sanherib war ein gut vorbereiter Staatsmann.

    Doch der unselige Tod des Vaters war ein schweres Erbe für den neuen Großkönig, denn da man dies als Strafe der Götter interpretierte, sahen viele Vasallen die Zeit für Reif, um sich der Assyrer zu entledigen. Babylon erklärte sich für unabhängig, die Fürsten der Mittelmeerküste, Syriens, Libanons und Palästina taten das gleiche. Sie glaubten Assyrien wäre schwach; das assyrische Hegemonialsystem war bedroht. Doch mit Sanherib war ein König im Amt, der nicht gewillt war die Vormachtstellung im Nahen Osten aufzugeben oder auch nur eine Schwächung zu tolerieren. Zuerst wandte er sich dem wichtigen Babylon zu. Zwischen 704 bis 702 unternahm mehrere Feldzüge und unterwarf die aufständischen Babylonier, nahm den Thron Babylons wieder ein und ließ einen Vizekönig zurück. Im Jahr 701 formierten die Fürsten der Levante eine große Koalition um Sanheribs Rache zu entgehen, doch es gelang dem Großkönig eine Entscheidungsschlacht zu erzwingen und die Oberhoheit über Phönizien und Palästina zurückzuerlangen. Nur kurz darauf besiegte Sanherib bei Eltheke ein Heeresverband der Ägypter, eroberte und zerstörte Lachisch. Danach entsandte er die Heermassen Assurs nach Kleinasien um den Tod seines Vaters zu rächen und den Machanspruch Assyriens bis an die Ägäis zu tragen, auch Zypern konnte erobert und in eine Provinz verwandelt werden. In nur fünf Jahren gelang es König Sanherib die Vormachtstellung Assyriens nachhaltig zu festigen und sogar auszubauen.

    Dies ist sicherlich Sanheribs berühmteste Darstellung, sie zeigt den thronenden Sanherib nach der Eroberung von Lachisch, wie sich die besiegten Fürsten dem Großkönig unterwerfen müssen. Aus den sogenannten Lachisch-Zyklus: http://classics.unc.edu/courses/clar047/NinLachDt.jpg

    Im Jahr 700 setzte Sanherib seinen ältesten Sohn Assur-nadin-schumi als Regenten von Babylon ein. 694 kam es dort zu einem Aufstand wobei der Prinz nach Elam verschleppt und dort zu Tode kam. Sanherib war außer sich vor Zorn. Er benötigte mehrere Kampagnen um die babylonische Rebellion zu beenden. Seine Feldzüge zu Wasser und zu Land gegen Elam brachten keine Entscheidung. Sanheribs Rache richtete sich letztlich gegen Babylon; er ließ es dem Erdboden gleich machen: „Die Stadt Babylon und die Häuser vom Fundament bis zu ihren Zinnen zerstörte ich, riss ich nieder, verbrannte ich mit Feuer. Von der inneren Mauer und der Außenmauer, von den Tempeln, von der Zikkurat des Marduk riss ich die Ziegel und Erde, soviel da war, heraus und warf sie in den Tigris. Inmitten dieser Stadt grub ich Kanäle und ebnete ihre Fläche durch Wasser ein. Die Struktur ihrer Fundamente zerstörte ich und verwüstete sie mehr als eine Sintflut. Damit in der Zukunft der Standort dieser Stadt und der Gotteshäuser nicht mehr zu identifizieren sei, löste ich sie in Wasser auf, vernichtete sie wie Schwemmland, indem ich den großen Fluss über diese Stadt fließen ließ.“

    Doch Sanherib sollte nicht nur zerstören sondern auch großartiges erschaffen. Sofort nach seiner Thronbesteigung verkündete er, dass er eine neue Hauptstadt bauen wolle, die größer und schöner sein möge als alles was man je auf Erden gesehen hätte. Er entschloss sich für Ninive als Objekt seines Traums. Das Vorbild war Dur-Scharrukin, die Residenz seines Vaters Sargon. Sie verließ er, denn das Schicksal seines Vaters erschien ihm als schlechtes Omen. Darüber hinaus war ihm Dur-Scharrukin scheinbar viel zu klein. Er hatte größeres vor, sehr viel größeres. Die Stadt des Sargon wurde zum Sitz eines Statthalters und sollte nur noch gelegentlich als Sommersitz des Hofes dienen. Ninive sollte die Hauptstadt werden, die einem so enormen Reich wie das der Assyrer auch würdig war. Eine Anlage die durch ihre Ausdehnung und Pracht das Sinnbild der Macht des Königs sein sollte. Sanherib ließ zwei Palastbezirke errichten, einen nördlichen und einen südlichen. Dafür wurden jeweils zwei Terrassen erbaut, auf denen sich die königlichen Bezirke mit ihren Tempeln, Gärten und Palästen erhoben. Im nördlichen befanden sich die Hauptpaläste, der südliche ist bis heute wenig erforscht, da sich dort eine Siedlung befindet. Bisher konnten nur das Arsenal Sanheribs und einige Nebengebäude identifiziert werden. Sicherlich befanden sich dort noch sehr viele Gebäude die mit dem König und seiner Verwaltung in Verbindung standen.

    Sanheribs „Palast ohnegleichen“
    „Ich habe für meine Majestät einen Palast erbaut aus Gold, Silber, Bronze, Karneol, Breccie, Alabaster, Elfenbein, Ebenholz, wertvollen Hölzern des Orients, dem Holz von Buchsbaum, Zeder, Zypresse, Wachholder, Sandelholz und Eichenholz aus Sindu“. Dieser Palast war das Hauptwerk Sanheribs. Er hatte das ehrgeizige Ziel den größten und prunkvollsten Palast zu bauen den man je errichtet hatte. Dies sollte ihm gelingen. Der „Palast ohnegleichen“ war so titanenhaft, dass er die Hälfte des Palastbezirk einnahm und nur der Tempel der Ischtar ihm Einhalt gebieten konnte. Die Inschriften berichten, dass Menschen aus dem gesamten Reich zu den Arbeiten herangezogen wurden. Der Palast bestand aus schier endlosen Abfolgen von Sonnenhöfen, Hallen, inneren Gemächern, Bankettsälen und Korridoren. Über und über mit marmornen Skulpturen geschmückt, war der Palast im Inneren höchst repräsentativ. Die dunkle Farbe der Deckenbalken habe man so sehr aufgehellt, dass sie glänzte „wie der Tag“; ringsum seien an den Wänden Beschläge aus Silber und Kupfer angebracht – vermutlich in Form von Friesen -, und schließlich bildeten glasierte Ziegel in der Farbe von Obsidian und Lapislazuli ornamentale Motive in den Wölbungen der Bögen und den Paneelen sowie als Schmuckfriese an den Wänden. Auch wird erwähnt, dass Sanherib einen gewaltigen Portikus errichtet habe mit massiven bronzenen Säulen, die auf Bronzelöwen ruhten. Jede Säule hatte ein Gewicht von fast 50 Tonnen. Sanherib liebte Gärten und Parkanlagen wie kaum ein anderer, nicht nur im nördlichen Palastbezirk ließ er Gärten errichten, nein, er ließ direkt im Norden von Ninive eine sagenumwobene Gartenanlage errichten. Für Ninives Einwohner – es waren etwa 250.000 – und für seine Gärten bauten er mehrere Aquädukte; einige holten das Wasser aus 50km Entfernung. Sanherib vernachlässigte auch die Festungswerke Ninives nicht. Nachdem er die Stadt so enorm vergrößert hatte, umgab er sie mit einer 12km langen und mindestens 25m hohen Doppelmauer, in die 18 monumentale Torbauten integriert waren. Damit war Ninive nun das glanzvolle Haupt der Welt.

    Einige Bilder:
    Ninives Stadtplan
    Stadttor
    Stadtmauern

    Von Sanheribs „Palast ohnegleichen“ ist bisher nicht einmal die Hälfte ausgegraben worden, aber dennoch zeigt dieser Plan des nördlichen Palastbezirks deutlich die Dimensionen der neuen Paläste. Die Archäologen nennen die bekannten Teile von Sanheribs Palast „Südwestpalast“:
    http://classics.unc.edu/courses/clar047/NinAcPl.jpg

    Mehr Bilder von Dur-Scharrukin (Khorsabad) und Ninive:
    http://www.arthistory.upenn.edu/spr03/422/April28/422April28.html

    Was seine Thronfolge anging, da beschritt der Großkönig ungewöhnliche Wege. Er entschloss sich, dass nicht sein ältester Sohn Urdu-Mullissi König werden sollte, sondern der Sohn seiner Lieblingsfrau Naqia mit Namen Asarhaddon. Dabei überging er mehrere ältere Söhne von anderen Frauen, was diese zutiefst demütigte. Prinz Urdu-Mullissi und ein weiterer Sohn überfielen den Vater am 20. Tebetu des Jahres 681 v. Chr. in einem Tempel von Ninive und ermordeten ihn. So starb der mächtigste Mann seiner Zeit; und das auch noch genauso überraschend wie sein Vater. Die Nachricht von Sanheribs Ermordung löste Panik unter den Menschen aus. Sie wussten nicht was nun geschehen sollte. Doch wenn Urdu-Mullissi auf diese Weise hoffte den Thron zu bekommen, so hatte er völlig falsch gedacht. Der in Sicherheit befundene Asarhaddon erbte recht problemlos die Krone und verfolgte die Mörder seines geliebten Vaters erbarmungslos.
     

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