Werte Mods, wäre es möglich diese Nebendiskussion hier raus zu lösen? Danke
Rom die Stadt ist nicht das RM, sicher wird man mir zustimmen, dass das RM die zahlenmäßig u. technisierteste Armee der damaligen Zeit besaß, woraus sich die Legionen rekrutieren bleibt dahingestellt, die von dir genannten 1 - 3 % sind daher irrelevant.
Kunststück, wissen wir doch wenig über die realen Größenverhältnisse in den anderen Staaten. Sollten die Beschreibungen der persischen Armee aber auch nur Ansatzweise zutreffen, was diskutabel ist, so wäre diese Armee in der klassischen Zeit sogar größer gewesen.
Auch die vorderasiatischen und völkerwandernden Gruppen, Stämme und Völker dürften eine hohe bis vergleichbare Zahl Krieger und Soldaten aufgebracht haben, die mitunter auch ein mehrfaches des relativen Prozentsatzes der Bevölkerung ausmachten, als dies in Rom der Fall war.
Und schon dieser kleine Einblick zeigt die Problematik unterschiedlicher Zeiten und Regionen.
Faszinierend wird Rom oftmals neben dem faschistoiden Zügen auch gerne der reine Technikklau vorgeworfen, und setzen wir dieses Licht neben die Behauptung des technisch überlegenen Heeres wird dies zu einem Widerspruch. Nicht die Römer haben demnach die Belagerungsmaschinen erfunden, das waren Griechen und Syrakuser, den Römern war es zeitweise sogar gleichgültig und ein "störe meine Kreise nicht" führte zur Gewalttat.
Quod erat demonstrandum: will man aus Rom einen reinen Militärstaat machen muß man die Charakteristika eines solchen benennen.
Wie bereits gesagt ist das Militär ein wichtiges Element des Lebens in den äußeren Provinzen (nicht mehr in Sizilien, Spanien usw.), aber nicht das dominierende im Reich. Dabei sind die 1 - 3 % keineswegs irrelevant, denn der preußische Militärstaat etwa definiert sich u.a. durch seine hohe Wehrbereitschaft und die Ausrichtung des Staatssystems auf das Militär.
Eine "Uniformierung" der Bevölkerung findet im antiken Rom nicht statt, ein Aufstieg innerhalb geregelter Bahnen, dem sog. cursus, ist keineswegs militärisch vorbestimmt und würde als reines Faktotum auch jegliche andere Zivilisation mit einer Verwaltungsstruktur zum Militärstaat verkommen lassen.
Es dürfte strategisches Denken gewesen sein, die Legionen nicht gerade mit der Bevölkerung Roms zu bestücken.
Keineswegs, im Gegenteil. Es wird ab der Kaiserzeit unendlich darüber geklagt, dass sich die stadtrömische und Halbinselbevölkerung immer mehr und mehr dem Militärdienst entzieht. Zwar hätte der Kaiser das Recht auf einen delectus, ein ziehen der wehrfähigen Männer gehabt, in der Praxis verzichtete man aber darauf. Die notwendige Mannesstärke erreichte man über die Freiwilligen.
Hierbei dürfte die Statistik der Zusammensetzung der Bevölkerung auch noch eine Rolle spielen. Vielleicht hilft es ja, mal die Anzahl der Legionen zur Bevölkerung Roms in ein Verhältnis zu setzen, dann kommen wir dem Begriff Militärstaat vielleicht etwas näher.
Welche Logik ist dies?
Zu republikanischen Zeiten wurden natürlich kleinere Heere aufgestellt und wenn sie nicht mehr gebraucht wurden entlassen. Wobei ich die Republik Rom für wesentlich militärischer halte als die Kaiserzeit.
Nur zum Verständnis: wollen wir die Bundeswehrstärke (oder die Wehrmachtsstärke) mit der Einwohnerzahl Bonn vergleichen und daraus ableiten ob die BRD ein Militärstaat ist?
Zur Verteidigung Roms standen sie jedenfalls nicht in Aktion, sie verteidigten die okkupierten Gebiete und gewannen neue hinzu.
Ein wenig Auseinandersetzung mit der gesamten römischen Geschichte ist bei solchen Äußerungen jedoch Pflicht. Oder wie timo es ausdrückte: etwas mehr Sorgfalt.
Zwar gibt es Phasen, in denen Rom sich aggressiv ausdehnt und okkupiert, gleichzeitig gibt es aber auch Phasen, die genau dies eigentlich nicht bezweckten. Ich bitte darum sich einmal die makedonischen Kriege anzusehen.
Auch die Vererbung Kleinasiens ist eine Aussage ihrer Zeit, und die sich daraus entspannenden Kämpfe zeugen von der damaligen politischen Lage, nicht vom Expansionismus Roms.
Zwar diskutiert aber m.E. auch eine Aussage: der erste Dakerkrieg Trajans endete damit, dass dieser dem bereits einmal abtrünnig gewordenen Decebalus noch eine Chance einräumte, bevor er dessen Staatsgebiet wirklich vereinnahmte.
Beispiel Grenzsicherung: die Errichtung des Limes in verschiedenen Regionen war kein Zeitvertreib sondern deutliches Zeichen der Konsolidierung der Grenzen und des Reiches. Alles was darüber hinausging kann und sollte als Reaktionen auf die sich ändernden politischen und militärischen Situationen verstanden werden (und damit sind Bewegungen in beide Richtungen gemeint).
Dazu empfehle ich das 2006 erschienen Buch "Die römische Germanienpolitik". Dort wird der Blick auch auf andere als klassische schwarz-weiß Gemälde gelenkt.
Wahr ist, dass die Kaiser meist ihre Position dem Militär verdankten, ein severischer Aussprach lautet auch dementsprechend: "Seid einig, bereichert die Soldaten, den Rest verachtet".
Einen Kehrschluß daraus zu ziehen, das halte ich für sehr subjektiv und voreingenommen, wenn nicht gar auf eine seltsame Art rassistisch.