Erbfolge bei den Askaniern in Brandenburg

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Dieter, 20. August 2007.

  1. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Hallo,
    ich hab was über die Askanier gefunden - ich denke, das verschafft uns eine ganz gute Übersicht:
    askanier_geschlecht
     
  2. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Sie hatte aber Besitz und Titel genug, um sich als eigenständige Familie "Valois" zu etablieren. Ansonsten zu "Schatten" siehe Joinville.

    Richtig.
    Aber ob man nun sagt: "Linie X stirbt im Mannesstamm aus und wird von Nebenlinie des Hauses X beerbt" oder "Linie X stirbt im Mannesstamm aus und wird von Haus Y beerbt" - das hängt nicht an der Enge der Verwandschaft, sondern daran, ob die erbende Linie als bedeutend genug galt, um eine eigene Bezeichnung zu führen.

    Völlig richtig.
    Die Verwandschaft und die Erbreihenfolge sind bekannt und juristisch ausschlaggebend.
    Mein Punkt ist: NICHT ausschlaggebend ist die Benennung einer Familiensippe.

    D.h. konkret hat der Herzog Rudolf von Sachsen-Wittenberg seinen Anspruch NICHT damit begründet, daß er ein Askanier sei - sondern darauf abgehoben, wie er mit dem Erblasser nun konkret verwandt sei.

    Und wenn nun z. B. ein als "Wittelsbacher" firmierender Konkurrent die engere Verwandschaft und den direkteren Erbanspruch gehabt hätte, wäre das ausschlaggebend gewesen.
     
  3. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Mehr fallen mir auch nicht ein (obwohl es unter unbekannteren Häusern wohl solche Fälle auch gegeben hat) - in der Tat ist das aber selten.

    Aber die Beispiele reichen schon um zu zeigen, daß die Dynastie-Bezeichnungen eben nur äußere Zuschreibungen sind und keine juristische Verbindlichkeit haben.


    Wir sind damals im Studium zu einer ähnlichen Diskussion gekommen. Seminarthema war die Konsolidierung der mittelalterlichen Territorien.
    Und die typische Zeitleiste eines solchen Seminarvortrags sah halt so aus: "Im Jahre NNNN starben die Grafen von X aus und die Welfen erbten das, um im Jahre NNNN starben die Herren von Y aus und die Welfen erbten das ..."
    Und beim Vortrag über die Habsburger oder die Luxemburger ging das völlig ähnlich.

    Und da kam dann die Frage auf, warum eigentlich einige Familien so permanent Söhne bekamen während ringsum alle möglichen anderen Sippen ausstarben.

    Und da gab es zwei Antworten:
    Zum Einen war es in der Tat so: Von den vielen Familien, die sozusagen anfangs im Rennen waren, gelang halt nur denen ein Aufstieg wie z. B. den Habsburgern, wenn sie auch einige Generationen lang eine klare Erbfolge schafften. Forschungsobjekt als "große Familie" bzw. entstandenes Territorium waren halt nur die Gewinner.

    Und zum Anderen stellte sich beim genauen Hinsehen heraus, daß auch die "großen Familien" immer wieder mal "ausgestorben" waren, d.h. keine direkte Erbfolge zu einem Sohn möglich war.
    Aber wenn dann der Vetter, vorher nur als Graf von X bekannt, weitermachte, übernahm der halt die Familientradition und den Namen.
    Wenn dagegen umgekehrt der "große" Welfe oder Habsburger einen "kleinen" Grafenvetter beerbte, hängte er nur einen weiteren Titel an, die Dynastie aber blieb in der Außensicht natürlich stabil.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mal kurz eine Frage: Als was war denn nun Brandenburg ein Lehen? Als Mannlehen, wäre der Einzug durch den Kaiser/König durchaus rechtmäßig gewesen.

    Entschuldigt bitte, dass ich das alte Thema nochmal aufgreife.
     
  5. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Was genau meinst du mit "Mannlehen"?
    :grübel:
    Grundsätzlich war es jedenfalls so, daß es in der gesamten Geschichte Brandenburg/Preußens ausschließlich männliche Markgrafen/Kurfürsten gab.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mannlehen (Deutsches Rechtswörterbuch - DRW)

    Krünitz sagt zum Thema "Mannlehen":
    D.h. also, dass man es scheinbar so auslegen kann, dass nur die Hauptlinie belehnt wird. In der Ortenau wurde es auch so im 18.Jh. gehandhabt, die Reichslandvogtei wurde als Lohn für die treuen Dienste des "Türkenlouis" an das Haus Baden-Baden vergeben und als diese im männlichen Stamm ausgestorben waren, weil es "nur" ein Mannlehen war, wieder 1771 eingezogen, obwohl es ja noch das Haus Baden-Durlach gab.
     
  7. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Das scheint mir tatsächlich der Fall zu sein, denn, wenn ich hier askanier_geschlecht richtig gelesen habe, haben sich die zahlreichen Linien und Nebenlinien der Askanier fast nie beerbt.
    :grübel:
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    :schlau:

    Ich brauchte aber auch eine Ewigkeit, um darauf zu kommen. Man muss schon genau nachschauen, was das Lehensrecht für Möglichkeiten lässt.
     

Diese Seite empfehlen