Gedichte zur Geschichte

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von Rafael, 2. Dezember 2004.

  1. Mercy

    Mercy unvergessen

    Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt

    Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt
    Und läßt andere kämpfen für seine Sache
    Der muß sich vorsehen: denn
    Wer den Kampf nicht geteilt hat
    Der wird teilen die Niederlage.
    Nicht einmal den Kampf vermeidet
    Wer den Kampf vermeiden will: denn
    Es wird kämpfen für die Sache des Feinds
    Wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.

    Bertolt Brecht


    „Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt ...“: aus der Fragment gebliebenen „Koloman-Wallisch-Kantate“. Kolomann Wallisch, Arbeiter-Revolutionär, verlor in den Februarkämpfen der österreichischen Arbeiter gegen die Reaktion 1934 sein Leben.
    Anmerkung des Herausgebers.

    Zur "Wirkungsgeschichte" dieses Gedichtes:

    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=112325&postcount=1
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. September 2005
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Auch ein Badenerlied

    Ans Land Baden

    Mein Vaterland, mein Baden,
    Am jugendfrischen Rhein!
    Zu deinem Mahle laden,
    Die Ähren und der Wein,
    An deines Brotes Marke,
    Der Leib gesund sich speist,
    Dein Rebentrunk, der starke,
    Weckt feurig auf den Geist.

    Du weiter Gottesgarten,
    Bekränzt mit Blütenschnee
    Von deines Schwarzwalds Warten,
    Von deinem Bodensee,
    Bis wo auf grüner Halde,
    vom Schlehenhag gekrönt,
    Im stillen Odenwalde
    Des Hirten Flöte tönt.

    Weit schweift' ich auf und nieder,
    Sah Nord und Südens Pracht,
    Heim zog's mich immer wieder
    Zu deiner Tannen Nacht:
    O Land voll Quellenadern,
    Drin Lust und Freude lohn,
    O Land voll Fehenquadern,
    Ich fühl's, ich bin dein Sohn!

    O Land, zuerst mir Wiege,
    Darin ich aufwuchs groß,
    Gib, daß zuletzt ich liege
    Bedeckt mit deinem Moos:
    Im Rauschen deiner Fähren
    Ruf ich's vom Berge weit:
    Mein Herz soll dir gehören
    In alle Ewigkeit!

    Heinrich Vierordt

    Heidelberg 1890

    Vierordt wurde am 01. Oktober 1855 in Karlsruhe geboren, wo er auch lebte. Er starb am 17. Juni 1945 in Hornberg.
     
  3. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Wenn ich kurz anfragen dürfte:
    Mercy, stößt du zufällig auf diese Gedichte oder sammelst du sie gezielt?
    Du hast ja einen wahren Schatz, den du hier mit uns teilst...
    * Hut ab*
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das habe ich gerade gezielt gesucht, nachdem du mir ein Stichwort geliefert hast:

    »Hut ab!« - er zog - er neigte sich! (so sank zur Marionette,
    Der erst ein Komödiante war!) - bleich stand er und beklommen!


    Sonst lese ich in alten Lyrikanthologien, prüfe, was im Internet vorkommt (bei Fraktur is nix mit scannen), notfalls wird auch einmal getippt.

    Jandls schtzngrmm steht schon länger auf dem Programm, bisher kam das Schlachtgewitter nur bis hierher:

    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=114209&postcount=15268

    Irgendwas muss ich mir ja auch noch für mein Rentnerdasein aufheben.

    Hut ab ist übrigens von Ferdinand Freiligrath:

    http://freiburger-anthologie.ub.uni...?cmd=gedichte&sub=show&noheader=1&add=&id=644
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die kalten Winde bliesen
    Mir grad' ins Angesicht;
    Der Hut flog mir vom Kopfe,
    Ich wendete mich nicht.


    wäre auch eine Alternative.

    http://www.gopera.com/winterreise/songs/cycle.mv?song=5
     
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

    Erinnerung an den 2. Weltkrieg

    Auch eine Auseinandersetzung mit dem Schrecken des Krieges und gegen die Verharmlosungen:

    falamaleikum

    falamaleikum
    falamaleitum
    falnamaleutum
    fallnamalsooovielleutum
    wennabereinmalderkrieglanggenugausist
    sindallewiederda.
    oderfehlteiner?

    Ernst Jandl
     
  7. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Es wird wohl niemand abstreiten, dass Mercy hier eine Aufgabe gefunden hat, der er sehr viel Zeit zu kommen lässt und die ihm sehr viel Spass zu machen scheint. Dies auch zu unserer Freude!


    Lieber Mercy,
    herzlichen Glückwunsch zum 60. Gedicht, dass du in diesen Thread getippt hast. Was bleibt noch zu sagen, außer dem so oft gesagten: Mach weiter so!


    "Jedes Gedicht soll mit seiner Blüte in die Zukunft reichen, die Wurzel aber muß in der Gegenwart haften."

    von Georg Herwegh
     
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?

    Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
    Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
    Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
    In den Bureaus, als wären es Kasernen

    Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenköpfe.
    Und unsichtbare Helme trägt man dort.
    Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
    Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!

    Wenn dort der Vorgesetzte etwas will
    - und es ist sein Beruf etwas zu wollen-
    steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
    Die Äugen rechts. Und mit dem Rückgrat rollen!

    Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
    Und mit gezogenem Scheitel auf die Welt.
    Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
    Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.

    Kennst du das Land? Es könnte glücklich sein.
    Es könnte glücklich sein und glücklich machen!
    Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
    Und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.

    Selbst Geist und Güte gibt’s dort dann und wann!
    Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
    Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
    Das will mit Bleisoldaten spielen.

    Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
    Was man auch baut, - es werden stets Kasernen.
    Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?
    Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen.
    Erich Kästner
     
  9. Insolvenzi

    Insolvenzi Neues Mitglied

    Lebendig begraben - Gottfried Keller

    1.

    Wie poltert es! - Abscheuliches Geroll
    Von Schutt und Erde, modernden Gebeinen!
    Ich kann nicht lachen und kann auch nicht weinen,
    Doch nimmt’s mich wunder, wie das enden soll!

    Nun wird es still. - Sie trollen sich nach Haus
    Und lassen mich hier sieben Fuss tief liegen:
    Nun, Phantasie! lass deine Adler fliegen,
    Hier schwingen sie wohl nimmer mich hinaus!

    Das ist jetzt eine wunderliche Zeit!
    Im dunkeln Grab kein Regen und kein Rühren,
    Indes der Geist als Holzwurm mag spazieren
    Im Tannenholz - ist das die Ewigkeit?

    Die Menschen sind ein lügnerisch Geschlecht
    Und haben in das Grab hineingelogen,
    Den ernsten Moder schnöd mit mir betrogen
    Weh, dass die Lüge an sich selbst sich rächt!

    Die Lügner gehen von hinnen unbestraft,
    Ach, aber ich, die Lüge, muss bekleiben,
    Dass sich der Tod ergrimmt an mir kann reiben,
    In Tropfen trinkend meines Lebens Kraft!

    2.

    Da lieg’ ich denn, ohnmächtiger Geselle,
    Ins Loch geworfen, wie ein Strassenheld,
    Ein lärmender, von der Empörung Welle;
    Ein blinder Maulwurf in zerwühltem Feld!

    Wohlan, ich will, was kommen soll, erwarten,
    Es ist am End’ ein friedlich Wohnen hier;
    Ich fühle nicht die Glieder, die erstarrten,
    Doch heiter glimmt die Seele mir!

    Hätt’ ich nun einen ewigen Gedanken,
    An dem man endlos sich erproben mag,
    So möcht’ ich liegen in den engen Schranken,
    Behaglich sinnend bis zum jüngsten Tag.

    Vielleicht, wer weiss, wüchs’ er zu holder Grösse,
    Dass er, in Kraft sich wandelnd, ein Vulkan
    Im Flammenausbruch dieses Grab erlösche,
    Vorleuchtend mir auf neuer Lebensbahn!

    Wie wundersam, wenn über meinem Haupte
    Der Abendtau die matten Blumen kühlt,
    Ob wohl luftwandelnd dann der Pfarrherr glaubte,
    Dass unter ihm ein Wetterleuchten spielt?

    Dass glänzend in des eigenen Lichtes Strahlen
    Hier unten eine Menschenseele denkt?
    Vielleicht sind dieses der Verdammung Qualen:
    Geheim zu leuchten, ewiglich versenkt!

    3.

    Ha! Was ist das? Die Sehnen zucken wieder,
    Wie Frülingsbronn quillt neu erweckt das Blut!
    Es dehnen sich die aufgetauten Glieder,
    Und in der Brust schwillt junger Lebensmut!

    Nun ist’s geschehen, nun bricht herein der Jammer!
    Die Späne knirschen unter dem Genick,
    Ich messe tastend meine Totenkammer
    Und messe aus mein grausiges Geschick!

    Halt ein, o Wahnsinn! denn noch bin ich Meister
    Und bleib es bis zum Letzten Odemzug!
    So scharet euch, ihr armen Lebensgeister,
    Treu um das Banner, das ich ehrlich trug!

    So öffnet euch, krampfhaft geballte Fäuste,
    Und faltet euch ergeben auf der Brust!
    Wenn zehnfach mir die Qual das Herz umkreiste,
    Fest will ich bleiben, meiner selbst bewusst!

    Von Erdenduldern ein verlorener Posten,
    Will ich hier streiten an der Hölle Tor;
    Den herbsten Kelch des Leidens will ich kosten,
    Halt mir das Glas, o Seelentrost Humor!

    4.

    Läg’ ich, wo es Hyänen gibt, im Sand,
    Wie wollt’ ich hoffnungsvoll die Nacht erharren,
    Bis hungrig eine Hyäne hergerannt,
    Mich heulend aus der lockeren Gruft zu scharren!

    Wie wollt ich freudig mit dem gier’gen Tier
    Dann um mein Leben, unermüdlich, ringen!
    Im Sande balgt’ ich mich herum mit ihr,
    Und weiss gewiss, ich würde sie bezwingen.

    Und auf dem Rücken schwäng’ die Bestie ich
    Und spräng’ im Leichentuch, wie neugeboren,
    Und singend heimwärts und schlüg’ wonniglich
    Dem Arzt den Leichengräber um die Ohren!

    5.

    Horch! Stimmen und Geschrei, doch kaum zu hören;
    Dumpf und verworren tönt es, wie von ferne,
    Und ich erkenne, die allnächtlich stören
    Der Toten Schlaf, den stillen Sang der Sterne:

    Der trunkne Küster, aus der Schenke kommen,
    Setzt sich noch in den Mondschein vor dem Hause,
    Kräht einen Psalm; doch kaum hat sie’s vernommen,
    So stürzt sein Weib hervor, dass sie ihn zause,

    Heisst ihn hineingehen und beschilt ihn grimmig,
    Hell kräht und unverdrossen der Geselle;
    So mischen sich geübt und doppelstimmig
    Ihr Katzmiaulen und sein Mondsgebelle.

    Sie muss ganz nah sein, da ich es kann hören,
    Die überkommne alte Pfründerhöhle;
    Lass sehn, ob das Gesindel ist zu stören:
    Schrei, was du kannst, o du vergrabne Seele!

    Die Tür schlägt zu - der Lärm hat sich verloren,
    Es hülfe nichts, wenn ich zutod mich riefe!
    Sie stopfen furchtsam ihre breiten Ohren
    Vor jedem Ruf des Lebens aus der Tiefe.

    6.

    Als endlich sie den Sarg hier abgesetzt,
    Den Deckel hoben noch zu guter Letzt,
    In jenem Augenblick hab’ ich gesehn,
    Wie just die Sonne schied im Untergehn.

    Beleuchtet von dem abendroten Strahl
    Sah ich all die Gesichter noch einmal,
    Den Turmknopf oben in der goldnen Ruh -
    Es war ein Blitz, sie schlossen wieder zu.

    Ich sah auch zwischen Auf- und Niederschlag,
    Wie Märzenschnee rings auf den Gräbern lag;
    Das Wetter muss seither gebrochen sein,
    Denn feucht dringt es in diesen leichten Schrein.

    Ich hör’ ein Knistern, wie wenn sacht und leis
    Sich Schollen lösen von des Winters Eis;
    Ich ärmster Lenzfreund bin ja auch erwacht
    Und kann nicht regen mich in dunkler Nacht!

    Wie jeglich Samenkorn sich mächtig dehnt,
    Der junge Halm ans warme Licht sich sehnt,
    So reck ich den gefangenen, meinen Leib,
    Doch ist’s ein fruchtlos grimmer Zeitvertreib!

    Hört man nicht klopfen laut da obenwärts
    Hier mein zum Blühen so bereites Herz?
    Sie wissen nicht, wie es da unten tut,
    Und keine Wünschelrute zeigt dies Blut!

    Käm’ ich auch geschlichen so von ungefähr
    Ein alter Schatz- und Quellengräber her,
    Sein Stäblein, nur auf Geld und Gut gericht’,
    So spürt’ es das warme rote Brünnlein nicht.

    7.

    Horch - endlich zittert es durch meine Bretter!
    Was für ein zauberhaft metallner Klang,
    Was ist das für ein unterirdisch Wetter,
    Das mir erschütternd in die Ohren drang?

    Jach unterbrach es meine bangen Klagen,
    Ich lauschte zählend, still, fast hoffnungsvoll:
    Elf - zwölf - wahrhaftig, es hat zwölf geschlagen,
    Das war die Turmuhr, die so dröhnend scholl!

    Es ist die grosse Glock’, das Kind der Lüfte,
    Das klingt tief ins Fundament herab,
    Bahnt sich den Weg durch Mauern und durch Grüfte
    Und singt sein Lied in mein verlassnes Grab.

    Gewiss sind jetzt die Dächer warm beschienen
    Vom sonnigen Lenz, vom lichten Ätherblau!
    Nun kräuselt sich der Rauch aus den Kaminen,
    Die Leute lockend von der grünen Au.

    Was höhnst du mich, du Glockenlied, im Grabe,
    Du Rufer in des Herrgotts Speisesaal!
    Mahnst ungebeten, dass ich Hunger habe
    Und nicht kann hin zum ärmlich stillen Mahl? -

    8.

    Da hab ich gar die Rose aufgegessen,
    Die sie mir in die starre Hand gegeben!
    Dass ich noch einmal würde Rosen essen,
    Hätt’ nimmer ich geglaubt in meinem Leben!

    Ich möcht’ nur wissen, ob es eine rote,
    Ob eine weisse Rose das gewesen?
    Gib täglich uns, o Herr! von deinem Brote,
    Und wenn du willst, erlös’ uns von dem Bösen!

    9.

    Zwölf hat’s geschlagen - warum denn Mittag?
    Vielleicht der Mitternacht ja galt der Schlag,
    Dass oben nun des Himmels Sterne gehn,
    Ich weiss es nicht und kann es ja nicht sehn!

    Ha, Mitternacht! Ein heller Hoffnungsstrahl!
    Der nächtlich wohl schon manches Grab bestahl,
    Der Totengräber schleicht vielleicht herbei
    Und macht erschrocken mich Lebend’gen frei!

    Doch was für Kleinod sollt’ er suchen hier?
    Er weiss zu gut, er findet nichts bei mir!
    Ein golden Ringlein nun erlöste mich,
    Jedoch umsonst ist nur der Tod für dich!

    10.

    Ja, hätt’ ich ein verlassnes Liebchen nun,
    Das vor dem Morgenrot zu klagen käme,
    Auf meinem frischen Pfühle auszuruhn,
    Und meinen Ruf mit süssem Graun vernähme!

    Warum hab’ ich der einen nicht gesagt,
    Dass junge Liebe mir im Herzen sprosse?
    Ich zauderte und hab’s nicht gewagt -
    Die Krankheit kam und diese tolle Posse!

    Wenn einsam sie vielleicht und ungeliebt,
    Nachdenklich manchmal ihre Augen senkt,
    O wüsste sie dann, dass ein Herz es gibt,
    Das, unterm Rasen schlagend, an sie denkt!

    11.

    Wie herrlich wär’s, zerschnittner Tannenbaum,
    Du ragtest als ein schlanker Mast empor,
    Bewipfelt, in den blauen Himmelsraum,
    Vor einem sonnig heitren Hafentor!

    Da, müssen wir einmal beisammen sein,
    Lehnt’ ich an dir im schwanken Segelhaus;
    Du aus dem Schwarzwald, drüben ich vom Rhein,
    Kameraden, reisten wir aufs Meer hinaus.

    Und bräch das Schiff zu Splittern auseinand’,
    Geborsten du und über Bord gefällt,
    Umfasst’ ich dich mit eisenfester Hand,
    So schwämmen wir beiden ans End’ der Welt.

    Am besten wär’s, du ständest hoch und frei
    Im Tannenwald, das Haupt voll Vogelsang,
    Ich aber schlenderte an die vorbei,
    Wohin ich wollt’, den grünen Berg entlang.

    12.

    Der erste Tannenbaum, den ich gesehn,
    Das war ein Weihnachtsbaum im Kerzenschimmer;
    Noch seh’ ich lieblich glimmend vor mir stehn
    Das grüne Wunder im erhellten Zimmer.

    Da war ich täglich mit dem frühsten wach,
    Den Zweigen gläubig ihren Schmuck zu rauben;
    Doch als die letzte süsse Frucht ich brach,
    Ging es zugleich an meinen Wunderglauben.

    Dann aber, als im Lenz zum erstenmal
    In einen Nadelwald ich mich verirrte,
    Mich durch die hohen stillen Säulen stahl,
    Bis sich der Hain zu jungem Schlag entwirrte:

    O Freudigkeit! wie ich da ungesehn
    In einem Forst von Weihnachtsbäumchen spielte,
    Dicht um mein Haar ihr zartes Wipfelwehn,
    Das überragend mir den Scheitel kühlte.

    Ein kleiner Riese in dem kleinen Tann,
    Sah ich vergnügt, wo Weihnachtsbäume spriessen,
    Ich packte keck ein winzig Tännlein an
    Und bog es mächtig ringend mir zu Füssen.

    Und über mir war nichts als blauer Raum;
    Doch als ich mich dicht an die Erde schmiegte,
    Sah unten ich durch dünner Stämmchen Saum,
    Wie Land und See im Silberduft ich wiegte.

    Wie ich so lag, da rauscht’ und stob’s herbei,
    Dass mir der Lufthauch durch die Locken sauste,
    Und aus der Höh’ schoss senkrecht her der Weih,
    Dass seiner Schwingen Schlag im Ohr mir brauste.

    Als schwebend er nah ob dem Haupt mir stand,
    Funkelt’ sein Aug’ gleich dunklen Edelsteinen;
    Zu äusserst an der Flügel dunklen Rand
    Sah ich die Sonne durch die Kiele scheinen.

    Auf meinem Angesicht sein Schatten ruht’
    Und liess die glühen Wangen mir erkalten -
    Ob welchem Inderfürst von heissem Blut
    Ward solch ein Sonnenschirm emporgehalten?

    Wie ich so lag, erschaut’ ich plötzlich nah,
    Wie eine Eidechs mit neugier’gem Blicke
    Vom nächsten Zweig mir ins Aug’ niedersah,
    Wie in die Flut ein Kind auf schwanker Brücke.

    Nie hab’ ich mehr solch guten Blick gesehen
    Und so lebendig ruhig, fein und glühend;
    Hellgrün war sie, ich sah den Odem gehn
    In zarter Brust, zart wie ein Röschen blühend.

    Ob sie mein blaues Auge niederzog?
    Sie liess vom Zweig sich auf die Stirn mir nieder,
    Schritt abwärts, bis sie um den Hals mir bog,
    Ein fein Geschmeide, ruhend ihre Glieder.

    Ich hielt mich reglos und mit lindem Druck
    Fühlt ich den leisen Puls am Halse schlagen;
    Das war der einzige und schönste Schmuck,
    Den ich in meinem Leben je getragen!

    Damals war ich ein kleiner Pantheist
    Und ruhte selig in den jungen Bäumen;
    Doch nimmer ahnte mir zu jener Frist,
    Dass in dem Stämmchen solche Bretter keimen!

    13.

    Der schönste Tannenbaum, den ich gesehn,
    Das war ein Freiheitsbaum von sechzig Ellen,
    Am Schützenfest, im Wipfel Purpurwehn,
    Aus feinem Stamme flossen klare Quellen.

    Vier Röhren gossen den lebend’gen Quell
    In die granitbehau’ne runde Schale;
    Die braunen Schützen drängten sich zur Stell’
    Und schwenkten ihre silbernen Pokale.

    Unübersehbar schwoll die Menschenflut,
    Von allen Enden schallten Männerchöre;
    Vom Himmelszelt floss Junisonnenglut,
    Erglühend ob meines Vaterlandes Ehre.

    Dicht im Gedräng, dort an des Beckens Rand
    Sang laut ich mit, ein fünfzehnjähr’ger Junge;
    Mir gegenüber an dem Brunnen stand
    Ein zierlich Mädchen von roman’scher Zunge.

    Sie kam aus der Grisonen letztem Tal,
    Trug Alpenrosen in den schwarzen Flechten
    Und füllte ihres Vaters Siegpokal,
    Drin schien ihr Aug’ gleich Sommersternennächten.

    Sie liess in kindlich unbefangner Ruh
    Vom hellen Quell den Becher überfliessen,
    Sah drin dem Widerspiel der Sonne zu,
    Bis ihr gefiel, den vollen auszugiessen.

    Dann mich gewahrend, warf sie wohlgemut
    Aus ihrem Haar ein Röslein in den Bronnen,
    Erregt’ im Wasser eine Wellenflut,
    Bis ich erfreut den Blumengruss gewonnen.

    Ich fühlte da die junge Freiheitsluft,
    Des Vaterlandes Lieb’ im Herzen keimen;
    Es wogt’ und rauscht’ in meiner Knabenbrust
    Wie Frühlingssturm in hohen Tannenbäumen.

    14.

    Und wieder schlägt’s - ein Viertel erst und zwölfe!
    Ein Viertelstündchen erst, dass Gott mir helfe,
    Verging, seit ich mich wieder regen kann!
    Ich träumte, dass schon mancher Tag verrann!

    Doch ich bin frei, das Weh hat sich gewendet,
    Der seine Strahlen durch das Weltall sendet,
    Er löst auch Zeit und Raum in diesem Schrein -
    Ich bin allein und dennoch nicht allein!

    Getrennt bin ich von meinem herben Leiden,
    Und wie ein Meer, von dem ich mich will scheiden,
    Lass brausen ich mein siedend heisses Blut
    Und steh am Ufer als ein Mann von Mut.

    So tosed nur, ihr ungeheuren Wogen,
    Lange genug bin ich mit euch gezogen!
    Ich übersing’ euch, wie ein Ferg’ am Strand,
    Und tausch euch an ein gutes Heimatland!

    Schon seh ich schimmernd fliessen Zeit in Zeiten,
    Verlieren sich in unbegrenzte Weiten
    Gefilde, Bergeshöhen, Wolkenflug:
    Die Ewigkeit in einem Atemzug!

    Der letzte Hauch ein wallend Meer von Leben,
    Wo fliehend die Gedanken mir entschweben!
    Fahr hin, o Selbst! vergängliches Idol,
    Wer du auch bist, leb’ wohl du, fahre wohl!
     
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    ein Flüsterwitz des 3. Reiches, schwirrt in mehreren Varianten durchs Netz. hier sind 2:

    1. Zehn kleine Meckerlein,
    Die saßen mal beim Wein.
    Der eine wußt' von Goebbels was,
    Da waren's nur noch neun.

    2. Neun kleine Meckerlein,
    Die haben was gedacht,
    Der eine hat es laut gedacht,
    Da waren's nur noch acht.

    3. Acht kleine Meckerlein,
    Die haben was geschrieben,
    Bei einem fand man's Manuskript,
    Da waren's nur noch sieben.

    4. Sieben kleine Meckerlein,
    Die malten einen Klecks,
    Der eine sagte „Hermanns Bauch”,
    Da waren's nur noch sechs.

    5. Sechs kleine Meckerlein,
    Trafen einen Pimpf,
    Der eine sagte „Lausebalg”,
    Da waren's nur noch fünf.

    6. Fünf kleine Meckerlein,
    Die spielten einst Klavier,
    Der eine spielte Mendelssohn,
    Da waren's nur noch vier.

    7. Vier kleine Meckerlein,
    Die sprachen über Ley,
    Der eine sagte „immer blau”,
    Da waren's nur noch drei.

    8. Drei kleine Meckerlein,
    Die hörten Radio,
    Der eine hat zuviel gedreht,
    Da waren's nur noch zwo.

    9. Zwei kleine Meckerlein,
    Die fragten nach dem Zweck,
    Des Mythos von Herrn Rosenberg,
    Da war noch einer weg.

    10. Ein kleines Meckerlein,
    Ließ dies Liedchen sehn,
    Da kam er nach Oranienburg,
    Da waren's wieder zehn.


    [FONT=Book Antiqua, Times New Roman, Times][FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]1. Zehn kleine Meckerlein, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]die saßen mal beim Wein, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]der eine machte Goebbels nach, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren’s nur noch neun. [/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]2. Neun kleine Meckerlein, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]die haben was gedacht, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]der eine hat zu laut gedacht, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren’s nur noch acht. [/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]3. Acht kleine Meckerlein, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]die haben was geschrieben, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]der eine wurde abgefasst, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren’s nur noch sieben. [/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]4. Sieben kleine Meckerlein [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]diskutierten übers Recht, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]der eine sprach von Mord und Tod, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren’s nur noch sechs. [/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]5. Sechs kleine Meckerlein, [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]die liebten ihre Künste! [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]Der eine malte trotz Verbot! [/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]Da waren’s nur noch fünfe. [/SIZE][/FONT]

    [/FONT][FONT=Book Antiqua, Times New Roman, Times][FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]6. Fünf kleine Meckerlein[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]die spielten mal Klavier,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]der eine spielte Mendelssohn,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren’s nur noch vier.[/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]7. Vier kleine Meckerlein[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]versammeln sich im Freien,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]dem Redner hörten viele zu,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da war’n sie noch zu dreien.[/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]8. Drei kleine Meckerlein[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]wollten nicht in die Partei,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]das hieß für sie „Berufsverbot“,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren’s nur noch zwei.[/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]9. Zwei kleine Meckerlein,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]die hörten Radio,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]der eine hat zuviel gehört,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da kam die Gestapo.[/SIZE][/FONT]

    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]10. Ein kleines Meckerlein[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]ließ ein Gedichtlein sehn,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da kam er nach Oranienburg,[/SIZE][/FONT]
    [FONT=Arial,Helvetica][SIZE=-1]da waren es wieder zehn![/SIZE][/FONT]

    [/FONT]Ich hoffe ich habe das thema des Pfades nicht verfehlt
     
  11. Mercy

    Mercy unvergessen

    Sicher nicht, denn:
    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=91718&postcount=66
     
  12. Mercy

    Mercy unvergessen

    Wer hätte ihm das zugetraut:


    Die Schnupftabaksdose

    Es war eine Schnupftabaksdose,
    Die hatte Friedrich der Große
    Sich selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz.
    Und darauf war sie natürlich stolz.

    Da kam ein Holzwurm gekrochen.
    Der hatte Nußbaum gerochen.
    Die Dose erzählte ihm lang und breit.
    Von Friedrich dem Großen und seiner Zeit.

    Sie nannte den alten Fritz generös.
    Da aber wurde der Holzwurm nervös
    Und sagte, indem er zu bohren begann:
    "Was geht mich Friedrich der Große an!"

    Joachim Ringelnatz
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ein äußerst problematisches Gedicht

    Ich habe hier ein äußerst problematisches Gedicht: der Schreiber des Gedichtes war zwar kein Nazi, war aber in einem Polizeibataillon in den "rückwärtigen Gebieten" eingesetzt, war also an der Frühphase des Holocausts 1941 beteiligt. Sein Name ist Willy Peter Reese und er hat seine Gedichte unter dem Pseudonym Peter Reiser geschrieben. Das Gedicht zeigt die Diskrepanz dieser Person, die am nationalsozialistischen Massenmord beteiligt ist – ohne, dass so etwas wie schlechtes Gewissen spürbar wäre – aber eben nicht als Nazi zu bezeichnen ist:

    Die Juden ermordet,
    als brüllende Horde
    nach Russland marschiert,
    die Menschen geknebelt,
    im Blute gesäbelt,
    vom Clowne geführt,
    sind wir die Gesandten
    des allwärts Bekannten
    und waten in Blut.
    Wir tragen die Fahnen
    Der arischen Ahnen:
    Sie stehen uns gut.

    Zitiert nach: Welzer, Harald: Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden. Frankfurt/Main 2005.
    Mehr zum Gedicht.

    Nach Welzer muss man kein Nazi, Rassist oder dergleichen sein, um innerhalb kürzester Zeit zum Massenmörder zu werden. Seine Thesen sind äußerst provokant, dabei aber recht logisch; sie hier aber auszubreiten, dafür reicht der Raum nicht.
     
  14. Mephisto

    Mephisto Aktives Mitglied

    Ist zwar nicht wirklich ein Gedicht, reimt sich aber... ;)
    Hier die Landeshymne des Fürstentums Waldeck-Pyrmont:

    Unter allen Landen deutscher Erde,
    preis´ ich Waldeck mein lieb´ Heimatland.
    Bis zum letzten Atemzuge werde
    Ihm ich weihen treulich Herz und Hand.


    Mein Waldeck lebe hoch, mein Waldeck lebe hoch, mein teures, liebes Waldeck es lebe, lebe hoch!


    Seht das Land im Schmuck der schönsten Wälder,
    wenn der Lenz mit neuer Pracht einzieht,
    wenn die Berge, Täler, Wiesen, Felder
    grün geziert, soweit das Auge sieht.


    Mein Waldeck lebe hoch, ...


    Wie so mächtig auf den Höhen rauschen,
    Eich´ und Buche trotzen Sturm und Wind.
    Hirsch und Reh im stillen Waldgrund lauschen,
    wo der Quell zum klaren Bächlein rinnt.


    Mein Waldeck lebe hoch, ...

    Echte Deutsche sind in Waldecks Gauen,
    Sachs und Franke reichen sich die Hand.
    Fürst und Volk einander stets vertrauen,
    Lieb´ und Treue sind ihr festes Band.


    Mein Waldeck lebe hoch, ...

    Schwarz-Rot-Gold sind meine Landesfarben,
    dunkler Nacht folgt gold´nes Morgenrot.
    Für Alldeutschland Waldecks Söhne starben,
    deutsche Treu´ bewahrend bis zum Tod.


    Mein Waldeck lebe hoch, ...

    Fest, oh Waldeck, steht zum deutschen Reiche,
    wie dein hohes Felsenschloß so fest!
    Grün und blüh´ gleich dein der schönsten Eiche,
    stürmt es auch von Osten oder West.

    Mein Waldeck lebe hoch, ...


    Der Text wurde verfasst von Pfarrer August Koch. "Mein Waldeck" wurde im Jahre 1890 veröffentlicht. Es wird auch heute noch bei Veranstaltungen in der Region gesungen.
     
  15. Mephisto

    Mephisto Aktives Mitglied

    und hier eine zeitgenössische Satire auf das Hessenlied:

    Ein zeitgemäßes Hessenlied.

    Strömt herbei, ihr Aspiranten,
    In das schöne Hessenland;
    Kommt aus allen deutschen Landen
    Und bewerbt euch kurzer Hand
    Nur getrost um eine Stelle,
    Mögt ihr unbekannt auch sein:
    Nur Courage! denn sehr schnelle
    Führ' man in ein Amt euch ein.


    Professoren, Direktoren,
    Ingenieure für Cultur,
    Sowie alle andren -oren,
    Lenkt nach Hessen eure Spur;
    Nur nach Hessen sollt ihr ziehen,
    Nur herbei so alt wie jung,
    Und gar bald wird euch erblühen
    Eine schöne Anstellung!


    Alle seid ihr eingeladen,
    Denn bei uns dringt mancher durch;
    Ob aus Bayern oder Baden
    Preußen oder Oldenburg;
    Ob aus Schwarzburg-Sondershausen
    Oder Reuß-Greiz-Lobenstein;
    Sachsen-Weimar-Hildburgshausen
    Als ins Hessenland herein!


    Kommt aus Würtemberg und Sachsen,
    Wie aus Lippe-Detmold auch;
    Nicht bedarf es vieler Faxen,
    Aemter gibt's für euch nach Brauch;
    Kommt aus Sachsen-Koburg-Gotha,
    Anhalt-Dessau-Köthen her,
    Denn für manchen ist noch Brod da;
    Anzukommen hält nicht schwer.


    Als herbei sammt seiner Sippe,
    Wer ein Aemtchen nöthig hat;
    Als herbei aus Schaumburg-Lippe
    Wie aus Schwarzburg-Rudolstadt;
    Sucht euch Aemter hier allmählich,
    Ihr aus Sachsen Altenburg;
    Kommt aus Anhalt-Bernburg fröhlich,
    Kommt sogar aus Mecklenburg!


    Hohe, Aemter, schöne Titel
    Findet ihr in Hessen gleich;
    Das erlauben unsre Mittel
    Für das ganze deutsche Reich. -
    Auswärts kann sich jeder freuen
    Dem man noch kein Amt verlieh,
    Daß er's finden kann im neuen
    Aspiranten-Paradies. –


    Doch in Hessen, ach, in Hessen,
    In dem eignen Heimathsland,
    Muß oft lange unterdessen
    Warten mancher Aspirant!
    Die - befähigt wohl nicht minder -
    Einem Amt entgegen seh'n,
    Ja die eignen Landeskinder
    Müssen oft zurücke steh'n.


    Ist das Gute nur zu finden
    Auswärts, daß man d'rauf erpicht?
    Nein, aus patriot'schen Gründen
    Glauben wir doch solches nicht!
    Warum sucht im Hessenlande
    Man's doch auswärts? Woran liegt's?
    Ach, es gilt im Vaterlande
    Der Prophet bekanntlich nichts!
     
  16. Mercy

    Mercy unvergessen

    Du solltest da schon nähere Erläuterungen dazu geben. Danke.
     
  17. Mephisto

    Mephisto Aktives Mitglied

    Der Verfasser ist Theodor Eichenbeger (1835 - 1917). Wann das Gedicht entsanden ist weiß ich auch nicht genau.
     
  18. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Zur Affäre Lola Montez von einem "Gebirgler":

    Montez du große Hur´
    Bald schlagen wird dein Uhr
    Wo wir die außi hau´n
    Weil d Münchna sich nöt trau´n

    Pfuy Teufel Königshaus
    Mit unsra Treu is aus
    Bringst uns in Schand und Spott
    Helf´uns da liebe Gott.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. Februar 2006
  19. v.dem Knesebeck

    v.dem Knesebeck Neues Mitglied

    is zwar auf englisch kennen aber bestimmt die meisten.


    The Charge of the Light Brigade
    Alfred, Lord Tennyson

    1.

    Half a league, half a league,
    Half a league onward,
    All in the valley of Death
    Rode the six hundred.
    "Forward, the Light Brigade!
    "Charge for the guns!" he said:
    Into the valley of Death
    Rode the six hundred.

    2.

    "Forward, the Light Brigade!"
    Was there a man dismay'd?
    Not tho' the soldier knew
    Someone had blunder'd:
    Their's not to make reply,
    Their's not to reason why,
    Their's but to do and die:
    Into the valley of Death
    Rode the six hundred.

    3.

    Cannon to right of them,
    Cannon to left of them,
    Cannon in front of them
    Volley'd and thunder'd;
    Storm'd at with shot and shell,
    Boldly they rode and well,
    Into the jaws of Death,
    Into the mouth of Hell
    Rode the six hundred.

    4.

    Flash'd all their sabres bare,
    Flash'd as they turn'd in air,
    Sabring the gunners there,
    Charging an army, while
    All the world wonder'd:
    Plunged in the battery-smoke
    Right thro' the line they broke;
    Cossack and Russian
    Reel'd from the sabre stroke
    Shatter'd and sunder'd.
    Then they rode back, but not
    Not the six hundred.

    5.

    Cannon to right of them,
    Cannon to left of them,
    Cannon behind them
    Volley'd and thunder'd;
    Storm'd at with shot and shell,
    While horse and hero fell,
    They that had fought so well
    Came thro' the jaws of Death
    Back from the mouth of Hell,
    All that was left of them,
    Left of six hundred.

    6.

    When can their glory fade?
    O the wild charge they made!
    All the world wondered.
    Honor the charge they made,
    Honor the Light Brigade,
    Noble six hundred.
     
  20. v.dem Knesebeck

    v.dem Knesebeck Neues Mitglied

    Joseph von Eichendorff

    1. In einem kühlen Grunde,
    Da geht ein Mühlenrad,
    Mein Liebchen ist verschwunden,
    Das dort gewohnet hat.

    2. Sie hat mir Treu' versprochen,
    Gab mir ein' Ring dabei,
    Sie hat die Treu' gebrochen,
    Das Ringlein sprang entzwei.

    3. Ich möcht' als Spielmann reisen
    Wohl in die Welt hinaus
    Und singen meine Weisen
    Und geh' von Haus zu Haus.

    4. Ich möcht' als Reiter fliegen
    Wohl in die blut'ge Schlacht,
    Um stille Feuer liegen
    Im Feld bei dunkler Nacht.

    5. Hör' ich das Mühlrad gehen,
    Ich weiß nicht, was ich will;
    Ich möcht' am liebsten sterben,
    Da wär's auf einmal still.
     

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