Herkunft der Kurden

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von Gast, 1. Mai 2007.

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  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich nehme an, du beziehst dich bei den vermeintlichen Idolen auf Catal Höyük? Von den dort gefundenen Figurinen sind gerade mal 5 % als weiblich zu klassifizieren, andere als männlich, ungeschlechtlich oder nicht identifizierbar. Wir haben hier das Problem der schriftlosen Kultur, wir wissen schlicht nicht, was diese Figurinen (ich beziehe mich jetzt nicht unbedingt auf Catal Höyük sondern auf die Figurinen mit deutlich ausgeprägten weiblichen Geschlechtsmerkmalen) darstellten. Wenn wir die Venus von Willendorf als Venus titulieren, dann haben wir schon ein Urteil gefällt, welches wir mangels Material überhaupt nicht fällen können. (Forderung von Popper: Eine Hypothese muss falsifizierbar sein, damit es eine wissenschaftliche Hypothese ist!) Seriös ist es von anthropomorph oder zoomorph also 'menschen-' oder 'tierförmig' zu sprechen, denn das lässt den Interpretationsspielraum offen und engt ihn nicht ein.
    Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel: Man begehe eine Herrentoilette in einer Autobahnrasttätte, Schule oder Universität, einer Disco oder dort, wo junge Männer zusammenkommen. Garantiert werden irgendwo mit Filzstift explizite Zeichnungen angebracht sein, Penis und Hoden oder eine nackte Frau, deren sexuelle Attribute (Brüste und Scham) sehr herausgestellt sind, die aber kaum individuelle Züge trägt. Niemand würde auf die Idee kommen, in den Toiletten auf einen Fruchtbarkeitskult gestoßen zu sein. Warum aber spricht man mittels einer zwanghaften religiösen Interpretation der Figurinen steinzeitlichen Pubertierenden und Postpubertierenden ab, dieselben Interessen wie moderne Discobesucher zu haben?
    Fakt ist, die Interpretationen von Figurinen sind dem Wunschdenken geschuldet. Wir wissen so gut wie nichts über die religiösen Vorstellungen des Neolithikums. Was speziell bei Catal Höyük noch hinzu kommt ist, dass die Figurinen vielfach im Hausmüll gefunden worden, was tendenziell gegen eine kultische Deutung spricht.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    :yes::yes::yes::yes:
     
  3. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ich finde diese Bemerkung geradezu bedenkenswert:
    Die inverse These gefällt mir.
     
    1 Person gefällt das.
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    und man kann nur beten, dass sich diese Einsicht endlich herumspricht!!!
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das wesentliche Wort hier ist "schriftlos". Ohne in Schriftform festgehaltene Selbstaussagen der damaligen Menschen über ihre religiösen Vorstellungen wissen wir praktisch gar nichts darüber. Auf die fragwürdigen Interpretationen bildlicher/figürlicher Darstellungen hat El Quijote schon hingewiesen. Aber selbst wenn die populären Deutungen stimmen würden, würde das noch nichts darüber aussagen, ob ein Schöpfer verehrt wurde oder nicht. Und falls es eine "Fruchtbarkeitsgöttin" gegeben hat: Wie willst Du dann ausschließen, dass sie nicht vielleicht als einzige Göttin verehrt wurde? Vollkommen fantastisch wird es, wenn man genaue Vorstellungen darüber zu haben meint, wie man sich das Jenseits bzw. die Endzeit vorstellte.

    Zumindest für Amerika ist diese These die einzig sinnvolle, sofern man nicht annehmen will, dass Bewohner Mesopotamiens oder Ägyptens auf Schilfbooten nach Amerika schipperten, um den dortigen Menschen die Landwirtschaft beizubringen.
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Je nach dem, wie genau Du das haben willst, ist diese Aussage nicht korrekt. Ich würde (im entsprechenden Kontext, den ich einfach mal behaupte) die Aussage durchaus untersützen. Warum? In erster Linie weil's für prähistorische Kulturen auch ständig angenommen wird... (Zirkelschluss ftw!)

    Es ist zumindest eine (sub-) kulturelle Manifestation menschlicher Sexualität. Inwieweit Sexualität Fruchtbarkeit impliziert wäre zu diskutieren, und ob man das zum Kult machen will bleibt jedem selber überlassen; manche betreiben es zumindest hartnäckig.

    Von einer solchen Toilette: "Klowände streichen ist wie Bücher verbrennen!"
    :p
     

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