Hexenprozesse, Inquisition und die Verantwortung der Kirche

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Taiger11, 28. Mai 2006.

Schlagworte:
  1. Taiger11

    Taiger11 Gast

    Ich zetiere: "Von einer Haupt- oder Alleinverantwortung der römisch-katholischen Kirche kann laut historischer Forschung allerdings keine Rede sein. (Im päpstlichen Kirchenstaat gab es z. B. kaum Hexenverfolgungen, die römische Inquisition schützte sogar nachweislich Verfolgte.)"

    Das kommt mir ein wenig spanisch vor, denn ich (kein besonders guter Kenner der Hexenverfolgung) bisher immer gedacht habe, dass die römisch, katholische Kirche hinter den Priestern und Hexenjägern steht. Die Kirche beruft sich auf Augustinus ([SIZE=-1]354 - 430), der die Magie als unmöglich abgeschrieben hatte und damit erklärten die Kirchtenväter die Hexerei als"heidnischen Aberglauben".

    Da aber die heilige römische Kriche noch immer auf der Suche nach weiteren Anhängern war und alle Priester die Pflicht hatten ihren Glauben zu verbreiten, mussten sie laut dem ersten Gebot alle anderen Religionen und anderen Aberglauben ausmerzen und auslöschen. ( 1. Gebot: Du sollst keine andere Religion neben mir haben..)

    Die Kirche ist in meinen Augen also in vollem Maß verantwortlich für die Grausamkeiten und Tötungen, die während der frühen Neuzeit verübt wurden.
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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Mai 2006
  2. Mercy

    Mercy unvergessen



    Von Hexenverfolgung, scheint es, hast du keine Ahnung, aber Urteile kannst du fällen, die einem Institoris posthum zur hchsten Ehre gereichten.
     
  3. Taiger11

    Taiger11 Gast

    Mal für die allgemein Dummen, z. B. ich; Wo ist dein Problem??

    Und sollten meine mal kurz zusammengedachten Ideen falsch sein, wer dann ist für die Hexenverbrenung zuständig oder hat sie zumindestens angeregt?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. Mai 2006
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Zusammengedacht trifft den Nagel auf den Kopf.
    Sachkundig kannst du dich hier machen:

    http://www.geschichtsforum.de/forumdisplay.php?f=13
     
  5. Taiger11

    Taiger11 Gast

    Jo schon klar, dass es dort ein paar Posts mehr gibt die vllt. auch etwas sinnvollere Sachen enthalten aber ich würde gerne wissen wo genau der Fehler in meinem Denksystmen liegt??

    Und im übrigen wird das sicher nicht in irgendeinem dieser intellegenten und äußerst sachkundigen Themen stehen.

    Vielen Dank für die Antwort
     
  6. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Ich hoffe, wir können dein Begehr nach Aufklärung erfüllen:

    Ja, es stimmt, dass Hexerei von der katholischen Kirche (denn vor allem diese beruft sich auf Augustinus) abgelehnt wurde, falsch ist aber, dass nur diese die Hexerei verfolgt hat. Das protestantische Mecklenburg war z.B. in Deutschland ein Zentrum der Hexenverfolgung. Die Hexenverfolgung also alleine der katholischen Kirche anzuhängen ist falsch. Ebenso falsch ist es, die Inquisition der Kirche alleine anzuhängen, es waren vielmehr weltliche Herrscher (z.B. der dreimal exkommunizierte Kaiser Friedrich II) die zuerst weltliche Ketzergesetze erließ, die anschließend von Innozenz IV. bestätigt wurden.

    Zur Hexenverfolgung gibt es jede Menge zu lesen bei historicum.net.

    Das erste Gebot - richtigerweise: Du sollst keine anderen Götter haben neben/vor mir - gilt für alle Christen (katholisch, evangelisch, orthodox etc.) und Juden und richtet sich an die Gläubigen. Die Missionpflicht hat vielmehr mit Markus 16,15 zu tun, würde ich mal sagen - und ist damit ebenfalls nícht exklusiv katholisch.

    Diese beiden Einwände sollen die katholische Kirche nicht exculpieren, aber so, wie du sie darstellst, war es definitiv nicht. Die Welt ist komplex - und es gibt oft mehr Gründe für und Schuldige an Verbrechen. Es ist in jedem Fall zu einfach, es nur einer homogen erscheinenden Institution anzuhängen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Mai 2006
  7. Taiger11

    Taiger11 Gast

    Ok macht alles Sinn und ich sehe es auch ein, aber gibt es nicht ein Unterschied zwischen Ketzertum und Hexen?

    Ich habe wahrscheinlich ein wenig hochgegriffen, aber der
    Artikel streitet ja jede Mitschuld an diesen Taten ab
    und das ist selbst laut deinem Post falsch:

    Ich habe den Fehler gemacht es nur der
    katholischen Kirche anzuhängen,

    Außerdem steht in meinem Beitrag zum Thema keinesfalls,
    dass die Kirche allein schuldig ist.

    Es tut mir leid.

    MFG Taiger :weinen:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30. Mai 2006
  8. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Darf man erfahren, aus welchem Artikel das Zitat stammt? Ich sehe nicht, daß jede Mitschuld abgestritten wird.
    Wenn ich mich nicht täusche, verbot Karl der Große schon den bloßen Glauben an Hexen - eben weil es Aberglauben war.
    Die eigentliche große Hexenverfolgung kam im Schlepptau der Konfessionalisierung und wütete hauptsächlich in deutschen Landen, was schon die dringende Vermutung nahelegt, daß nicht nur Firma Kath. & Co da die Finger im Spiel hatte.

    Immer dran denken: Die Kirche will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er lebe und zahle! :pfeif:
    Mal wieder ernst *räusper* vielleicht hilft dir diese Seite weiter: http://www.inquisition2000.de/index_deutsch.htm


    LG Kassia
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2006
  9. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

  10. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Dass die Kirchen nicht in jedem Fall die "Ausführenden" waren ist eine Tatsache, die Schuld und Verantwortung der Kirchen aber ist weitaus größer, als es heute dargestellt wird. Zur damaligen Zeit waren die Kirchen nicht nur für das Volk sondern auch für die Regierenden Maßstab und Richtschnur. Die Kirchen haben selbst ausgeführt und zu den Handlungen der weltlichen Herrscher geschwiegen. Die Frage steht auch zu vielen anderen geschichtlichen Verbrechen, wo liegt die größere Schuld - beim Kopf oder bei der Hand, die sie ausführt?
     
  11. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Die Kirchen, die Regierenden... geht es noch etwas pauschaler? Bisher waren wir soweit zu sagen, daß die Beteiligung "der Kirchen" nicht so groß war, wie bisher angenommen. Sieht nach einem historischen Ping-Pong-Spiel aus.
    Wer stellt denn was heute wie dar, und was ist deines Erachtens falsch daran?
     
  12. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Protestant. Kirche, kath. Kirche - Kirchen
    weltliche Herrscher, z.B. Friedrich II.

    Wie sind wir zu der Auffassung gekommen, dein Satz oben: dass die Beteiligung "der Kirchen" nicht so groß war?

    Das sieht eher nach einem Ping-pong-Spiel aus, hat also gar keiner den Schwarzen Peter? Oder gibt es Quellen, die eine ganz andere Möglichkeit, wer Schuld sein könnte, aufzeigen?
     
  13. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Du hast meine Frage nicht wirklich beantwortet, ob ich deine Antwort verstanden habe, weiß ich nicht.
    Aber sagen wir mal so: Rainer Deckers (Die Päpste und die Hexen) z.B. kommt nach Sichtung der Inquisitionsarchive zu einer anderen, um nicht zu sagen: positiveren Bewertung der Rolle katholischer Führungskräfte.
    Grundsätzlich hing sehr viel von den Landesherren ab (ich rede von der frühen Neuzeit), wenn es um Verfolgung ging. Hinzu kamen andere Faktoren, soziale, wirtschaftliche etc.
    Es geht mir nicht um einen allgemeinen Freispruch, aber (sinngemäß) zu sagen "die Kirchen hatten mehr Schuld als bisher angenommen" ist mir zu ungenau. Klingt nach feministischer Mottenkiste ganz unten.
    Und wenn du sagst, du meinst die katholische Kirche, bleibt immernoch die Frage offen, wieso gerade in Deutschland und eben nicht in rein katholischen Ländern?
     
  14. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Ich schrieb oben Kirchen. Also nicht eine Kirche betreffend. Nach Deckers ist es also so zu verstehen, man kann sogar noch eine positive Rolle der kath. Kirche in diesem Geschehen sehen , da nicht alle Menschen ermordert wurden, sondern es auch gelegentlich Freisprüche gab? Was bitte ist eine feministische Mottenkiste? Eine sehr interessante Sichtweise, auch in Hinblick
    auf andere Verbrechen der Menschheit in der Geschichte. Es ging hier doch nicht um die Gründe für diese Morde (wirtschaftlich, sozial etc.), hier ging es doch um die Frage, wer und wieviel Schuld tragen entweder die weltlichen Herrscher bzw. die Kirchen.
    Und wenn es auch Geschichte ist, bei diesem Thema geht es in erster Linie um Menschen, Menschen, die sinnlos ermordert wurden, aus den verschiedensten Gründen heraus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2006
  15. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das ist aber die Sichtweise derer, die begannen, sich gegen den Hexenwahn zu wenden. Auch da sind historische Entwicklungen zu beachten.
     
  16. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Richtig, historische Entwicklungen. Aber es hätte den christlichen Kirchen besser angestanden, anstatt eine aufwändige Suche zu betreiben, wie groß oder wie klein ihre Schuld ist, für den Teil der Schuld, der besteht, in der modernen Zeit die Opfer dieser geistigen Verwirrung um Vergebung zu bitten. Und auch die Zeit u. eine historische Entwicklung ändern nichts daran, dass es legalisierter Massenmord war. Wenn wir Geschichte betrachten, dann sollte es auch einen Sinn machen, vor allem sollte alle Lehren aus der Geschichte ziehen und sie sich nicht nur aneignen und zu den Akten legen.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Schon geschehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Mea_culpa
     
  18. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das ist jetzt aber eine Moralpredigt.
    Erledigt, vergessen, ad acta gelegt ist das Thema noch lange nicht, da wird intensiv daran gearbeitet (auch um die verbreiteten Irrtümer insbes ab dem 19. Jh zu korrigieren).

    http://www.hexenforschung.historicum.net/
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ohne mich hier wirklich auszukennen:

    Ein paar Kilometer von meiner Haustüre entfernt, (War damals eine Landesgrenze dazwischen)fand einer der letzten Hexenprozesse mit anschließender Hinrichtung überhaupt statt.

    Ich habe mir auch schon mal Aufzeichnungen über Hexenprozesse gegen Kinder angeschaut.

    Man gewinnt schon den Eindruck, dass da tatsächlich nach Wahrheit gesucht wurde, dass keineswegs die üble Nachrede schon ausreichte.

    Was alles aber irgendwie noch bedrückender macht.

    Grüße Repo
     
  20. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Man kann ja nicht von der Römischen Kirche oder den Vertretern des Heiligen Römischen Reiches im Mittelalter verlangen, dass sie sich mit altertümlichen römischen Rechtsstandards auskennen und diese auch noch anwenden sollen... Unschuldsvermutung, wo kein Kläger ... usw. :still:
     

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