Hexenprozesse, Inquisition und die Verantwortung der Kirche

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Taiger11, 28. Mai 2006.

Schlagworte:
  1. gregory

    gregory Neues Mitglied

    Die offizielle Haltung der römisch- katholischen Kirche zur
    Hexenverfolgung hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert.

    Im Jahre 785 auf dem Konzil zu Paderborn verurteilten die Konzilsväter
    nicht die Hexen sondern den Hexenglauben

    Lehramtlich verbindliche Texte des römischen Pontifex zur Hexenfrage
    hat es nie gegeben.

    Allerdings kann man den Päpsten den Vorwurf machen nicht gegen den unsäglichen "malleus maleficarum" und deren Autoren vorgegangen zu sein.

    Der Hexenwahn wütete vor allen in germanischen und Nordeuropäischen Regionen

    Nicht zuletzt in protestantischen Gebieten.
    Namentlich Schottland und der Schweiz.
    So schrieb der Gelehrte Humanist und Jurist Jean Bodin
    etwa ein Buch über die richtige Prozessführung gegen Hexen.

    Im Kanton Glarus wurde 1782 die letzte Hexe im deutsprachigem Raum getötet.


    Allerdings hat es noch in den siebziger Jahren des 20 Jhdts.
    einen weitverbreiteten Hexenglauben in manchen Regionen
    DeutschLands
    So etwa in der Lüneburger Heide

    Leider ist das Zeitalter der Hexenverfolgungen in Schwarzafrika immer noch nicht überwunden.
    ( sehr lesenswert hierzu ist der Artikel von B. Grill v. 15.9. 2005, erschienen in " die Zeit")
    Grill zitiert darin schwarzafrikanische Intellektuelle, die im Hexenglauben
    eines der Haupthindernisse für die Modernisierung Afrikas sehen.
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast


    Ein bißchen mehr war da schon: Mit der Bulle "Summis desiderantes" wurde ja das unselige Wirken der Hexenhammer-Autoren vom Papst offiziell legitimiert:

    Summis desiderantes affectibus - Wikipedia
     
  3. gregory

    gregory Neues Mitglied

    Deswegen hab ich ja geschrieben: lehramtlich "VERBINDLICH"
    ich hätte vielleicht, um Mißverständnisse zu vermeiden " ex cathedra"
    schreiben sollen.

    Ich glaube viele Streitigkeiten in diesem Forum könnten vermieden werden, wenn die Mods die Texte der Teilnehmer genauer lesen würden.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast


    Nicht nur "ex-cathedra"-Entscheidungen sind lehramtlich verbindlich, davon gab es ja in der langen Geschichte des Papsttums erst zwei. Eine Bulle oder Enzyklika ist in jedem Fall verbindlich, auch wenn sie nicht für alle Zeiten Unfehlbarkeit beanspruchen muß.



    Sollte in diesem Fall jemand einen Streit vom Zaun brechen wollen, liegt es nicht an den Mods; ich jedenfalls habe Deinen Text sehr genau gelesen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30. Juli 2007
  5. Gast

    Gast Gast

    Hexenprozesse

    hallo ,
    ich schreibe meine facharbeit über hexenprozesse und müsste deswegen den genauen verlauf beschreiben. ich habe bis jetzt leider nur bei wikipedia etwas darüber gefunden- das reicht als quelle natürlich nicht. hätte jemand vielleicht einen tipp für mich wo ich etwas zu dem thema finden kann?

    liebe grüße
     
  6. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Meine Empfehlungen dazu:
    http://www.historicum.net/themen/hexenforschung/
    HEXENFORSCHUNG archives -- February 2006 (#7) bzw. http://fowid.de/fileadmin/textarchiv/Hexenverfolgungen__Rita_Voltmer___TA-2006-12.pdf

    Du kannst Dich natürlich zusätzlich auch in die Threads im Unterforum Hexenverfolgung (1450-1750) - Geschichtsforum einlesen... :fs:
     
  7. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    Orientiere dich an einem konkreten Beispiel, etwa dem der Hester Jonas aus Neuss; ihre Prozeßakten sind erhalten und liegen aufgearbeitet vor:

    Gisela Götte, "Richtet noch einmal". Die Prozessakte der Zauberin Hesteren, Peter Meurers Hausfrau. In: Neusser Frauen in Geschichte und Gegenwart. Dokumentation des Stadtarchivs Neuss 4. Neuss 1995, S.61-81.
     
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  8. Anka

    Anka Gast

    - "Hexenhammer" ISBN: 3-8262-0808-0
    - Heinsohn, Gunnar; Knieper, Rolf; Steiger, Otto: Menschenproduktion. Allgemeine Bevölkerungslehre

    Sehr spannend und lehrreich

    Viel Glück
    Anka
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16. Januar 2009
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  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dabei darauf achten, daß es sich nicht um den Reclam Reprint der Ausgabe von 1937/38 - mit dem bereits zu Beginn des 20. Jh. als wissenschaftlich unhaltbar angesehenen Vorwort von J.W.R. Schmidt - handelt, sondern die neuere Ausgabe, welche bei dtv erschienen ist.

    Davon würde ich abraten - siehe dazu auch:
    historicum.net: Neun Millionen Hexen
    Hexen und Magie: Eine historische ... - Google Buchsuche
    sehepunkte - Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften - 3 (2003), Nr. 5 (dort geht es zwar um die Rezension eines anderen Buches; dieses widerlegt jedoch die Thesen von Heinsohn & Co. und zeigt deren wissenschaftliche Unhaltbarkeit auf)
     
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