Hexenprozesse, Inquisition und die Verantwortung der Kirche

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Taiger11, 28. Mai 2006.

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  1. Irene

    Irene Neues Mitglied

    @ Herold
    Alles sehr gut nachvollziehbar und durchaus verständlich. Aber es beantwortet nicht die Frage, wieso ausgerechnet diese Entwicklung in Europa und ausgerechnet im Christentum? Ängste entstehen nicht aus dem Nichst, diese Ängste vor Hexen, vor dem Teufel - wieso ausgerechnet bei den Menschen in dieser Region und in dieser Religion? Und Massenhysterie bedeutet ja nicht gleich länderweit, Massenhysterie kann einen Ort, eine Stadt, eine Region betreffen. Wenn Ängste geschürt werden, können sie wie ein Flächenbrand wirken. Und bei ungebildeten Menschen fallen diese Ängste auch auf fruchtbaren Boden.
    Aber die Menschen in östlilchen Ländern, speziell Ländern des Islam, des Judentums wurden offenbar von dieser Entwicklung und diesen Ängsten nicht erreicht. Auf jeden Fall kam es nicht zu Verfolgungen dieses Ausmaßes oder überhaupt, wie es in Europa der Fall war.
     
  2. Herold

    Herold Neues Mitglied

    Hexenglaube ist weder etwas spezifisch europäisches noch etwas spezifisch christliches. Der Glaube an Hexen (bzw. in weiterem Sinne Magie) ist vielmehr ein kulturübergreifendes Phänomen, das sich in den allermeisten Regionen der Welt finden lässt. Christliche und islamische, buddhistisch wie animistisch geprägte Länder kennen Vorstellungen von Hexen. Und alle diese Kulturen kennen auch Hexenverfolgungen.

    Was die europäischen Hexenverfolgung davon aber sicherlich abhebt, ist ihr Umfang, sind die Opferzahlen. Allerdings ebenso die Tatsache, dass bei den europäischen Hexenverfolgungen tiefgreifende soziale Umwälzungsprozesse Einfluss nehmen, die die Schwere der Verfolgung bestimmt mit beeinflusst haben. Ich habe oben bereits Territorialisierung genannt, Sozialdisziplinierung und Konfessionalisierung dürften daneben ebenfalls ihre Rolle gespielt haben. Hexenglaube stößt im Europa des 16. Jhd.s nicht auf eine gefestigte, konfliktarme Gesellschaft, sondern auf eine Gesellschaft im Umbruch, deren Weltbild in einem rasanten Wandel ist. Und ein solcher Wandel bringt immer tatsächliche oder vermeintliche Krisen mit sich, die in diesem Falle den traditionellen Hexenglauben maßgeblich verschärft haben dürften. Bei aller Vorsicht dürften solche Prozesse mindestens ebenso sehr zur Eskalation der Hexenverfolgung geführt haben wie theologische Teufelskonzepte.
     
  3. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Noch mal zur Inquisition. Hier wurde ja mehrfach geäußert, das alles sei im geschichtlichen Zusammenhang zu sehen und auch mit der mangelnden Bildung der damaligen Menschen zu erklären. Interessant in dem Zusammenhang, es gibt eine kath. Kongregation seit 1965, deren Chef sozusagen bis in die 90er Jahre der deutsche Kardinal Ratzinger war und diese Institution basiert auf dem ehem. Heiligen Offizium des 16. Jahrhundert, davor nannte sie sich Heilige Inquisition. Diese Einrichtung setzt Bücher auf den Index, verbietet freie Meinungen zu Bibelforschungen, blockt wissenschaftliche Untersuchungen ab und exkommuniziert nach Bedarf, um die Dogmen und Lehren der römischen Kirche zu schützen. Wenn man bedenkt, dass die Macht der römischen Kirche in unserer Zeit sehr beschnitten ist, darf man wohl zufrieden sein, denn auszuschließen ist wohl nicht, wäre diese Macht noch uneingeschränkt, könnten durchaus wieder Scheiterhaufen brennen.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Da ist mir etwas anderes bekannt:


    ... und hortet das 5. Evangelium in einem Eisenschrank.



    Bzw. jetzt nicht mehr.
     
  5. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Damit wäre also in den 70er Jahren die Index-Affäre beendet worden, nur ein kleines Teilgebiet dieser Institution.
     
  6. Robert_Lee

    Robert_Lee Gesperrt

    Es ist aber augenfällig, daß das koptische und armenische Christentum und die griechisch- orhodoxe Kirche die Hexenverfolgungen scheinbar nicht kennen, während sie in Mitteleuropa die Gegenden betreffen, die seit dem Spätmittelalter vom Papsttum beherrscht wurden.

    Schon Rietzler stellte hier 1896 den terminus ante quem non für die Entwicklung der europäischen Hexenprozesse fest.
     
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

    Herold sprach von Hexenglaube[!], du spekulierst flugs über Hexenverfolgungen, die scheinbar (oder meinst du anscheinend?)...
     
  8. Robert_Lee

    Robert_Lee Gesperrt

    Nun, der Hexenglaube an und für sich ist das Spiegelbild des katholisch-christlichen Widerstreites mit dem magischem Weltbild der vorchristlichen Heiden.
     
  9. Hephaistos

    Hephaistos Neues Mitglied

    Ich glaube, dass ihnen das nicht ganz bewusst war, denn in der Bibel steht irgendwo: "Du sollst keine Hexe am Leben lassen." Somit beriefen sie sich auf die "heilige Schrift" und alles war gut.
     
  10. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Magie war im Altertum weit verbreitet. Der erwähnte Vers steht im Buch Exodus 22,17. Und dank Luthers präziser Übersetzung war man in evangelischen Kreisen eher auf Frauen fixiert, wohingegen man im katholischen Milieu eher von "gemischten Orgien" ausging.

    Auch das römische (heidnische) Recht verfolgt Schadenszauber. Es geht also nicht nur um christlich-katholische Ablehnung, noch um monotheistische Religionen (denn das Buch Exodus darf man wohl jüdischem Ursprung zuschreiben). Die Auseinandersetzung mit bzw. Ablehnung von Magie ist fast so alt wie die Menschheit.

    Karl der Große verbot noch den Glauben an Hexen, mit dem er infolge seines Zusammentreffens mit heidnischen Germanen konfrontiert war. Allerdings hat sich das nicht über 800 Jahre halten können.
    Andere Gegenden wurden noch viel mehr "vom Papsttum beherrscht", nur daß dort deutlich weniger verfolgt und verbrannt wurde. Ich verweise hier auf Rainer Decker: Die Päpste und die Hexen. Darmstadt 2003.
    Man kann weder die katholische Kirche für dieses Phänomen verantwortlich machen, noch den Glauben an Hexen allein im christlichen Milieu verorten.
    Wuchsen die Kinder nicht vielfach mit Märchen und Geschichten über Dämonen auf, sodaß das quasi allgemines Bildungsgut war? Hier ist eher die Sprachwissenschaft gefordert, der Verbreitung vieler Erzählungen nachzugehen. Würde mich interessieren, wo die ursprünglich herkamen. Man nennt es wohl auch "schwarze Pädagogik" (da das aber nicht eigentlich mein Fach ist, kann und möchte ich nicht mehr dazu sagen. Aber falls sich jemand gut damit auskennt, lerne ich gerne dazu).
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Der Hexenglaube war bis in höchste Schichten der kirchlichen Elite verbreitet und es gab hier einen allgemeinen Konsens in der Gesellschaft. Ein schönes Beispiel dafür ist die berühmte so genannte "Hexenbulle" "Summis desiderantes affectibus" von Papst Innozenz VIII. aus dem Jahr 1484, mit der er die Hexenverfolgung auf eine feste kirchenrechtliche Grundlage stellte. Ich zitiere daraus:

    "Nicht ohne großen Kummer ist uns zu Ohren gekommen, dass in einigen Teilen Oberdeutschlands sowie in Städten und Ländern der Erzbistümer Mainz, Köln, Trier und Salzburg sehr viele Personen beiderlei Geschlechts ihre Seligkeit vergessen und vom Glauben abfallen. Sie treiben Missbrauch mit Teufeln, die sich als Männer oder Weiber mit ihnen vermischen. Mit ihren Zaubereien, Liedern und anderem abscheulichen Aberglauben sowie Lastern und Verbrechen verderben, ersticken und vernichten sie die Geburten der Weiber, die Jungtiere, die Früchte der Erde, Männer, Frauen, Tiere, Vieh, Weinberge ... Auch peinigen sie Männer, Frauen und Tiere mit grausamen Schmerzen und belegen sie mit Plagen ... Wir erteilen also den genannten Inquisitoren die Erlaubnis, die schuldig befundenen Personen gemäß ihrer Verbrechen zu züchtigen, in Haft zu nehmen, an Leib und Vermögen zu strafen. ..."

    Außer Frage steht, dass manche die Hexenprozesse als Karriereleiter nutzten, an den Prozesskosten gut verdienten oder sich am Nachlass der Opfer bereicherten. Verleumdung, Neid, Streit und Sündenbockfunktion spielten ebenfalls eine zentrale Rolle.

    Dennoch war der Hexenglaube in allen Schichten der Bevölkerung tief verankert, auch wenn es von Anfang an Skeptiker und Gegner der Hexenprozesse gab. Gemessen am Gros der Bevölkerung waren Leute wie Friedrich von Spee jedoch eine winzige Minderheit und sein Buch "Cautio Criminalis" wagte er 1631 nicht einmal unter seinem Namen herauszugeben.
     
  12. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    @ Dieter: Ja, natürlich. Ich will gar nicht abstreiten, daß es diese Bulle von diesem Papst gegeben hat. Aber damals war auch noch nicht die Hoch-Zeit der Hexenverfolgung. Und der in engem Zusammenhang mit der Bulle stehende Hexenhammer hatte zunächst nicht die durchschlagende Wirkung, die sein Autor sich erhoffte.

    Das eigentliche Problem bei der Frage ev. oder kath. ist, zumindest am Rande, daß der katholische Verein, Dank seiner klaren Struktur, Hierarchie und Tradition, immer jemanden aufweist, den man für schuldig erklären kann. Unfehlbarkeit (ob es sie nun tatsächlich gab oder nicht) wird dann so ausgelegt, daß der Vorsitzende (Papst) immer über alles informiert, was irgendwo in der kath. Welt vor sich ging und selbstredend stets das Richtige tat. Darüberhinaus geschieht nichts ohne seine Billigung, was irgendwo von einem anderen Katholiken im Namen des Papstes oder der Kirche getan wird.
    Ich übertreibe natürlich maßlos. Was ich sagen möchte läßt sich noch besser bei einem Vergleich aus der jüngeren Geschichte verdeutlichen. Nämlich da, wo es um die Haltung der Kirchen (ich sage das absichtlich pauschal) zum NS geht. Man kennt einen Pius XII. (das ist in der Regel der Böse) und einen Bischof Galen (meist der Gute) evtl. noch einen Alois Hudal (der typische Kollaborateur, siehe auch Pius XII.). Und die Sache ist klar und einfach - Hochhuth sei Dank. Bei näherem Hinsehen stellt man fest, wie auf evangelischer Seite mit den Nazis gekungelt wurde, aber irgendwie kann man da keinen wirklich beim Namen nennen, und wenn dann eher als Märtyrer (Bonhoeffer, Geschwister Scholl). Einen Papst gibt es nicht, Bischöfe kennt kaum jemand, irgendwie ist das damit alles nicht so offiziell und greifbar wie bei der "Konkurrenz" und somit doch was genz anderes, oder??
    Und wenn man sich schon für die jüngste Vergnagenheit nicht so recht festlegen kann, wie dann erst für die Zeit, die ca. 350 Jahre zurückliegt?
    Aber daß man niemanden spontan beim Namen nennen kann, heißt nicht, daß auch keiner in irgendeiner Form tätig war.
    Und neben den Kirchen gab es natürlich nach wie vor die staatlichen Stellen, die das Ihre dazu taten.
    So. Und nun wärme ich das alles nicht zum xten Mal auf. :grübel:

    Gruß
    Kassia
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die sozialistische Regierung des westafrikanischen Landes Benin ließ nach ihrer Machtübernahme 1975 eine Briefmarke mit dem Thema "La lutte contre la sorcellerie – Forces du Mal" (Der Kampf gegen die Hexerei – Kräfte des Bösen) drucken. Die Antihexereikampagne wollte sie als eine Art des Klassenkampfes verstanden wissen, da Reichtum im traditionellen Afrika oft auf Zauberei zurückgeführt wird. Die Bevölkerung fing jedoch an, alte Frauen zu jagen, die für eine Tetanusepidemie mit hoher Kindersterblichkeit verantwortlich gemacht wurden. Anstatt eine Impfaktion zu beginnen, ließ die Regierung Geständnisse der "Hexen" im Radio verbreiten. Die Frauen gaben an, sich in Waldkäuze verwandelt und kleine Kinder verhext zu haben, um deren Seelen in Tiere verwandeln zu können, die sie dann auffraßen.

    Warum schreibe ich das so ausführlich? Weil es geradezu bilderbuchhaft eine Fülle von Motiven anklingen lässt, die im europäischen Hexenglauben zur Zeit der Hexenverfolgung gleichermaßen zu finden sind. Diese irrationalen Motive von Teifelspakt, Teifelsbuhlschaft, Teufelsanbetung, Hexenflug, Hexensabbat sowie Wetter- und Schadenszauber wurzeln tief in der Glaubenswelt des Mittelalters.

    Der Hexenglaube war in der Schicht der kirchlichen und staatlichen Elite ebenso verbreitet wie in der ungebildeten Bevölkerungsschicht, wie wir aus zahllosen Quellen wissen. Der Ansatz "Die Kirche ließ Leute an Hexerei glauben" ist daher verfehlt, denn die Kirche selbst glaubte ebenso fest daran, wie ihre Schäfchen.

    Mit "Katholisch" oder "evangelisch" hat das alles nicht das Geringste zu tun: Die abendländische Christenheit insgesamt hing dem Hexenglauben an, wobei sich einige Regionen dank besonders eifriger Inquisitoren oder Kirchenfürsten besonders blutig hervortaten.
     
  14. Roxie-Hart

    Roxie-Hart Neues Mitglied

    Es war doch generell so, das ein herrscher bestimmen konnte ob es in seinem gebiet hexenverfolgungen gab oder eben nicht, so weit reichte die Macht des Papstes dann auch wieder nicht. Noch nicht mal konfessionelle Unterschieden spielten eine Rolle. Die Katholiken beriefen sich auf den papst, die protestanten auf die Bibel, aber beide waren für die Hexenverfolgung. Während es natürlich Herrscher gab, wie Wilhelm V gab die die Hexenverfolgung untersgaten gab es auch gegner aus der Kirche, zum Beispiel den Jesuitenpater Friederich Spee. Er kritisierte allerdings auch nur die Methoide, nicht den Glauben an Helxen ansich.
     
  15. Robert_Lee

    Robert_Lee Gesperrt

    Liselotte von der Pfalz
    St. Cloud, 30. Juni 1718.
    Seit vergangenem sonntag acht tag regnets alle morgen, aber nachmittags ist es schön wetter außer gestern, da es geregnet und geschloßt hat. Apropos vom hagel, er hat sieben dörfer in Lothringen ruiniert und alles zerschlagen, sollen noch in andern orten auch gewesen sein und schloßen von zwei pfund schwer gefallen sein. In lothringen, wie mein tochter mir schreibt, kontribuiren sie es den hexen. Das ist eine alberne meinung, daß sich weiber und männer in den wolken verstecken können und hageln, um alles zu verderben. Zu Paeris glaubt man an keine hexen und hört auch von keinen. Zu Rouen glauben sie, daß hexen sein, und von dort hört man immer davon... .
    Paris, 16. Februar 1719.
    Daß Ihr keine schreiben aus England bekommt, ist nicht wunder, zu sehen, wie abscheuliche winde und sturm jetzt sein...
    Wenn das in der grafschaft Lippe geschehen wäre, hätten man es vor hexenwerk gehalten; aber zu Paris glaubt man an keine hexen und brennt sie nicht; ich habe auch keinen glauben daran...


    Kaiserin Maria Theresia
    Wien 1766
    ... Unsere höchste Verordnung die heilsame Wirkung hervorgebracht, daß derlei Inquisitionen mit sorgfältigster behutsamkeit abgeführet und in Unserer Regierung bisher kein wahrer Zauberer, Hexenmeister oder Hexer entdeckt worden, sondern derlei Prozesse allemal auf eine boshafte Betrügerei, oder eine Dummheit und Wahnwitzigkeit des Inquisiten, oder auf ein anderes Laster hinausgeloffen seien, und sich mit empfindlicher Bestrafung des Betrügers oder sonstigen Übelthäters, oder mit Einsperrung des Wahnwitzigen geendet haben.... .

    Veit Ludwig von Seckendorff erklärt 1685 in seinem "Christen- Staat" alle Hexenungläubigen für Atheisten.

    Christoph Gundermann über die Wirkung der Hexenliteratur, 1615
    Die Heiligenbücher, die uns von Liebe und Barmherzigkeit Gottes und von den Werken christenlicher Barmherzigkeit schreiben und mahnen, sind nicht mehr in solcher Uebung und Ansehen, als bei den frommen Christen. Jedweder kauft Teufelsbüchlein und Gemäl und Reyme von verborgenen zauberischen und teuflischen Künsten, und habe ich einen Schneider gekannt, der zum mindesten 40 oder 50 solcher Büchlein und Blätter, so alle in einem oder zwei Jahren gedruckt worden, besessen hat, und wohl gar dessen sich rühmte, als sei er ehrbar und christlich, solch Teufels- und Schandmären im Hause zu behalten... .Da werden auch seit langen Jahren und noch unzählig viel Zeitungen, Tractätlein und dergleichen gedruckt und verkauft über Hexen, Zauberer und allerlei Teufelsgeschwürm, auch über Wunder und Apparationen, so sich ereigent haben sollen, dergleichen Aberwitzigkeiten ehedem kein vernünftiger Mensch gegläubt haben würde, jetzunder aber schier alle welt, Jung und Alt, Hoch und Niedrig, gierig in sich schlingt, als wären es wahrhaftige Historien. Die Welt ist wankelmüthig worden im Glauben, aber desto abergläubiger in allem Teufels, Spuk- und Wunderwesen: daß Gott erbarm, was noch daraus werden soll.

    Herzog Heinrich- Julius von Braunschweig- Wolfenbüttel:
    Susanna, 1592
    Gott hat befohlen, man soll keine Zauberer leben lassen, sondern mit Feuer verbrennen; denn Zauberer und Zauberinnen fallen ab von Gott, verläugnen Gott, verbinden sich mit dem Teufel, buhlen mit ihm und fügen durch des Teufels Hülfe den Leuten Schaden zu.... .

    Schleswig 19. Jahrhundert
    Noch weit verbreitet ist die Sitte Dillsamen als Abwehrzauber gegen bösen Zauber und Dämonen bei sich zu tragen. Dillsamen wurde schon bei den Germanen als "Samen des Merkur" mit gleicher Bedeutung gebraucht. Auch in england kennt man diese Sitte: "Vervain and Dill hinders witches from their will."
     
  16. Robert_Lee

    Robert_Lee Gesperrt

    Interessanterweise beteiligte sich die spanische Inquisition nicht an den Hexenverfolgungen und als im 15. Jahrhundert der Inquisition die Kompetenz zur Hexenverfolgung überreicht wurde, dämmte sie die Prozesse sogar ein. An den neuspanischen Besitzungen Peru und Mexiko läßt sich sogar belegen, daß Inquisitionsgerichte selbst bei lokalen Zauberern nicht in Erscheinung traten. Dasselbe gilt für die Strafgerichtsbarkeit im katholischem Neufrankreich..
    Noch im 18. Jahrhundert betete man in einigen Regionen Bayern den "Pürbeßbaum"an.

    Vergleicht man die verschiedenen Aussagen und stellt diese Korrelation zu den wirtschaftlichen und theologischen Veränderungen, welche die Menschen um 1600 mitmachten, so stellt man fest, daß größere klimatische Veränderungen zu Hungersnöten und Teuerungen führten. Demzufolge war es kein Wunder, wenn die Menschen krankheitsanfälliger wurden und die 2. große Pestwelle über das Land rollte. Idealer Nährboden also, um die Allmacht Gottes in Frage zu stellen und und sich vom Christentum als Atheist oder gar wieder den noch aus Sagen, Legenden und Mythen bekannten alten heidnischen Göttern und Gebräuchen zuzuwenden, oder gar alles ein wenig und nichts richtig religiös zu fabrizieren.. Später dann wurde der Kampf gegen die "Hexen" zur reinen Lippenbekenntnis wie der Brief der österreichischen Kaiserin belegt.
     
  17. hyokkose

    hyokkose Gast

    Interessante Zitate; kannst Du noch die Literaturangabe dazu nachreichen?
     
  18. Roxie-Hart

    Roxie-Hart Neues Mitglied

    In frankreich beispielsweise liess der Staat keine hexen verfolgen, dort wurden sie quasi "illegal" verbrannt.
     
  19. never1

    never1 Gast

    Meine Meinung

    Ich bin hier Neuling und bin nur auf diese Seite gestoßen, weil ich für ein Referat im Internet Informationen über Kirche, Inquisition und Galileo suche. Beim durchlesen der Kommentare hat diese Diskusion mein Interresse geweckt.

    Meiner Meinung nach hat die katholische Kirche eine gewisse Mitschuld and Hexenverbrennungen etc. Die Inquisition wurde auch, soweit ich weiß, von einem Papst zur "Verteidigung des Wahren Glaubens" ins Leben gerufen. Doch was die Inquisition alles an Schandtaten angerichtet hat (die Foltermetoden, die eher zur Befriedigung kranker Gelüste als zur Verteidigung des Wahren Glaubens von der Inquisition erfunden wurden sind krank) , kann ich nicht als "Verteitigung" einstufen. Auch hat das Buch "Der Hexenhammer" ´(von dem Dominikaner Heinrich Kramer geschrieben) nicht unbedingt zum Positiven bei der Hexenverfolgung beigetragen.

    Ich bin ein ungläubiger Ausländer und ganz bestimmt kein Experte auf diesem Gebiet, deshalb verzeit mir meine kritische und vielleicht falsche Ansicht (ich war zu faul um alle früheren Kommentare durchzulesen), und meine Rechtschreibfehler im Text (falls vorhanden):winke:
     
  20. Mercy

    Mercy unvergessen



    Wir verzeihen Vieles, Faulheit als Grundlage einer selbständigen Meinungsbildung allerdings nicht.
     

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