Ist die Bibel verfälscht worden?

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von Mateusz90, 13. März 2008.

  1. Mateusz90

    Mateusz90 Mitglied

    seid gegrüsst:winke:

    seid einiegen Tagen geht mir eine Frage durch den Kopf:
    ist die Bibel verfälscht? und gibt es noch weitere Schrifften die
    absichtlich in der Bibel ausgelassen wurden??

    ich habe von jemanden erzählt brekommen dass die Bibel viele(falsche) Schrifften enthalten soll die von
    römischen kasiern(z.B. Konstantin) absichtlich hinzugefügt worden waren um die Menschen von der Wahrheit abzulenken und dass die schrifften die den katholischen Glauben gefähreden konnten im Vatikan versteckt gehalten worden sind und es immer noch werden
    was würde wohl geschehen wenn die Menschheit erfahren würde das der Katholische glaube ein Lüge ist?
    das wollte die Kirche um jeden Preis verhindern

    ist da etwas wahres dran?? kann es wirklich sein das die bibel verfälscht und dass uns vieles vorbehalten worden ist??

    wie gesagt, ich frage euch weil mir das selber erzählt worden ist und es ziemlich unglaubwürdig erscheint

    ich hoffe Jemand im forum versteht mich und kann mir meine Frage beantworten:)
    gruss: Mateusz
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Nix, denn das haben schon Hunderte behauptet, beweisen läßt sich das nicht.
    Die Schriften der Bibel, wie sie uns heute in unterschiedlichen Ausgaben vorliegen, sind in einem Prozess der Diskussion innerhalb der frühen Kirche entstanden. Man nennt das Kanonisierung. Wenn du dich dafür interessierst:
    Dr. Joerg Sieger - Einleitung in das Neue Testament
     
  3. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Dich dürften auch die Diskussionen über die Schriftrollen von Qumran interessieren. Ein erster Einstieg wie so oft über:

    Schriftrollen vom Toten Meer - Wikipedia
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied



    Wobei die früheste Kanonisierung interessanterweise auf einen Häretiker, nämlich auf den Gnostiker Marcion zurückgeht.
     
  5. 62-64-78

    62-64-78 Neues Mitglied

    Das Problem der "Wahrheit" der Bibel besteht doch bereits darin, dass diese im Hinblick auf das Neue Testament nicht von Augenzeugen geschrieben wurde, sondern die Verfasser 70 bis 100 Jahre nach den Ereignissen diese aufgeschrieben haben. Letztlich gab oder gibt es aber mehr als die 4 heute offiziellen Evangelien, die inhaltlich auch voneinander abweichen, so dass bereits die objektive Wahrheit kaum feststeht.


    Insofern ist eine Verfälschung derselben kaum zu beurteilen, und erst recht nicht zu beweisen.


    Man sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass eine Vielzahl der Bibelinhalte zugeschnitten sind auf eine absolute Macht des Papstes und der Kurie in Rom. Nach dem Glauben ist dies so, da die Bibel dies vorgibt. Zweifler könnten auf die Idee kommen, man habe sich in Rom die eigene Wahrheit zur Machterhaltung zurecht gelegt.
     
  6. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    *grübel* soweit ich weiß, stammen die maßgeblichen Bibelhandschriften doch aus einer Zeit und einer Gegend, als vom Papst und der Kurie noch nicht nennenswert die Regel war.
    Codex Sinaiticus - Wikipedia
    Codex Alexandrinus - Wikipedia
    Codex Vaticanus Graece 1209, B/03 - Wikipedia
    Codex Ephraemi - Wikipedia
     
  7. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Bei der Bibel muß man sich immer vor Augen halten, daß sie kein Buch im herkömmlichen Sinne ist, sondern eine Aneinanderreihung von Schriften unterschiedlicher Schreiber und Zeiten. Dies gilt für das AT genauso wie für das NT. Wenn also im NT Schriften "fehlen" kann man eigentlich nicht von Verfälschung, von Vorenthalten o.ä. sprechen. Das NT ist eine selektive Aneinanderreihung von Autoren, die ihrerseits von anderen oder untereinander abgeschrieben haben. Richtig ist aber wohl, das Schriften, die nicht im Sinne der Kirche oder des Staates waren nicht den Eingang in die Bibel gefunden haben. Da hat nicht nur das Papsttum Schuld. Tannhaeuser schreibt das richtig, die Macht des Papstes hat erst im Laufe der nachchristlichen Jahrhunderte sich durchgesetzt und, wie man sieht, ist zudem schon im Mittelalter auf das westliche Europa beschränkt worden. Zudem muß man zur Bibel auch noch sagen, es gibt nicht die "EINE" Bibel. Thora ist nicht gleich römisch, nicht gleich orthodox und ich meine sogar, das die Bibel der ev. Kirche in einigen Punkten von der rk. Bibel abweicht. Es handelt sich also nicht um eine Verschwörung großen Stils.

    Meiner Meinung nach sollte man sich sowieso bewußt sein, daß der Christus der Bibel mit dem historischen Jesus wohl nur bedingt Ähnlichkeit hat.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist eine Frage der Übersetzung. Die Lutherübersetzung geht z.B. auf die Vulgata, also die lateinische Fassung der Bibel zurück. Deshalb unterscheidet sich die Lutherübersetzung in der Wortwahl, nicht im Inhalt von der Einheitsübersetzung, die auf die ältesten Texte zurückgeht. Und die 1979 herausgegebene Einheitsübersetzung ist ein gemeinsames Projekt katholischer und protestantischer Altphilologen und Theologen. Neben der EÜ gibt es noch eine Reihe weiterer Übersetzungen, die wiederum in der Wortwahl abweichen, im Inhalt aber nicht.
     
  9. urvo

    urvo Aktives Mitglied

    Hallo,
    Es ist ein sehr weites Feld.
    Deshalb möchte ich auch nur einige wenige Aspekte zur Diskussion beitragen.
    Flavius Josephus erwähnte in seinen Schriften aus jener Zeit insgesamt 20 Männer, die alle den Namen Jesus tragen, aber in keiner Weise mit unserem Jesus der Evangelien identisch sein können. Dieser Name war also weit verbreitet und scheinbar beliebt. Selbst wenn also morgen ein Grab mit der Inschrift "Hier liegt Jesus" gefunden würde, bliebe immer noch die Frage, ob hier ein wundertätiger Gottessohn, der Messias der Evangelien oder ein sterblicher Mann gleichen Namens begraben liegt. Kluge Köpfe äußern sich daher immer wieder kritisch über die vermeintliche Existenz Jesu. Johann Wolfgang von Goethe sprach vom "Märchen von Christus" und wetterte: "Die Geschichte des guten Jesus habe ich nun so satt, dass ich sie von keinem, außer von ihm selbst, hören möchte." Napoleon zweifelte an der Person Jesus genauso wie Friedrich der Große. Friedrich Nietzsche schrieb mit böser Feder: "Zum Christentum wird man geboren, man muss dazu nur krank genug sein."
    Schon 2.000 Jahre vor ihm legte der Philosoph und Christ Justin (100-165) in seinem "Dialog" dem Juden Tryphon in den Mund: "Ihr habt euch eine Wahnvorstellung gemacht. Ihr habt euch selbst Christus gebildet."
    Ein kleiner Hinweis über den Messias namens Jesus findet sich auf den ersten Blick in einer aus dem 11. Jahrhundert erhaltenen Handschrift von Flavius Josephus. Es ist also eine Abschrift unzähliger Abschriften und Übersetzungen.
    http://www.bibelkritik.ch/bibel/g6.htm

    Viele Emente des christlichen Glaubens wurden erst später eingeführt. Jesus wusste noch nichts davon:Weihwasser (120), Bußübungen (157), katholische Mönche (348), letzteÖlung (550), Fegefeuer (593),Anrufung Mariae (715), Heilig- undSeligsprechung (993), Zölibat (1015), Ablässe (1119), Sakrament der Ehe (1139),Dispensation und Erhebung der Hostien (1200), Inquisition (1204), unbefleckte Empfängnis Mariae (Dogma: 1854), Unfehlbarkeit des Papstes (1870), leibhaftige Himmelfahrt Mariae (Dogma: 1950). Die Bibel ist ein willkürliche Zusammenstellung eines Teiles der damals verfügbaren Texte. Viele Evangelien und andere Texte wurden dabei nicht in die Bibel übernommen und gelten als apokryph (=verborgen, geheim). Dazu gehören die Evangelien nach Petrus, Maria, Philippos, Thomas, Nikodemus, Bartholomäus und das Evangelium der Wahrheit, weiterhin die Kindheitsevangelien nach Thomas und Jakobus, das Thomasbuch, die Offenbarung Adams, die Geheimschrift des Johannes, die Apokalypse des Moses, die Apokalypse des Petrus, die erste Apokalypse des Jakobus und die Himmelfahrt des Jesaja. Die Offenbarung des Johannes ist nicht von dem Johannes, der das Evangelium schrieb, sondern laut Eusebius stammt sie von Cerinth. Das Matthäusevangelium ist nicht vom Apostel Matthäus, sondern basiert auf dem älteren Markusevangelium und Markus war weder Jünger noch Augenzeuge. Der erste und zweite Petrusbrief sind Fälschungen. Von den Paulusbriefen sind vermutlich unecht der Epheserbrief, der Kolosserbrief, der zweite Thessalonicherbrief, der erste und zweite Timotheusbrief und der Titusbrief. Es ist durchaus legitim, einen Künstlernamen zu verwenden. Es ist aber Betrug, wenn man behauptet, man sei der Apostel Paulus. Die Stelle "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" (Mt 28,19) wurde erst nach dem Konzil zu Nizäa eingefügt. Jesus beschränkte seinen Missionsauftrag nur auf die Juden. Den Befehl für die Missionierung und Taufe der Heiden gibt es also nicht.
    Das 5. Gebot heißt ursprünglich "Du sollst nicht töten, weder Mensch noch Tier". Gefälscht auf dem Konzil zu Nizäa (im Jahr 325). Mit Adamah wird in der Schöpfungsgeschichte das tierhaft, egozentrische Leben bezeichnet, die primitiven Lebensvorstellungen und die Urkulte der großen Mutter. Adamah wird heute mit Erde bzw. Ackerboden übersetzt. Adam wurde also nicht aus Erde gemacht, sondern ging hervor aus den primitiven Menschen, die den Kult der großen Mutter anhingen. Eine sumerische Übersetzung lautet „Mann von der roten Erde“ .Wenn im alten Testament tatsächlich die Erde gemeint ist, so steht dort Ha Aräz., also z.B. bei "Macht euch die Erde untertan.". Kain war übrigens kein Ackermann, wie es Luther übersetzte, sondern er diente der Adamah. Er war also Angehöriger der alten Religion der großen Mutter. Es gab in früheren Kulturen einen starken Zusammenhang zwischen Mutter und Erde. Im Deutschen gibt es den Begriff Mutterboden. Das Wort Materie beinhaltet das Wort Mater (= Mutter). Der Grund für diese Sinnverwandtschaft liegt wahrscheinlich darin, daß sowohl die Mutter als auch der Boden Lebenhervorbringt, somit sind beides Symbole der Fruchtbarkeit. Im alten Testament kommen unterschiedliche Gottesbegriffe vor: Mit Elohim und Ha Elohim wird eine abstrakte Schöpfungsmacht bezeichnet, aber auch die Priester und Zauberer, die sich auf übernatürliche Mächte beziehen und zusätzlich fremde Götter und Götzen. Elohim ist ein Plura ! JHVH Elohim ist das zur Erkenntnis führende lebende Wort der Schöpfung. JHVH ist das lebende Wort der Menschen, das aus JHVH Elohim erkannt wurde und die Menschen leitet. Jahweh und Adonai (= Herr) ist der menschengleiche, männliche Gott der Spätzeit, dem die Gelehrten der Auslegungstradition alle anderen Namen untergeordnet haben. 20 Weiterhin gibt es noch El Schadaj, den allmächtigen Gott. Die unterschiedlichen Gottesbegriffe werden in der deutschen Übersetzung der Bibel einfach ignoriert.Das Wort Martyrium wird heute mit einem Opfertod in Verbindung gebracht. Es stammt aber ab vom griechischen Wort für Zeugnis. Das Martyrium bestand also ursprünglich darin, dass man über seinen Glauben Zeugnis ablegte, sich also dazu bekannte. Sterben musste man dafür nicht. Das Wort Buße ist in der Bibel die Übersetzung des griechischen Wortes metanoia, das "Sinnesänderung" bedeutet. Von Strafe und Leiden ist da keine Rede.Jesus war nicht aus Nazareth, denn den Ort gab es damals noch nicht. Er war Nazarener. In der Literatur gibt es auch die Bezeichnung Nazoräer oder Nasiräer. Die Bedeutung ist "Bewahrer des Bundes"oder "Bewahrer kultischer Riten". Das Wort "nazar" bedeutet im aramäischen "wachen", "beobachten" und "bewahren". Die "Nazaria" war ein Zweig der Essener. Möglicherweise liegen die verschiedenen Schreibweisen auch verschiedene Gruppierungen zugrunde. Nazoräer waren Asketen, Nazarener aber nicht. Die biblische Ortsbezeichung Gehenna (Hölle) stammt vom hebräischen Gai-Hinnom ab, von dem Tal Hinnom bei Jerusalem, wohin Tierkadaver und die Leichen von Verbrechern geworfen wurden.Ein weiteres Beispiel für Widersprüche in der Bibel: Der Mensch wird in der Schöpfungsgeschichte gleich zweimal erschaffen, einmal als Mann und Frau bei Gen 1,27 und nochmals bei Gen 2,7 aus Erde, aber dieser war allein (Gen 2,18), deshalb muss auch die Frau nochmals geschaffen werden aus der Rippe Adams (Gen. 2,21). Als Kain vertrieben wird, so hat er Angst, daß er totgeschlagen würde, aber Gott machte ein Zeichen an Kain, damit ihn niemand erschlägt. Kain geht danach ins Land Nod, nahm eine Frau und bekam einen Sohn (Gen 4,14-17). Da stellt sich doch die Frage: Wer kann überhaupt Kain erschlagen und woher bekommt er eine Frau? Wo kommen denn diese anderen Menschen her? Die Menschen waren doch gerade erst erschaffen worden. Der Vater von Josef heißt bei Matthäus "Jakob" aber bei Lukas "Eli".In der Ahnenreihe von Abraham bis Jesus sind bei Lukas 56 Generationen, bei Matthäus 42. Bei Markus gehen drei Frauen aus Grab, bei Matthäus zwei.Judas stirbt gleich zweimal: Einmal erhängt er sich (Mt 27,5) aber in der Apostelgeschichte (Apg 1,16) stürzt er vornüber zu Boden und seine Eingeweide quellen hervor. Da Josef aus Galliläa war und in Bethlehem keinen Grundbesitz hatte, denn sonst wäre Jesus wohl kaum in einer Krippe zur Welt gekommen, hätte er zur Volkszählung nicht in Bethlehem erscheinen müssen. Er war nämlich dort nicht steuerpflichtig. Besonders „nett“ finde ich den Aspekt, dass es zur Zeit von Jesus keine Silberlinge gab. Judas hat sich also Geld andrehen lassen, dass 300 Jahre zuvor aus dem Umlauf genommen wurde, nämlich die 30 Silberlinge für den Verrat von Jesus.Quellen: Paul Hengge, "Die Bibel Korrektur", ORAC PIETSCH;Holger Kersten, Elmar Gruber, "Das Jesus Komplott", Langen Müller;Holger Kersten, "Jesus lebte in Indien", Knaur Verlag;Zecharia Sitchin, "Am Anfang war der Fortschritt", Knaur Verlag;Uta Ranke Heinemann, "Nein und Amen", Hoffmann und Campe;Karlheinz Deschner, "Der gefälschte Glaube";
    Auch: http://de.nntp2http.com/soc/weltanschauung/misc/2005/05/265619fe73db69af1207ed9604217510.html

    Gruß Urvo
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. März 2008
    1 Person gefällt das.
  10. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die Kompilation kirchenkritischer[?] Einzelaussagen taugt für das Thema nix und trägt eher zur Erheiterung bei.
    Der Joke mit den Silberlingen offenbart Vieles.
    Denarius - Wikipedia
     
  11. urvo

    urvo Aktives Mitglied

    Hallo Mercy,
    "... taugt für das Thema nix und trägt eher zur Erheiterung bei."

    Nun ja, sicherlich hast Du recht, es taugt nix für das Thema und ist gemessen am Niveau anderer Beiträge auch belanglos. Aber, selbst wenn es nur zur Erheiterung beiträgt hat es doch eine gewisse Berechtigung.
    Abgesehen davon ging es ja auch um Übersetzungen und die Übersetzung von "denarius" in "Silberlinge" ist ebenso überflüssig wie falsch. Es geht/ging im Thema - so hatte ich es verstanden - nicht um historische Authentizität, (selbstverständlich gab es, wie Du so treffsicher aus diesem einem Beispiel bemerktest, zu jener Zeit auch Sibermünzen ! ) sondern es ging wohl um Fehler in der Übersetzung.
    In einem Schulaufsatz hätte mein Beitrag wohl das Prädikat "Thema verfehlt".
    Aber, wenn es auch nur zur Erheiterung im gf beiträgt ist es gut.
    Gruß Urvo :friends:
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Das Alte Testament ist eine Sammlung von vielen (wahrscheinlich) historischen Ereignissen. Mal zusammengestaucht, mal auseinandergezogen. Viele Autoren haben an ihr mitgewirkt. Auf keinen Fall hat der liebe Gott die Bibel irgendwem diktiert.
    Wie kann man da was absichtlich auslassen? Schliesslich gab es kein Vorbild, in dem stand, es müsse alles rein was wichtig wäre. Auch hier die nächste Frage, was ist wichtig und was nicht---> wer entscheidet darüber?
     
  13. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die Frage ist halt, was soll hier "Fälschung" bedeuten? Die Zusammenstellung der Bibel aus den verschiedenen Texten erfolgte im Rahmen der Kanonisierung, ist also mehr oder weniger nachvollziehbar. eine Fälschung würde hier wohl nur vorliegen, wenn andere als die beschlossenen Texte aufgenommen worden wären. Bei der hohen Textkenntnis der Beteiligten kann ich mir dies nicht vorstellen.

    Auch wenn die katholische Kirche im Gebiet des römischen Reiches eine große Machtposition hatte, so gab es ja noch weitere Gruppierungen, die unabhängig religiöse Texte sammelten und nicht der Kanonisierung unterworfen waren: Dazu gehören Christen wie z.B. in Armenien oder auch Juden (vor allem für ältere Texte).

    Ein großes Problem ist die große Menge an Texten, die bei der Umstellung von Papyrus auf Pergament in der Spätantike in bei verschiedenen Bränden und Naturkastatrophen verloren ging. Wie weit dabei Absicht dahintersteckte oder einfach nur aus Sicht der Herrschenden selektiert wurde (ich kann schon verstehen, dass ein christlicher Schreiber in erster Linie christliche Schriften kopierte und nicht Trivialliteratur aus heidnischer Zeit), da gibt es viele Verschwörungstheorien.

    Solwac
     
  14. Serapis

    Serapis Neues Mitglied

    Die erste Bibel, die Vulgata, geht auf Hieronimus zurück, der verschiedene ältere griechische Schriften (er konnte kein Hebräisch!) und bereits übersetzte lateinische Texte heranzog. Diese Schriften widersprachen sich, wie man unschwer feststellte. Ausserdem ist der römische Einfluss nicht zu übersehen, wenn man z.B. bedenkt dass das weltbekannte "Vater Unser" auf den Mithras-Kult zurück geht. Hieronimus stand weiters vor dem Problem der päpstlichen Forderung, wie denn der Jesus zu sein hat. Trotz all dem wurde die Vulgata zu einem fehlerfreien Buch erklärt. Später gab es noch mehrere korrigierte Bibeln, die aber allesamt Fehler enthielten. Und allesamt wurden sie für fehlerfrei erklärt. Siehe auch:
    Die Entstehung der Bibel: Was ist Wahrheit? Was ist Fälschung? Hieronymus und die Vulgata
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Nur zu einem Punkt...

    Davon habe ich noch nie gehört; das Vaterunser/Paternoster basiert mW auf jüdischen Gebetstraditionen, wie man sie bereits im Tanach vorfindet (Kaddish, Schmone Esreh/Achtzehnbittengebet).
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. März 2008
  16. Mercy

    Mercy unvergessen

  17. tuum_quoque

    tuum_quoque Mitglied

    Das stimmt nicht. in der Lutherbibel fehlen z.B. die Makkabäerbücher, die "Geschichte der keuschen Susanna" aus dem Buch Daniel und andere Alttestamentarische Spätschriften, die Luther für apokryph hielt, die aber in der katholischen Bibel stehen.
    würde bedeuten, dass ein Großteil der heutigen Menschheit einer gigantischen Lüge aufsitzen würde. Schwer vorstellbar...
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2008
  18. Balduin

    Balduin Gesperrt

    Gibt genug dieser Fantasyliteratur à la Da Vinci Code, der mit irgendwelchen Mythen, die den katholischen Glauben umranken, experimentiert und wilde Abenteuergeschichten daraus dreht. Siehe Maria Magdalena. Wenn der Artikel einer Sekte zuzuschreiben ist, ist es müsig darüber zu diskutieren. Sekten bleiben Sekten. Historiker bleiben Historiker
     
  19. saxo

    saxo Gesperrt

    Natürlich ist die Bibel nicht verfälscht. Man könnte zwar noch eine Menge historische Schriften dazufügen, aber dann wäre es nicht mehr die Bibel. Wenn jemand auf einer Landkarte etwas wegläßt, hat er dann eine Fälschung begangen? Nein, er hat es aus irgendeinem Grunde für weglassenswert befunden. Deswegen ist es doch immer noch eine Landkarte.

    Genau wie man eine Landkarte als nützliches Werkzeug, aber auch als völlig unnützes Kunstwerk auffassen kann, kann man die Bibel auch als Geschichtsbuch lesen. Dann mag man auch über Wahrheitsgehalt oder Fälschung diskutieren. Mit der Bibel, dem heiligen Buch der Christen hat das dann aber nicht mehr zu tun.
     
  20. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ich lese schon länger in diesem wundersamen Forum, das einen Rundumschlag über die ganze Geschichte anstrebt, und finde immer wieder faszinierende Links und - manchmal - auch hochwertige Diskussionen :)

    Auch in diesem Thread - etwa von URVO - viel "Gut zu Wissendes" (selbst wenn es "nur" unterhaltsam ist :)

    In der Software-Entwicklung (und auch anderen Prozess-orientierten Bereichen) gibt es "Versions-Kontroll-Systeme", in denen jede Modifikation an einem (Programm-) Text festgehalten wird. Bei korrekter Benutzung so eines Systems muss sogar zu jeder Änderung eine Begründung angegeben, sowie eine Genehmigung eingehölt werden.

    So etwas wünscht sich natürlich jeder Hisroriker! Aber er muss sich die Indizien meistens selbst in hunderthähriger mühsamer Tätigkeit beschaffen...

    Doch nehmen wir mal an, wir würden jede Textänderung am Bibelkanon kennen. Na und?

    Fragen wir doch mal einen Unterhaltungsautor: "Um Himmels Willen!" wird er sagen, "Verbrennt die erste Auflage! Ich habe da versehentlich aus dem Gedächtnis Einiges plagatiert von größeren Meistern! Aber die 2. Auflage, die ist gut geworden. Und ich schreibe gerade an der 3. Auflage. Da habe ich den Schluss noch mal umgeschrieben: Es ist nun noch viel spannender!"

    Letztendlich ist die Kirche - jede Relionsgemeinschaft! - ein "Tendenzbetrieb", wie es in unseren Gesetzen genannt wird. Sie dürfen sich etwas ausdenken, was sie für nützlich und wesentlich für ihr "Seelenheil" halten. Wenn sich hierzu die Meinung - historisch! - ändert? Nur zu!

    Denn wie steht's denn mit dem "Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland"? Es gibt Leute, die behaupten, die Mitglieder des "Parlamentarischen Rats" würden im Grabe rotieren, wenn sie die heutige Fassung lesen könnten :)

    Aber das Hauptanliegen/die Hauptfrage des OPs ist sicherlich:
    "Ist das Wort GOTTes verfälscht?"

    Dazu kann der Historiker aber nun wirklich nichts sagen....
     
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