kleine Geschichte der Atombombe..

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von hatl, 11. April 2013.

  1. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    "Langweilen"? - Sicherlich nicht, da das Thema durchaus für das "Überleben" der Menschheit weiterhin relevant ist und das Damoklesschwert war, das den Kalten Krieg dominiert hatte.

    Da Interesse der USA/Nato lag sehr stark darin begründet, eine "Defence Community" zu schaffen, die "eine Sprache" spricht.

    Man wollte sich auf "Sichten" und "Analysen" einigen, die von beiden Seiten, die Vor- und Nachteile des Einsatzes von Atomwaffen gleich beurteilt (vgl. die Beiträge aus der Sicht der USA/UdSSR in dem sehr guten Reader von Jacobsen).

    Auch ausgelöst durch die Cuba-Krise sollte eine Transparenz im strategischen Denken geschaffen werden wie der Einsatz von beiden Seiten Kalkuliert wird. Zumal die USA sehr stark durch spieltheoretische Ansätze in ihrem Denken geprägt waren, das in der UdSSR nicht so verbreitet war.

    In der UdSSR dominierte auf der höchsten strategisch politischen Ebene noch die Vorstellung von der grundsätzlichen Überlegenheit der "historisch materialistischen Sicht" und es wäre nur eine Frage der Zeit, bis der militätische bzw. politische Sieg der UdSSR / WP zufallen würde.

    Und diese beiden Sichten liefen Gefahr Mißverständnisse zu erzeugen, die nicht ungefährlich hätten sein können. Insofern versuchten die US-Strategen ihre Gegenüber von dem analytischen Denken in Kategorien der Spieltheorie zu überzeugen, damit nicht aufgrund von unterschiedlichen Analysestrategien der A-Krieg ausgelöst werden würde.

    https://books.google.de/books?id=OV_fAAAAMAAJ&q=strategic+power&dq=strategic+power&hl=de&sa=X&redir_esc=y
     
  2. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Aber war es nicht Reagan, der bewusst den Eindruck zu erwecken versuchte dass er ein durchgeknallter Apokalyptiker sei ? Die Absicht dahinter war, die Sowjets im Wettrüsten zu halten.
    Immerhin hat er, als amtierender US-Präsident mit dem Finger am roten Knopf, davon geredet dass er an die Unausweichlichkeit von Armageddon glaubt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2016
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das ist sicherlich richtig und kennzeichnet ein Teil des vielfältigen Repertoirs, das bereitsteht, um die "Pokerparty" zu spielen.

    Sie bilden eher die symbolhafte Oberfläche des Konflikts ab und verdeutlichen den grundsätzlichen Antagonismus der Ideologien. Derartige Aussagen gehören in den Bereich der "symbolischen Politik". Sie grenzen den eigenen Bereich ideologisch ab, sie mobilisieren die eigenen Anhänger für diese Position einzutreten und sollen natürlich die - symbolische - Grenze für den Gegner aufzeigen

    Sie sind aber nicht die Arbeitsgrundlage - normalerweise - für die Bewertung von Optionen zum Einsatz von Atomwaffen, weder in den USA, der UdSSR oder anderen mehr oder minder zivilisierten Ländern.

    Das könnte sich aber in der Zukunft durchaus ändern.

    Ansonsten:
    Mußte Reagan wohl nach derartigen Reden seiner Nancy glaubhaft versichern, dass ihr Platz im Luxus-Altersheim nicht gefährdet sei. Um auch mal deutlich zu machen, dass derartiges "Gerede" auch in einem sozialen Kontext zu bewerten ist, in dem sich ein Präsident bewegt.

    So schreibt Wendt in Bezug auf Außenpolitik so zutreffend und das beschreibt auch den sozialen und politischen Hintergrund der Äußerungen von Reagan:

    "Specific cultural forms like norms, rules institutions, conventions, ideologies, customs, and laws are all made of custom knowledge" (S. 160)

    und bezieht sich auf die Arbeiten von Bhaskar (A realist theory of science) und Archer (Realist social theory: the morphogenetic apparoach)

    http://catdir.loc.gov/catdir/samples/cam032/98048329.pdf
     
  4. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Genau da sehe ich aber die Funktion solcher Statements. Sie verlassen den Kosten-Nutzen-Rahmen und bringen eine vermeintlich irrationale Komponente ins Spiel.
    Diese ist aber selbst ebenfalls eine einzukalkulierende Größe.
    Die sowjetische Einschätzung bezüglich der Wahrscheinlichkeit eines US-amerikanischen Erstschlags, sowie generell der Risikofreude des Gegners, sollte dadurch beeinflusst werden. Das sehe ich als konkreten Teil des Pokers.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2016
  5. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das kann man schon so sehen, muss aber nicht so sein.
    Wenn ich jetzt den Irren spiele, dann kann das den Gegner durchaus in meinem Sinn beeinflussen. Und damit wäre es ein rationales Handeln.
    Dieses macht aber nur Sinn, wenn mich der Gegenspieler tatsächlich für einen Irren mit maßgeblichem Einfluß hält. Und wenn er darüber nicht selbst gefährlicher wird.
    Mit geringerer Kalkulierbarkeit, weil sonst dieses Spiel keinen Sinn macht.

    Falls das die Absicht war, wurde das Ziel erreicht, denn Andropov befürchtete ja 1982-83 den Erstschlag durch die USA.
    Das konnte nicht im Interesse der USA liegen, denn derjenige der den Erstschlag führt hat einen grundsätzlichen Vorteil.
    D. h. mit steigender Furcht der UDSSR einem Erstschlag ausgesetzt zu sein, steigt auch deren Neigung, noch rechtzeitig selber den Erstschlag zu führen.
    Mei, kann man sagen: das trauen die sich nicht!

    Aber woher will man das wissen? Beide Seiten hatten eine bemerkenswerte Unkenntnis über die Einschätzungen der Führungsspitze der Gegenseite.
    (Was Reagan betrieb war "Brinkmanship" und es strapaziert meine Vorstellungskraft mir auszumalen, dass er den Verstand hatte zu verstehen was er tut. :D)
     
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist ein interessanter Aspekt auf den ich auch gestoßen bin. Ich kann ihn aber nicht einordnen im Sinne der Wirkmächtigkeit.

    So wie ich es verstehe geht die Spieltheorie auf John von Neuman zurück.
    Dieser gehört zu "ungarischen" Gruppe (Szillard, Wigner, Teller, Neuman) in Los Alamos. Er ist dort als Mathematiker wesentlich an der Entwicklung der Atombombe beteiligt.
    Nebenbei gilt er auch noch als einer der Urväter des Computers.
    Ein weiterer Impuls ging wohl von Schelling aus. Der spätere Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften veröffentlicht 1960 "Strategy of Conflict". Hier untersucht er die Spieltheorie (war das damals schon Handwerkszeug der westlichen Wirtschaftswissenschaftler?) auf ihre Nützlichkeit im Hinblick auf die gegenseitigen nukleare Bedrohung.

    ... weil ich es an dieser Stelle nicht lassen kann :D:
    Dem Hollywoodschauspieler Reagan war das wohl fremd. In gewisser Weise ein fraktaler Wilhelm II, eine Collage.
    Kein Herrscher der schauspielert, sondern ein Schauspieler der herrschert, und dabei die Neigung der verbalen Inkontinenz teilt. (na ja, nicht ganz ernst gemeint)
     
  7. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Das Kalkül war wohl, den Sowjets das Wettrüsten aufzuzwingen. An der Stelle wurde es wohl auch etwas diffus - eine allgemeine Sorge vor einem potentiell irren Gegner stärkt in jedem Fall die Position der eigenen Militärs, mit den entsprechenden Folgen für den Wehretat. Egal ob eine noch so große Anzahl eigener Sprengköpfe wirklich den Gegner abzuschrecken vermag.
    Dass das Spiel der Reagan-Administration gefährlich war war vielen bewusst, und ich ärgere mich immer noch, wenn Reagan als brillanter Politiker und Sieger des kalten Kriegs verehrt wird, ohne dass man überhaupt weiß wie knapp wir möglicherweise am nuklearen Holocaust vorbei geschrammt sind.

    Spieltheoretisch entspräche Reagans Strategie am ehesten der des "Falken" (bzw dem Vortäuschen eines solchen): Eskalation bis ggf. zum Untergang und dabei darauf spekulieren, dass der Gegner vorher nachgibt - da es ja nichts zu gewinnen gibt.
    Geht so lange gut, bis zwei Falken aneinander geraten und jeder sehen will. Letzteres ist übrigens der Grund warum sich in solchen Simulationen immer ein Mischverhältnis von Falken zu Tauben etabliert. Die Spieltheorie lässt sich gut auf die Evolution anwenden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2016
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Reagan ist Falke im Sinne des Umfelds aus dem heraus er Präsident der USA werden kann und wird.
    Er ist beim CPD (Counsel of Present Dangers) welches urspünglich im Rahmen des Korea-Kriegs als "Thinktank" in Leben gerufen wird um höhere Rüstungsanstrengungen zu erwirken. Wiederbelebt wird der Verein im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die Entspannungspolitik von Nixon und Kissinger in den 70ern, die einen Ausweg aus der Torheit des Vietnamkriegs suchen und annehmen, dass solches nur mit "Realpolitik", mittlerweilen ein Begriff des englischen Sprachgebrauchs, möglich ist.
    Er entstammt politisch eben dieser Ecke der Ablehnung der Entspannung und sehnt doch diese gleichzeitig herbei. Er ist beseelt von der Idee, dass er derjenige sein könnte dem die Überwindung der Apokalypse (Armageddon) gelingen könnte.
    Das passt nicht zu seiner Handlungsweise bevor er Gorbatschov persönlich kennenlernt, danach aber schon.
    Letzterer ist zunächst schockiert und teilt einem seiner Berater nach dem ersten Treffen (Genf 1985) mit Reagan mit: 'ich bin gerade einem Höhlenmenschen begegnet, einem Saurier!' Die Schlussfolgerung die Gorbatschow zieht, besteht darin, dass es die erste Aufgabe sein müsse herauszufinden wie die Amis ticken. Was für ein kluger Mann! Er versteht was er nicht versteht.
     
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  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    Nuklearer Winter

    Ich will mal hier weiter machen.
    Da haben wir zunächst den DCI (CIA) Report vom Dezember 1984.
    Den halte ich für sehr informativ und lesenswert und ich denke er reflektiert
    einerseits die amerikanische Wahrnehmung der sowjetischen Sicht -
    und gibt andererseits einen guten Überblick über den beiderseitigen Stand der Forschung.

    (Eine Betrachtung zur Quelle:
    „Declassified“ (Aufhebung der Geheimhaltung) wird das Dokument im Rahmen des „Freedom of Information Act“.
    Das Dokument ist „in geputzer Form herausgegeben“ (released as sanitized), es finden sich „Weiß-ungen“ - also geweißt und nicht geschwärzt. Lesen kann man halt nicht alles. ...
    Der „DCI“ ist Gesamtdirektor der Geheimdienste und automatisch damit Direktor der CIA
    Der DCI ist zu diesem Zeitpunkt William Casey.
    Wie Reagan ist er Mitglied des CPD. („Committee on the Present Danger” ..heißt es richtig)
    Das CPD ist eine privat betriebene politische Lobby mit erheblichem Einfluss.
    Reagan wird 31 CPD-Mitglieder in Ämter des Regierungsapparates bringen, unter anderem den CIA-Direktor (und damit auch DCI), den UNO-Botschafter, den Sicherheitsberater, den Marinechef, und den Vize-Außenminister Perle.
    Das CPD, das eine Wurzel der „Neocons“ ist, erreicht den Gipfel seines Einflusses unter Reagan.
    Die CIA selbst erholt sich gerade von einer Vertrauenskrise die sich mit vehementen Angriffen, von links wie rechts, durch die siebziger Jahre zieht. .. hier beziehe ich mich auf „Anne Hessing Cahn – Killing Detente“)

    Also was steht drin?:
    Sovietische Wissenschaftler kämen in ihren Publikationen durchgehend zu einem noch negativeren Ergebnis im Hinblick auf Folgen und Wahrscheinlichkeit eines „Nuklearen Winter“.
    Ebenso sei das die offiziell verbreitete Haltung der dortigen Regierenden.
    Es sei nicht feststellbar, dass eine Änderung der nuklearen Strategie erfolge, jedoch sei eine propagandistische Ausbeutung des Nuklearen Winters erkennbar.
    Die Soviets verfügten über keine ausreichende Rechenkapazität ihre Prognosen mit Simulationen zu unterfüttern, jedenfalls keinen "Cray"* , an den amerikanische Wissenschaftler den Aleksandrov herangelassen hätten. Dieser wiederum habe hohes Geschick bewiesen die Funktionsweise des Cray zu durchschauen. Und gleich darauf wird beklagt, dass der sovietische Geheimdienst großen Nutzen aus dem Austausch mit den Wissenschaftlern der USA zöge.
    (PDF-Seite 21 – Punkt 38)
    Daneben gibt es noch eine weitere Ebene: es findet sich eine m.E. sehr interessante, und durchaus objektive, Darstellung des publizierten Forschungsstandes Ende 1984.

    Also hier einmal Fehlanzeige..., keine unmittelbaren Konsequenzen aus der These „Nuklearer Winter“, sondern Kalter Krieg wie bisher..
    Es bleibt hier die Frage was die UdSSR-Führung dachte. Der verlinkte Report hebt hervor, dass man eben darüber keine Erkenntnisse habe.
    Ich selber hab auch keine Ahnung :D.

    Es ist ja ein Jammer, wenn man kein Russisch kann, und deshalb geringere Möglichkeit hat in diese Richtung zu blicken.

    *Cray
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Mai 2016
  10. hatl

    hatl Premiummitglied

    Ich will noch mal beim „Nuklearen Winter“ bleiben.
    Kurz nach dem Auftreten der Atombombe gibt es bereits Betrachtungen zu deren globalen Wirkungen.
    Kann die Erdatmosphäre durch eine Nuklearexplosion entzündet werden?
    C. Marvin, E.Konopinski und Edward Teller beschäftigen sich 1946 damit.
    http://www.fas.org/sgp/othergov/doe/lanl/docs1/00329010.pdf
    Also, es geht hier darum, ob sich die spontane nukleare Kettenreaktion einer Atombombe global in die Atmosphäre fortsetzen könne, und wie diese Annahme betrachtet werten müsse.
    „The tetonation of a fission or thurmonuclear bomb produces a high tomperature which will stimulate the reaction of atomle nuclei of the air with each other. If an ignition point exists and is surpassed, thermonuolear reaction may be propagated to all parts of the atmosphere.“

    Soweit die Einführung ins Thema....
    Der Schluss ist auch interessant:
    „However, the complexity of the argument and the absence of satisfactory experimental foundations makes further work on the subject highly desirable.“
    Es sei also so, dass das Thema sehr komplex sei, eine experimentelle Überprüfung nicht vorhanden, und weitere Arbeiten dazu dringend notwendig.

    Die mögliche Apokalypse jedenfalls wird sehr bald thematisiert.
    Hat der alte Hexenmeister....
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2016
  11. hatl

    hatl Premiummitglied

    Kann eine nukleare Bombe die Atmosphäre oder die Ozeane abfackeln?
    Ist das eine absurde Vorstellung, die einfach ausgeschlossen werden kann?
    Oder ist es so, dass diese Gefahr besteht?
    Und wer kann das beurteilen?

    In der zuletzt eingestellten Quelle, datiert April 1946 beschäftigen sich drei Physiker damit in ihrem LA-602 Report.
    Der Physiker Hans Bethe https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Bethe schreibt im „Bulletin of the Atomic Scientists“ vom Juni 1976 einen Beitrag der diese Zeit erinnert.
    https://books.google.de/books?id=Qg...#v=onepage&q=konopinski marvin teller&f=false
    Folgt man ihm, so wurde dieser Los-Alamos (LA-602) Report* fertiggestellt bevor die erste Atombombe (Trinity) gezündet wurde. Dieser „versicherte den Regierenden (the leaders) und Mitarbeitern in Los-Alamos (members of the project), dass keine Gefahr bestand, dass der Test die Welt entzünden werde (would set the atmosphere at fire)“.
    Der Report selber liest sich ein wenig anders.
    Nämlich: es sei recht unwahrscheinlich, allerdings nicht sicher.

    Die Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck schreibt in der „American Weekly“** 1959 nach einem Treffen mit Arthur Compton (das wär jetzt der dritte Nobelpreisträger, mei man hangelt sich ja so entlang) einen Artikel der offenkundig Beachtung findet und durchaus lesenswert ist, weil er mE sehr einfühlsam die Schwierigkeiten der Risikoabwägung vor dem Hintergrund ungeahnter technischer Möglichkeiten beschreibt.
    „The bomb – end of the world?“
    http://large.stanford.edu/courses/2015/ph241/chung1/docs/buck.pdf


    * Dieser LA-602 ist erst August 1946 in Umlauf gelangt und bis 1973 der Geheimhaltung unterworfen gewesen, so Bethe.
    ** Das ist wohl (1959) eine Wochenend-Beilage der Hearst-Verlagsgruppe zu anderen Zeitungen.


    Nachbemerkung:
    Mit früherer und gegenwärtiger Nuklear-Technik ist es nicht möglich den Planeten spontan abzufackeln.

    Die Verpuffung der Atmosphäre,
    das Explodieren der Meere,
    eine Schimäre!
    .. dass es doch immer so bliebe und immer so wäre.
     
  12. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Atombombe

    Hallo

    @hatl
    Ich glaub hier muß man bedenken, das trotz aller Nobellpreisträger und der tausenden Wissenschaftlern in Los-Alamos, die Nukleartechnik noch nicht hundertprozentig begriffen wurde, vor allem bei der H-Bombe. Die Mischungsverhältnisse der benötigeten Stoffe der H-Bombe bei dn Versuchen im Bikini-Atoll waren zuerst nur Raterei, weil man die genaue wirkung nicht prognotizieren konnte. Ähnlich bei den Russen , die größe je gezündete h-Bomeb (Zar Peter d. Gr.) sollte urspünglich noch größer werden , aber Sacharow war sich nicht sicher, wie diese Menge (es war ein bstimmtes Element) mit dem übrigen atomaren Teilchen reagierte, deshalb reduzierte er die Bombe (die Partei und das Mliitär wollten ursprünglich eine größer Bombe zünden) mit dem Ergebnis, das er trotzdem die größe je gezündete H-Bombe schuf und deren Wirkung ihn zum Pazifisten werden lies.

    mfg
    schwedenmann
     
  13. hatl

    hatl Premiummitglied

    Es handelt sich hier um den Castle Bravo Test im Februar 1954.
    Es ging darum die Möglichkeit einer Fusionsbombe experimentell nachzuweisen die sich des Feststoffs Lithium bedient. Damit konnte eine durch die Luft transportable Bombe erreichbar sein.
    (Wasserstoff selber war richtig schwierig handzuhaben. Vgl. Mike-Test)

    Also man nimmt eine herkömmlich Atombombe (Spaltungsbombe) als Zünder.
    Wenn man Lithium-6* mit ausreichend Neutronen der richtigen Geschwindigkeit beschießt, entstehen Tritium und Helium. Das Tritium verschmilzt dann in der Hitze zu Helium mit dem entsprechenden Massendefekt.
    Also hat man den Fusionsbrennstoff mit auf 30% angereichertem Lithium-6 bereitgestellt.
    Die restlichen 70% waren Lithium-7, das man für stabil hielt, also annahm, dass es an der Reaktion nicht beteiligt werden sei. Dem war nicht so. Das Lithium-7 wurde im Neutronenhagel zu Lithium-6 und damit zu Tritium (Wasserstoff-3) usw.
    Plötzlich hat man dreimal soviel Kernsprengstoff und der geht auch noch los.

    Dazu ein PBS-Interview mit Rhodes u. a..http://www.pbs.org/wnet/secrets/api/ajax/?template=ajax-printable&id=863
    „This particular fuel in this bomb was 30% lithium six, 70% lithium 7.
    What the scientists were not aware of was that lithium 7 would be stripped of one of its neutrons early in this reaction as it blew.
    And turn into lithium 6, at which point it would become bomb fuel.
    The weapon was designed to have a yield of 5 megatons.
    But because of this unknown reaction in lithium 7, it had a yield of 15 million tons of TNT equivalent.“

    Harold Agnew bemerkt in diesem Interview dazu trocken: „You have to realise, we were pretty ignorant in those days about cross sections. And that wasn’t thought of at all.“
    (Sie müssen wissen, dass wir bezüglich Wechselwirkungen damals recht unwissend waren und überhaupt nicht daran dachten.)

    Na, ja.. Mehr Sorgfalt wäre sicher angebracht gewesen.
    Aber man fährt ja ein Rennen auf der Straße der Vernichtungspotenz(en) gegen die UDSSR, die auf der Höhe des Machbaren ist.
    Und dabei steigen selbstverständlich Risikobereitschaft und Unfallwahrscheinlichkeit. Da liegt dann schon einmal eine Leiche am Wegesrand.
    Da ist es gut, wenn sie möglichst weit weg verwest.

    Grüße hatl.


    * Lithium-Isotop das natürlich zu 7,4% im Lithium vorhanden ist.
     
  14. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Die frühen Kernwaffentests hatten halt alle noch den Nachteil mangelnder Berechenbarkeit. Zum einen waren noch nicht alle Mechanismen verstanden, vor allem aber konnte vieles nicht im Model numerisch berechnet werden. Deshalb standen in Los Alamos von Anfang immer die mit leistungsfähigsten Computer.

    Allerdings: Der erste Computer dort (MANIAC I) konnte weniger als ein programmierbarer Taschenrechner aus den 70ern. Er war auch der Hauptrechner für Castle Bravo.
     
  15. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ein Atomteststopp war erst möglich als die Rechenkapazität ausreichend war um die Explosionen zu simulieren.
    So drängten in den Neunzigern plötzlich die USA auf einen internationalen Teststopp, einfach weil sie bei der Fähigkeit zur Simulation führend waren. Die Franzosen verweigerten sich zunächst, mit der Begründung dass sie noch ihre Software mit echten Tests verifizieren müssten. Politisch dagegen sah es natürlich so aus als seien diejenigen, die als erste auf Kernwaffentests verzichten die "Guten" ;)
     
  16. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Auf Kernwaffentests wollten die Militärs nie verzichten, hier war der politische Druck ausschlaggebend.
    Der Zeitpunkt des amerikanischen Vorschlags war natürlich politisch bedingt und zielte nach dem kalten Krieg auf eine Zementierung der Position als einzig verbliebene Supermacht.
     
  17. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke für den Hinweis auf MANIAC.
    Ich hab mal versucht der Spur zu folgen.
    Herbert L. Anderson Herbert L. Anderson | Atomic Heritage Foundation
    , erinnert sich 1986, als nun alter Mann mit 72 Jahren, an die Zeit in der der MANIAC entstand.
    http://dasher.wustl.edu/chem430/reading/jstatphys-43-731-86.pdf
    Andersen gehört zum Team in Los Alamos.

    Folgt man seinen Ausführungen, dann ersann (conceived) Nick Metropolis den MANIAC.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Metropolis
    Der „Nick“ war Mitglied der Gruppe die Rechenaufgaben in Los Alamos organisierte.

    Wie Du schon richtig sagst, es waren hierfür die Mittel rar. Die hatten ja nicht einmal einen Taschenrechner. :)
    Andersen erinnert sich, dass er mit seinem Rechenschieber mit Fermi um die Wette rechnete.
    Letzterer hatte eine "Brunsviga" Ende der 30er aus Italien mitgebracht, und kurbelte mit hohem Geschick gegen den Rechenschieber an.
    https://upload.wikimedia.org/wikipe...er.jpg/1280px-Brunsviga_4-Spezies-Rechner.jpg

    Danach, wir sind im Jahr 1943, setzt sich in Los Alamos die "Merchant" durch. Keine Hand-Kurbel, sondern Elektromotor, aber mechanisches Rechenwerk. Das Ding ist schneller.
    Es wird gerechnet Tag und Nacht...( was nächtens mindestens auf Fermi zutrifft, denn dieser leidet unter Schlafstörungen.)
    Jetzt gehen die Dinger häufig kaputt, weil sie dauernd benutzt werden.
    Nachdem aber eine „Nützlichkeit“ einer künftigen Atombombe immer offenkundiger wird,
    und die Herstellerfirmen der mechanischen Rechenmaschinen sich nicht in der Lage sehen zeitnah die entsprechenden Reparaturen durchzuführen,
    bildet sich in Los Alamos eine Gruppe, die sich auf schnelle Instandsetzung dieser Rechenhilfen spezialisiert.
    Der Kopf ist Nick. Er wird den MANIAC entwerfen.
    Und so schaut das 'Viech', wie man in Bayern sagt, aus:
    http://archive.computerhistory.org/resources/still-image/Aiken-Howard/maniac.102638077.lg.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2016
    1 Person gefällt das.
  18. hatl

    hatl Premiummitglied

    Nuklearer Winter..(nochmal)

    ......
    Der Begriff ist insofern ein geschichtlicher, als er Geschichte hat.
    Mei, das hört sich jetzt trivial an, und ist es auch.
    Es ist nämlich so, dass er, der Begriff, in einer Zeit entstand als die Welt durchaus noch, mindestens in kultureller und organisatorischer Hinsicht, eine andere Gestalt hatte als heute.
    (Bei der Gelegenheit scheint mir ein Hinweis auf die fortschreitende zeitliche Verdichtung von Geschichte erwähnenswert.)

    Die Vorstellung, die sich mit dem Nuklearen Winter in ihrer Entstehung verbindet, besteht darin, dass ein nuklearer Schlagabtausch zwischen einzelnen Widersachern, sofern diese über Arsenale von Nuklearwaffen verfügten, auch unbeteiligte Regionen, ja sogar den gesamten Planeten, negativ beeinflussen könnten, oder müssten.
    Und dies mit einer ausreichenden Wirksamkeit um ein globales Massensterben, auch anderer vorhandenen Lebensformen, zu bewirken.
    Das ist die Kernthese.

    Der Gedanke tritt spätestens in den frühen 1980ern auf.
    1982 Crutzen und Birks, 1983 medienwirksam TTAPS. Letztere Gruppe verankert den Begriff „Nuklearer Winter“ in die allgemeine Wahrnehmung. Hier ist die Rolle von Carl Sagan hervorzuheben. Sagan ist nicht nur ein geachteter Wissenschaftler, sondern auch ein PR-Talent, und noch schillernder ist sein russisches Gegenstück der wissenschaftlichen Forschung, Vladimir Aleksandrov.
    A Scientific Thaw During the Cold War | Pulitzer Center

    In diesem Zusammenhang stellt sich bei dem Thema „Kalter Krieg und nukleare Strategie“ unvermeidlich die Frage: ob dieses Szenario einen wesentlichen Einfluss auf die Entscheider der politischen Machtbühnen hatte.
    (Das Szenario selbst durfte ja bezweifelt werden. Immerhin war keine experimentelle Überprüfung der These vorhanden (wie auch ohne nuklearen Schlagabtausch?) und das physikalische Experiment steht offenkundig bis heute aus.)

    Eine bereits verlinkte Studie der CIA von 1984 beschäftigt mit der Frage, wie die Einschätzung hierzu auf sovietischer Seite sei, und ob es Anzeichen einer entsprechenden Strategieänderung gäbe.
    Hervorgehoben wird: zwar werde in vorhandenen sovietischen Publikationen die Gefahr noch intensiver benannt, indes seien keine erheblichen Anzeichen für eine daraus folgende Veränderung der militärischen Ausrichtung erkennbar.
    Vielmehr sei eher von einer propagandistischen Kampagne auszugehen, welche das Ziel habe die Nachteile der eigenen technologischen Unterlegenheit abzumildern.
    https://www.cia.gov/library/readingroom/docs/DOC_0000284025.pdf

    Dabei wäre es interessant herauszufinden, ob sich derartige Überlegungen hier etwa im Forschungsbudget niederschlugen.
    Immerhin für die amerikanische Seite findet sich 1986 eine Quelle mit exakten Zahlen.
    Es handelt sich hier um eine Art amerikanischer „Bundesrechnunghof“.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Comptroller_General_of_the_United_States.
    Also um eine Behörde deren Aufgabe es ist Ausgaben der öffentlichen Hand zu überprüfen und transparent zu gestalten.

    Charles Bowsher | The University of Chicago Booth School of Business
    „U.S. research is now trying to reduce these uncertainties [die These Nukleare Winter, Anmerkung durch mich]. Approximately $3.6 million was devoted to nuclear winter studies in fiscal year
    1986, principally through the Departments of Defense and Energy and
    the National Science Foundation. Fiscal year 1986 funding will be $6.6
    million, and the research will be guided by an interagency plan developed at the request of the President’s Science Advisor.'“
    http://archive.gao.gov/d13t3/129445.pdf

    Wie war das gleich? Es ist ja nicht einfach hier eine sinnvolle Aussage zu erkennen.
    Oder bin ich grad ein bisserl blöd?
    Aber angenommen, der Chef des amerikanischen „Bundesrechnungshofes“ schreibt nicht grad einen Unsinn,
    so waren es wohl nur ein paar Millionen Dollar an Ausgaben für die Erhellung eines Aspekts, der ja strategisch nicht weniger bedeutsam sein konnte, als etwa der Bau eines Flugzeugträgers, dessen Preis bereits zu dieser Zeit das rund tausendfache der angegebenen 'Anstrengungen' betrug.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nimitz-Klasse

    Kurz gesagt: Zumindest auf amerikanischer Seite fand im betrachteten Zeitraum keine angemessene strategische Würdigung der Gefahr durch den „Nuklearen Winter“ statt, und es darf bezweifelt werden, dass die damalige Gegenseite eine solche in der praktischen Handlungsweise wahrnahm.

    (Spannend bleibt die Frage wie so etwas geht,
    und ob Aleksandrov, Crutze, Birks und Sagan durch jüngere Forschung bestätigt wurden.)


    ich hab mich schon gefragt in welchem Thread (Atombombe, Kalter Krieg, .. oder gar Kolumne in Smalltalk) das am besten aufgehoben wäre;
    ... und mach halt hier weiter, weil es viele Leser hat, wofür ich mich bedanke.

    hatl
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. August 2016
  19. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Der Name erinnert mich an ein neueres Buch, worin er eine Rolle spielt:
    Lawrence Badash: A Nuclear Winter’s Tale. Science and Politics in the 1980s. Cambridge: MIT 2009.
    Kann mich leider nicht an Details erinnern, aber vielleicht kennst Du es ja auch.
     
  20. hatl

    hatl Premiummitglied

    Nein, kenne ich leider nicht.

    Grüße hatl
     

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