Luftkrieg: Atombombenabwurf auf Hiroshima - warum dort?

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von naty, 6. Juni 2010.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Also mal abegsehen, von den Hintergründen der Ergeignisse, die Petra 44 in einem Zuge nennt, kann ich hier keinen Vergleich erkennen. Maximal eine Aufzählung, in die jeder etwas anderes interpretiert, da halt nur diese Ergeignisse von ihr genannt wurden.

    Die USA vertrat halt die These, warum sollen noch weitere US-amerikanische Soldaten sterben, was doch eigendlich sinnvoll erscheint, wenn man hier als Vergleich das verheizen sowjetischer Soldaten gegenüber stellt.
    In jedem Fall hat die Zivilbevölkerung in den umkämpften Gebieten gelitten und ihre Opfer gebracht, wobei ein anonymer Bombenabwurf dazuführt, das Leid des Krieges einseitig zu verbreiten.

    Gab es eigentlich Planungen der US-Amerikanern, die Atombomben auch über Deutschland einzusetzen, oder ist das eine von diesen Geschichten...?
     
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  2. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Nein, keine Geschichte.
    Die Entwicklung der Bombe wurde vor allem deshalb so vehement forciert weil man große Angst vor den deutschen Wissenschaftlern hatte, die vor dem Krieg auf diesem Gebiet führend waren.
    Vor allem Heisenberg hatte eine Ruf wie Donnerhall, es waren nicht zuletzt die Exilanten aus Europa, wie z.B. Leo Szilard und Edward Teller, die sehr genau wussten daß Deutschland sowohl das Know-how als auch die Resourcen hatte um den Amerikanern zuvorzukommen.

    Nur der schnelle Zusammenbruch '45 hat Deutschland wohl vor dem Einsatz bewahrt.
     
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Im Jahr 1943 waren sich die Briten sicher, dass Deutschland keine A-Bombe bauen kann.

    Und im Jahr 1944 waren sich die Amerikaner auch sicher.

    Die amerikanischen A-Bomben waren demnach keine Abschreckungswaffen gegen einen potentiellen Einsatz durch Hitler, sondern zielten in der politischen und militärischen Wirkung über den WW2 hinaus.
     
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ganz genau.

    Die Wirkung der A-Bomben bzgl. Kriegsausgang wurden übrigens in den USSBS 1947 gering eingeschätzt. Die Einschätzungen der Airforce gingen mit gewisser Wahrscheinlichkeit von der Kapitulation vor dem 1.11.1945, mit Sicherheit vor dem Jahresende 1945 aus.

    Hier ist allerdings eine wichtige Prämisse eingestreut: die USAAF hatte die Wucht der Bombardierungen 1945 permanent gesteigert, und man ging auch für die Phase August-November von einer weiteren Eskalation im Bombenkrieg aus. Ca. 40% der 66 größten japanischen Städte waren bereits zerstört, mit vor den A-Bomben bereits knapp 900.000 Toten und einer Millionenzahl an Verletzten (eine größere Auswirkung als bei den Angriffen auf deutsche Städte, was auch auf die Siedlungsdichte und Bauweise sowie Luftschutz zurückzuführen war).

    Der weiter intensivierte Bombenkrieg bis November 1945 - nach Planungsstand August 1945, wenn man die günstige Prognose für das Kriegsende zugrunde legt - hätte ähnliche oder höhere Opferzahlen bewirkt.

    Die USSBS erwähnen übrigens auch, dass beide Bombentypen (Gun-Design/Uran und Implosions-Design/Plutonium) unabhängig von den Auswirkungen auf den Kriegsverlauf verwendet werden sollten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2010
  5. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Diesem Aufruf möchte ich mich anschließen.
    Ich finde es sehr traurig wie schnell , angeblich gebildete Menschen, solche haltlosen Behauptungen und Unterstellungen postulieren.

    Zurück zum Thema:
    Schaut man sich den Kriegsverlauf am Ende des 2. WK an so kann man m.E. den Abwurf der A-Bombe unter Innen- und Außenpolitischen Gesichtspunkten nachvollziehen.
    1. Schon während der Potsdamer Konferenz zeichnet sich ab, dass sich nach dem Zusammenbruch von Nazideutschland sich 2 Machtblöcke herausbildeten, die USA und UDSSR.
    2. Die USA wollte mit dem Abwurf mglw. ihren Führungsanspruch innerhalb der Weltgemeinschaft deutlich unterstreichen und natürlich auch den "Russen" ein Zeichen ihrer Überlegenheit senden.
    3. Die USA haben einen sehr hohen Blutzoll während des 2.WK sowohl in Europa und auch im asiatischen Raum bezahlt. Man wollte innenpolitisch der Bevölkerung entgegenkommen und demonstrieren, dass man den Krieg gegen Japan auch ohne weitere Verluste an Soldaten zu Ende bringen kann.
    4. Wie hier schon verschiedentlich dargelegt wurde, war der militärische Nutzen des Abwurfes der A-Bombe im Vergleich mit konventioneller Kriegsführung eher geringer.
    Vgl. u.A. http://www.geschichtsforum.de/501021-post19.html
    http://www.geschichtsforum.de/501160-post44.html
    Der psychologische Effekt dagegen war außerordentlich stark.


    Ich sehe nicht das die Aussage auf die dich beziehst Anti-Amerikanisch oder Anti-Zionistisch sein soll.
    Ich sehe hierbei viel mehr ein Geschichtsbewusstsein, dass vor allem durch die "Schuldfrage" hier in Deutschland geprägt wurde.
    Wenn man als Deutscher sich mit einem solchen heiklen Thema beschäftigt, wird man nun mal und das ist auch gut so mit der eignen Geschichte konfrontiert, das soll aber doch heute nicht mehr bedeuten, dass man nicht auch Stellung zu Kriegsverbrechen der Allierten beziehen darf, und für mich ganz pers. ist der Abwurf der A-Bomben ein solches Kriegsverbrechen, es richtete sich nicht auf militärische Einrichtungen, Verbände sondern direkt gegen die Zivilbevölkerung.
     
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  6. kwschaefer

    kwschaefer Aktives Mitglied

    Eine ausgezeichnete Auswahl von Primärquellen zu den hier behandelten Themen ist zu finden unter

    The Atomic Bomb and the End of World War II: A Collection of Primary Sources

    Ich denke, die Lektüre der einzelnen Dokumente zeigt, wie schwierig und gewunden der Weg bis zur Entscheidung über den Einsatz der Bombe war, welche militärischen und politischen Optionen erwogen wurden und welche politischen Ziele man für die Nachkriegszeit im Auge hatte.
     
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  7. naty

    naty Neues Mitglied

    Atombombenabwurf

    Hallo zusammen

    Ich habe eine Frage: Warum wurden die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen und nicht an einem anderen Ort? Hatte Hiroshima eine besondere Bedeutung?

    Danke für eure Antwort.

    Grüsse

    Naty
     
  8. naty

    naty Neues Mitglied

    Ist dies die Antwort:

    Hiroshima war bis dahin als eine der wenigen japanischen Großstädte von Bombardierungen verschont geblieben. Es war Sitz des Hauptquartiers der 2. Armee unter Feldmarschall Hata Shunroku, das für die Verteidigung Südjapans zuständig war. Es war daher Truppensammelpunkt und diente zur Lagerung kriegswichtiger Güter. Doch die meisten der ca. 255.000 Einwohner waren Zivilisten, davon zehn Prozent koreanische sowie chinesische Zwangsarbeiter.
    Spaatz hielt Hiroshima für das am besten geeignete Ziel, da es als einzige der Städte, die zur Auswahl standen, keine Kriegsgefangenenlager hatte. Nur einige amerika
    Hiroshima war bis dahin als eine der wenigen japanischen Großstädte von Bombardierungen verschont geblieben. Es war Sitz des Hauptquartiers der 2. Armee unter Feldmarschall Hata Shunroku, das für die Verteidigung Südjapans zuständig war. Es war daher Truppensammelpunkt und diente zur Lagerung kriegswichtiger Güter. Doch die meisten der ca. 255.000 Einwohner waren Zivilisten, davon zehn Prozent koreanische sowie chinesische Zwangsarbeiter.
    Spaatz hielt Hiroshima für das am besten geeignete Ziel, da es als einzige der Städte, die zur Auswahl standen, keine Kriegsgefangenenlager hatte. Nur einige amerikanische Kriegsgefangene und rund ein Dutzend Deutsche befanden sich dort. Die Annahme, die Japaner würden Kriegsgefangene als menschliche Schutzschilde in die Stadt verlegen, war auch der Grund, dass man jede konkrete Vorwarnung unterließ.[14]
    Hiroshima bestand bis auf einige Betonbauten im Zentrum aus Holzbauten. Die US-Militärs rechneten daher mit einem Feuersturm. Industrieanlagen in den Außenbezirken der Stadt sollten dadurch ebenfalls zerstört werden.nische Kriegsgefangene und rund ein Dutzend Deutsche befanden sich dort. Die Annahme, die Japaner würden Kriegsgefangene als menschliche Schutzschilde in die Stadt verlegen, war auch der Grund, dass man jede konkrete Vorwarnung unterließ.[14]
    Hiroshima bestand bis auf einige Betonbauten im Zentrum aus Holzbauten. Die US-Militärs rechneten daher mit einem Feuersturm. Industrieanlagen in den Außenbezirken der Stadt sollten dadurch ebenfalls zerstört werden.
     
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  9. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Aus dem Wiki-Artikel:

    Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ? Wikipedia
     
  10. naty

    naty Neues Mitglied

    Danke Ursi!

    Könntest du mir aber bitte diesen Satz erklären:

    Die Annahme, die Japaner würden Kriegsgefangene als menschliche Schutzschilde in die Stadt verlegen, war auch der Grund, dass man jede konkrete Vorwarnung unterließ.

    Heisst es, dass die Amerikaner keine ihrer Landsleute töten wollten, die in den Gefängnissen waren?
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  12. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    War entweder Hiroshima oder Nagasaki nicht ursprünglich ein Ersatzziel, dass nur angeflogen wurde, weil das eigentliche Primärziel aus irgendwelchen Gründen nicht erreicht werden konnte (Schlechtes Wetter o.ä.)? Hab das irgendwie im Kopf, finde dazu aber nichts im Netz.

    Ich bin zwar nicht ursi, würde den Satz aber genau so interpretieren; wenn es sich vermeiden lässt ist es ziemlich schlecht für die Moral, die eigenen Soldaten massenweise niederzubomben.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das betraf wetterbedingt Nagasaki.
    "Bei der Ankunft lag Kokura unter einer dichten Wolkendecke; bei drei Anflügen war die Sicht stark behindert, so dass Sweeney den Angriff abbrach. Er durfte die Bombe nur nach Sicht abwerfen, da er die Rüstungsbetriebe treffen sollte. Da dies nicht möglich war und das Flugbenzin zur Neige ging, flog er das Ausweichziel Nagasaki an."
    Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ? Wikipedia

    Hiroshima war von Beginn an ein primäres Ziel. Der Hinweis auf Kriegsgefangenenlager stammt von Spaatz, wie auch aus den von kwschaefer verlinkten Dokumenten hervor geht.
     
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  14. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Die Möglichkeit einer Vorwarnung hat man, nach meinem Kenntnisstand, wieder verworfen, da die erste Bombe (Little Boy) in dieser Form nicht getestet wurde.
    Bei dem vorangegangenen Trinity-Test im Zuge des Manhattan Projects ist keine Bombe abgeworfen worden. Darin lag eine große Unsicherheit: Funktioniert der Zünder beim Abwurf?

    Aufgrund dieser Unsicherheit wollte man beim Gegner keine große Ankündigung machen. Ohne Vorwarnung waren die Folgen eines Scheiterns der Mission nicht so folgenreich, sprich "peinlich".

    Gruß
    Andreas
     
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  15. mhorgran

    mhorgran Gesperrt

    Die Sichtweise das die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki eine US-Landungsoperation unnötig machte und die Opfer durch die Landung beiden Ländern ersparte ist falsch.

    Einfacher Grund.
    Es gab für die USA keinen Grund zu landen.

    Japan hatte den Krieg bereits verloren, eine Abriegelung (Blockade der Häfen) wäre ebenso möglich gewesen. Die dafür benötigen Mittel, US-Marine und US-Luftwaffe, war in absolut ausreichender Zahl vorhanden und eine Blockade hätte eher über kurz als über lang eine japanische Kapitulation nach sich gezogen.
    Dazu gab es auf japanischer Seite bereits starke Überlegungen diesen Schritt zu vollziehen. EINZIGER Grund warum die japanische Führung diesen noch nicht durchgeführt hatte war die US-Forderung nach Absetzung des japanischen Kaisertums und die vor Gericht Stellung des Tennos.
    Diese Forderung wurde allerdings, seltsamerweise möchte man hinzufügen, nach den Atombombenabwürfen gestrichen.

    Der Grund für die Abwürfe lagen ALLEINE im politischen Spektrum. Man wollte der aufstrebenen Sowjetunion zeigen welch mächtige Waffe die USA hatte. Also schon ein erster Schritt in den Kalten Krieg.

    Nun, nur wenn man den seit Mitte der 30Jahre laufende Wirtschaftskrieg ignoriert kann man zu diesem Schluß kommen.
    siehe oben.

    Im übrigen sollte man nicht vergessen das es VOR den Atombombenabwürfen Überlegungen und Vorschläge gab eine Atombombe auf einer unbewohnten Insel zu zünden. Und DAZU Vertreter Japans einzuladen. Sozusagen um die Terrorwirkung der Bombe zu demonstrieren. Warum ist die US-Führung nicht darauf eingegangen?
    Man wollte die Atombombenwirkung auf lebende Objekte testen. Das kann man an der Tatsache klar erkennen das in beiden japanischen Städten nach der Kapitulation haufenweise US-Wissenschafter herumliefen. Aber weniger um der Bevölkerung zu helfen sondern um Forschungsergebnisse zu erhalten.
    ---------
    unglaublicher Unfug.
    ----------
    Im übrigen gab es auch nach den beiden Atombombenabwürfen den Einsatz von Atomwaffen, allerdings niederschwelliger aber im Endeffekt ebenso giftig. Die Panzerbrechenden Geschosse, welche zb. Panzer aus Nato- und GUS-Staaten, nutzen sind aus Uran. Beim Auf- und Durchschlag bildet sich feinster Uranstab der hochgiftig ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juni 2010
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  16. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    An solchen Entscheidungen wirken immer eine Vielzahl an Personen mit, die unterschiedliche Interessen und Vorstellungen haben! Somit gibt es auch immer eine Vielzahl an Gründen für eine Entscheidung (auch wenn die Wichtung der einzelnen Gründe unterschiedlich ist)!


    Mit diesen Schwarz-Weiß-Malereien springt man immer zu kurz! :mad:
     
  17. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wo sind deine Quellen?
     
  18. Ginger

    Ginger Gesperrt

    Der Spiegel veröffentlichte 2005 diesen Text zu diesem Themenkomplex:

     
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  19. mhorgran

    mhorgran Gesperrt

    @ursi
    Nun denn - für "alles"

    US-Landung in Japan nicht nötig.
    das ergibt sich a.) aus der operativen und strategischen Gegenüberstellung der beiden Länder.
    b.) Damit muß festgehalten werden, die USA war 1945 Japan in ALLEN Bereichen grenzenlos (darf man so sagen) überlegen.
    c.) Die USA beherrschte damit Japan in der Luft und im Wasser. An Land (Japan) natürlich nicht aber durch die Luftwaffe und Trägerflugzeuge konnte jeder Raum Japans erreicht werden.


    +
    zb
    TP: Die US-Legende über Hiroshima und Nagasaki
    TP: Nach Hiroshima blieb ein Lernprozess der Zivilisation aus

    zb. Junker Detlef; "Der unteilbare Weltmarkt"

    niederschwelliger Atomwaffeneinsatz
    zb
    Uranmunition ? Wikipedia
    TP: Folgen der Uranentsorgung durch Waffen
    Wahrheitswikiortal/Uranmunition ? Wahrheitswiki


    ansonsten müßte ich noch eine Literaturliste reinstellen.

    @silesia
    Der Wirtschaftskrieg begann ja schon vorher. Japan benötigte für seine wachsende Bevölkerung und Industrie Absatzgebiete. Die USA schottete aber seine eigene Region (inkl. Phillipinen) diesen japanischen Exporten aber immer mehr ab. Zwar willigte Japan immer wieder in solche Verträge ein, aber auch nur zwangsweise, denn sonst wären die Märkte vollkommen geschlossen worden (sinngemäß nach Junker).


    *MOD: Beiträge zu den wirtschaftlichen Beziehungen USA-Japan 1930/1941 hierher vorschoben:
    http://www.geschichtsforum.de/f67/usa-und-japan-1919-bis-1941-a-32396/
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Juni 2010
  20. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Danke für die Links und Infos. Eine Literaturliste ist nicht nötig.
     

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